Gift-Fälle in Münchner Supermärkten: Tatverdächtige festgenommen

Ein Polizeiauto in München
(Symbolbild)

Vergiftete Getränke: Münchner Polizei gibt Ermittlungsdetails bekannt

(6.6.2020) Nach dem Fund mehrerer Getränkeflaschen mit potenziell tödlichem Gift in Münchner Supermärkten hat die Polizei eine Tatverdächtige festgenommen. Eine psychisch kranke Frau soll mehrere Getränke aus Münchner Supermärkten vergiftet haben. Die "konkrete Warnmeldung" wurde zwar zurückgenommen, dennoch solltet Ihr wachsam beim Einkaufen sein.

Manipulierte Getränkeflaschen: DNA-Spur führte zur Festnahme

Bei der Festgenommenen handle sich um eine 56-Jährige Münchnerin, teilte ein Sprecher der Polizei am Samstag mit. Gegen sie werde wegen versuchten Mordes in vier Fällen ermittelt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft weiter mit. Sie habe keine verwertbaren Angaben zu den Vorwürfen gemacht, ihr Motiv sei unklar. Die schon mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getretene Tatverdächtige komme vorläufig in eine forensische Psychiatrie.

Den Angaben zufolge konnte durch akribische Ermittlungen am Freitag ein Tatverdacht gegen die Frau gewonnen werden. Da die tatrelevanten DNA Spuren mit den DNA-Proben der Frau übereinstimmten, wurde sie zunächst vorläufig festgenommen und in die Haftanstalt des Polizeipräsidium München eingeliefert.

Nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leide sie an einer psychischen Erkrankung, die dazu geführt habe, dass ihre Schuldfähigkeit bei den in Raum stehenden Taten jedenfalls erheblich eingeschränkt gewesen sein soll. Daraufhin stellte die Staatsanwaltschaft einen Antrag beim zuständigen Ermittlungsrichter auf einstweilige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Polizei: Weiterhin auf Sicherungsring an Flaschen achten

Nach derzeitigem Stand seien keine weiteren manipulierten Flaschen aufgetaucht, so die Ermittler. Es seien 40 Geschäfte kontrolliert worden, in denen die Verdächtige eingekauft haben soll.

Aufgrund der Festnahme und Überprüfungen von Lebensmittelmärkten in München könne die konkrete Warnmeldung zurückgenommen werden. Allerdings könne nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht restlos ausgeschlossen werden, dass noch manipulierte Getränkeflaschen von der Frau in Geschäften vorhanden sind.

Es wird daher weiterhin dringend empfohlen beim Kauf von Getränkeflaschen mit Schraubverschluss auf die Unversehrtheit des Sicherungsrings zu achten. Teilweise waren an den bisher festgestellten vier Flaschen sichtbare Verunreinigungen feststellbar. Bereits beim Öffnen einer Flasche kann hier unter Umständen ein auffälliger Geruch wahrgenommen werden. Der Geschmack wurde von den bisher betroffenen Personen als bitter und künstlich-chemisch beschrieben.

Bei einer entsprechend verdächtigen Flasche sollte die Substanz nicht entsorgt werden, sondern umgehend der Notruf der Polizei, die 110, verständigt werden.

Ausschnitt der Pressekonferenz der Münchner Polizei vom Samstag

Flaschen mit Lösungsmittel aufgefüllt worden

Im März und April tauchten laut Polizei vier vergiftete Erfrischungsgetränke in zwei Supermärkten in München auf. Drei Kunden hatten kleine Mengen davon getrunken und anschließend über Übelkeit, Schwindel und Kreislaufbeschwerden geklagt. Zwei Frauen im Alter von 34 und 42 Jahren mussten sofort medizinisch behandelt werden. Nach Einschätzung der Polizei hätten sie auch sterben können.

Auch in einer vierten - noch nicht verkauften - Flasche fanden die Ermittler Gift. Den Erkenntnissen nach sind die Flaschen geöffnet und mit einem Lösungsmittel aufgefüllt worden. Die Sonderkommission Tox führe in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalität nun Tests durch, um Details zu dem Giftstoff zu erhalten.

Diese abschließenden Ermittlungsergebnisse stehen noch aus

Aufgrund der bislang 60 eingegangen Hinweise konnten der Polizei zufolge keine gleichgelagerten Manipulationen festgestellt werden. Allerdings wurden auch Vorfälle mit ähnlichen Krankheitssymptomen sowie von Getränken, welche einen untypischen künstlichen oder chemischen Geschmack aufwiesen, mitgeteilt. Abschließende Ermittlungs- und Untersuchungsergebnisse hierzu stehen noch aus.

 

(dpa/muenchen.de)

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