SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Reissl wechselt zur CSU

Neues Rathaus in München, Foto: muenchen.de/Michael Hofmann, 2019
Foto: muenchen.de/Michael Hofmann, 2019

Reissl und CSU verkünden überraschenden Wechsel

(30.9.2019) Überraschende Personalie im Münchner Rathaus: Alexander Reissl, der bisherige Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, wechselt zur CSU. Das gaben der 61-Jährige und seine neue Fraktion heute bekannt. Mehr zu Reissls Beweggründen sowie zur Reaktion von Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Reissl seit 1996 für die SPD im Stadtrat

Alexander Reissl, Foto: SPD-Stadtratsfraktion
Foto: SPD-Stadtratsfraktion Alexander Reissl

Der geborene Münchner Alexander Reissl (*1958) ist seit mehr als 45 Jahren Mitglied der SPD und beinahe ebenso lange in der Kommunalpolitik aktiv. Seit 1996 saß er für die Sozialdemokraten im Münchner Stadtrat, zuletzt viele Jahre als Fraktionsvorsitzender. 

In einer persönlichen Erklärung nannte der 61-Jährige Gründe für seinen überraschenden Wechsel zur CSU-Fraktion. Reissl brachte seine Unzufriedenheit mit der Politik der SPD auf Bundesebene, aber auch mit Entscheidungen der Stadtratsfraktion zum Ausdruck.

Zudem habe ihm der Umgang mit seiner Person zuletzt nicht mehr gefallen: "Ich will mir auch nicht mit 61 Jahren signalisieren lassen, dass ich einer Verjüngung im Wege stehe, jedenfalls nicht von Menschen meiner Generation." Er empfinde die Kommunalpolitik in seiner Heimatstadt weiterhin als spannend und herausfordernd. "Ich würde gerne weiter mitgestalten und mich für München und seine Bürgerinnen und Bürger einsetzen", betont Reissl in seiner Erklärung.

SPD überrascht - OB Dieter Reiter bedauert Entscheidung

Die SPD-Fraktion zeigte sich in einer ersten Reaktion überrascht von Reissls Schritt. Noch am Freitagabend habe er sich in einer internen Veranstaltung im Münchner Norden um einen Spitzenplatz auf der nächsten SPD-Stadtratsliste beworben. "Wir verlieren einen erfahrenen und profunden Kommunalpolitiker, dem die SPD in den letzten Jahrzehnten viel zu verdanken hat", heißt es in der Erklärung der Partei.

Offensichtlich habe Reissl den nach der Kommunalwahl 2014 eingeschlagenen Weg der Erneuerung zu einer modernen Münchner Großstadtpartei aber nicht mitgehen wollen, was sich bei vielen Einzelentscheidungen immer wieder gezeigt habe.

Oberbürgermeister Dieter Reiter erklärte: "Ich bedauere seine Entscheidung ausdrücklich. Alexander Reissl ist ein profilierter Kenner der Münchner Kommunalpolitik und in vielen Sachthemen versiert. Ich wünsche ihm persönlich alles Gute."

Reissl betonte, dass ihm der Abschied von seinem Ortsverein in Moosach am schwersten falle, wo ihn viele persönliche Freundschaften verbinden. Aber: "Ich denke, man kann Freundschaften auch jenseits von Parteizugehörigkeit pflegen."

CSU-Fraktionschef Pretzl: "Tektonik im Rathaus verändert sich"

Die CSU-Stadtratsfraktion stellte Alexander Reissl heute bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz vor. In einer Pressemitteilung sagte der Fraktionsvorsitzende Manuel Pretzl: "Die politische Tektonik im Münchner Rathaus verändert sich seit einiger Zeit fundamental." Er betonte, dass die CSU eine Politik der Mitte und des Ausgleichs der Interessen verfolge. "Für diese Politik der Mitte bekommen wir jetzt mit Alexander Reissl einen starken und glaubwürdigen Unterstützer."

Zwar wird Reissl Mitglied der CSU-Stadtratsfraktion - aber vorerst kein Parteimitglied.

Vor einigen Monaten hatte es bereits einen Personalwechsel zwischen den beiden Stadtratsfraktionen gegeben - allerdings in der anderen Richtung: Stadtrat Marian Offman war von der CSU zur SPD gewechselt.

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