MVG testet Bahnsteigtüren im U-Bahnbetrieb ab 2023

Visualisierung: Bahnsteigtüren am U-Bahnhof Olympiazentrum, Foto: SWM/MVG
Foto: SWM/MVG Visualisierung: So könnte der U-Bahnhof Olympiazentrum mit Bahnsteigtüren aussehen

Digitalisierung der U-Bahn macht Bahnsteigtüren möglich

(2.8.2019) Können Bahnsteigtüren die Fahrgast-Sicherheit im Münchner U-Bahnverkehr erhöhen? Die MVG bereitet aktuell ein Pilotprojekt vor und testet ab 2023 am Olympiazentrum solche Türen. Sie sind nicht die einzige Verbesserung für die U-Bahn, die durch Umstellung auf ein neues digitales Leitsystem möglich wird.

Türen vor den Gleisen können Vorfälle wie in Frankfurt verhindern

In den vergangenen Tagen sorgte der schreckliche Vorfall vom Frankfurter Hauptbahnhof bundesweit für Schlagzeigen - ein Mann hatte dort einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden Zug gestoßen und dabei tödlich verletzt. Ein Mittel, um solche und ähnliche tragische Vorfälle in der Münchner U-Bahn zu verhindern, sind Türen an den Bahnsteigen. Sie öffnen sich nur, wenn der Zug im Bahnhof steht und sichern sonst den Gleisbereich ab.

Die MVG hat die mögliche Nachrüstung von Bahnsteigtüren an bestehenden Bahnhöfen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersuchen lassen und heute die Ergebnisse präsentiert. Grundsätzlich ist ihr Einbau möglich, jedoch setzt er einige wichtige Punkte voraus. Etwa, dass die Züge zentimetergenau vor den Türen halten und so das Ein- und Aussteigen überhaupt erst ermöglichen. Durch das neue digitale Leitsystem CBTC, das in den nächsten Jahren eingeführt wird, soll das möglich sein. Das System ermöglicht außerdem die Kommunikation zwischen Zug- und Bahnsteigtür, die sich somit gleichzeitig öffnen.

MVG testet Bahnsteigtüren im Olympiazentrum unter Realbedingungen

Da die technischen Voraussetzungen bald gegeben sind, will die MVG ab 2023 Bahnsteigtüren am U-Bahnhof Olympiazentrum testen. Eine der vier Bahnsteigkanten soll dort mit verglasten, fahrzeughohen Türen ausgestattet werden, damit das System unter realen Bedingungen erprobt werden kann. Die in diesem Pilotprojekt gewonnenen Erfahrungen sollen in die Entscheidung, ob und in welchem Umfang weitere Bahnsteigtüren nachgerüstet werden, mit einfließen.

Der Test der Bahnsteigtüren ist erst in einigen Jahren möglich, da zuvor noch umfangreiche Planungen und Abstimmungen mit der Technischen Aufsichtsbehörde nötig sind. Außerdem geht das neue digitale Leitsystem CBTC erst ab 2023 im Münchner U-Bahnnetz in Betrieb. Es wird im Laufe mehrerer Jahre das bestehende, nicht mehr zeitgemäße LZB-System ablösen. Damit sind neben den Bahnsteigtüren auch weitere Verbesserungen möglich - etwa ein dichterer Zugtakt. Mittelfristig soll alle 120 Sekunden ein Zug fahren, und das neue System schafft die Voraussetzungen dafür. Übrigens soll die geplante, neue U-Bahnlinie U9 von Anfang mit CBTC und damit auch mit Bahnsteigtüren gebaut werden.

MVG-Chef Ingo Wortmann zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie und den nun anstehenden Pilotprojekten für die U-Bahn: "Das bestehende Zugsicherungssystem hat keine Zukunft mehr. Wir müssen es schon aus Altersgründen ersetzen. Mit der neuen Leittechnik machen wir die U-Bahn aber auch zuverlässiger und leistungsfähig auch für weiter steigende Fahrgastzahlen. Die damit verbundene Digitalisierung ermöglicht darüber hinaus Bahnsteigtüren. Deren Einbau erwägen wir mittelfristig zumindest an hoch frequentierten Stationen, um die Sicherheit weiter zu erhöhen und den Betrieb noch stabiler abwickeln zu können."

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