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„Nur weil sie Juden waren“


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© Michael Nagy

OB Reiter setzt für das Ehepaar Neuburger ein Erinnerungszeichen

Mit Gedenkstelen erinnert die Stadt an das Schicksal von NS-Opfern

"Die Stadt informiert" vom 4. Februar 2020

„Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit dürfen in dieser Stadt nie wieder einen Platz finden“, mahnt Oberbürgermeister Dieter Reiter anlässlich der Übergabe der Erinnerungsstele für die NS-Opfer Irene und Wilhelm Neuburger am Internationalen Holocaust-Gedenktag.

Das junge Ehepaar lebte mit ihren beiden Töchtern ab 1929 in der Innstraße 18 in Bogenhausen. Wilhelm war Mitglied des FC Bayern und sogar bayerischer Skimeister. 1936 emigrierte die Familie in die Niederlande, wo sie 1943 von den deutschen Besatzern ins Durchgangslager Kamp Westerborg verschleppt wurden. Die Eltern kamen 1944 und 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen um, die Töchter überlebten. OB Reiter betonte in seiner Rede: „Irene und Wilhelm Neuburger waren angesehene Bürger unserer Stadt, ehe die nationalsozialistischen Machthaber sie entrechteten, enteigneten, vertrieben und töteten – nur weil sie Juden waren.“

Die Lebens- und Verfolgungsdaten des Ehepaars sowie ihre Gesichter sind auf vergoldeten Hülsen eingeritzt, die an der Erinnerungsstele eingelassen sind. Es ist das 30. Erinnerungszeichen, das die Stadt aufgestellt hat. 2015 beschloss der Stadtrat, am einstigen Lebensmittelpunkt von NS-Opfern mit diesen Erinnerungszeichen an deren Schicksal zu erinnern.

Die Erinnerungszeichen können bei der eigens geschaffenen Koordinierungsstelle, die im Stadtarchiv angesiedelt ist, beantragt werden. Für welche Personen dies möglich ist, was in den formlosen Antrag gehört und wie die Finanzierung läuft, kann unter erinnerungszeichen.de eingesehen werden. Dort stehen auch die Biografien jener NS-Opfer, für die bereits Erinnerungszeichen gesetzt wurden.

OB Reiter hat das erste Erinnerungszeichen dieser Art für Tilly und Franz Landauer im Juli 2018 der Öffentlichkeit übergeben. Er resümiert: „Das Setzen von Erinnerungszeichen auf Augenhöhe hat sich in der Münchner Stadtgesellschaft inzwischen etabliert und ist als kraftvolle Form der Erinnerungskultur auch über die Stadtgrenzen hinaus anerkannt.“