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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Historisch, gestaltungsreich, wertvoll


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© maurer und sigl

Bis 1. März sind die Sieger des Fassadenpreises 2017 zu sehen

Die Stadt prämiert seit 1970 den Erhalt schützenswerter Fassaden

„Verhunzt Eure Fassaden nicht!“ – mit diesem Aufruf stemmten sich Studenten der Akademie der bildenden Künste im Februar 1969 gegen die fortschreitende Modernisierung von Altbaufassaden. Damit traten sie dem damaligen Zeitgeist entgegen, alten Gebäuden ein möglichst „modernes“ Gesicht zu verpassen. Zusammen mit der Stadtverwaltung und dem Stadtrat appellierten sie an die Hausbesitzer, die historischen Fassaden zu bewahren und so einen wertvollen Beitrag zum Erhalt des Münchner Stadtbilds zu leisten.

Bereits ein Jahr später fand der erste Fassaden-Wettbewerb statt. Seitdem würdigt die Stadt Hauseigentümer, die die gestaltungsreichen Fassaden ihrer Altbauten original und qualitativ hochwertig instand setzen lassen.
Inzwischen ist der Wettbewerb für viele Städte und Kreise Deutschlands zum Vorbild geworden. Die ungebrochen hohe Beteiligung zeigt, dass er nicht an Bedeutung verloren hat – seit 1970 wurden knapp 3.100 Bewerbungen eingereicht.

Beim Wettbewerb 2017 gingen 72 Bewerbungen für insgesamt 97 Anwesen ein. Die Stadt verlieh schließlich 23 Fassadenpreise an private Eigentümerinnen und Eigentümer und sprach sieben Lobende Erwähnungen für Gebäude in öffentlicher Hand aus.

Das Spektrum der ausgezeichneten Objekte reicht von Geschäftshäusern über Wohn- und Bürobauten bis zu Wohnblöcken oder Villen.

Da ist etwa das ehemalige Lehrerwohnhaus aus dem Jahr 1909 in der Schussenrieder Straße. Es wurde durch eine aufwendige Grundsanierung wieder fachgerecht hergerichtet (siehe Foto oben). Die Besitzer ließen die Fassade sowohl bei der Farbgebung als auch in der Strukturierung nach historischem Vorbild gestalten. Einzelne Elemente, wie die Kastenfenster, das Dach, die Einfriedung oder das Rankgitter, wurden entsprechend dem Original wiederhergestellt.

Auch die Sanierung des Kaufhofs am Stachus würdigt die Stadt mit dem Fassadenpreis 2017 (siehe Foto unten links). Als erster Kaufhausneubau der Nachkriegszeit prägt das Gebäude mit seiner Kubatur das städtebauliche Bild des Platzes seit 1951. Geeignete Platten der denkmalgeschützten Rasterfassade verwendeten die Architekten wieder, ergänzt wurden sie durch perfekt passende neue. Die nicht mehr originalen Fenster wurden gegen energetisch optimierte Fenster ersetzt. Dabei kommt die so erneuerte Fassade dem Vorzustand optisch sehr nahe.

Die Eigentümergemeinschaft des Mehrfamilienhauses in der Johann-von-Werth-Straße erhielt ebenfalls den Preis (siehe Foto unten rechts). Bei der aufwendigen Instandsetzung wurden Stuck, Putz und die historischen Kastenfenster aus dem Jahr 1910 fachgerecht repariert. Fehlende Fensterläden wurden wieder angebracht und der Anstrich passend im warmen Steinton gehalten.

Lobende Erwähnungen erhielten unter anderem der Freistaat Bayern für ein Doppelwohnhaus an der Gabelsbergerstraße 45, eine Kirchengemeinde für ihr Gemeindehaus in der Oberländerstraße 36 wie auch die städtischen Wohnbaugesellschaften GEWOFAG und GWG. Die GEWOFAG für ein Wohn- und Geschäftshaus in der Ismaninger Straße 2/4 und die GWG für den Wohnblock an der Thalkirchner Straße 117 bis 123.

Alle Sieger des Fassaden-Wettbewerbs sind noch bis 1. März in einer Foto-Ausstellung im Plan-Treff, Blumenstraße 31, zu sehen. Die Ausstellung ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

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© Michelgroup

Wissenswertes zum Wettbewerb 2019

Was wird ausgezeichnet – wer kann teilnehmen – wie kann man sich bewerben

2019 veranstaltet die Landeshauptstadt München den Wettbewerb zum Fassadenpreis bereits zum 46. Mal. Bis zu 25 gleichwertige Preise zu je 500 Euro werden dann wieder an private Hauseigentümer vergeben. Eigentümer der öffentlichen Hand können eine Lobende Erwähnung erhalten.

Die Stadt zeichnet mustergültige Instandsetzungen historischer Fassaden aus. Dazu zählen Renovierungen von Stuckfassaden der Gründerzeit und des Jugendstils, Renovierungen von Fassaden andere Bauepochen (bis einschließlich 1950er Jahre) und Renovierungen von Fassaden denkmalgeschützter Bauten nach 1960 sowie Fassadenmalereien.

Teilnehmen können alle Eigentümerinnen und Eigentümer, deren Gebäude auf dem Münchner Stadtgebiet steht und die die Arbeiten in den Jahren 2017 und 2018 durchgeführt oder fertiggestellt haben. Für die Lobende Erwähnung können sich Eigentümer der öffentlichen Hand einschließlich Religionsgemeinschaften, Gesellschaften, Anstalten, Körperschaften, Stiftungen etc. bewerben. Bewerbungsschluss ist der 31. Januar 2019.

Die Bewerbung kann formlos erfolgen. Sie sollte Straße, Hausnummer und Baujahr des Gebäudes sowie Name und Anschrift des Eigentümers und eine kurze Beschreibung der durchgeführten Maßnahmen enthalten. Auch Fotos des Gebäudes vor und nach der Renovierung sollten der Bewerbung auf Papier und auf einem Datenträger beigefügt sein.

Zu richten sind die Bewerbungen in zweifacher Ausführung an:
Landeshauptstadt München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung, HA IV/60 V – Untere Denkmalschutzbehörde, Tarek Kreitner, Blumenstraße 19, 80331 München.

Über die Preisverleihung entscheidet der Stadtrat nach Anhörung einer ehrenamtlichen Gutachterkommission. Die Kriterien bei der Beurteilung der Fassaden sind Originalität, Gestaltungsreichtum und Erhaltungsaufwand, farbliche Gestaltung, künstlerische und handwerkliche Qualität der Ausführung sowie stadtgestalterische Bedeutung.

Nähere Infos zum Wettbewerb gibt es unter Telefon 233-23739 oder per E-Mail an plan.ha4-denkmal-werbung@muenchen.de. Alle Informationen und Fotos der Gewinnerfassaden der letzten Jahre sind zu finden unter www.muenchen.de/denkmalschutz.

 

"Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 30. Januar 2018.