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Zusammen ist man weniger allein


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© Rudi Hassenstein

24 Wohnprojekte hautnah erleben und mit den Bewohnern ins Gespräch kommen

Die mitbauzentrale münchen koordiniert den Tag der offenen Wohnprojekte am 21. April

Den Dachgarten mit Hochbeeten, Gewächshaus und Rückzugsflächen genießt Thomas Vogl sehr. Er ist ein Mitglied der Baugenossenschaft wagnis 4 und war schon bei der dreijährigen Planungsphase für das Projekt in der Petra-Kelly-Straße 29 dabei. Der Dachgarten war auch ein Wunsch von ihm.
Vogl hat viele Gespräche geführt und Entscheidungsprozesse mitgestaltet. „Da hat man sich auch einiges abschminken müssen“, sagt der Ehemann und Vater eines zwölfjährigen Jungen. Etwa eine reine Holzbauweise, die zu teuer gekommen wäre. Jetzt besteht wagnis 4 aus drei miteinander verbundenen Häusern im Hybridbau: Die Außenwand ist aus Holz, das tragende Gerüst aus Beton. Für Vogl ein akzeptabler Kompromiss.

Rede und Antwort

wagnis 4 ist eines der 24 Wohnprojekte, die am Samstag, 21. April, von 10.30 bis 18 Uhr Besucherinnen und Besucher willkommen heißen. Architekten, Gründungsmitglieder und Bewohner führen durch die Anwesen und stehen Rede und Antwort.
Genossenschaften, Baugemeinschaften und Vereine im Domagkpark, am Ackermannbogen oder in der Messestadt Riem informieren über ihre unterschiedlichen Konzepte. Auch kleine Einzelprojekte wie die des Vereins „Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter“ mit acht Wohnungen in Pasing oder der Stattpark Olga in Obersendling öffnen ihre Türen.

Günstig und gemeinschaftlich

Seit 2012 haben Baugenossenschaften rund 1.900 Wohnungen in 32 Projekten und Baugemeinschaften weitere 860 Wohnungen in 42 Projekten gebaut. Allein in den letzten drei Jahren gründeten Akteure neun Baugenossenschaften.
Ein entscheidender Grund ist die finanzielle Unterstützung, die die Stadt bietet (siehe Artikel unten). Ein anderer das selbstverwaltete Wohnen von Menschen, die während der Planungsphase zusammengewachsen sind.
Thomas Vogl schätzt diese beiden Aspekte. „Wir leben jetzt in einer sicheren Nische, die uns das Konzept der Wohngenossenschaft ermöglicht. Eine feste Miete, finanzielle Planbarkeit.“ Und eben der Zusammenhalt im Alltag: Gemeinsam grillen auf dem Dachgarten oder spielen an der Tischtennisplatte im Hof. Und wenn sonntags mal der Puderzucker ausgeht, schreibt Vogl einfach eine Mail an den Gesamtverteiler des Hauses und hat binnen zehn Minuten fünf Angebote, zwei Packungen stehen gleich vor der Wohnungstür. „Das ist wirklich so“, beteuert er.

Einfach vorbeikommen

Am Tag der offenen Wohnprojekte erleben die Besucher gelungene Beispiele und können sich über die unterschiedlichen Bau- und Wohnkonzepte und den Alltag in einem Wohnprojekt informieren, etwa auch über wagnis 4 am Ackermannbogen.
Auf mitbauzentrale-muenchen.de steht eine Liste der teilnehmenden Projekte. Die mitbauzentrale bietet Beratung für gemeinschaftsorientiertes Wohnen und koordiniert den Tag. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich – daher: „Seien Sie neugierig!“ und kommen einfach vorbei.

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© Victoria von Gaudecker

Gemeinschaftlichen Wohnungsbau stärken

Baugenossenschaften und Baugemeinschaften sind wichtige Akteure auf dem Markt

Sozial gemischt, lebendig, innovativ, energetisch hochwertig – und bezahlbar. Mit diesen Eigenschaften lassen sich Wohnprojekte beschreiben, die von Baugemeinschaften oder Baugenossenschaften umgesetzt wurden. Grund genug für die Stadt, diese Akteure zu unterstützen.

Reserviertes Bauland

So vergibt die Stadt 20 bis 40 Prozent der Grundstücke in großen Siedlungsgebieten an Akteure gemeinschaftlicher Wohnprojekte.
Derzeit schreibt das Planungsreferat beispielsweise Grundstücke für Genossenschaften in Freiham Nord aus. Flächen für etwa 450 Wohnungen bietet die Stadt dort im ersten Bauabschnitt an. Auch Baugemeinschaften kommen demnächst mit etwa 210 Wohnungen zum Zug.
In den nächsten Jahren können auf städtischen Grundstücken insgesamt 3.500 Wohnungen allein für Genossenschaften entstehen.

Finanzierungsmodelle

42,5 Prozent der Bauflächen für Genossenschaften in Freiham Nord sind dabei für den Konzeptionellen Mietwohnungsbau (KMB), 32,5 Prozent für das München Modell Genossenschaften und 25 Prozent für die Einkommensorientierte Förderung (EOF) vorgesehen.
Vom Konzeptionellen Mietwohnungsbau profitieren insbesondere Münchner, die knapp über der Einkommensgrenze für Fördermodelle liegen.Mit dem München Modell unterstützt die Stadt Bewohner mit unterem und mittlerem Einkommen. Und die Einkommensorientierte Förderung in Form eines Mietzuschusses dient insbesondere Haushalten mit niedrigem Einkommen.
Die Infos zu Ausschreibungen und Finanzierungsmöglichkeiten sind unter muenchen.de/wohnen zu finden.

Gut beraten

Wer sich rund um das Thema gemeinschaftliches Bauen und Wohnen schlau machen will, ist bei der mitbauzentrale münchen richtig. Das Team arbeitet im Auftrag der Stadt und bietet Beratung von der Initiierung bis zur Gründung von Wohnprojekten – und das kostenlos.
Die mitbauzentrale bringt Menschen zusammen, die gemeinsame Ziele für das Wohnen anstreben. Außerdem vermitteln die Mitarbeiter an Experten und die richtigen Ansprechpartner bei der Stadt.
Die Beratung findet in der Schwindstraße 1 dienstags von 10 bis 14 Uhr und mittwochs von 15 bis 19 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung statt (Telefon: 57938950). Auch Themenabende gibt es regelmäßig. Alle Infos unter mitbauzentrale-muenchen.de.

 

"Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 17. April 2018.