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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Gedenkveranstaltung am 9. November 2021


Gedenkveranstaltung am 9. November 2021  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Marina Maisel/IKG München und Oberbayern

Zum Gedenken an das Novemberpogrom 1938

Jeder Mensch hat einen Namen und ein Schicksal

Am 9. November gedenkt die Landeshauptstadt München alljährlich ihrer jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die in der Pogromnacht 1938 und in den darauffolgenden Jahren entrechtet, verfolgt, deportiert, in den Suizid getrieben oder ermordet wurden. In diesem Jahr stehen die 997 Männer, Frauen und Kinder im Mittelpunkt des Gedenkens, die am 20. November 1941 vom Sammellager Milbertshofen nach Kaunas in Litauen deportiert und dort ermordet wurden.

Deportation im Morgengrauen am Bahnhof Milbertshofen nach Kaunas in Litauen, 20.11.1941  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Deportation im Morgengrauen am Bahnhof Milbertshofen
© Stadtarchiv München

13.00-17.30 Uhr | Öffentliche Namenslesung

Um die Erinnerung an die Einzelschicksale der Schoah im Bewusstsein der Menschen zu bewahren, findet jedes Jahr eine Lesung der Namen, Briefe, Dokumente und Kurzbiografien der Verfolgten und Ermordeten am Gedenkstein der ehemaligen Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße statt. Die diesjährige Namenslesung ist sowohl dem 83. Gedenktag der sogenannten Reichskristallnacht als auch dem 80. Jahrestag zum Gedenken an die im litauischen Fort IX bei Kaunas ermordeten Kinder, Frauen und Männer gewidmet. Die Lesung wird eröffnet von Kulturreferent Anton Biebl, gefolgt von Dr. Hans-Georg Küppers und Petra Reiter. Es lesen Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft und Schülerinnen und Schüler aus Münchner Schulen. Rabbiner Shmuel A. Brodman spricht das El Mole Rachamim (Gedenk-Gebet).

Livestream der Namenslesung

Gedenkstunde 9. November im Alten Rathaus - Rede OB Reiter  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Marina Maisel/IKG München und Oberbayern

19.00 Uhr | Gedenkstunde im Alten Rathaus

Die Gedenkstunde findet im Alten Rathaus statt und wird gleichzeitig live online übertragen. Es sprechen Dieter Reiter (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München) und Dr. h.c. Charlotte Knobloch (Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern).
Prof. Dr. Kim Wünschmann (Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg) hält die Gedenkrede „Bewegte Bilder der Zerstörung jüdischen Lebens: Vom Abbruch der Münchner Hauptsynagoge zum Novemberpogrom 1938“.
Ein Beitrag von Lea Lewitan und Daniel Gitbud widmet sich dem Thema „2021 – jüdische Gedanken“.
Julia Cortis und Thomas Höricht lesen „Aus letzten Briefen Deportierter vom 20. November 1941 und Erinnerungen von Zeitzeugen“ und das Trio Barcarole sorgt für die musikalische Umrahmung.

Livestream der Gedenkstunde

Gedenken in Zeiten der COVID-19-Pandemie
Eine Teilnahme an der Gedenkstunde im Alten Rathaus ist nur nach Voranmeldung bis 7. November an antwort-einladung@muenchen.de und nur für geimpfte, genesene oder getestete (nur PCR-Test nicht alter als 48 Stunden) Personen möglich. Es erfolgt keine Bestätigung bei Anmeldung.

Weitere Informationen sowie das Begleitprogramm zum Gedenktag finden Sie unter www.gedenken9nov38.de sowie im Einladungsflyer (PDF, 447 KB).
Die Gedenkveranstaltung wird organisiert von der Arbeitsgruppe „Gedenken an den 9. November 1938“ unter der Schirmherrschaft des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter.

Verkohlter Dachbalken der Synagoge „Ohel Jakob“ in der Herzog-Rudolf-Straße  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Verkohlter Dachbalken der Synagoge „Ohel Jakob“ in der Herzog-Rudolf-Straße
© Stadtarchiv München

Gedenken an die Opfer der Pogromnacht

Die Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße brannte, Geschäfte und Privatwohnungen wurden zerstört, jüdische Menschen in die Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Im November 1938 erschütterte eine ungeheuerliche Welle der Gewalt die jüdischen Gemeinden und Familien in Deutschland. Die sogenannte Reichskristallnacht war ein neuer, in seiner gewalttätigen Zuspitzung beklemmender Höhepunkt der nationalsozialistischen Aggression gegen die jüdische Minderheit. Schon seit 1933 hatten die Maßnahmen des NS-Regimes Angst und Verzweiflung über jüdische Männer, Frauen und Kinder gebracht. Extrem belastend – körperlich wie emotional – waren die rassistische Diffamierung, der entwürdigende Ausschluss aus der Gesellschaft und die Verweigerung eines Lebens in existenzieller Sicherheit. Die Ereignisse vom November 1938 markieren den Beginn einer mörderischen Radikalisierung der Verfolgung. Im September 1940 wurden jüdische Anstaltspatienten vor den Toren Münchens über Eglfing-Haar nach Hartheim in Österreich deportiert und ermordet. Die Deportationsgeschichte aus München beginnt im November 1941.

Vor 80 Jahren, am 20. November 1941, mussten am Güterbahnhof Milbertshofen nahezu tausend Männer, Frauen und Kinder ihre Fahrt in den Tod antreten. Die Münchner Stadtgesellschaft reagierte nicht. Der notwendige Aufschrei der Empörung über dieses ungeheuerliche Verbrechen blieb aus. Das Wegsehen und Schweigen machte das Verfolgungs- und Vernichtungswerk des NS-Staates möglich. Heute wissen wir, dass die annähernd tausend Deportierten nur wenige Tage nach ihrem Abtransport aus München-Milbertshofen unweit der litauischen Stadt Kaunas ermordet wurden. In der Folge wurden rund 3.400 Jüdinnen und Juden von München nach Kaunas, Piaski, Theresienstadt und Auschwitz deportiert, brutal aus ihrer Heimatstadt vertrieben und ermordet.