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Vom schaurigen zum schönen Ort


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© Städtische Friedhöfe München

Das kommunale Friedhofs- und Bestattungswesen feiert 200-jähriges Jubiläum

Jahresprogramm vermittelt die Geschichte der städtischen Friedhöfe

Weg vom schaurigen Friedhof hin zu würdigen Bestattungsplätzen, die zum Verweilen einladen – das wurde 1819 mit der Einrichtung des ersten städtischen Leichenhauses auf dem Alten Südlichen Friedhof zur offiziellen Aufgabe der kommunalen Stadtverwaltung.

Von 1899 bis 1907 entstanden dann die dezentralen Standorte Nord-, Ost-, West- und Waldfriedhof, die damals bereits bewusst mit viel Grün angelegt wurden. Hinzu kamen weitere Friedhöfe durch Neuanlage oder Eingemeindung.
Heute gibt es in München 29 städtische Friedhöfe. Sie sind nicht nur Ort der Trauer und des Abschieds, sie stellen auch eine einzigartige Verbindung von Stadtgeschichte, von Kunst und von Natur dar und bieten Ruhe und Erholungsraum.

So ist 200 Jahre kommunales Friedhofs- und Bestattungswesen ein guter Grund zum Feiern. Mit einer Jubiläumsausstellung, Vorträgen, Kunstaktionen und zahlreichen Führungen laden die Städtischen Friedhöfe München, die Münchner Volkshochschule und weitere Akteure dazu ein, mehr über die Geschichte dieses bedeutsamen Aspekts kommunaler Daseinsvorsorge zu erfahren und sich mit den Themen Trauer, Abschied und Erinnerung auseinanderzusetzen.

So findet etwa am kommenden Wochenende, 6. und 7. April, von 9 bis 16 Uhr der Tag des Friedhofs am Ostfriedhof statt. Friedhofsgärtner, Bestatter, Steinmetze, Floristen, Kunstschmiede sowie die Städtischen Friedhöfe geben Einblick in ihr Handwerk sowie ihre Tätigkeiten. Führungen auf dem Friedhof, Vorführungen der Handwerke, ein Kinderprogramm sowie Informationen und Beratung rund um Bestattung und Gräber sind geboten. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Ein weiterer Höhepunkt im Programm, das bis November geht, ist die öffentliche Wiederherstellung einer Sphinxfigur. Mitte der 50er Jahre zierten zwei Sphingen den Eingang zum Nordfriedhof, sie verschwanden spurlos. Anhand alter Fotografien rekonstruieren ab 11. April Steinmetze eine der Figuren. Bis 30. Juni können Besucher der Handarbeit donnerstags, freitags und samstags von 10 bis 17 Uhr beiwohnen.

Stadtgeschichte einmal anders – so heißt es in der Jubiläumsausstellung, die im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege zu sehen ist. Die Ausstellung führt von der Gründung einer städtischen Behörde für das Friedhofswesen in die Gegenwart. Zahlreiche Exponate und eine Media-Präsentation beleuchten den Wandel der Grab- und Bestattungskultur an der Isar, geben Einblick in die tägliche Arbeit der Stadtbehörde und liefern Hintergrundinformationen zu Münchens Friedhöfen.

Das Programm ist im Internet unter muenchen.de/friedhof zu finden und liegt als Heft unter anderem in der Stadtinformation im Rathaus aus.

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© Städtische Friedhöfe München

Bestattung im Wald – eine Münchner Tradition

Die Städtischen Friedhöfe München bauen das Angebot für Baumbestattungen aus

1907 eröffnete die Stadt München den ersten Waldfriedhof Europas. Die Friedhofsverwaltung integrierte damals die Gräber in einen bestehenden Wald. Die Natur und das Erleben des Waldes stand dabei im Vordergrund. Über hundert Jahre später wurde diese Tradition im Waldfriedhof mit der „Bestattung unter Bäumen“ weiterentwickelt.

Diese Bestattungsform wird von Angehörigen zunehmend gewählt. Die Städtischen Friedhöfe reagieren auf die steigende Nachfrage, so dass heute Verstorbene zudem auf den Friedhöfen Solln, Obermenzing und dem Neuen Südfriedhof sowie in Kürze auch auf dem Friedhof Pasing unter Bäumen beerdigt werden können.

Bestattungsplätze unter Bäumen können bei einem aktuellen Sterbefall erworben werden. Es ist möglich, für weitere Familienangehörige am selben Baum zusätzliche Plätze zu sichern, so dass die Familie zusammen ihre letzte Ruhe finden kann.

Pro Baum werden in der Regel bis zu acht biologisch abbaubare Urnen beigesetzt. Auf Wunsch wird am Baumstamm eine kleine, schlichte Plakette mit Namen und Daten der verstorbenen Person angebracht.
Ein vergleichbares Angebot, bei dem die Urnen an Stelen in der Umgebung von Bäumen beigesetzt werden, gibt es zudem im Westfriedhof und im Friedhof Haidhausen.

Unter muenchen.de/friedhof sind alle Informationen zu finden. Für den Erwerb eines Grabnutzungsrechts sind die jeweiligen Friedhöfe zuständig.

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© Städtische Friedhöfe München

Orientierung und Hilfen auf den Friedhöfen

Ein neues Orientierungs- und Leitsystem, kleine Transportwagen, frisches Gießwasser

Wer einfach genüsslich durch einen der schönen Friedhöfe Münchens wandelt, braucht sie nicht, die kleinen Hilfen im Alltag. Sucht man aber ein bestimmtes Grab oder möchte das Grab eines Verstorbenen pflegen, bieten die Städtischen Friedhöfe München verschiedene Services an.

So wurde ein neues Orientierungs- und Leitsystem auf dem Westfriedhof eingeführt. Es beinhaltet eine Beschilderung an jedem Eingang mit dessen Namen und kurzen Informationen zum Beispiel zu den Öffnungszeiten. Im Eingangsbereich und an zentralen Wegkreuzungen stehen Tafeln mit einem farbigen Friedhofsplan und Wegweisern zu markanten Punkten sowie zu Toiletten oder dem Notausgang. Außerdem stehen kleine Panelen an Wegkreuzungen für die Orientierung in unmittelbarer Umgebung, etwa mit dem Standort des nächsten Brunnens.

Das System hat sich voll und ganz bewährt, die Besucherinnen und Besucher geben durchweg positive Rückmeldungen. Nach und nach sollen alle Friedhöfe ein auf den jeweiligen Ort zugeschnittenes Orientierungs- und Leitsystem bekommen. Im Laufe diesen Jahres wird das System auf dem Waldfriedhof und auf dem Friedhof am Perlacher Forst eingeführt.

Damit man sich nicht nur gut zurechtfindet, sondern auch die Grabpflege erleichtert wird, gibt es bereits auf elf Friedhöfen Handwagen für den Transport von Blumen, Erde und sonstigen kleineren Utensilien. Gegen einen Euro Pfand können die Transporter ausgeliehen werden.

Der Service wird an folgenden Friedhöfen angeboten: Friedhof am Perlacher Forst, Nordfriedhof, Neuer Südfriedhof, Waldfriedhof Solln sowie die Friedhöfe Aubing, Haidhausen, Feldmoching, Sendling, Obermenzing und Pasing. Die Friedhofsverwaltung wird demnächst auf zehn weiteren Friedhöfen Leihstationen aufbauen.

Und für die Bewässerung der Grabpflanzen stehen auf den 29 städtischen Friedhöfen 600 Brunnen bereit. Seit gestern ist ihre Winterpause beendet und sie gehen nach und nach in Betrieb.

 

"Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 2. April 2019.