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Hinter den Kulissen des Flughafens München: Die höchsten Instanzen

Startendes Flugzeug, Foto: Flughafen München

Die höchsten Instanzen

Wer sorgt eigentlich dafür, dass die Starts und Landungen am Münchner Flughafen so reibungslos ablaufen? Die höchsten Instanzen, hoch oben im 78 Meter hohen Tower des Münchner Flughafens. Dort geleiten Lotsen und Vorfeldkontrolleure bis zu 90 Flugzeuge pro Stunde zwischen Himmel und Erde, während ein Wetterbeobachter Wind und Sicht prüft. Ihr höchstes Gebot? Sicherheit! Einblicke in echte Spitzenjobs.

Fast wie ein Videospiel - nur real

Der Erste muss zügig runterkommen, der Zweite zügig raufgehen und der Dritte beim Landeanflug sein Tempo reduzieren: Dann ist wieder eine Runde geschafft im Job eines Lotsen. Durchatmen. Gut 70 Meter über dem Flughafen stellen die Towerlotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) sicher, dass sich die Nummern auf ihren Radarmonitoren nie zu nahe kommen. Genau wie bei Pacman! Oder? Nicht ganz: Anders als im Videospiel symbolisieren die Nummern reale, unterschiedlich schnelle Objekte: startende, landende, rollende Flugzeuge.

Codewort "Alfa" und "November Four"

Tower am Münchner Flughafen, Foto: Flughafen München

Und anders als im Spiel können die Lotsen nichts per Joystick steuern. Stattdessen nutzen sie die Flugplan-, Wetter- und Radarinformationen auf den Bildschirmen und vor allem ihre Augen, ihr Vorstellungsvermögen und natürlich ihre Stimme. Meist sprechen mehrere Lotsen gleichzeitig, aber es  ist es weder laut noch hektisch im obersten Stockwerk des Towers. Erst wenn man näher kommt, hört man ihre Worte – und versteht als Laie doch nur Bahnhof: "November Four" bezeichnet eine der nördlichen Brücken zwischen Vorfeld und Bahn, "Alfa" und "Bravo" stehen für Zu- und Abrollwege zur Start- und Landebahn.
Konzentrierte Ruhe, das Nato-Alphabet und andere Fachsprachen: So sieht der Alltag im 78 Meter hohen Tower des Flughafens München aus. Das gilt auch für die Wetterbeobachtung auf Ebene 92. Dort arbeiten Wettertechniker des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Auf ihren Bildschirmen flimmert eine andere Fachsprache: Daten von 32 Sensoren, die rund um den Flughafen Windstärke, Wolkenbedeckung, Sichtweite und andere flugrelevante Wetterdaten sammeln.

Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen

Rollfeld, Foto: Flughafen München

Im Tower sitzen sie zwischen Flugsicherung und flughafeneigener Vorfeldkontrolle. Deren Mitarbeiter begegnen sich im normalen Arbeitsalltag nicht und arbeiten doch permanent Hand in Hand. Bevor ein Pilot Münchner Boden verlässt, hatte er mindestens vier Tower-Insassen am Ohr. Zuerst einen Platzkoordinator der DFS: Er überprüft, ob die Maschine Bestandteil des Flugplans ist und die geplante Abflugzeit noch gilt, bevor er die Strecke freigibt und das Flugzeug die Triebwerke anlassen darf. Dann wechselt der Pilot die Frequenz, so dass seine Stimme gut zehn Meter tiefer aus den Lautsprechern der Vorfeldkontrolle erklingt.

Hier, auf Ebene 90, regeln zwei Mitarbeiter den Verkehr auf den westlichen Vorfeldern. Der Pilot, der zuvor mit dem Platzkoordinator gesprochen hat und nun die Abstellposition verlassen wil, ruft "Ready for Pushback". Parallel dazu wollen zwei weitere Flugzeuge eine Freigabe.

Konzentration und Koordination

Flugzeug auf dem Rollfeld, Foto: Flughafen München

Jetzt ist höchste Konzentration gefragt. Die eine Maschine muss zur südlichen Startbahn, eine daneben zur nördlichen, während ein gerade gelandetes Flugzeug Richtung Terminalgebäude rollt. Blitzschnell muss der Vorfeldkontrolleur entscheiden, in welcher Reihenfolge und auf welchen Wegen er die Maschinen dirigiert, denn: "Der Flugbetrieb soll nicht nur sicher, sondern auch geordnet und zügig sein", erklärt Jens Bartels, Referent der Vorfeldkontrolle. Sobald der Pilot eine der Brücken zum Rollfeld erreicht hat, wechselt er erneut die Frequenz. Er gelangt zurück zur DFS und gerät an einen Kollegen, der einen anderen vertritt – alle zwei Stunden muss man in die vorgeschriebene Pause.

Er übernimmt die Position des sogenannten Rolllotsen, der das Flugzeug über die Zurollwege zur Startbahn geleitet. "You are number two behind an Embraer Jet", erklärt er dem Piloten die Startreihen- folge, die nicht einfach davon abhängt, wer am längsten wartet. Entscheidend sind etwa die Sicht, der nächste Anflug und wie schnell eine Maschine starten kann. Hinzu kommt, dass zwei Flugzeuge mit gleicher Route mehr Abstand halten müssen – so dass es sinnvoll sein kann, ein anderes dazwischen zu schieben. "Unser Ziel ist es, den Verkehr schnellstmöglich in die Luft zu bekommen", heißt es.

Den Piloten von eben hat er inzwischen an die nächste Frequenz übergegeben: zur Platzlotsin, die links neben ihm sitzt und den Start- und Landeverkehr steuert. Mit "Cleared for immediate takeoff" fordert sie den Kapitän zum sofortigen Abflug auf – denn die nächste Landung steht kurz bevor. Rund 18 Kilometer vor dem Flughafen hatte sie die anfliegende Maschine begrüßt, Windrichtung und –stärke mitgeteilt und eine reduzierte Anfluggeschwindigkeit angewiesen. Mit diesem Tempo fügt sich der Neuankömmling gleich nahtlos in das große Pacman-Szenario ein - an dem hier in München täglich mehr als 1.000 Flugobjekte teilnehmen.

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