Zukunft des Tagestourismus: Miteinander zwischen München und Alpenregionen

Die Region Wettersteingebirge um Garmisch-Partenkirchen, Foto: Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG
Foto: Bayerische Zugspitzbahn Bergbahn AG

Videokonferenz zu Tagesausflügen in die Berge bringt Lösungsansätze

(17.03.2021) In die Berge will (nicht nur) während der Pandemie jeder – wie aber geht man mit möglichen Nutzungskonflikten um? Um in der Osterzeit erneute Spannungen zwischen Münchner Ausflügler*innen und den Alpenregionen zu vermeiden, traf sich Oberbürgermeister Dieter Reiter am 11.3. mit Vertreter*innen aus Politik, Tourismus und Nahverkehr zum digitalen Tagestourismus-Gipfel.

Task Force will zwischen München und Umland vermitteln

Eibsee

Das Thema ist altbekannt, gewann aber mit den Corona-Einschränkungen an Brisanz: Weil während der Pandemie das öffentliche Leben weitgehend heruntergefahren wurde, sahen sich einige touristische Hotspots in den Alpenlandkreisen zunehmend unter Druck.

Am Beispiel des Landkreis Miesbach diskutierten Politiker*innen und Interessensvertreter*innen um Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter deshalb bei einer Videokonferenz verschiedene Lösungsstrategien. In Zukunft wird eine Task Force, bestehend aus den Verbänden Tourismus Oberbayern-München (TOM) und Tourismus-Initiative München (TIM) sowie der Europäischen Metropolregion München (EMM) zwischen München und den Alpenlandkreisen vermitteln.

Erste Lösungsansätze im Landkreis Miesbach bereits umgesetzt

Panoramablick vom Wallberg auf den Tegernsee, Foto: Tegernseer Tal Tourismus GmbH
Foto: Tegernseer Tal Tourismus GmbH

Es geht darum, Ideen zu entwickeln, damit die Bewohner*innen der beiden Regionen wieder mehr Verständnis füreinander aufbringen. Denn bei einem sind sich Politiker*innen aus Stadt und Land definitiv einig: Stadt und Land brauchen sich gegenseitig. Menschen vom Land fahren gerne in die Stadt zum Einkaufen und zu Kulturveranstaltungen, Städter genießen wiederum die Berge und Seen auf dem Land.

Die ersten Projekte laufen: Im Landkreis Miesbach sind seit Weihnachten bereits 20 Ranger unterwegs, die an Wanderparkplätzen und am Berg die Bedeutung der Schutzgebiete und das richtige Verhalten im alpinen Gelände erklären. Und auch die von der MVV GmbH entwickelte Idee des Einsatzes von Freizeit-Express- und Pendelbussen, die den Verkehr der betroffenen Regionen entlasten könnten, wurde bei der digitalen Konferenz diskutiert.

Das sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter

, Foto: Presseamt / Michael Nagy
Foto: Presseamt / Michael Nagy

Oberbürgermeister Dieter Reiter: „Mir ist wichtig das Miteinander zu betonen. Denn die Stadt profitiert vom Land und das Land von der Stadt. Aber es geht nicht nur um die Stadt München selbst, sondern um den Großraum München. Ich werbe daher um Verständnis für das Erholungsbedürfnis der Münchner*innen im schönen Alpenvorland – eines Großraums, der selbst unter hohem Wachstum und Zuzugsdruck steht. Für mich ist ganz klar, dass sich Ausflügler gegenüber den Bewohner*innen und der Natur rücksichtsvoll verhalten müssen. Es muss mehr gegenseitige Rücksichtnahme geben, dazu reicht es oft schon, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Denn die Situation verbessert sich nur, wenn beide Seiten Verständnis füreinander aufbringen. Der Termin war wichtig, um dieses Miteinander zu betonen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. In Zukunft wird eine Task Force, bestehend aus den Verbänden TIM, TOM und EMM die vielen bereits bestehenden Ideen und Lösungsansätze zusammenbringen, die möglichst schon an Ostern ihre erste Wirkung zeigen.“

Das sagt Bürgermeisterin Katrin Habenschaden

, Foto: Presseamt / Michael Nagy
Foto: Presseamt / Michael Nagy

Bürgermeisterin Katrin Habenschaden: „Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander. München und das Umland leben in einer Symbiose und besonders während Corona müssen wir einander helfen und solidarisch sein. Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur ist allen Bürgerinnen und Bürgern in der Bayerischen Verfassung garantiert. Dieses Recht muss aber mit Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt einhergehen, als Bergsteigerin und Grüne ist mir das besonders wichtig.“

