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Luftqualität ist besser als berechnet


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© Michael Nagy / Presseamt

Seit Januar hat die Stadt ihr NO2-Messnetz auf 40 Stationen verdoppelt

Stadtweite Messungen liefern zuverlässige Ergebnisse zur Stickstoffdioxid-Belastung

An 16 von 20 der städtischen Stickstoffdioxid-Messstellen wird der gesetzliche Jahresmittelwert von 40 µg/m3 eingehalten – das ergeben die Messungen für das Jahr 2018. Oberbürgermeister Dieter Reiter zeigt sich erfreut über das Ergebnis: „Dank unserer Messungen haben wir jetzt endlich belastbare Fakten. Die Luft in München ist deutlich besser als vielfach angenommen und vom Freistaat 2017 berechnet wurde.“ Mit der positiven Entwicklung der Messwerte sind „zonale wie flächendeckende Fahrverbote weder verhältnismäßig noch notwendig“, stellt der OB fest.

In den Wohngegenden gibt es so gut wie keine Überschreitungen. Nur bei den beiden Messstellen am Mittleren Ring liegen die Werte bei 57 respektive 58 µg/m3. „Die Werte an den sehr verkehrsreichen Straßenabschnitten sind noch zu hoch. Deshalb ist es unerlässlich, unseren bereits im Juli 2018 beschlossenen Masterplan zur Luftreinhaltung weiter konsequent umzusetzen“, betont Umweltreferentin Stephanie Jacobs.

Seit Anfang 2019 hat die Stadt ihr Netz an eigenen NO2-Messstellen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst um weitere 20 Standorte ergänzt. So kann nun flächendeckend gemessen werden, wie die Maßnahmen des Masterplans zur Luftreinhaltung (siehe nächsten Artikel) wirken.

Stadtrat beschließt Verkehrswende

Um Mobilität und Lebensqualität in der wachsenden Stadt zu sichern, hat der Münchner Stadtrat beschlossen, eine Verkehrswende umzusetzen, die verstärkt auf umweltfreundliche Mobilitätsformen setzt und den öffentlichen Raum zugunsten von Fußgängern, Radfahrenden und öffentlichen Verkehrsmitteln neu aufteilt.

Bis zum Sommer sollen dem Stadtrat deshalb zu folgenden Themen Beschlussentwürfe zur Entscheidung vorgelegt werden: Ausbau des ÖPNV-Systems insbesondere mit weiteren Expressbus-Tangenten und Taktverdichtungen, Ausbau von Busbeschleunigungen inklusive der Einrichtung von Busspuren, Grundsatzbeschluss zur Vision einer „verkehrsberuhigten Innenstadt“ mit ersten konkreten Maßnahmen zur Umsetzung im Altstadtbereich, Ausbau von emissionsfreien Sharing-Angeboten und Mobilitätsstationen sowie Planung von weiteren Radschnellwegen einschließlich eines Altstadtradlrings.

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© Kerstin Groh / MVG

Ein Masterplan für saubere Luft in München

127 Maßnahmen in acht Handlungsfeldern sollen die Schadstoffbelastung senken

Insgesamt 127 Maßnahmen sind  im Masterplan zur Luftreinhaltung zusammengefasst. Er bündelt stadtweite Aktionen, die zu einer Senkung der Schadstoffbelastung in München beitragen.

Die Vorhaben sind in acht Handlungsfelder aufgeteilt: Allein für den massiven Ausbau des ÖPNV belaufen sich die geschätzten Gesamtkosten auf 12,1 Milliarden Euro. Es geht kurzfristig etwa um Taktverdichtung, den Ausbau von Buslinien oder die Erneuerung der Fahrzeugflotte. Langfristig steht der Ausbau des U-Bahn- und Tramliniennetzes im Vordergrund.

Weitere 490 Millionen Euro fließen in die anderen Handlungsfelder des Masterplans: An oberster Stelle steht dabei die Elektromobilität. Die Stadt hat hier bereits über 60 Millionen Euro in das deutschlandweit größte kommunale Förderprogramm zur E-Mobilität investiert. Damit werden elektrische Fahrräder, Lastenräder, Taxis, LKW, Busse und dergleichen gefördert. Dazu kommt noch der konsequente Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge.

Außerdem baut die Stadt die Radverkehrsinfrastruktur weiter aus, richtet Mobilitätsstationen und -dienste ein oder optimiert das Verkehrs- und das Parkraummanagement. Zudem setzt sie Projekte für eine emissionsarme Stadtlogistik wie etwa City2Share oder Civitas Eccentric um.

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© Michael Nagy / Presseamt

Die Stadt fährt mit gutem Beispiel voran

Der städtische Fuhrpark wird auf alternative Antriebe umgestellt

Um die Luftqualität in München zu verbessern, setzt die Stadt auch beim eigenen Fuhrpark an.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) erprobt bereits seit 2008 Elektro- und Hybridbusse, seit 2017 sind die ersten beiden eigenen Elektrobusse im Einsatz. Um den Elektrobus zum Durchbruch zu verhelfen, ist die MVG auch Partner in einer deutschlandweiten E-Bus-Beschaffungsgemeinschaft und geht mit verschiedenen Herstellern eine Innovationspartnerschaft ein.

In den nächsten Jahren beschaffen die Stadtwerke bis zu 40 weitere E-Fahrzeuge für die MVG. In einem ersten Schritt kommen Ende diesen Jahres die ersten vier Solobusse zum Einsatz, 2020 zwei Gelenkbusse.
Auch der städtische Fuhrpark verzichtet – soweit möglich – auf Dieselfahrzeuge. So wird die Fahrzeugflotte bis 2,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht komplett auf alternative Antriebsarten umgestellt. Der Dienstwagen des Oberbürgermeisters zum Beispiel kann als Plug-In-Hybrid bereits elektrisch fahren.

Schwieriger wird es bei den schweren Fahrzeugen, da bislang kaum serienreife Modelle verfügbar sind. Daher wird geprüft, ob die Fahrzeuge mit geringerer Nutzlast betrieben werden können und somit ein elektrischer Antrieb möglich ist.

So wurden etwa Leichtmüll-Fahrzeuge, mit denen die Straßenreinigung Papierkörbe leert, als E-Fahrzeuge mit 2,6 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht ausgeschrieben, um die bisherigen 3-Tonnen-Dieselfahrzeuge zu ersetzen. Auch werden derzeit elektrische Kleinkehrmaschinen getestet. Außerdem wurden gewichtsoptimierte Müllfahrzeuge mit elektrifiziertem Pressmüll-Aufbau gekauft, die zumindest deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen.

 

"Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 26. Februar 2019.