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Erinnerungskultur in München


    Die Dokumentation Oktoberfest-Attentat ist am Haupteingang der Wiesn im öffentlichen Raum errichtet worden. Sie ist somit durchgehend geöffnet.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © Michael Nagy

    Dokumentation Oktoberfest-Attentat

    Die Stadt entwickelte den Erinnerungsort gemeinsam mit Zeitzeug*innen
    - 234 lebensgroße Silhouetten zeigen die Hintergründe und Folgen des Anschlags

    Für 234 Menschen endete der Wiesn-Abend des 26. Septembers 1980 mit brutaler Gewalt. Das Oktoberfest wurde zum Tatort eines rechtsextremistisch motivierten Bombenanschlags. Zum 40. Jahrestag des Attentats eröffnete die Stadt nun die neue Dokumentation Oktoberfest-Attentat. Seit 2015 entwickelte die Stadt im Dialog mit Zeitzeug*innen den Erinnerungsort. Sowohl bei der Entscheidung für den gestalterischen Entwurf wie auch bei der Realisierung waren Überlebende aktiv beteiligt. Oberbürgermeister Dieter Reiter ist überzeugt: „Es ist wichtig, dass die Hinterbliebenen und Überlebenden des Oktoberfest-Attentats und ihre Schicksale sichtbar werden. Das sind wir ihnen schuldig.“

    Die am Haupteingang der Wiesn errichtete Dokumentation widmet 234 vom Anschlag betroffenen Menschen lebensgroße Silhouetten. Sie nehmen Bezug auf die zwölf Todesopfer, die 221 Verletzten und den ebenfalls getöteten Attentäter. Auf den Figuren ist die Ausstellung aufgebracht. Mit Bildern, Texten, Zitaten und medialen Angeboten erinnert sie an die Opfer, lässt Überlebende und Angehörige sowie Augenzeug*innen zu Wort kommen, stellt die Hintergründe des rechtsextremistischen Verbrechens dar und beschreibt den gesellschaftlichen Umgang mit dem Anschlag bis in die Gegenwart.

    OB Reiter: „Auf der Theresienwiese wird in Zukunft in das kollektive Gedächtnis gebracht, was sich hier am 26. September 1980 ereignet hat. Denn es bleibt unser aller Aufgabe, gegen menschenfeindliche Gesinnungen und rechten Terror zusammenzustehen.“

    Bis Ende Oktober finden zudem noch verschiedene Veranstaltungen statt, die die Eröffnung begleiten. Den Abschluss bildet am 29. Oktober eine Podiumsdiskussion, in der nach der gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Bedeutung von Erinnerung gefragt wird. Eine Anmeldung ist unter Telefon 523 46 55 oder per E-Mail an kasse@muenchner-volkstheater.de erforderlich. Alle Informationen, auch zu den Veranstaltungen, sind unter dokumentation-oktoberfestattentat.de zu finden.

    OB Dieter Reiter weiht am Bavariaring 15 gemeinsam mit der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Ehrenbürgerin Dr. h.c. Charlotte Knobloch für deren Großmutter Albertine Neuland ein Erinnerungszeichen ein  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © Stadtarchiv München/Tom J.M. Hauzenberger

    Erinnerungszeichen auf Augenhöhe

    Mit Gedenkstelen erinnert die Stadt an das Schicksal von NS-Opfern

    „Wir alle sehen, dass auch hier bei uns Extremismus und Judenhass zunehmen“, mahnt Oberbürgermeister Dieter Reiter anlässlich der Übergabe der Erinnerungsstele für das NS-Opfer Albertine Neuland. „Das muss uns alle, die gesamte demokratische Stadtgesellschaft, aufrütteln und uns noch deutlicher und rigoroser Position beziehen und vor allem im Alltag handeln lassen“.

    Die Lebens- und Verfolgungsdaten von Albertine Neuland sowie ihr Gesicht sind auf vergoldeten Hülsen eingeritzt, die auf Augenhöhe an der Stele eingelassen sind. Sie ist eines der Erinnerungszeichen, die die Stadt seit 2018 am einstigen Lebensmittelpunkt von NS-Opfern aufstellt, um an deren Schicksal zu erinnern.

    Sofern es die Corona-Auflagen weiterhin ermöglichen, wird am 14. Oktober das Erinnerungszeichen für Joseph Gunzenhäuser an der Elisabethstraße 21 feierlich aufgestellt und am 27. Oktober findet die Übergabe des Erinnerungszeichens für Prof. Dr. August Liebmann Mayer statt. Seit 2018 bis Jahresende werden 40 Erinnerungszeichen für 79 Frauen, Männer und Kinder realisiert sein. 112 weitere Anträge liegen derzeit der eigens geschaffenen Koordinierungsstelle, die im Stadtarchiv angesiedelt ist, vor.

    Jeder kann ein Erinnerungszeichen beantragen. Für welche Personen dies möglich ist, was in den formlosen Antrag gehört und wie die Finanzierung läuft, wird unter erinnerungszeichen.de erläutert. Dort stehen auch die Biografien jener NS-Opfer, für die bereits Erinnerungszeichen gesetzt wurden.

    Logo Mosaik-Jugendpreis   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

    Mit Vielfalt gegen Alltags-Rassismus

    Für den Mosaik-Jugendpreis können sich Jugendliche noch bis 26. Oktober bewerben

    Jedes Jahr am 21. März, dem Internationalen Tag gegen Rassismus, verleihen die Stadt München und die Stadt Nürnberg gemeinsam den „Mosaik-Jugendpreis – mit Vielfalt gegen Rassismus“. Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre aus Nürnberg und München sind dabei gefragt. Sie können sich für die nächste Preisausschreibung 2021 noch bis 26. Oktober bewerben.

    Ausgezeichnet werden von Jugendlichen und jungen Erwachsenen initiierte Projekte, die sich gegen Alltags-Rassismus und für ein respektvolles Miteinander aller Menschen in der Stadt sowie für interkulturellen Dialog und Begegnung stark machen. Egal ob Musik-, Film-, Kunst-, Theater-, Sport-, Medien-, Online-, Begegnungs- oder Bildungsprojekt – der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

    Der Preis wurde 2015 im Gedenken an die bayerischen Opfer der rechtsextremen terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ ins Leben gerufen. Mit dem Preis wollen München und Nürnberg ein Zeichen der gesellschaftlichen und politischen Ächtung von Rassismus setzen und einen Beitrag zur Prävention leisten.

    Den ersten Platz in diesem Jahr teilen sich die beiden Projekte „Eine Welt – viele Farben“ aus München und das Musikvideo gegen Diskriminierung „Gutmensch“ von Charles Junior aus Nürnberg. Die Jury entschied, das Preisgeld von insgesamt 9.000 Euro auf beide Projekte gleichermaßen aufzuteilen. Das Preisgeld wird je zur Hälfte durch die Stadt Nürnberg und die Landeshauptstadt München finanziert.

    Alle Informationen zum Preis und zur Bewerbung sowie das Bewerbungsformular sind unter muenchen.de/mosaik-jugendpreis zu finden.

     

    "Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Diese Beiträge sind vom 13. Oktober 2020.