Kunde von muenchen.de

10 Gründe, die Altstadt zu lieben

Neulich besuchte ich eine Freundin zum Shoppen in Augsburg. Auf meine Frage, wo denn die besten Läden wären, meinte sie "In der Altstadt natürlich!"

Natürlich, dachte ich. Eine andere Freundin erzählte vom letzten Radlausflug. "Die Altstadt von Dinkelsbühl, ein Traum!" schwärmte sie. Und ich dachte: Dinkelswhat? Dann traf ich einen Bekannten im Biergarten, frisch verkatert vom Junggesellenabschied in Düsseldorf. Wo sie überall waren, wollte ich wissen. "Na in der Altstadt, wo sonst." Joa, dachte ich, Düsseldorf, wo sonst. Und während ich uns zwei neue Mass holte, fragte ich mich: Wie kommt es, dass in anderen Städten so oft die Altstadt das Zentrum des Geschehens ist? Das, was hängen bleibt? Wann hab ich das letzte Mal von einem Münchner gehört: "Mei, wir müssen uuunbedingt mal wieder in die Altstadt!" – und hab ich das überhaupt schon mal gehört? Dabei gibt es so vieles, das unsere Altstadt einzigartig macht. Höchste Zeit für eine Liebeserklärung.

1. Das Herz unserer Stadt

"Weltstadt mit Herz" kann man durchaus wörtlich nehmen. Guckt man nämlich bei Google Maps, sieht man: Unsere Altstadt ist geformt wie ein Herz. Also, nicht so ein Kleiner-3-Herz, das Mama unter jeden unserer Facebookbeiträge postet, sondern ein richtiges, echtes, anatomisches Herz. Passt, denn hier passiert und pulsiert das echte Münchner Leben. Mit dem Hofgarten als Aorta, dem Viktualienmarkt in der linken, dem Stachus in der rechten Kammer. Welcher Stadtkern kann das sonst schon von sich behaupten? Hm, Dinkelsdings?

2. Der Viktualienmarkt

, Foto: Alexander Lottes
Foto: Alexander Lottes

Unser Viki, V-Markt, Viktourimarkt. Hier kann man Stunden mit Flanieren, Schauen und Probieren verbringen. Lust auf eine kleine Schmankerltour?

Am späten Vormittag, wenn's noch nicht gar so zugeht, einen Stehtisch bei Fisch Witte organisieren und die legendäre Bouillabaisse probieren. Für die Mutigen gibt's alternativ ein paar frische Austern, für die Schwaben eine XXL-Fischsemmel.

Danach rüber in den Biergarten auf eine Zufallsmaß – man weiß nie, welches der sechs Münchner Traditionsbiere gerade ausgeschenkt wird. Und Obacht: Hier herrscht akute Hockenbleibgefahr, zum Ratschen findet sich immer jemand.

Wer doch den Absprung schafft, schlendert nach einem kurzen Stößchen-Abstecher im Café Nymphenburg Sekt (liegt auf dem Weg, also wenn man schon mal da ist…) über die Prälat-Zistl-Straße zum Café Frischhut und holt sich eine frische, warme Schmalznudl. Den besten Kaffee dazu gibt's in der Kaffeerösterei Viktualienmarkt.

3. Geheimnisse & G'schichten

Die spiegelverkehrte Uhr am Isartor, Foto: Katy Spichal
Foto: Katy Spichal

Wer das Date, die Zuagroasten oder die Leser mit Insiderfacts beeindrucken will, für den hat die Altstadt einiges zu bieten.

Zum Beispiel die Turmuhr am Isartor Richtung Tal. Zum Gedenken an Willy Brandts Zitat "In Bayern gehen die Uhren anders" läuft sie rückwärts.

Der Zeit absolut voraus hingegen war im Dritten Reich die Viscardi-Gasse aka "Drückeberger-Gassl" am nördlichen Ende der Fußgängerzone. Wer den Hitlergruß an der Feldherrenhalle umgehen wollte, bog einfach vorher in die Viscardi-Gasse ab. Neben dem Namen erinnert heute eine s-förmige Bronzespur im Kopfsteinpflaster an die mutigen Drückeberger.

