München oder Berlin? Wo das Leben besser ist

München oder Berlin

Leben, Studieren, Arbeiten - besser an der Isar oder in der Hauptstadt? Der Vergleich einer Zugezogenen

Schwabing oder Prenzlauer Berg, FC Bayern oder Hertha BSC, Weißwurst oder Currywurst? Diese und sieben weitere Fragen kann man sich schon mal stellen, wenn es darum geht, wo das Leben denn nun eigentlich besser ist: In München oder in Berlin?

1. Glockenbachviertel oder Kollwitzplatz?

Hipster, Nerds und alle, die „was mit Medien“ machen, wohnen am Roecklplatz (München) im Dreimühlenviertel oder in Friedrichshain (Berlin). Junge Familien hingegen leben im Glockenbach (München) oder rund um den Kollwitzplatz (Berlin). Das ist ein Klischee, aber wie alle Klischees trägt es ein Körnchen Wahrheit in sich. Die Kinderwagendichte und die Zahl der Bio-Läden dürf-ten an der Spree allerdings doch noch etwas höher sein. Und die Mieten immer noch niedriger als an der Isar. Was leider jedoch gegen das Glockenbachviertel spricht: In Berlin fahren junge Mütter Lastenfahrrad – und keine Monsterautos mit verdunkelten Scheiben. Diese SUVs, die die engen Straßen der Au und die Gegend um den Gärtnerplatz verstopfen, sind bedauerlicherweise ein echter Minuspunkt für München.

2. Flaucher oder Tiergarten?

In Berlin grillt man am Wochenende ab mittags, in München eher zum Sonnenuntergang. In Berlin trifft man sich im Tiergarten vorm Schloss Bellevue, also in Sichtweite von Joachim Gauck, in München am Flaucher, also unweit vom Tierpark Hellabrunn. Die Berliner packen ihren Grill auf den grünen Rasen, die Münchner stellen ihn auf den Kies ans Isarufer. In Berlin gibt’s eher Lammspieße, Köfte und Paprikaschoten, in München Würstchen, Steaks und Vegetarisches. Was schöner ist? Geschmackssache.

3. Flughafen Franz Josef Strauß oder Flughafen BER?

Der Gag Berlins zur „#10yearschallenge“ spricht Bände: 2009 vs. 2019, zwei identische Bilder der Berliner Flughafenbaustelle. Das BER-Missmanagement lässt sich vermutlich nicht unterbieten. Unterdessen in München: Debatten um die Notwendigkeit einer dritten Startbahn für den Franz-Josef-Strauß-Flughafen …

4. Schwabing oder Prenzlauer Berg?

Schwabing war mal jung und wild, aber das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Mittlerweile ist es ein sehr bürgerliches und ziemlich etabliertes Stadtviertel mit hoher Kneipendichte und vielen Restaurants. Viele Straßen sind von alten Bäumen gesäumt, der Elisabethmarkt ist eine Oase für Genießer und der Luitpoldpark das Lieblingsziel der Jogger.

In Prenzlauer Berg hingegen wohnen vornehmlich junge Familien. Als „Bionade-Biedermeier“ wird es gerne verspottet, weil es mittlerweile droht, zur Karikatur seiner selbst zu werden. Denn das ökologisch korrekte Leben kann auf Dauer ziemlich anstrengend sein. Deshalb: Klarer Punkt für das entspannte Schwabing!

5. Staatskanzlei oder Reichstag?

Und bei dieser Frage gibt’s einen genauso klaren Punkt für Berlin. Die Kuppel: atemberaubend. Die Lage: unvergleichlich. Der Symbolwert des Gebäudes: einzigartig. Seine Bedeutung innerhalb der deutschen Geschichte: unerreicht. Die Bayerische Staatskanzlei hingegen: Hübsch.

6. Uschi Glas oder Alexandra Maria Lara?

München: Fritz Wepper. Uschi Glas. Jutta Speidel. Und all die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler, die regelmäßig in der „Bunten“ auftauchen. Fernseh-Gesichter. Prominent, na klar, aber alle schon etwas älter. Berlin: Matthias Schweighöfer. Alexandra Maria Lara. Anna Maria Mühe. Hannah Herzsprung. Kinogesichter. Tja. Schade für München, aber die Stars von heute, die die Generation Facebook ins Kino locken, findet man an der Isar eher nicht.

7. FC Bayern oder Hertha BSC?

Hm. Ganz schwere Frage. Echt. Schließlich war Hertha 1930 und 1931 ja mal Deutscher Meister. Andererseits ist das schon ziemlich lange her. Und der FC Bayern … aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

8. Weißwurst oder Currywurst?

Keine Frage: eine echte Berliner Currywurst, etwa von Konnopke an der Eberswalder Straße, dem Kiosk direkt unter der U-Bahn, schmeckt einfach toll. Die Konnopkes, die ungekrönten Kings of Currywurst, machen sogar den Ketchup selbst, nach einem alten Familienrezept, das sie streng geheim halten. Außerdem hat ihnen Silly, die legendäre Ost-Band, mal einen Song gewidmet: „Heiße Würstchen“.

Andererseits: Was ist schon eine Wurst aus der Pappschale, mit einer Plastikgabel im Straßen-lärm gegessen, gegen ein traditionelles Weißwurst-Frühstück mit süßem Senf, Brezn und Weißbier an einem sonnigen Vormittag auf dem Viktualienmarkt?

9. Starnberger See oder Wannsee?

Ehrlich gesagt hat der Wannsee schon seinen Reiz. Ein großes Spaßbad für Familien, das am Wochenende die Badewanne für tout Berlin abgibt. Dagegen die malerische, poetische Schönheit des Starnberger Sees: das Bilderbuch-Panorama, das vom Karwendel über die Benediktenwand bis zur Zugspitze reicht. Die großen Badewiesen, die Wanderwege, die Segler, Surfer und die Ausflugsdampfer. Der Wannsee – das ist lautstarkes Vergnügen. Der Starnberger See ist Natur pur und Eleganz.

10. Berliner Linie 1 oder Münchner Tram 19?

Die berühmteste U-Bahn-Linie der Hauptstadt führt von Friedrichshain nach Wilmersdorf, also aus dem kreativen Szeneviertel bis vor die Haustür des alteingesessenen Westberliner Bürgertums. Wer einsteigt, genießt eine City-Tour, die an der Oberbaumbrücke beginnt, am Kottbusser Tor vorbeifährt und über den Wittenbergplatz (KaDeWe!) zur Uhlandstraße, also zum Kurfürsten-damm, zuckelt. Keine schlechte Route. Doch die Münchner Tram 19 kann da locker mithalten: vom Stachus über den Promenadeplatz, vorbei am Bayerischen Hof, durch die Fußgängerzone (Theresa!) an der Oper entlang, die Maximilianstraße hoch Richtung Landtag, dann am Völkerkun-de-Museum vorbei und über die Isar zum Max-Weber-Platz und schließlich durch Haidhausen zum Ostbahnhof. Sightseeing mit der Linie 19 – eindeutig die schönere Stadtrundfahrt.

Text: Margot Weber

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