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Die energiegerechte Stadt


Erdwärme und Sonnenenergie

Der neue Stadtteil Freiham setzt in energetischer Hinsicht Standards: Kohlendioxidarme Erdwärme und Sonnenenergie sollen den Bedarf an Strom und Wärme decken, der durch eine dichte, kompakte Bebauung ohnehin so gering wie möglich gehalten wird. Auch die benachbarte Siedlung Neuaubing aus den 1960er Jahren wird in die Planung einbezogen.

Energiezentrale Freiham  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Die neue Energiezentrale an der Bodenseestraße

Geothermie für den alten und neuen Stadtteil

Der Stadtteil Neuaubing und das Neubaugebiet Freiham sollen mit umweltfreundlicher Erdwärme aus nahezu 3000 Metern Tiefe (Geothermie) versorgt werden. Das ist die Kernidee des vom Stadtrat beschlossenen Energiekonzepts. An der Bodenseestraße haben die Stadtwerke eine Energiezentrale errichtet, die die Umwandlung von heißem Wasser in Wärme möglich macht.

2015 wurden die Probebohrungen gestartet, ab Herbst 2016 soll die Öko-Wärme zur Verfügung stehen.

In München sind die Voraussetzungen für Geothermie sehr gut: Tief unter der Erdoberfläche befindet sich ein riesiger Vorrat an heißem Wasser, der relativ leicht angezapft werden kann. Dazu muss mit einer speziellen Technik aus der Erdöl- und Erdgasförderung bis zu 3000 Meter tief in die Kalksteinschicht (Malm) gebohrt werden. Diese ist mit Spalten und Rissen durchzogen, die Hohlräume sind mit 80 bis 90 Grad heißem Wasser gefüllt. Das Besondere an der Geothermie: Sie ist nach menschlichen Maßstäben unerschöpflich, ständig verfügbar und unabhängig von Klima, Tages- oder Jahreszeit. Außerdem ist ihre Nutzung nahezu CO2-frei.

Vorbild Messestadt Riem

In Freiham sind – genau wie in der Messestadt Riem, wo 2004 Deutschlands leistungsstärkste Geothermie-Anlage in Betrieb ging - zwei Bohrungen vorgesehen: eine Bohrung, um das heiße Wasser nach oben in die Energiezentrale zu befördern, und die zweite, um es ausgekühlt wieder in den Malm zurückzuleiten. Das ist erforderlich, um den Wasserhaushalt in der Tiefe nicht zu stören. In der Energiezentrale wird die Abwärme des heißen Wassers über Wärmetauscher in das städtische Fernwärmenetz eingespeist, das das Gewerbegebiet Freiham-Süd und die Umgebung mit Energie versorgt. In Freiham-Nord wird ein so genanntes Niedertemperaturnetz verlegt, das eine spezielle Heiz- und Gebäudetechnik erfordert. Dadurch kann das ohnehin schon abgekühlte Wasser weiter gekühlt werden, wodurch zusätzliche Energie entsteht. Bis 2040 wollen die Stadtwerke Fernwärme komplett aus regenerativen Energien gewinnen. Die Geothermie in Freiham ist ein wichtiger Baustein dafür. Das Fernwärmenetz Freiham wird mit dem der Münchner Innenstadt verknüpft.

Modernes Heizwerk an der Bodenseestraße

Das moderne Heizwerk an der Bodenseestraße hat im Herbst 2012 zunächst mit Erdgas-befeuerten Heizkesseln den Betrieb aufgenommen. 2014 soll mit den Bohrungen für die Geothermie begonnen werden. Diese soll künftig die Wärme-Grundversorgung für Freiham und den Münchner Westen sicherstellen. Die Heizkessel werden dann nur noch als Reserve und für Spitzenlasten im Winter benötigt. Die Anlage ist so konstruiert, dass sie später erweitert werden kann. Weil sie an einer städtebaulich sehr prägnanten Stelle steht, haben die Stadtwerke 2008 einen europaweiten Realisierungswettbewerb dafür ausgelobt, bei dem zwölf Arbeiten aus 86 eingereichten Bewerbungen bearbeitet wurden. Sieger wurde das Büro Bohn Architekten aus München. Das städtebauliche Konzept steht unter dem Leitbild „Grüne Energie“. Dies wird durch eine bewegt gestaltete Landschaft mit einem begrünten Wall symbolisiert, dessen markanten Mittelpunkt der strahlende Energieturm als transparente Stahlkonstruktion bildet.

Funktionsprinzip der Geothermie

Grafik: Stadtwerke München Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grafik: Stadtwerke München

Das Neubaugebiet Freiham

Für den städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb, der 2011 für den ersten Realisierungsabschnitt Freiham-Nord entschieden wurde, haben zahlreiche energetische Kriterien eine Rolle gespielt.

  • eine angemessene städtebauliche Dichte und kompakte Gebäudeformen, um Flächen zu sparen, das Fernwärmenetz rentabel zu machen, Wärmeverluste zu vermeiden und das Mobilitätsaufkommen zu verringern („kompakte Stadt der kurzen Wege“)
  • hohe energetische Gebäudestandards
  • die optimale Nutzung von Sonnenenergie
  • eine sinnvolle Platzierung der größten Wärmeverbraucher möglichst nah am Heizwerk

Die Ergebnisse wurden anschließend energetisch geprüft und optimiert.

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Das Bestandsgebiet Neuaubing

Eine energiegerechte Stadtentwicklung umfasst auch die Sanierung des Bestandsgebiets. Von 2009 bis 2012 hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung gemeinsam mit den Stadtwerken München und der Hochschule für Technik Stuttgart im Rahmen eines Pilotprojekts untersucht, wie die Entwicklung von Freiham mit Neuaubing verknüpft werden kann.

  • Auch in Neuaubing soll auf regenerative Energieträger umgestellt werden: Um dort ein flächendeckendes Fernwärmenetz aufzubauen, wurden die Gebäude dort untersucht und ihr Wärmebedarf umfassend analysiert. Daraus zogen die Verantwortlichen Rückschlüsse für das Gesamtgebiet.
  • Außerdem soll der Energieverbrauch gesenkt werden: Bei Ortsbegehungen ermittelten Fachleute die Sanierungsstände und untersuchten Strategien für eine sozialverträgliche Sanierung einzelner Gebiete.
  • Begleitend zu Bebauungsplänen und Sanierungskonzepten sollen Energieleitpläne erstellt werden, die städtebauliche, energetische und sozioökonomische Ziele miteinander verknüpfen.
  • Ein gebietsübergreifender Strategieplan greift auch die Aspekte Verkehr, Grün, Sozialstruktur und Bildung auf.

Ziel ist es, dass sowohl die Einwohnergruppen in Freiham als auch in Neuaubing von hohen energetischen Standards profitieren: Steigende Energiepreise dürfen zwischen „Energiegewinnern“ in Neubaugebieten und „Energieverlierern“ in älteren Siedlungen kein soziales Ungleichgewicht verursachen. Vielmehr soll eine gemeinsame energiegerechte Entwicklung das Zusammenwachsen der Stadtteile und die Bildung einer gemeinsamen Identität fördern. Die Lösungen werden in einem breiten Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern abgestimmt. Das Pilotprojekt „Energiegerechte Stadtentwicklung – Chancen für den Bestand durch energetisch innovative Neubaugebiete“ fand von 2009 bis 2012 statt und wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Rahmen seines Förderprogramms „Nationale Stadtentwicklungspolitik“ unterstützt.

Kontakt

Landeshauptstadt München

Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Stadtplanung

Blumenstraße 28b
80331 München