Ein paar hundert Meter weiter beweist der Teufelstritt am Eingang der Frauenkirche, dass ein Münchner sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, nicht mal, wenn er damit den Teufel zündig macht.

Ein weiteres Beispiel für bayerische Gelassenheit ist die österreichische Kanonenkugel im Alten Peter, die im 18. Jahrhundert mitten während der Messe durchs Fenster flog. Der Pfarrer hob sie auf und mauerte sie ein – aber erst, als der Gottesdienst zu Ende war.

4. Dem weißblauen Himmel so nah

Dachterrasse des Mandarin Oriental, Foto: Mandarin Oriental
Foto: Mandarin Oriental

In den Straßen der Altstadt kann's schon mal turbulent zugehen. Da der Münchner grundsätzlich aber ein Mensch mit Weitblick ist, hat er sich auch hier ein paar himmlische Fleckchen zum Durchschnaufen geschaffen – auf höchstem Niveau, versteht sich. Zu den Top-Spots in der Altstadt gehören zum Beispiel die Dachterrasse des Live-Cooking-Restaurants Le Buffet im Oberpollinger, "The Terrace" im Mandarin Oriental oder das japanische Pendant Emiko auf dem Dach des Louis Hotels. Ganz neu und auch ganz anders ist dagegen der Dachgarten am Stachus: Münchens erste Location auf dem Oberdeck eines Parkhauses – und eine echte Oase. In stylish-rustikalem Holzlattenambiente mit Urban-Gardening-Spots gibt es hier neben einer grandiosen Aussicht vom günstigen Mittagessen bis zum spritzigen Sundowner alles, was das Päuschen schöner macht. Wir empfehlen: Raufgehen und Runterkommen.

Hier gibt es noch mehr Dachterassen.

 

5. Um den Dom geht's rund

Nürnberger Bratwurst Glöckl am Dom München
Die "Luke" im Glöckl ist Kult

Nicht nur subjektiv, sondern auch geografisch gesehen ist der Münchner Dom das Zentrum der Altstadt. Also quasi das Herz vom Herz von München. Und so fühlt es sich auch an:

In den Gaststätten rund um die Frauenkirche erlebt man München genau so, wie es ist. Gemütlich, gastfreundlich und a bisl extrig. Paradebeispiel sind die Arkaden vom Andechser am Dom. Immer voll, aber immer darf man sich irgendwo auf eine Halbe und eine Brotzeit dazustellen. Hier ratscht die Berufsgattin plus Mops im Speckmantel mit dem Fußball-Fanclub und der Glockenbach-Modedesigner mit dem Trachtler.

Ein paar Meter weiter im Nürnberger Bratwurst Glöckl gibt's neben besonders guter Wurscht auch was Besonderes für den Durscht: den letzten traditionellen Stehausschank Münchens mit frischem Augustiner, direkt vom Fass auf die Hand in den Mund. Prost.

6. Nach Acht ist vor Hach

, Foto: Fotolia
Foto: Fotolia

Nach Ladenschluss geht es der Fußgängerzone ähnlich wie einer Bogenhausener Spielerfrau nach dem ersten Fläschchen Taittinger Rosé: Sie wird plötzlich ganz zahm. Als hätte sie einmal tief Luft geholt und den ganzen Stress des Tages tantrisch weggeatmet. Der perfekte Zeitpunkt, am Stachus einen Lieblingsmensch unter den Arm zu klemmen und ganz romantisch vorbei an beleuchteten Schaufenstern und vereinzelten verirrten Touristengruppen Richtung Marienplatz zu schlendern. Musikuntermalung inklusive. Von Straßenmusikern, die einfach nicht pünktlich aufhören wollen. Weil's halt so verdammt schön ist.

