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Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur


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© Michael Nagy

Dauerausstellung, Bildungsangebot und Veranstaltungen im NS-Dokuzentrum

Der Platz vor dem Lern- und Erinnerungsort trägt bald Max Mannheimers Namen

Am 6. Februar ist es soweit – der bislang namenlose Platz vor dem NS-Dokumentationszentrum in der Brienner Straße bekommt den Namen des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer. Seit den 1980er Jahren machte sich der Zeitzeuge den Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus zur Lebensaufgabe.

Zu seinen Ehren findet an diesem Tag ab 19 Uhr eine Gedenkveranstaltung im Auditorium des NS-Dokuzentrums statt. Neben Filmausschnitten und der Lesung aus Mannheimers Lebenserinnerungen kommen Schüler, Freunde und Experten bei einem Podiumsgespräch zu Wort. Der Eintritt ist frei.
Der Lern- und Erinnerungsort setzt sich in vielfältiger Weise mit den Verbrechen der NS-Diktatur auseinander. Mit einer Dauerausstellung, verschiedenen Sonderausstellungen (siehe unten), zahlreichen weiteren Veranstaltungen und einem umfangreichen Bildungsangebot beschäftigt sich die Einrichtung mit den Ursachen, Ausprä­gungen und Folgen des Nationalsozialismus bis in die Gegen­wart.

So wird etwa anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags am 25. Januar um 19 Uhr an die verfolgten und ermordeten jüdischen Lehrerinnen und Lehrer mit klassischer Musik von Hans Neumeyer, einem Filmbeitrag und Lesungen erinnert. Und das Jugend-Sinfonie-Orchester Dachau bringt unter der Leitung des Theaters an der Würm am 27. Januar um 16 Uhr und am 29. Januar um 19 Uhr die Kinderoper Brundibár auf die Bühne. Sie entstand 1938 aus der Feder des tschechischen Komponisten Hans Krása, der in Auschwitz zu Tode kam.

Neben diesen und vielen weiteren Veranstaltungen bietet das NS-Dokuzentrum auch Ausstellungsrundgänge, Seminare und Fortbildungen an. So findet etwa am 24. Februar ein Workshop statt, der sich mit der Entnazifizierung im Nachkriegsdeutschland befasst. Außerdem können Gruppen unterschiedlich lange Seminare zu verschiedensten Themen buchen.
Alle Angebote sind zu finden unter ns-dokuzentrum-muenchen.de. Ein  aktuelles Programmheft liegt auch in der Stadt-Information im Rathaus aus.

Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.

Die Sonderausstellung zum Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945 geht bis 2. April

Die Entwicklung der rechtsextremen Bewegung im Laufe der vergangenen sieben Jahrzehnte ist geprägt von einem steten Kommen und Gehen unterschiedlicher Akteure, Strömungen, Organisationen und Netzwerke. Die Morde der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ und die Anschläge auf Asylunterkünfte und Geflüchtete haben die Themen Rechtsextremismus und rechtsextreme Gewalt gegenwärtig wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gebracht.

Mit dieser Entwicklung setzt sich die aktuelle Sonderausstellung „Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945“ auseinander. Sie ist noch bis 2. April im NS-Dokumentationszentrum zu sehen.

Begleitet wird die Ausstellung von Abendveranstaltungen und ein auf das Thema zugeschnittenes Bildungs-angebot. So befasst sich etwa am 8. Februar die Lesung „Hate Poetry“ und die anschließende Diskussion mit der Hasspost an die SZ-Redaktion oder die Podiumsdiskussion am 20. Februar mit dem NSU-Prozess. Beginn ist jeweils 19 Uhr. Außerdem wird jeden Dienstag um 17.30 Uhr ein kostenloser Rundgang durch die Ausstellung angeboten.

Ein Seminar für Lehrerinnen und Lehrer vermittelt am 21. Februar von 14.30 bis 17 Uhr, wie das nationalsozialistische Gedankengut verbreitet wird. Mit dem Thema „Vielfalt gegen Einfalt. Demokratische Werte gegen rechte Ideologie“ befasst sich außerdem ein Seminar, das für Schulgruppen ab der 8. Klasse und Erwachsenengruppen gebucht werden kann. Und Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse können sich in dem Seminar „Was tun? Argumente gegen rechts“ Handlungsempfehlungen holen.

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© Orla Connolly/NS-Dokumentationszentrum

Zwangsarbeiterlager als Erinnerungsstätte

Am historischen Ort in Neuaubing entsteht eine Dependance des NS-Dokuzentrums

13 Millionen Menschen mussten während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit im Deutschen Reich verrichten. Allein in München gab es etwa 200.000 ausländische Zwangsarbeiter. Im Münchner Westen, am Rande von Neuaubing, sind acht Baracken eines Zwangsarbeiterlagers der Reichsbahn aus dem Jahr 1942 erhalten. Bis zur Befreiung im April 1945 wurden hier mindestens 1.000 Menschen auf engstem Raum untergebracht.

Das Barackenensemble ist eines der wenigen in Deutschland noch erhaltenen baulichen Zeugnisse. Daher hat der Stadtrat 2011 beschlossen, an diesem historischen Ort eine Dependance des NS-Dokuzentrums zu schaffen. Ende 2015 hat die Stadt das Areal erworben und die denkmalgeschützte „Baracke 5“ aufwendig saniert. In dem Gebäude in der Ehrenbürgstraße 9 wird es eine Ausstellung geben, die sich mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern beschäftigt.

Das NS-Dokuzentrum hat bereits viele Biographien ermittelt und Audio- und Filminterviews mit Zeitzeugen oder ihren Familien geführt. Zusammen mit dem Stadtarchiv und dem Kulturreferat hat es ein Konzept für den Lern- und Erinnerungsort in Neuaubing entwickelt, das derzeit ausgestaltet wird. Eröffnet wird voraussichtlich 2019.

Schon jetzt bietet das NS-Dokuzentrum geführte Rundgänge auf dem Areal in Neuaubing an. Der nächste Termin findet am 18. März um 11 Uhr statt, die Teilnahme ist kostenlos.

 

"Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 23. Januar 2018.