Nockherberg 2019: So schlug sich Maxi Schafroth als Fastenprediger

Maximilian Schafroth hält beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg die Fastenpredigt., Foto: picture alliance/Tobias Hase/dpa
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Allgäuer Kabarettist feierte Debüt beim Starkbieranstich

(12.3.2019) Jahr eins auf dem Nockherberg nach Luise Kinseher als Mama Bavaria - und dann kommt gleich ein Allgäuer: Kabarettist Maxi Schafroth übernahm die Fastenpredigt beim Starkbieranstich - und frotzelte was das Zeug hält. Das anschließende Singspiel war eine bunte Gaudi mit einigen deftigen Seitenhieben in Richtung Bundespolitik.

Bilder: Das war beim Starkbieranstich 2019 los

"Das Land regiert die CSU ... und der Aiwanger, der schaut zu"

Maximilian Schafroth (3.v.r.) und weitere Darsteller stehen bei der Fastenpredigt beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg auf der Bühne., Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle 2019
Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle 2019

"Wahnsinn, Wahnsinn, eine Ehre - es hat lange gedauert, bis das möglich war", grinste Maxi Schafroth nachdem er die Bühne beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg geentert hatte. Und schlug sich gleich auf die Seite der CSU: "Markus, Du hattest die Rede vorher zur Korrektur aufm dem Tisch", frotzelte der Kabarettist. Dann gab es allgäutypisch gleich ein Gstanzl zum "Bayerischen Gleichgewicht" - unterstützt an der Gitarre vom "unehelichen Sohn von Hubert Aiwanger": "Das Land regiert die CSU ... und der Aiwanger, der schaut zu", so die Gstanzl-Pointe - für die es gleich einen dicken Lacher im Saal gab.

Sein Fett bei der Politiker-Begrüßung bekam unter anderem Verkehrsminister Andreas Scheuer ab: "Du spielst jeden Tag einen Audi-Mitarbeiter, der tut, als wär' er Verkehrsminister." Dass Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer dem Starkbieranstich abgesagt hatte, kommentierte Maxi Schafroth so: "Lieber Horst, ich weiß, Du schaust grad zu - zu Hause mit Deinem Oettinger Dosenbier".

Und so ging's im Eiltempo weiter - Schafroths Rede hatte mit Fastenpredigt nicht viel zu tun: Eher mit einem verschmitzten und pointenreichen Dauer-Feuerwerk - bei dem der Kabarettist von einem Politiker zum anderen flog. So bekam Dietmar Bartsch (Linke) zu hören: "Du fliegst Business-Class nach München und lässt Dir hier vom Klassenfeind das Bier zahlen". Und als Hubert Aiwanger kurz auf sein Smartphone schaute, ging Schafroth den Freie-Wähler-Chef gleich an: "Schau ned in dei iPhone nei - Du woasst doch gar ned, wie ma des bedient".

Kässpatzen in der Schwerelosigkeit

Markus Söder (CSU), bayerischer Ministerpräsident und seine Frau Karin, aufgenommen beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg., Foto: picture alliance/Tobias Hase/dpa
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Markus Söder vereine als Ministerpräsident kosmopolitischen Touch mit Bodenhaftung, scherzte Schafroth und nannte als Beispiel gleich das bayerische Weltraumprojekt. Damit habe Söder die Allgäuer für sich gewonnen - denn die Frage "wie verhalten sich Kässpätzle in der Schwerelosigkeit" will jeder von ihnen beantwortet haben.

Noch ein paar Sprüche gefällig? "Grünwähler in München schauen aus wie der Carsten Maschmeyer in fairer Kleidung" - "Da lacht der Kubicki - kommst mit dem Starkbier klar oder hast Du an Rotwein in der Thermoskanne dabei?" (zu FDP-Politiker Wolfgang Kubicki). Innenminister Joachim Herrmann fragte Schafroth: "Sind eigentlich Fernseher in den Ankerzentren?". Dann könnten ja jetzt via TV die Asylbewerber den Innenminister kennenlernen: "Das ist der Katholik mit der Lizenz zum Abschieben - no Passport, no Nächstenliebe". "Applaus für die Sozis - man merkt, das Starkbier wirkt" (nach einer Pointe über die SPD).

