SWM stellen ihr Fernkältenetz für München vor

Natürliche Kühlung aus dem Münchner Untergrund: Im Stachus-Untergeschoss stellten Dr. Florian Bieberbach (rechts), Vorsitzender der SWM Geschäftsführung sowie Helge-Uve Braun, Geschäftsführer Technik, die innovative und umweltfreundliche Technologie vor.

Vom Stachus aus wird München mit natürlicher Kälte beliefert

(12.5.2017) Neben der Fernwärme schlummert noch eine weitere natürliche Energiequelle in Münchens Boden. Heute haben die Stadtwerke München (SWM) am Stachus den aktuellen Stand ihres Fernkälte-Projekts vorgestellt. Die natürliche Kälte von Grundwasser und Stadtbächen soll helfen, konventionelle Klimaanlagen zu ersetzen. Gesteuert wird das Netz von der Kältezentrale Stachus aus.

Fernkälte soll hohem Stromverbrauch durch Klimaanlagen entgegenwirken

SWM-Fernkältenetz, Foto: muenchen.de / Immanuel Rahman
Foto: muenchen.de / Immanuel Rahman In der Zentrale am Stachus wird die Wassertemperatur ständig überwacht

Mehr als 24 Kilometer Fernkälteleitungen haben die SWM seit 2011 im Münchner Untergrund verlegt - das meiste davon natürlich in der Innenstadt. Die Zentrale des Fernkältenetzes befindet sich unterhalb des Stachusbauwerks. Der Grund, warum man die natürliche Kälte von Grundwasser und Stadtbächen ins Netz einspeist, ist einleuchtend: In der wachsenden Stadt nähert sich der Stromverbrauch im Sommer mittlerweile dem im Winter an - besonders durch den zunehmenden Einsatz von Klimaanlagen. Dabei spielen auch Entwicklungen beim Wetter mit mehreren extrem heißen Sommern in den letzten Jahren eine Rolle.

Die Nutzung von Fernkälte als natürliche und umweltfreundliche Energiequelle ist dabei ein wichtiger Bestandteil der Ausbauoffensive Erneuerbare Energien der SWM. Bis 2025 wollen sie so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, wie München verbraucht - und bald wird in dieser Hinsicht bereits die 50-Prozent-Marke geknackt.

Wie Fernkälte gewonnen und genutzt wird

Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung, Foto: muenchen.de / Immanuel Rahman
Foto: muenchen.de / Immanuel Rahman Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung

Doch wie wird Fernkälte überhaupt gewonnen? Im Prinzip wird Wasser zentral abgekühlt und über eine Rohrleitung an die Kunden geliefert. Dort nimmt es Abwärme aus der Gebäudeklimatisierung auf. Eine zweite, parallel verlaufende Leitung führt das Wasser zurück, kühlt es wieder ab und stellt es den Kunden erneut zur Verfügung. Zur Kälteerzeugung nutzen die SWM auch Grundwasser und unterirdisch verlaufende Stadtbäche. Bei der Fernkälte handelt es sich um ein geschlossenes System - es findet also kein Wasseraustausch mit Bächen oder Grundwasser statt.

Dr. Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung, freut sich, dass mit der Fernkälte eine Stromersparnis von rund 70 Prozent gegenüber individueller Maschinenkälte möglich ist: "Experten rechnen allein im Münchner Innenstadtbereich mit seinen vielen Büro-, Gewerbe- und Einzelhandels-Immobilien mit einem Kältepotenzial von mindestens 150 Megawatt. Mit M-Fernkälte kann die dafür benötigte Energie wesentlich klimaverträglicher zur Verfügung gestellt werden." Schätzungsweise werden so rund 25.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Grafik M-Fernkälte: So funktioniert die Kälteversorgung der SWM

Grafik M-Fernkälte: Münchens klimafreundliche Kälteversorgung, Foto: SWM
Foto: SWM Die Stadtwerke bieten mit der M-Fernkälte eine klimafreundliche Kälteversorgung.

Weitere Ausbaupläne für das Fernkältenetz

Der Ausbau des Fernkältenetzes geht übrigens ständig weiter. Derzeit wird vor allem zwischen Odeonsplatz und Tal gearbeitet. Bis März 2018 schließen die SWM in diesem Bereich weitere Gebäude im Münchner Zentrum ans Netz an - sie nutzen dazu die wegen der 2. S-Bahnstammstrecke nötigen Umbauarbeiten am Marienhof. Zudem geht noch in diesem Jahr eine zweite Kältezentrale unter der Herzogspitalstraße in Betrieb. Und 2018 soll dann am Odeonsplatz die dritte unterirdische Fernkälteerzeugungsanlage den Betrieb aufnehmen - sie wird den unter dem Odeonsplatz verlaufenden Stadtgrabenbach zur Kälteerzeugung nutzen.

Mehr Aktuelles aus München

Top