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Von der Hackerbrücke zum Hofbräuhaus: Ein Corona-Streifzug in Bildern

Hackerbrücke
Einsames Pärchen nach Sonnenuntergang auf der Hackerbrücke

Ein nächtlicher Foto-Spaziergang durch die leere Stadt

(16.5.2020) Zugegeben, in der Münchner Innenstadt geht's spätabends selten zu wie am Stachus – auch, wenn gerade keine Pandemie ist. So leer wie grad war's aber noch nie. Wir nehmen Euch mit auf einen historischen Spaziergang der anderen Art: Zum Hofbräuhaus, auf den Viktualienmarkt und zur Bavaria. Auf eine verlassene Maximilianstraße und zum Friedensengel im letzten Licht.

Zapfenstreich um Punkt 23 Uhr: Am Friedensengel

Friedensengel

Dieses Foto entstand um 22:55 Uhr. Eine Minute später fuhr ein Mann auf einem im Kunstlicht glänzenden Motorrad vor und schob seine Maschine auf den gepflasterten Vorplatz des Brunnens. Hauchte noch mal aufs Blech, polierte liebevoll mit dem Taschentuch drüber, positionierte das Fahrzeug im perfekten Winkel vor Fontäne und Friedensengel. Nahm die Kamera aus dem Rucksack, trat ein paar Schritte zurück, legte den Finger auf den Auslöser und ... klick! Aus war das Licht. Alles dunkel. Um Punkt 23 Uhr.

In Nicht-Corona-Zeiten hätte die Fotografin ihn vermutlich aus Mitgefühl spontan in den Arm genommen.

Einsam wacht die Frauenkirche

Augustiner am Dom

Dass die Beleuchtung an den rund 100 Baudenkmälern, die von der Stadt München nachts kunstvoll und ebenso ausgeklügelt wie energiesparend angestrahlt werden, um Punkt 23 Uhr ausgeht – hättet Ihr's gewusst? Wir auch nicht.

Es macht dieses Bild besonders – ist es doch nicht um zwei Uhr früh aufgenommen, sondern um kurz nach 21 Uhr abends. Bis August 2019 leuchtete die Frauenkirche übrigens noch bis 00:30 Uhr. Jetzt ist schon eine Stunde vor Mitternacht Schluss, natürlich nicht wegen Corona, sondern aus Energiespar- und Umweltschutzgründen. Mir san hier halt nicht in Las Vegas!

Das Platzl ohne Touristen – das gab's noch nie

Platzl mit Hofbräuhaus

In München steht ein Hofbräuhaus ... Das Gebäude der Stadt, das vermutlich bekannter ist als der Dom zu Unserer Lieben Frau aka die Frauenkirche, dessen Lied von einem Preußen geschrieben wurde und das es nur gibt, weil im 16. Jahrhundert dem damals amtierenden Herzog das bayerische Bier nicht schmeckte, der Import aus dem Norden zu teuer wurde und er ein gescheites eigenes brauen lassen wollte.

Hier wird einem ganz besonders bewusst, was anders ist während der Pandemie. Am ganzen Platzl ist nämlich tatsächlich kein Mensch. Und das schon kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Wie sich das anfühlt? Irgendwie traurig. Aber, psssst: Auch schön. Oder ist Euch der Alte Peter schon mal aufgefallen, den man von hier aus sieht?

Ein Sommer ohne Maske

Sigi Sommer in der Rosenstraße

Für den Schriftsteller und Journalisten Sigi Sommer wäre die Corona-Zeit sicher eine interessante Inspiration für seine Kurzgeschichten und seine AZ-Kolumne über München gewesen. Fast könnte man meinen, dass er ein wenig verwundert dreinschaut, der bekannteste Münchner Stadtspaziergänger in Form seiner Bronzestatue in der Rosenstraße. Hier tobt auch ohne Pandemie um 21:57 Uhr meistens nicht das Leben, aber so ausgestorben? Na, echt ned.

Mit einer Maske hat ihn übrigens bis dato niemand verziert, wahrscheinlich aus Respekt – und weil's die im Freien und mit Abstand nicht braucht.

Liesl Karlstadt auf dem Viktualienmarkt

Liesl-Karlstadt-Brunnen auf dem Viktualienmarkt

Auch sie ist ein Münchner Original, bei dem man sich unweigerlich fragt: Was hätt sie g'sagt? Beim Blick auf den abendlich leeren Viktualienmarkt an einem lauen Frühsommerabend. Tagsüber ist es zwar auch leerer als gewohnt, und neuerdings tragen die einkaufenden Menschen mehr oder weniger seltsame Stoffstreifen über Mund und Nase. Aber so richtig auffallen tut die Veränderung erst, wenn die Marktstände schließen.