Das sagt Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner

Clemens Baumgärtner

Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft: „München, das Umland und damit die Metropolregion sind wirtschaftlich sehr stark – nicht nur bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit. In der Vergangenheit sind Missverständnisse allseits aufgetreten. Der Tourismusgipfel trägt ganz maßgeblich dazu bei, dass die verschiedenen Sichtweisen zusammenzuführen und das stets gute Miteinander zu betonen. Viele Menschen aus dem Umland arbeiten gerne in München, und viele Münchner tun es umgekehrt. Dass wir nur zusammen stark sind, das hat der Tourismusgipfel betont. Tourismus und Wirtschaft gehen miteinander her. Dass dies auch in Zukunft reibungslos funktioniert, ist nicht nur mein Wunsch, sondern der Wunsch aller am Tourismusgipfel Beteiligten. Dieses Ergebnis freut mich gerade in einer wirtschaftlich für alle sehr beanspruchenden Zeit.“

Gespräch der Projektgruppe als solide Grundlage

Balkonblüte mit Brecherspitze am Schliersee, Foto: Karl B. Kögl, Schliersee
Foto: Karl B. Kögl, Schliersee

Miesbachs Landrat Olaf von Löwis betrachtet die Aufgabe, die verschiedenen Interessen von Stadt und Land zu vereinen schon lange als große Herausforderung und ist froh, dass „das Thema nun an der Stelle angekommen ist, wo es hingehört, nämlich auf überregionaler Ebene“.

Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner wünscht sich ein besseres Miteinander. „Das gelingt uns nur, wenn wir aufeinander Rücksicht nehmen. Rücksicht entsteht aus Verständnis füreinander. Dieses Gespräch und die Projektgruppe sind eine solide Grundlage dafür.“

Erste positive Beispiele für die zukünftige Zusammenarbeit mit den Regionen erkennen der Tourismusverband Oberbayern München und dessen Präsident Klaus Stöttner bereits: „Der neue Ausflugsticker Bayern, Vernetzung der Ranger, das Aufzeigen von Lösungen im Parkraum-Management mit Besucherstromerfassung, aber auch Sensibilisierung und Akzeptanzkampagnen.“

Teilnehmer beim Tagestourismusgipfel

Zum Termin eingeladen haben Miesbachs Landrat Olaf von Löwis, Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sowie der Tourismus Oberbayern-München-Präsident und Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner.

Weitere Teilnehmer am Tagestourismusgipfel waren:

  • Ilse Aigner, Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete
  • Alexander Radwan, Bundestagsabgeordneter
  • Katrin Habenschaden, 2. Bürgermeisterin Stadt München
  • Christoph Göbel, Landrat München
  • Josef Niedermaier, Landrat Bad Tölz-Wolfratshausen
  • Clemens Baumgärtner, Referent für Arbeit und Wirtschaft Stadt München
  • Vertreter des Wirtschaftsministeriums
  • Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer MVV
  • Harald Gmeiner, Vorstand Alpenregion Tegernsee Schliersee
  • Christian Kausch, Geschäftsführer Tegernseer Tal Tourismus
  • Alexander Schmidt, Geschäftsführer Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach
  • Wolfgang Wittmann, Geschäftsführer Europäische Metropolregion München e. V.
  • Oswald Pehel, Geschäftsführer Tourismus Oberbayern-München e.V.
  • Helmut Käs, Vorsitzender von Tourismus Initiative München e.V.

Corona-Regeln: Notbremse seit 14.4. wieder in Kraft

Die Corona-Maßnahmen in Bayern werden bis mindestens 9. Mai verlängert. Das Bayerische Kabinett hat am 7. April neue Regelungen für Einzelhandel und Schule beschlossen, die seit 12. April in Kraft sind.

Da die 7-Tage-Inzidenz für München am 12. April drei Tage in Folge über 100 lag, greift seit dem 14. April die von Bund und Ländern verabschiedete Notbremse. Es gelten jetzt wieder strengere Maßnahmen für Kontakte, Einkaufen, Kultur und Sport sowie eine nächtliche Ausgangssperre.

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