7. Streetfood since scho immer

, Foto: Steffen Greiner
Foto: Steffen Greiner

Essen auf der Straße kaufen ist ja sowas von im Trend. Oder sagt man jetzt hip? Mega? Laser? Fakt ist: In der Altstadt gab's das schon lange, bevor es Streetfood hieß. Und statt Burgern oder irgendwelchen veganen Bowls gibt's halt je nach Saison entweder gebrannte Mandeln und heiße Maroni, Obst und Gemüse oder – unsere besondere Empfehlung für Glücksgefühle: eine frische, warme Leberkassemmel von einer der vielen Metzgereien zwischen Marienplatz und Viktualienmarkt. Zum Gleichessen oder zum Mitnehmen, als Handwerkerfrühstück oder Nachmittagssnack, mit süßem Senf oder ohne alles – eine Semmel mit "Lebenskas" geht einfach immer.

8. Oper? Für alle!

, Foto: Lukas Schirmer
Foto: Lukas Schirmer

Dein Freund will nie "was Schönes" mit Dir machen? Deine Freundin hört keinen Unterschied zwischen Atemlos und Arie? "Oper für alle" ist die perfekte Gelegenheit für ein bisschen Gratis-Kultur.

Während der Münchner Opernfestspiele kann man traditionell vor der Bayerischen Staatsoper am Max-Joseph-Platz eine Liveübertragung unter freiem Himmel genießen – Oper Air, quasi. Dieses Jahr gibt's am 8. Juli 2018 Richard Wagners Parsifal. Und am 21. Juli 2018 das große Open-Air-Konzert.

Also: ins leger-festliche Sommeroutfit werfen, Picknickdecke einpacken, beim Dallmayr dem Anlass entsprechende Feinkostbrotzeit holen und einen richtig schönen Abend haben.

9. Schau mer moi…

, Foto: Bar Centrale
Foto: Bar Centrale

… dann seng ma scho. Eins der beliebtesten Münchner Hobbies. Geht eigentlich ganz einfach: Man setzt sich irgendwo hin, bestellt was zu trinken und guckt, was passiert. Wichtig: Schauen praktiziert man unbedingt und ausschließlich tagsüber.

Eine gute Location dafür ist zum Beispiel die Bar Centrale in der Ledererstraße. Erst läuft man vielleicht vorbei, weil man sich das irgendwie spektakulärer vorgestellt hat. Aber dann holt das italienische Straßencafé-Flair einen schnell wieder zurück. Und man merkt: Da ist man richtig. Wenn kein Platz frei ist, stellt man sich mit Cappuccino, Secco auf Eis oder einem Glas Wein an die Straße. Und schaut. Wie die Touristengruppen vorbeihetzen. Wie die Mofas durchpesen. Wie es alle ganz wichtig und eilig haben. Während man selber… einfach nur schaut. Schön.

10. Drinks mit Tradition

In-Locations gibt's in München wie Steine an der Isar. Im Moment stehen vor allem Cocktail- und Rooftop-Bars ganz hoch im Kurs. Hier als Kontrapunkt zwei Traditions-Bars, die so bekannt sind, dass sie fast schon wieder als Geheimtipp durchgehen.

Zum einen das Pusser's in der Falkenturmstraße. Eine echte New York Bar mit Türsteher und allem Drum und Dran – aber ohne das Schickimicki und Getue. Hier stehen Barkeeper hinterm Tresen, die wirklich was können. Eher Lust auf Bier als auf Piña Colada? Dann gibt's eine Cocktail-Kreation aus Guinness und Whisky. Keine Ahnung, auf was Lust? Dann einfach den Flagship-Drink "Painkiller" bestellen und Entspannung aus dem Alubecher genießen.

Noch höheres Niveau? Die Blue Spa Bar im Bayerischen Hof ist vielleicht die Mutter der Rooftop Bars, mit den gesündesten Cocktails der Stadt – zumindest fühlen sie sich nach einem Tag im Spa so an.

 

Mehr Liebe für München

Top