U-Bahnhof Sendlinger Tor: So geht der Umbau voran

Die U-Bahn-Baustelle am Sendlinger Tor., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher Arbeiter bringen den neuen Bodenbelag auf.

Mega-Baustelle feiert wichtiges Etappenziel - so geht es weiter

(3.11.2019) Mehr Platz zum Umsteigen: Daran wird am Sendlinger Tor seit 2017 eifrig gearbeitet, während der U-Bahn-Betrieb nahezu normal weiterläuft. Jetzt sind zwei wichtige unterirdische Bauten im Rohbau fertiggestellt und damit ein Etappenziel erreicht. Bis 2023 soll das Projekt abgeschlossen sein. Wir haben uns da unten mal umgeschaut (mit Video).

Was wird unterirdisch neu gebaut am Sendlinger Tor?

Die U-Bahn-Baustelle am Sendlinger Tor., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher Projektleiter Christoph Schaller

Bisher gibt es von der U1/U2, den unteren und jüngeren U-Bahn-Röhren, nur die Ausgänge in der Mitte des Bahnsteigs: entweder einen Stock höher zur U3/U6 oder ganz rauf ins Zwischengeschoss und dann zur Oberfläche. Gerade im Berufsverkehr einfach zu wenig Platz für zu viele Fahrgäste. Das ändert sich in Zukunft mit zwei Erweiterungsbauwerken, „22 Meter hohen Hochhäusern unter der Erde“, wie Projektleiter Christoph Schaller erklärt. Eins der Bauwerke ist direkt am Sendlinger-Tor-Platz und verbindet die Bahnsteige mit dem Zwischengeschoss, durch das zweite an der Blumenstraße wird man in Zukunft zusätzlich zu den „alten“ Ausgängen an die Oberfläche gelangen.

Warum war der Bau des zusätzlichen Bauwerks so zeitaufwändig?

Die U-Bahn-Baustelle am Sendlinger Tor., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher Projektleiter Schaller: "Das hat uns etwas Zeit gekostet".

Um den Durchbruch von der Baugrube des Erweiterungsbaus zum Tunnel der U1/U2 durchführen zu können, wurde das Grundwasser in diesem Bereich im Winter 2018/19 künstlich vereist, dann fräste man sich durch diesen Eisblock. Ein Eisblock mit Überra-schungen: „Der Baugrund war etwas anders, als wir ihn uns erhofft hatten“, erzählt Christoph Schaller, „es waren in diesem Eisblock sehr, sehr viele Hindernisse drin aus dem alten Tunnelvortrieb - alte Stellbögen, alte Spieße, die wir sehr aufwändig rausflexen mussten, das hat uns etwas Zeit gekostet.“ Die Fertigstellung verschiebt sich also um ein paar Monate nach hinten. Für die Fahrgäste hat das aber keine Nachteile, es gibt keine zusätzlichen Sperrpausen bei der großen Wanderbaustelle Sendlinger Tor.

Was ändert sich ab Frühjahr 2020 für die Fahrgäste?

Die U-Bahn-Baustelle am Sendlinger Tor., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher Hier kommt eine Rolltreppe hin.

Ab kommendem Frühling ist dann der Rohbau des Bauwerks am Sendlinger-Tor-Platz auch im Innenausbau fertig - die Rolltreppen werden jetzt schon eingebaut. Damit ist der erste Teil des „Zukunftsbahnhofs“ Sendlinger Tor fertig. Für die Fahrgäste heißt das: Wenn man von der U1/U2 zur U3/U6 umsteigen will, geht’s nicht mehr über die Engstelle in der Bahnsteigmitte, sondern über das neue Bauwerk am Ende des Gleises, dort nach oben ins Zwischengeschoss und dann wieder runter zur U3/U6. Natürlich wie auf allen Ebenen barrierefrei. Umgekehrt kann man von der U3/U6 wie gewohnt auf direktem Weg zur U1/U2 umsteigen.

Wie sehen die Neuerungen an den Bahnsteigen aus?

Die U-Bahn-Baustelle am Sendlinger Tor., Foto: Anette Göttlicher
Foto: Anette Göttlicher Der neue Boden nimmt Gestalt an.

Bei der U3/U6 wird seit dem ersten November-Wochenende 2019 der neue Bodenbelag verlegt: Natursteinplatten aus Granit auf einem neuen Estrich, das Ganze fünf Zentimeter höher als bisher, damit es keine Stufe an der Bahnsteigkante mehr gibt und die Barrierefreiheit vor allem für Rollstuhlfahrer verbessert wird. 6.700 Quadratmeter Granitplatten werden im gesamten Bahnhof neu verlegt werden. „Besonders kritisch war die Verlegung der allerersten Bodenplatte, erzählt Projektleiter Christoph Schaller: „Die musste auf den Millimeter genau sitzen, denn nach ihr richtet sich das gesamte Geschoss aus. Wenn da nicht genau gearbeitet worden wäre, hätte es nirgends mehr gepasst.“

Wann ist der neue Bahnhof fertig und was ändert sich dann?

Die Fertigstellung ist für 2023 in Aussicht gestellt. Der schwierigste Teil waren die Durchbrucharbeiten für die Anschlüsse zwischen den alten Tunnelröhren und den neuen Bauwerken, doch die sind nun erfolgreich abgeschlossen.

Wenn alles fertig ist, gibt’s nicht nur ein schönes, modernes Licht- und Farbkonzept, sondern vor allem viel mehr Platz für die Fahrgäste, nämlich eine Erweiterung um eine Fläche, die so groß ist wie der Sendlinger-Tor-Platz. Heißt: Schluss mit dem Gedrängel und dem Schlange stehen beim Umsteigen, mehr Sicherheit, bessere Barrierefreiheit und mehr Ausgänge an die Oberfläche, die die Menschenströme entzerren werden. Die bestehenden Ausgänge bleiben, werden optisch „aufgehübscht“ und die vorhandenen Aufzüge werden nicht nur bis ins Zwischengeschoss, sondern ganz bis an die Oberfläche führen.
 
Anette Göttlicher

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