Nach dem Pointen- und Sprüche-Feuerwerk, für das Schafroth in die Rolle des Allgäuer Schlitzohrs gesprungen war, endete seine Fastenpredigt wie sie angefangen hatte: mit einem Gstanzl über "Mein Bayernland". Eine Fußnote hatte Schafroth dann noch und erklärte ganz ernst, warum er keine Pointe über die AfD gemacht habe. Er spreche nicht über Leute, "die nicht im Saal sind". Politiker sollten zudem immer bedenken wie es sei, wenn man "Betroffener der eigenen Politik" sei.

Vom Publikum bekam Schafroth viel Applaus. Auch Politiker gaben sich begeistert: "Großartig - eine der besten Premieren, er hat seine eigene Art gefunden", lobte Ministerpräsident Markus Söder den Allgäuer nach dessen Fastenpredigt. Auch Ilse Aigner zollte "der neuen Generation Schafroth "vollen Respekt". "Gratulation, hervorragend gelöst", so das Fazit von Münchens OB Dieter Reiter. Lediglich Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger meinte leicht säuerlich: "Ich bin oft drangekommen, das war ganz zufriedenstellend."

Video: Derblecken und Singspiel in voller Länge

Seehofer im Singspiel: „Alle behandeln mich wie Luft“

Stephan Murr in der Rolle des Bundesverkehrsministers Scheuer und Sina Reiß in der Rolle der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im bayerischen Landtag, Schulze, treten beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg beim Singspiel auf. , Foto: picture alliance/Tobias Hase/dpa
Foto: picture alliance/Tobias Hase/dpa

Im Singspiel von Richard Oehmann und Stefan Betz ging es in einem etwas heruntergerockten Wellness-Center um die Suche nach dem kleinen Glück. Diesmal natürlich mit dem neuen Regierungschef-Duo Markus Söder (dargestellt von Stephan Zinner) und Hubert Aiwanger (Florian Fischer) in den Hauptrollen. Dabei verriet Söder seinem Stellvertreter, dass er sich sein Ego habe verkleinern lassen. „Ein Teil des Egos ist operativ entfernt worden. Das war schon ein größerer Eingriff. Das hat ja schon gewuchert, teilweise sogar bösartig.“ Andreas Scheuer (Stefan Murr) gab dann gleich den singenden Party-DJ und sang: "Wer hat Audi angetanzt?". "Des war laut und geil", fand sich der Verkehrsminister nach der Gesangseinlage selber gut.

Grünen-Fraktionssprecherin Katharina Schulze (Sina Reiß) drehte gleich ein Handy-Video für Social Media und träumte vom Amt der Ministerpräsidentin - "in neun Jahren". Aus dem versuchten Anbandler von Andreas Scheuer (Foto) wurde trotz aller Avancen aber nichts – er sei ihr zu alt. Natürlich durfte auch Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer (Christoph Zrenner) nicht fehlen. Er lief ständig auf der Suche nach seinem Turnbeutel über die Bühne und wunderte sich: „Alle behandeln mich wie Luft“ – erst dann kam ihm die Erleuchtung: er sei ja jetzt unsichtbar.

Fehlen durfte natürlich auch nicht Angela Merkel (Antonia von Romantowski), die in Richtung ihrer Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Regierungstrick verriet: „Innenpolitisch mach ich nix. Und außenpolitisch umgebe ich mich mit Arschgeigen.“ Doch weil sowohl Angela Merkel wie auch Horst Seehofer nicht im Publikum waren, gab es leider in diesen beiden Fällen keine Gesichter, in denen man die Reaktionen ablesen konnte. Dem Applaus des Publikums tat dies jedoch keinen Abbruch, am Ende gab es Standing Ovations.

Nockherberg 2019: Diese Politiker waren im Publikum

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit Frau Karin, Hubert Aiwanger (Chef der Freien Wähler und Wirtschaftsminister), Münchens OB Dieter Reiter (SPD) mit Frau Petra, Claudia Roth (Grüne), Wolfgang Kubicki (FDP), Dietmar Bartsch (Linke), Armin Laschet (Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen), SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sowie der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe Alexander Dobrindt, Katharina Schulze und Ludwig Hartmann (Grünen-Fraktionsvorsitzende).

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