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München leuchtet für Hugo Höllenreiner


H. Höllenreiner  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

(3.11.2014) In Anerkennung seiner jahrzehntelangen intensiven Aufklärungsarbeit als Zeitzeuge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde Hugo Höllenreiner jetzt mit der Medaille "München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens“ in Silber ausgezeichnet.
Oberbürgermeister Dieter Reiter überreichte Höllenreiner im Rathaus die Medaille. „München ist Ihnen zu Dankbarkeit verpflichtet, weil Sie die Erinnerung an das Schicksal der Verfolgten der NS-Zeit am Leben erhalten und so dafür sorgen, dass so etwas hoffentlich nie wieder passiert“, dankte Reiter dem 81-Jährigen für seinen Einsatz.
Höllenreiner, 1933 in München geboren, wurde während der nationalsozialistischen Herrschaft als „Zigeuner“ verfolgt und schwer misshandelt. Die Konzentrationslager von Auschwitz, Ravensbrück, Mauthausen und Bergen-Belsen überlebte er als Kind nur knapp.
Aufgewachsen in Giesing, wurden er und seine gesamte Familie im März 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. „Weil wir Sinti sind“, erklärte ihm der Vater. Im „Zigeunerlager“ quälte der KZ-Arzt Josef Mengele ihn und seinen Bruder mit grausamen pseudo-medizinischen Experimenten. Über die Lager Ravensbrück und Mauthausen kam Höllenreiter schließlich nach Bergen-Belsen, wo er 1945 befreit wurde. Wie durch ein Wunder überlebten er, seine fünf Geschwister und beide Eltern die Verfolgung der Sinti im Dritten Reich. 36 andere Familienmitglieder wurden getötet. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach München zurück. Über seine schrecklichen Erlebnisse im KZ konnte Hugo Höllenreiner Jahrzehnte lang nicht sprechen. Erst 1993 erinnerte Höllenreiner sich erstmals öffentlich als Zeitzeuge im Rahmen einer Ausstellung. Seitdem besucht er Schulen, um jungen Menschen seine Geschichte zu erzählen. Immer wieder fährt er mit Studenten nach Auschwitz, um ihnen die Überreste des Zigeunerlagers zu zeigen. „Sie geben Ihr Schicksal preis, was Ihnen sicher nicht leicht fällt, und beeindrucken damit junge Menschen“, dankte OB Dieter Reiter dem Geehrten für dieses Engagement.
Die Autorin Anja Tuckermann hat Höllenreiners Lebensgeschichte in dem Buch „Denk nicht, wir bleiben hier“ aufgeschrieben. Es wurde 2006 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Mit den Aufgaben, die die Erinnerung an die Vergangenheit an die Bildung heute stellt, beschäftigen sich die Pädagogen Matthias Bahr und Peter Poth in ihrem gerade erschienen Buch „Hugo Höllenreiner. Das Zeugnis eines überlebenden Sinto und seine Perspektiven für eine bildungssensible Erinnerungskultur.“
Für seinen unermüdlichen Einsatz als Zeitzeuge wurde Hugo Höllenreiner im vergangenen Jahr bereits mit dem Austrian Holocaust Memorial Award ausgezeichnet.
Auch das NS-Dokumentationszentrum, das im April nächsten Jahres am Königsplatz eröffnet wird, wird Hugo Höllenreiners Lebensgeschichte unter dem Titel „Weil wir Sinti sind ...“  dokumentieren