Aktuelle Corona-Infos der Stadt unter www.muenchen.de/corona
zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

München leuchtet in Gold für Herlinde Koelbl


Herlinde Koelbl  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Fotografin und Dokumentarfilmerin Herlinde Koelbl

(17.4.2014) In Anerkennung ihrer großen Verdienste als Fotografin und Dokumentarfilmerin ist Herlinde Koelbl mit der Medaille „München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens“  in Gold ausgezeichnet worden. Oberbürgermeister Christian Ude überreichte ihr heute die Medaille im Rathaus.
„Die Medaille in Gold bekommen die Besten in ihrer Zunft. Das bist Du in der Fotografie“, erklärte OB Ude. Was Koelbls Schaffen und die Art ihrer Arbeit ausmacht, verdeutlichte Ude in seiner Laudatio anhand Koelbls Bildband „Das deutsche Wohnzimmer“. Der 1980 erschienene Bildband zeige, dass das Wohnzimmer kein normaler Raum in einer normalen Wohnung sei, sondern ein Mikro-Kosmos. Dieser Mikro-Kosmos zeige nicht nur die Verirrungen der Möbelindustrie, sondern spiegle auch die Vorlieben des Zeitgeistes wider. Und er präsentiere die Einsamkeit oder Geselligkeit, die Träume oder Depressionen des menschlichen Lebens. „Dank Herlinde Koelbl haben wir gelernt, wie viele Geschichten und wie viel Lebensgeschichte ein Wohnzimmer erzählen kann“, so der OB. Koelbl sei keine Fotografin auf der Jagd nach dem spektakulären Ereignis oder dem raffinierten ästhetischen Effekt, sondern eine Frau, die mit langem Atem großen Themen nachgehe, um ihnen ohne jeden Voyeurismus tiefe Einsichten abzugewinnen. In ihren Arbeiten sei es ihr gelungen, die alltäglichen Themen in einer neuen Dimension  erscheinen zu lassen.
Herlinde Koelbl, die heute in Neuried lebt, wurde in Lindau am Bodensee geboren. Die gelernte Modezeichnerin kam 1976 als Autodidaktin zur Fotografie und arbeitete unter anderem für Zeitschriften und Zeitungen wie den Stern, Die Zeit und die New York Times. In den 80-er Jahren entwickelte sie eigene Projekte, in deren Fokus Menschen, Macht, Autorität und tabuisierte
Themen stehen. Parallel zu ihren Büchern und Ausstellungen veröffentlicht sie häufig auch Dokumentarfilme zum selben Thema.
Zu Koelbls ersten großen Erfolgen in der breiten Öffentlichkeit zählt der Bildband „Das deutsche  Wohnzimmer“. Es folgten weitere Bildbände wie „Männer“, „Starke Frauen“, „Jüdische Porträts“  oder „Haare“. Ihr bislang größtes Projekt ist eine Langzeitstudie, für die sie zwischen 1991 und  1998 jährlich Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft mit der Kamera begleitete und interviewte. Unter dem Titel „Spuren der Macht – Die Verwandlung des Menschen durch das Amt“  erschien 1999 ein Bildband, der unter anderem die Veränderung von Joschka Fischer, Gerhard Schröder und Angela Merkel darstellt. Ein Dokumentarfilm dazu wurde im Fernsehen
ausgestrahlt.
Herlinde Koelbl gilt als eine der wichtigsten Fotografinnen der Gegenwart. Die 74-Jährige erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Ihre Werke wurden international in renommierten Museen ausgestellt. In München waren ihre Arbeiten unter anderem im Museum Villa Stuck, in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, im Münchner Stadtmuseum und im Haus der Kunst zu sehen.
An der Ehrung nahmen auch die Stadträtinnen und Stadträte Dr. Reinhard Bauer, Haimo Liebich, Monika Renner, Klaus-Peter Rupp (alle SPD) und Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers teil.