Aktuelle Corona-Infos der Stadt unter www.muenchen.de/corona
zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadt kämpft gegen die Einwegflut


    Ein kraftvoller Tritt gegen den Einweg-Kaffeebecher. Mit diesem und ähnlichen Motiven will der Abfallwirtschaftsbetrieb München zur Müllvermeidung animieren.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © AWM

    Abfallvermeidung noch wichtiger als Recycling

    München macht sich auf den Weg, zur „Zero Waste City“ zu werden

    Die Mülleimer in den Parks und an der Isar quellen über von Pizzakartons und Coffee-to-go-Bechern. Gerade jetzt in diesem zweiten Corona-Sommer  ist das ein gewohntes Bild geworden.  Allein 190.000 Einwegbecher landen täglich in München in öffentlich zugänglichen Abfalleimern – oder daneben. Aber auch in den privaten Mülltonnen zuhause sammelt sich jede Menge Einweg-Verpackungsmüll.

    Mit einer Werbekampagne will der städtische Abfallwirtschaftsbetrieb AWM deshalb die Münchnerinnen und Münchner dazu animieren, auf Einwegverpackungen möglichst zu verzichten und stattdessen zu Mehrwegprodukten zu greifen. Unter anderem 160 Müllfahrzeuge des AWM verbreiten diese Botschaft derzeit in der Stadt mit großflächigen Plakaten mit dem Aufruf „Weg mit dem Einweg!“. Einwegverpackungen wie Coffee-to-go-Becher, Plastik-Getränkeflaschen und Milchkartons werden da kraftvoll weggetreten und -geboxt.

    Circa 42.000 Tonnen an Plastik-verpackungen und Verbund­stoffen wie Getränkekartons entsorgen die Münchnerinnen und Münchner pro Jahr. Das ent­spricht rund 1,2 Kubikmeter pro Kopf und Jahr. Die Produktion und Ent­sorgung dieser kurz­lebigen und oft sinnlosen Ver­packungen er­fordert enorme Mengen an Roh­stoffen, Wasser und Energie. Abfallvermeidung hat für den Abfallwirtschaftsbetrieb München deshalb oberste Priorität. Und auch für die Münchnerinnen und Münchner, wie eine Umfrage des AWM im vergangenen Jahr zeigte. Abfallvermeidung wurde dabei als einer der wichtigsten Aspekte einer nachhaltigen Abfallwirtschaft genannt.

    Mit dem Beschluss, sich am Netzwerk Zero Waste Europe zu beteiligen und München zur „Zero Waste City“ zu machen, hat der Münchner Stadtrat dieses Ziel im vergangenen Jahr untermauert. Damit setzt die Stadt eine Idee aus dem Münchner Zukunftsdialog um, bei dem Oberbürgermeister Dieter Reiter bereits 2019 mit Experten darüber beraten hatte, was die Stadt tun kann, um Müll möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. In vier Workshops haben über 200 Teilnehmer*innen inzwischen mehr als 400 Ideen für Maßnahmen zur Abfallvermeidung beim Konsum im Alltag, in Handel und Gewerbe und im kommunalen Einflussbereich gesammelt. Ein Expertenteam entwickelt daraus gerade ein Konzept für eine Zero Waste City, das dem Stadtrat Anfang 2022 vorgelegt wird.

    Mehr Informationen zur Kampagne „Weg mit Einweg!“ und zu Zero Waste City gibt es unter awm-muenchen.de.

    Bürgermeisterin Verena Dietl und Kommunalreferentin Kristina Frank präsentieren ein Plakat der Kampagne „Weg mit Einweg!“auf einem Müllfahrzeug des AWM.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © Michael Nagy

    Die Wiesn als Vorbild für die Wirtschaft

    Mehrweg statt Einweg wird bei der Stadt seit Jahrzehnten praktiziert

    Mehrweg statt Einweg, darauf setzt die Stadt München in ihrem Einflussbereich seit langem. So war die Stadt Vorreiter, als sie bereits 1991 ein Mehrweggebot bei städtischen Veranstaltungen erließ, auch für die Wiesn. 30 Jahre bevor jetzt in Deutschland und der EU ein Verbot von Einwegplastik-tellern, -besteck und -strohhalmen in Kraft trat. Auch fast alle städtischen Kantinen und Cafeterien verzichten auf Einweggeschirr.

    Gastronomiebetriebe, die von dem seit Juli geltenden Einwegkunststoffverbot betroffen sind, berät der AWM in Zusammearbeit mit dem bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA zu alternativen Mehrwegsystemen wie Rebowl, Recup etc. Auch Veranstaltern auf Privatgrund bietet der AWM an, sie mit Dienstleistern zusammenzubringen, die Mehrwegbehältnisse anbieten. So soll erreicht werden, dass stadtweit keine Einweg-Verpackungen mehr genutzt werden.

    Auch im Rahmen der bestehenden Umwelt- und Klimaschutzprogramme IHKM und Ökoprofit für die Münchner Wirtschaft berät die Stadt Unternehmen im Hinblick auf Abfallvermeidung. So sparten alle Münchner Ökoprofit-Betriebe im jüngsten Turnus 2019/20 unter anderem durch den Ersatz von Einwegverpackungen durch Mehrwegverpackungen insgesamt mehr als 60 Tonnen Restmüll ein.

    In der Halle 2 des AWM finden ausgemusterte Sachen wie die alte LP-Sammlung neue Liebhaber.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © Michael Nagy

    So kann jeder für weniger Müll sorgen

    Weniger Abfall – dazu kann jeder auch ganz einfach selbst beitragen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb München gibt Tipps, wie:

    Mehrweg statt Einweg kaufen

    Statt zur Milch im Karton oder dem Saft in der Plastikflasche beim Einkauf zur Mehrwegflasche aus Glas zu greifen, reduziert die Abfallmenge erheblich.

    Gebrauchtes weiter nutzen

    Das Kinderfahrrad ist zu klein geworden, die LP-Sammlung verstaubt nur im Regal. Gebrauchte Sachen, die noch in Ordnung sind, finden in der Halle 2 des AWM in der Peter-Anders-Straße 15 in Pasing auf knapp 800 Quadratmetern Verkaufsfläche neue Liebhaber. Abgeben kann man die Sachen an allen Münchner Wertstoffhöfen. Mehr Informationen auf halle2-muenchen.de.

    Auch auf Flohmärkten und in Secondhand-Läden findet man gut erhaltene, gebrauchte Waren. Für ausgelesene Bücher gibt es inzwischen an vielen Standorten Bücherschränke.

    Reparieren statt Wegwerfen

    Viele Initiativen bieten in Repair Cafés die Möglich­keit an, Kaputtes von kundigen Privat­leuten reparieren zu lassen oder sich bei der Reparatur Hilfe zu holen. Oder man fragt bei Handwerksbetrieben oder Fach­geschäften, ob sie Reparatur­dienstleistungen anbieten.

    Einen Überblick über Angebote zur Abfallvermeidung gibt es unter awm-muenchen.de. Tipps zum müllreduzierten Leben enthält auch der Zero Waste Guide München. Er ist in der Stadt-Information im Rathaus erhältlich und steht unter zerowaste-muenchen.de zum Download.

     

    „Die Stadt informiert" erscheint immer dienstags in der Süddeutschen Zeitung und im Münchner Merkur. Dieser Beitrag ist vom 3. August 2021.