Münchner Original: Marcus da Gloria Martins

Sprecher der Polizei München im Porträt

Seit Ende 2015 steht Marcus da Gloria Martins als Sprecher der Münchner Polizei in der Öffentlichkeit. muenchen.de hat sich mit dem gebürtigen Kölner Mitte Juli unterhalten.

Biographie von Marcus da Gloria Martins

Marcus da Gloria Martins, Foto: Rico Güttich
Foto: Rico Güttich

Marcus da Gloria Martins ist in Hürth geboren, lange Zeit lebte er in Köln. Nach dem Abitur wusste der mittlerweile 43-Jährige nicht so ganz was er machen sollte. Er entschied sich gegen ein Studium und für eine Ausbildung. Doch seine Lehre konnte er nicht beenden, denn sein Ausbildungsbetrieb musste zeitnah schließen. Sein damaliger Nachbar war Einstellungsberater. Dieser gab ihm die Empfehlung, sich bei der Polizei zu bewerben. Nach einigen Einstellungsgesprächen und Auswahltests war klar: Marcus da Gloria Martins wird Polizist.

2005 wechselte Marcus da Gloria Martins zur Münchner Kriminalpolizei. In den vergangenen Jahren war die Krisenkommunikation sein Aufgabengebiet. Nebenbei machte er auch noch seinen Master im Bereich "Krisenkommunikation – kritische Infrastrukturen". Von dort aus war es nur noch ein kleiner Schritt in den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Diesen leitet er seit Oktober 2015.
 

Marcus da Gloria Martins im Interview mit muenchen.de

Mein Münchner Lieblingsplatz – Restaurant Preysinggarten

Durch die Gäste hier, durch die Lage in einem sehr gewachsenem Viertel. Mit dem Stempel: kleine, grüne Oase. Was ich an München sehr schätze, ist dass man, trotz dem Label Großstadt, gerade in dem gewachsenen München immer wieder Örtlichkeiten findet, wo es kleine überraschende Winkel gibt.

Ihr Münchner Moment ist…

Es gibt eine ganz tolle Erfahrung, die tatsächlich nicht viele Menschen teilen können. Das ist etwas, was Taxifahrer, MVG-Fahrer und Frühaufsteher gerne erleben. Es ist total spannend, wenn Sie im Streifenwagen in München unterwegs sind und den Sommermorgen haben. Diese Stimmung so ab Sonnenaufgang, wo Sie eine ganz eigene Luft haben, wo Sie eine ganz eigene Lichtstimmung haben, wo ganz eigene Menschen unterwegs sind. Und wenn Sie dann noch über die Isarbrücken fahren oder an einer Stelle unterwegs sind, wo Sie einen schönen Blick über München haben, dann ist das tatsächlich schön.

Und wenn ich das aufbohre, dann mag das jetzt ordentlich nach der Klischee-Sau klingen, der man ordentlich eins auf den Hintern gibt, aber es ist auch einfach schön, sich an einem leicht windigen Sommertag in den Englischen Garten zu legen. Das steht gerne auch auf der Tourismus-Seite, allerdings ist das auch in Wirklichkeit schön.

Typisch München ist…

Der typische Münchner verhält sich anders als das typisch Münchnerische. Den typischen Münchner findet man nämlich nicht mehr so leicht, es gibt sie aber. Als Münchner Schandi kommt man relativ oft mit dem echten Münchner in Kontakt und das ist sehr interessant, da es eine sehr eigene Spezies ist. Nicht so leicht zu knacken, aber wenn sie denn mal geknackt wurde, sehr herzlich ist. Wirklich hilfsbereit, herzlich und direkt. Was ich sehr schätze! Tatsächlich ein Menschenschlag mit dem man sich gerne befasst.

Das typisch Münchnerische dagegen, das zeichnet sich dadurch aus, dass man eben den Begriff Lebenskultur lebt. Das merkt man neben dem Freizeitangebot daran, dass man den Münchner daran erkennt, dass bei Vermutung eines Sonnenstrahls Straßengastronomen reflexartig ihre Tische auspacken. Und nach gefühlt 0,5 Sekunden genau auf diesen Stühlen auch Leute sitzen und dann sofort eine grundentspannte Ausstrahlung haben, das finde ich wahnsinnig toll. Ich mag die Fähigkeit des Münchners das Gas rauszunehmen, diese Fähigkeit hat er jedoch nicht bei jeder Gelegenheit.

In Köln können Sie sich quasi nur durch grobe Unhöflichkeit oder Gewalttätigkeit dagegen schützen, dass am Tisch neben Ihnen einer hinsetzt und Sie innerhalb der ersten fünf Minuten ein Gespräch über Gott und die Welt haben. Das ist hier anders und wird gerne als Reserviertheit betrachtet, ich finde dies allerdings gar nicht so unangenehm.

Was würden Sie an München vermissen?

Ich weiß, dass Verkehrsplanung in München dazu nicht gehört. Ich weiß auch, dass die Betriebsstörungen bei der Münchner S-Bahn nicht dazu gehören. Ich weiß auch, dass gewisse Stoßzeiten in der Fußgängerzone nicht dazugehören.

Aber was auf jeden Fall dazu gehört, ist das Leben in so Ecken wie diesen. Und der Kontakt zu Menschen, die solche Ecken ebenfalls schätzen. Und jetzt wird es wieder klischeehaft: die Möglichkeit sich in ein Fortbewegungsmittel meiner Wahl zu setzen und sich innerhalb von 30 Minuten außerhalb von München in irgendeiner Postkarte zu bewegen.

Was und wen nehmen Sie mit in den Biergarten?

Also wenn es irgendwie möglich ist, wird tatsächlich in guter, alter Biergartentradition das Getränk vom Wirt bezogen und der Rest wird mitgebracht. Beim Schauen von Fußballspielen, gerade jetzt wie in den letzten Wochen, wenn große Spiele sind, dann eher mit Freunden. Aber auch mit der Liebsten, wenn sich es irgendwie ausgeht. Dann mit leckeren, mitgebrachten Sachen.

Die Kölschversorgung in München ist sehr gut! Dies hat den Übergang schon einmal leichter gemacht. Immer frisch, immer in konsumfähigen Portionen vorhanden. Die rheinische Portionsgröße ist immer noch das, wo ich sage, die nehme ich!

Mit welchem Münchner würden Sie gerne ein Bier trinken?

Ich wähle bewusst, ich nominiere: Karl Valentin. Karl Valentin einfach weil er ein wahnsinnig scharfer Geist war und ein wahnsinnig scharfzüngiger und sauber analysierender Mensch, der Zeitgeist und Mensch wunderbar sezieren konnte. Ich würde mich mit Karl Valentin wahnsinnig gerne über unsere Gesellschaft unterhalten. Und würde mir gerne anhören, was er denkt und wie er es aussprechen würde.

Der zweite im Bunde ist Joseph Zängl. Er ist der Herausgeber des ersten Münchner Anzeigers gewesen. Ich habe naturgemäß sehr viel mit Medien zu tun, sehr viel mit Presse zu tun. Ich habe sehr schnell feststellen können, dass es im Umgang mit Medien und Presse kein schwarz oder weiß gibt – es gibt sehr viel grau dazwischen. Und dieses grau wird von sehr vielen Motiven getrieben. Ich würde mich gerne mit Herrn Zängl darüber unterhalten, wie es in seiner Zeit war und wie er das heutige Gebaren bewerten würde.

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