So leer ist es auf dem Viktualienmarkt, dass einem jetzt erst so richtig die sechs Brunnen auffallen, die hier verteilt sind. Neben dem von Liesl Karlstadt gibt es einen mit Karl Valentin, ihrem berühmten Partner und Herzensbrecher, der Volkssänger Weiß Ferdl hat einen, Komödiantin Ida Schumacher, Schauspielerin Elise Aulinger und der Kollege Roider Jackl. 

Wenn die Kastanien am Wiener Platz blühen

Wiener Platz in Haidhausen

Es wirkt fast wie eine Verschwendung, wie die Kastanienbäume am Wiener Platz in Haidhausen in voller Blüte stehen. Nicht in dezentem Weiß, sondern in leuchtendem Rosarot. 

Andererseits auch beruhigend, dass die Natur sich nicht vom Virus beeindrucken lässt und alle Register zieht. Und gut, dass man keinen triftigen Grund mehr braucht, um die Blüten zu bewundern – auch wenn das Bewundern von blühenden Kastanienbäumen gar nicht so unwichtig ist, zumindest nicht für den Münchner, der seinen Biergarten vermisst. Immerhin öffent der Hofbräukeller ab Montag wieder seinen Eingang.

Am Gärtnerplatz: Ein Herz für München

Gärtnerplatztheater

Zugegeben, der Gärtnerplatz war in der Zeit der Ausgangsbeschränkung nicht gerade das Aushängeschild für konsequentes Daheimbleiben – aber bis auf wenige Ausnahmen war es auch hier ziemlich ruhig, auch an warmen Frühlingsabenden. Und wenn man genau hingeschaut hat, hat's auch mit dem Abstandhalten ganz gut hingehauen. 

Zum Dank hat das Gärtnerplatztheater den Münchnern eine herzige Licht-Installation geschenkt. Sieht und fotografiert man übrigens am besten mit etwas Abstand.

Die geteilte Bavaria auf der Theresienhöhe

Bavaria

Keine Sorge, das sieht nur so aus. Auch wenn sich unsere Bavaria sicher momentan sehr wundert: Kein Frühlingsfest und stattdessen dieser Bauzaun zu ihren Füßen, der wegen der Covid-19-Teststation dort aufgestellt ist.

Nachts aber wird nicht getestet, und die Theresienwiese beweist, dass sie auch ohne Veranstaltungen ein wichtiger Ort für die Stadt ist. Dort ist genügend Platz, um gefahrlos zu joggen, mit dem Rad zu fahren, mit den Inlineskates Runden zu drehen und neue Tricks auf dem Skateboard auszuprobieren. Spaziergänger kommen sich nicht in die Quere und auch auf den Stufen der Schutzpatronin ist genügend Platz für eine Pause mit Abstand.

München ohne Touristen – die Maximilianstraße

Maximilianstraße

München hat ja an vielen Orten Italien-Flair, nicht nur am Königsplatz mit den Propyläen, auch am Max-Joseph-Platz bei der Oper und hier in der Maximilianstraße.

Direkt gegenüber ist das Hotel Vier Jahreszeiten. Momentan ohne die internationalen Touristen, die hier gerne logieren, zumindest die, die sich's leisten können. Sie und die Theatergänger sind es, die abends Münchens Edel-Flaniermeile beleben.

Im Moment gibt's hier nicht mal Taxis oder SUVs. Nur ein einsames Moped.

Der einsame Reiter am Wittelsbacherplatz

Wittelsbacherplatz bei Nacht

Normalerweise findet um diese Jahreszeit der Hamburger Fischmarkt auf dem Wittelsbacherplatz statt. Eine nette Abwechslung für die Münchner, Jever statt Augustiner und Scholle statt Leberkas. Auch die Musik ist exotisch: „An der Nordseeküste“ und Hans Albers, was man als Münchner halt so unter norddeutschen Tönen versteht. 

2020 leider nicht – etwas verloren prangt Kurfürst Maximilian auf seinem Sockel und deutet leicht planlos in die Ferne. Auch er scheint nicht zu wissen, wie genau es nun weitergeht, wann zu seinen Füßen wieder so richtig Leben ist, wohin die Reise geht. Was derweil bleibt, ist, seinen beeindruckenden Schatten zu bewundern, den er nachts wirft. Aber, nicht vergessen: Nur bis Punkt 23 Uhr.

Fotos & Text: Anette Göttlicher
Mai 2020

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Was ist erlaubt – was nicht? Die FAQs zur Kontaktbeschränkung

 

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