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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Es kreucht und fleucht in der Stadt


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© Robert Völkl

Mindestens 9.000 Tier- und Pflanzenarten haben hier ihren Lebensraum

Dank seines natürlichen Erbes und intensiver Pflege ist München ein Hotspot

Münchens Artenvielfalt ist bemerkenswert: Rund 2.500 Pflanzenarten  und mindestens 6.500  Tierarten leben in der Großstadt. Darunter finden sich etwa 65 Arten an Tagfaltern, mindestens 36 Heuschreckenarten oder rund 230 Arten an Wildbienen. Zwar lässt sich die gesamte Artenvielfalt nur grob abschätzen, da über etliche Organismengruppen kaum Informationen vorliegen. Experten gehen jedoch davon aus, dass zwischen 30 und 60 Prozent aller in Bayern beheimateten Arten auch in der Landeshauptstadt vorkommen.

München ist dank seiner geografischen Lage so enorm artenreich. Denn das Stadtgebiet ist Teil der Münchner Schotterebene. So setzt sich das reiche Naturerbe aus Au-, Hangbuchen- und Lohwäldern, Trockenstandorten in Heiden und feuchten Mooslandschaften zusammen. Besonders das Isartal, aber auch die Würm und zahlreiche Stadtbäche sowie Stillgewässer tragen ebenfalls zur Vielfalt bei.

So finden sich beispielsweise an der Isar, insbesondere im renaturierten Süden, noch typische Arten der Wildflussauen wie die Flussuferwolfspinne. Die Bayerische Zwergdeckelschnecke kommt sogar weltweit nur an Münchner Quellen vor. Kostbarkeiten wie die Trollblume und die Sumpfgladiole sind etwa im Dachauer Moos anzutreffen und die Fröttmaninger Heide ist ein Eldorado für seltene Arten wie den Kleinen Heidegrashüpfer oder den Mehrbrütigen Dickkopffalter. Die dortigen Flachgewässer beherbergen außerdem die größten Wechselkröten- und Laubfroschvorkommen Münchens.

Doch nicht nur dieser günstigen Lage ist die biologische Vielfalt zuzuschreiben. Auch die Sicherung solcher Kulturlandschaftsrelikte sowie die von der Landeshauptstadt unterstützte Biotop- und Landschaftspflege des Landesbundes für Vogelschutz und des Bundes Naturschutz tragen dazu bei.
So konnte beispielsweise auf einer Nasswiese im Münchner Westen der Bestand der fast schon ausgestorbenen Mehlprimel wieder stabilisiert werden. Auch sind etwa im Riemer Park und den benachbarten Magerrasen oder an der Langwieder Heide artenreiche und blumenbunte Areale entstanden. Die zuvor intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen gestaltete die Stadt im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte um. Blühende Pflanzen wie Salbei oder die Kartäusernelke machen Spaziergänge dort zu einem besonderen Naturerlebnis.

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© Michael Nagy

Volksbegehren „Artenvielfalt“

Noch bis Mittwoch, 13. Februar, liegen die Eintragungslisten zum Volksbegehren „Artenvielfalt“ aus. Münchnerinnen und Münchner, die das Volksbegehren unterstützen möchten, können sich in der Stadtinformation im Rathaus, im Kreisverwaltungsreferat an der Ruppertstraße und in den fünf Bezirksinspektionen eintragen.

Mehr Infos darüber, wer stimmberechtigt ist sowie zu den Eintragungsräumen und deren Öffnungszeiten gibt es unter muenchen.de/volksbegehren oder telefonisch bei der Wahlhotline 233-96233.

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© Markus Bräu

Vielfalt an Lebensräumen und Arten sicherstellen

Der Stadtrat hat eine Biodiversitätsstrategie für München beschlossen

München ist ein Hotspot der Artenvielfalt – mindestens 9.000 Tier- und Pflanzenarten leben in der Großstadt (siehe Artikel oben). Nicht nur für das Ökosystem, auch für eine lebenswerte Stadt hat dieser Naturschatz eine herausragende Bedeutung.

Deshalb hat der Stadtrat Ende letzten Jahres einstimmig eine Biodiversitätsstrategie beschlossen, um den Erhalt der Münchner Vielfalt an Lebensräumen und Arten zu sichern. Drei Grundgedanken mit insgesamt 20 konkreten Handlungsfeldern liegen der Strategie dabei zugrunde: Bestand erhalten, Natur entwickeln und naturbewusst handeln.

So stuft die Strategie im ersten Schwerpunkt „Bestand erhalten“ als eine der wichtigsten Maßnahmen die Sicherung und Pflege von Schutzgebieten wie das Schwarzhölzl oder die Fröttmaninger Heide ein. Erfolgreiche Artenhilfsprogramme wie etwa für die Helm-Azurjungfer oder die Sumpfgladiole werden fortgesetzt, neue Programme für weitere 13 Pflanzen- und 27 Tierarten sind geplant. Zum Erhalt des Bestandes zählt auch die Bekämpfung invasiver Arten wie etwa in Gewässern ausgesetzte Aquarienfische, denn Goldfisch oder Sonnenbarsch sind räuberisch und damit eine Gefahr für Amphibien.
Kompensationsflächen, Ersatzhabitate und Biotope schaffen, aber auch öffentliche Grünanlagen möglichst naturnah anlegen und pflegen – das sind wichtige Aspekte beim zweiten Grundgedanken „Natur entwickeln“. So sollen bestandsbedrohte Arten wie der Himmelblaue Bläuling auf den Blumenwiesen Lebensraum erhalten oder die Blauflügelige Ödlandschrecke immer wieder neu bereit gestellte Ersatzhabitate. Auch Gewässerschutz oder Gebäudebegrünung leisten hier einen wichtigen Beitrag.

„Nur wenn alle an einem Strang ziehen und den Erhalt der Arten in München als eine gemeinsame Aufgabe begreifen, wird die Biodiversitätsstrategie Erfolg haben und unsere Stadt auch für kommende Generationen so vielfältig bleiben, wie wir sie heute kennen“, bekräftigt Umweltreferentin Stephanie Jacobs. So spielen auch Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit im dritten Kernpunkt der Strategie eine wichtige Rolle. Die einzigartige und attraktive Natur Münchens soll der Stadtbevölkerung nahe gebracht werden, um naturbewusstes Handeln zu stärken.

 

"Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 5. Februar 2019.