Weitere Coronavirus-Patienten aus Klinik entlassen

Forscher in China, Foto: Ma Ping/XinHua/dpa
Foto: Ma Ping/XinHua/dpa Forscher verpacken Nachweisreagenzien für das neue Coronavirus

RGU: Risiko der Coronavirus-Infektion in München gering

(20.2.2020) Das Risiko für die Bevölkerung in München und ganz Bayern, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, ist weiterhin gering. Insgesamt wurden in Bayern 14 infizierte Personen registriert - 16 in ganz Deutschland. Unterdessen sind in Bayern weitere Coronavirus-Patienten aus dem Krankenhaus entlassen worden. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Erreger für Euch zusammengestellt.

Aktuelle Infos zum Coronavirus

  • Neben den 14 Fällen in Bayern gab es in Deutschland zwei weitere Infektionen (Stand: 17.2.)
  • Seit 13.2. konnten erste Coronavirus-Patienten wieder gesund aus dem Klinikum Schwabing entlassen werden. Die Personen seien wieder vollständig gesund, nicht mehr ansteckend und mehrfach negativ auf das Virus getestet worden
  • Das Virus heißt inzwischen Sars-CoV-19, die von ihm verursachte Krankheit Covid-19 (abgeleitet von: COrona VIrus Disease)
  • Am 12.2. wurde beim Autozulieferer Webasto der Betrieb am Standort Stockdorf wieder aufgenommen. Dort arbeiten die meisten bislang betroffenen Patienten.
  • Die verbleibenden Patienten befinden sich in einem klinisch guten Zustand
  • Krankenhäuser im Freistaat sind auf weitere Patienten vorbereitet

 

In München nur noch zwei infizierte Patienten in Behandlung

Rund vier Wochen nach dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland sind in Bayern weitere Coronavirus-Patienten aus dem Krankenhaus entlassen worden. Darunter befindet sich unter anderem die vierköpfige Familie aus dem Landkreis Traunstein. Sowohl die Eltern, als auch die beiden infizierten Kinder seien geheilt und nicht mehr ansteckend. Die Entlassungskriterien seien erfüllt, sagte eine Ministeriumssprecherin. Der erste der insgesamt 14 in Bayern registrierten Patienten war am vergangenen Mittwoch aus dem Klinikum Schwabing entlassen worden. Somit befinden sich nur noch drei Patienten wegen Sars-CoV-2 bayernweit in klinischer Behandlung. Sie sind klinisch stabil und weitestgehend symptonfrei.

Alle 14 Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 in Bayern stehen in Zusammenhang mit dem Stockdorfer Autozulieferer Webasto. Eine chinesische Kollegin hatte den Erreger im Januar bei einer Dienstreise eingeschleppt. Der Stammsitz war wegen der Infektionen zwei Wochen geschlossen und hatte am vergangenen Mittwoch wieder geöffnet.  

Vor der Rückkehr der Mitarbeiter in die Firmenzentrale habe ein Fachunternehmen alle Arbeitsplätze, Besprechungsräume, Küchen und sanitären Einrichtungen in Stockdorf gereinigt und desinfiziert, hieß es vom Unternehmen. Die meisten der gut 1000 Webasto-Kollegen hatten während der Schließung von zu Hause aus gearbeitet. Rund 170 Mitarbeiter waren negativ auf das Virus getestet worden. Dennoch mussten viele von ihnen als direkte Kontaktpersonen von Infizierten zwei Wochen in häuslicher Quarantäne bleiben.

Die bekannten, infizierten Webasto-Mitarbeiter werden weiter in Krankenhäusern in München sowie im Landkreis Traunstein behandelt. "Wir sind mit allen in regem Kontakt und freuen uns, dass einige von ihnen bereits komplett beschwerdefrei sind und voraussichtlich in Kürze entlassen werden", sagte Vorstandschef Holger Engelmann. Die vergangenen Wochen seien insbesondere für die positiv getesteten Kollegen und ihre Familien eine enorme Belastung gewesen.

Neben den 14 Betroffenen in Bayern sind in Deutschland zwei weitere Menschen infiziert. Es handelt sich um Rückkehrer aus China, die am 1.2. nach Frankfurt/Main ausgeflogen worden waren.

Info-Hotline zum Coronavirus in Bayern

Das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt hat eine Hotline eingerichtet: 
089/233 47 819 (erreichbar von 8:30 Uhr bis 15 Uhr)

Weitere Informationen zum Corona-Virus:
FAQs der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Alternativ steht die Hotline des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zur Verfügung: 09131/6808-5101

Weiterführende Informationen gibt es auf den Seiten des LGL: www.lgl.bayern.de.

