Gedächtnis-Container am Gärtnerplatz erinnert an Brandanschlag von 1970

Erinnerungs-Container am Gärtnerplatz, Foto: Marie-Lyce Plaschka
Foto: Marie-Lyce Plaschka

Anton Biebl: Installation soll Erinnerung Raum geben

(10.2.2020) Sieben Menschen verlieren im Februar 1970 bei einem Brandanschlag auf das jüdische Gemeindehaus in der Reichenbachstraße ihr Leben. Eine Installation am Gärtnerplatz in Sichtweite des Tatorts erinnert jetzt an die antisemitisch motivierten Morde, die bis heute unaufgeklärt sind. Initiator Christian Springer und Kulturreferent Anton Biebl stellten das Projekt heute im Jüdischen Museum vor.

Gedenken zum 50. Jahrestag des Anschlags

Erinnerungs-Container bei Nacht, Foto: Daniel Schvarcz
Foto: Daniel Schvarcz

Ein Erinnerungszeichen setzen, darum ging es heute bei der Pressekonferenz im Jüdischen Museum, bei der Projektinitiatior und Kabarettist Christian Springer und Kulturreferent Anton Biebl auf die vorübergehende Installation eingingen, die noch bis 1.3. direkt vor dem Gärtnerplatztheater besichtigt werden kann.

Unverständnis darüber, dass die Tragödie aus dem Bewusstsein der Stadt verschwunden war, trieb Christian Springer an, zum 50sten Jahrestag des Brandanschlags vom 13.2.1970 einen Ort zum Gedenken zu schaffen. In Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat und dem Jüdischen Museum entstand ein temporärer Erinnerungs-Container.

Für die besondere Konzeption waren Ausstellungsgestalter Alfred Küng und Szenografin Katharina Kuhlmann zuständig.

Gedächtnis-Container als Appell an die Gesellschaft

Erinnerungs-Container am Gärtnerplatz, Foto: Daniel Schvarcz
Foto: Daniel Schvarcz

„Die Erinnerung an die schrecklichen Ereignisse 1970 müssen Teil unserer Stadtgeschichte sein“, so Biebl. Denn was damals passiert ist, ist nicht nur ein Anschlag auf die jüdische Bevölkerung, sondern ein Anschlag auf das Zusammensein in dieser Stadt. Christian Springer appelliert an die Gesellschaft, dass Täter und Mitwissende noch heute unter uns sein könnten und der Drang nach Aufklärung nicht ruhen darf: Mit dem Hinweis „Break your Silence“ möchte er sie dazu bringen, die Ereignisse der Nacht um den 13.2.1970 endlich aufzuklären.

Schwarzweiß-Fotografien erinnern an die Opfer

Brand Reichenbachstraße, Foto: Branddirektion München
Foto: Branddirektion München

Fotografien der Feuerwehr während ihres Einsatzes am 13. Februar 1970 kleiden den Erinnerungs-Container von außen, im Innenraum wird den Opfern gedacht. 7 Tafeln mit Schwarzweißbildern, die das jüdische Gemeindehaus in der Reichenbachstraße 27 nach dem Brandanschlag zeigen, stehen dort.

Die Leinwände sind in verschiedenen Ebenen angebracht und haben jeweils eine Gemeinsamkeit: Auf jeder ist durch eine ausgeschnittene Silhouette eine der sieben Personen markiert, die in dieser Nacht ihr Leben lassen musste.

Besonders anzusehen ist der Erinnerungs-Container in den Abendstunden, wenn der Schaukasten im Dunklen leuchtet und den Ort zu dem macht, was er ist: Ein Ort der Stille und der Trauer. Der Erinnerungs-Container versucht auf diese Weise einem vergessenen Terroranschlag zu begegnen, gibt Auskunft über die genauen Abläufe des Geschehens, hält das Andenken der Opfer wach und ist gleichzeitig Mahnung für die Gegenwart.

Der Erinnerungs-Container kann täglich rund um die Uhr kostenlos besichtigt werden. Führungen mit Christian Springer finden am 16.2. und am 23.2. um 10:30 Uhr und am 1.3. um 16 Uhr statt.

Kulturreferent Anton Biebl über die Installation

Christian Springer und Anton Biebl (v.l.n.r.), Foto: Marie-Lyce Plaschka
Foto: Marie-Lyce Plaschka Christian Springer und Anton Biebl (r.)

„Angesichts der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklungen, in der Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Rechtspopulismus immer mehr zunehmen, ist sein Engagement ein wichtiger Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und Anteilnahme. Ich sehe das als eine der wichtigsten Aufgaben des Kulturreferats, der Erinnerung Raum zu geben und sie entsprechend zu gestalten. Denn die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit macht es möglich, unsere demokratische Grundordnung zu verteidigen, und das auch für die Zukunft. München ist kein Platz für Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus, Rechtspopulismus oder Rechtsterrorismus!“, so Kulturreferent Anton Biebl bei der Vorstellung des Erinnerungs-Containers.

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