Klinikum Schwabing könnte im Notfall Kapazitäten aufstocken

Städtisches Klinikum München Schwabing, Foto: Städtisches Klinikum München
Foto: Städtisches Klinikum München

In München kümmert sich das Klinikum Schwabing um die Versorgung von der Corona-Infizierten. Derweil gehe der Klinikbetrieb im großen Maximalversorger mit seinen 650 Betten in Schwabing routiniert weiter. Durch die Isolierung bestehe keine Ansteckungsgefahr für andere Patienten und Besucher in der München Klinik Schwabing.

Im Notfall könnte die München Klinik Schwabing die Kapazitäten aufstocken. "Dann hätten wir bis zu 30 Betten in Schwabing für die Versorgung von Coronavirus-Patienten zur Verfügung", sagte Chefarzt Wendtner. Diese Betten sollten aber ausschließlich für bestätigte Coronavirus-Patienten vorgehalten werden, betonte er. "Deshalb gilt: Wer hohes Fieber hat, hat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine normale Erkältung oder Grippe", sagte Wendtner. Verdachtsfälle sollten nicht automatisch nach Schwabing geschickt werden, so der Chefarzt.

Das Klinikum Schwabing ist das älteste und traditionsreichste Haus der München Klinik und kompetente Anlaufstelle zur Bekämpfung des Virus. Dr. med. Axel Fischer, Vorsitzender der Geschäftsführung der fünf Standorte der München Klinik erklärt: "Klar ist: Die München Klinik wird ihrem Versorgungsauftrag jederzeit gerecht. Klar ist aber auch: Wir brauchen die Unterstützung der anderen Krankenhäuser in der Region. Dazu sind wir in enger Abstimmung mit dem bayerischen Gesundheitsministerium.“

Auf der Suche nach einem Arzt?
Hier findet Ihr die Münchner Praxen in Eurer Nähe
Die große Übersicht

Münchner Gesundheitsamt: "Ansteckungsrisiko für Münchner gering"

Das Münchner Gesundheitsamt stuft das Ansteckungsrisiko mit dem Corona-Virus für die Münchner Bevölkerung weiterhin als gering ein. Einzelfälle können aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Umwelt- und Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs, Foto: Eleana Hegerich
Foto: Eleana Hegerich

Eine Impfung gegen dieses spezielle Virus existiert bislang nicht, die Therapie dieser Erkrankung erfolgt symptomatisch. "Die neue Erkrankung führt zu ganz ähnlichen Symptomen wie die der saisonalen Influenza, an der derzeit viele Münchnerinnen und Münchner erkrankt sind“, so Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs. "Zur Vermeidung der Weiterverbreitung gilt allgemeine Kontaktminimierung. Das Tragen eines Mundschutzes führt nicht zu einem sicheren Schutz vor der Infektion. Meiden Sie größere Menschenansammlungen, niesen und husten Sie in ein Taschentuch und zur Not in die Ellenbeuge und verzichten Sie auf Händeschütteln“, rät Stephanie Jacobs. Richtiges Händewaschen, insbesondere nach Aufenthalten in der Öffentlichkeit, trägt ebenfalls zur Minimierung der Übertragung von Viren bei.

Das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) ist auf eine eventuelle Ausbreitung des Virus gut vorbereitet. Es steht mit den Oberbehörden des Freistaats Bayern in einem kontinuierlichen fachlichen Austausch und hat bei den erforderlichen Ermittlungsmaßnahmen in seinem Zuständigkeitsbereich unterstützt. Durch den engen Austausch können alle Informationen unverzüglich in die tägliche Arbeit einfließen und jederzeit aktualisiert werden. Das RGU hat bereits am 22.1.2020 die Kliniken in München, die niedergelassene Ärzteschaft und der Rettungszweckverband München über die neue Coronavirus-Erkrankung informiert und berät diese in Fachfragen.

(Offizielle Pressemitteilung des Referats für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München (RGU) vom 28.1.20)

Die Pressekonferenz zum Coronavirus in Deutschland im Video

Wie hoch ist das Risiko einer Ansteckung für die Bevölkerung?

Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der "Task Force Infektiologie" des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und vom Robert Koch-Institut (RKI) derzeit als gering erachtet.

Dr. Andreas Zapf, Präsident des LGL, erläutert: "Es ist wichtig, die Menschen zu sensibilisieren, aber auch nicht in Panik zu versetzen. Daher ist es bedeutsam, dass die Bevölkerung gut informiert ist.“

Menschen, die engen Kontakt mit dem Patienten hatten, würden laut LGL ausführlich aufgeklärt und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege informiert. Für Bürger, die keinen Kontakt hatten, ist es laut Ministeriumssprecher extrem unwahrscheinlich, sich anzustecken.

Was sind die Symptome und wie gefährlich ist die Krankheit?

Mann mit Fieberthermometer im Bett

Das Virus kann eine Lungenkrankheit auslösen: Die Symptome - darunter trockener Husten, Fieber und Atemnot ähnlich einer Bronchitis - können aber mit Medikamenten abgemildert werden. Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, möglicherweise sogar ohne Symptome. Von den in China registrierten Todesfällen gehen die meisten nach bisherigen Erkenntnissen auf ältere und ohnehin schon stark geschwächte Patienten zurück.

Welche Schutzmaßnahmen könnt Ihr in München treffen?

Das Virus wird über Tröpfcheninfektion übertragen. Die Inkubationszeit beträgt 14 Tage. Dr. Martin Hoch, Leiter der "Task Force Infektiologie" des LGL, empfiehlt der bayerischen Bevölkerung daher entsprechende Schutzmaßnahmen: Dazu zählt die sogenannte "Hustenetikette“, sprich regelmäßig die Hände gründlich zu waschen und immer wieder zu lüften, falls jemand in der direkten Umgebung erkrankt ist. Eine generelle Mundmaske sei nach Erkenntnissen des RKI allerdings nicht sinnvoll. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung gibt es nicht.

BRK ist gut vorbereitet - wie sieht das weitere Vorgehen aus?

Auch das Bayerische Rote Kreuz ist gut vorbereitet. Unter anderem mit den Beauftragten für das Krisenmanagement wurden standardisierte Prozeduren (SOP) entwickelt, die bayernweit allen Mitarbeitern aus Ehren- und Hauptamt in den Einsatzdiensten zur Verfügung stehen. „Im Vorgehen für die Einsatzkräfte ändert sich zunächst nichts“, so Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. Auf allen Rettungsfahrzeugen wird ohnehin der Standard einer persönlichen Schutzausrüstung (u. a. Mundschutz, Atemschutzmasken, Schutzanzüge und -brillen) mitgeführt.

Das BRK beobachtet die Situation und steht dabei in engem Austausch mit den Ministerien und dem Robert-Koch-Institut. Im Falle einer rasanten Verbreitung des Virus stehen in Bayern 12 Schnelleinsatzgruppen CBRN(E)* zur Verfügung. Diese Einheiten sind auf die Behandlung, Betreuung und den fachgerechten Transport von u. a. hochinfektiösen Patienten spezialisiert.

Welche Maßnahmen hat Deutschland bislang ergriffen?

  • Rückholaktion aus China: Die Bundesregierung hat am 1.2. über 100 ausreisewillige Deutsche aus China ausgeflogen. Nach der Landung in Frankfurt kamen die Passagiere für 14 Tage in Quarantäne.
  • Maßnahmen an Flughäfen: Einige Bundesländer haben ergänzende Sicherheitsvorkehrungen getroffen, beispielsweise an Flughäfen. Am Münchner Flughafen werden die Passagiere laut LGL mit Plakaten in drei Sprachen aufgefordert, bei Verdacht einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus einen Arzt aufzusuchen. Am Flughafen München habe sich bisher kein Fall bestätigt.
  • Fluggesellschaften streichen Flüge: Die Fluggesellschaften Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines haben ihre Flüge von und nach Peking und Shanghai bis 29.2. ausgesetzt, die weiteren Destinationen in China werden bis zum 28.3. nicht bedient.  Hongkong wird weiter wie geplant angeflogen. Hier könnt Ihr Euch über Euren Flugplan am Münchner Flughafen informieren. British Airways und andere Fluggesellschaften strichen ihre China-Flüge ebenfalls.

Woher stammt das Virus?

Medizinisches Personal in Schutzanzügen in China, Foto: CHINATOPIX/AP/dpa
Foto: CHINATOPIX/AP/dpa Medizinisches Personal in Schutzanzügen am Eingang einer chinesischen Klinik für Fieberpatienten und Patienten aus Wuhan.

Das neue Virus Covid-19 stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang.

(muenchen.de/dpa)

Mehr Aktuelles aus München

Top