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Corona und Geschlechtergleichstellung - Update III


Zum Stand Juni 2021

Vergesst nicht: Es genügt eine politische, ökonomische oder religiöse Krise – und schon werden die Rechte der Frauen wieder infrage gestellt. Diese Rechte sind niemals gesichert.
(Simone de Beauvoir)

Zahlreiche bundesweite Studien arbeiten heraus, dass gerade Frauen in vieler Hinsicht von den Folgen der Corona-Pandemie besonders betroffen sind: Beim Verlust von Arbeitsplätzen oder Existenzen, durch die Übernahme der zusätzlichen Care-Arbeit und Zurückdrängung ins Private, als Kontaktpersonen in den personenbezogenen Berufen, durch die Abnahme von Bildungschancen für Mädchen und junge Frauen, durch die Zunahme von häuslicher Gewalt, durch weniger Integrationschancen für geflüchtete Frauen und Migrantinnen. Die weltweite Bilanz in Bezug auf geschlechtsspezifische Benachteiligungen von Frauen während der Pandemie sieht laut UN-Women noch schlechter aus.

Im Herbst wird in Deutschland eine neuer Bundestag gewählt. Wesentlicher Inhalt der darauffolgenden Legislaturperiode wird sein, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie aufzuarbeiten. Die herrschenden strukturellen Benachteiligungen von Frauen wurden in der Pandemie lediglich verstärkt und sichtbar gemacht, die Handlungsbedarfe sind bekannt:

  • Die während der Corona-Krise endlich als systemrelevant identifizierte Tätigkeiten in den Care-Berufen müssen dringend aufgewertet werden.

  • Für eine zukünftig adäquate medizinische Prävention und Versorgung ist es notwendig, dass Studien geschlechtsdifferenziert durchgeführt werden. Aus Sicht von Gender-Mediziner*innen ist dies eine Binsenweisheit, welche erneut durch die geschlechtsspezifischen Nebenwirkungen von Impfungen für alle sichtbar wurde. Die während Corona noch deutlicher gewordene prekäre Situation in der Geburtshilfe und Geburtsbegleitung bedarf unbedingt einer Verbesserung.

  • Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben Menschen, die nicht in typischen heteronormativen Kleinfamilien leben, besonders getroffen. Aber auch die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen sowie Kindern, Jugendlichen sowie älteren Menschen wurden untergeordnet. Staatliches Handeln auch in Krisenzeiten hat die Aufgabe, vielfältige Lebensweisen und insbesondere vulnerable Gruppen unter Einbezug der Selbstbestimmungsrechte dieser Personenkreise in den Blick nehmen.

  • In der Aufarbeitung der Pandemie werden Fragestellung zur Zunahme von häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kindern zu erforschen sein, aber auch Formen von Gewalt gegenüber Frauen in Unterkünften oder Frauen in der während der Pandemie in der Illegalität ausgeübten Prostitution. Das Beratungs- und Hilfesystem benötigt dazu entsprechende Ressourcen.

  • Bildung eröffnet Chancen auf eine eigene Existenzsicherung, gerade auch Mädchen und jungen Frauen. Die Schließung der während der Pandemie aufgebauten Bildungslücken für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus bildungsfernen Schichten muss höchste Priorität haben.

  • Neu erprobte und bewährte Formen des Arbeitens, der Netzwerkarbeit, der gesellschaftspolitischen Arbeit haben gerade für Frauen – z.B. mit Betreuungspflichten oder mit Beeinträchtigungen - niedrigschwelligen Zugang zu Erwerbsarbeit, Bildung oder politischer Arbeit geschaffen. Diese positiven Effekte gilt es zu erkennen, beizubehalten und auszubauen! Dazu braucht es zukunftsorientierte geschlechtsspezifische Aus- und Weiterbildungsangebote für Frauen.

  • Die mangelhafte Vertretung von Frauen in den Gremien zum Krisenmanagement darf sich nicht bei der Aufarbeitung, Bewältigung und Neuorganisation (nach) der Pandemie fortsetzen, Parité in allen Entscheidungsgremien ist zu gewährleisten.

Da die Coronakrise unausweichlich eine Krise der öffentlichen Haushalte zur Folge hat, wird die Frage der Verteilung von Geldern wesentlich sein. Bereits jetzt verfügen Frauen über deutlich weniger finanzielle Mittel, sind stärker von Armut betroffen und auf staatliche Unterstützung angewiesen. Projekte und Beratungs- und Unterstützungsangebote für Frauen und Mädchen ermöglichen Teilhabe und wirken Benachteiligungen entgegen. Keinesfalls dürfen diese den Sparzwängen zum Opfer fallen!

Die Frage, ob und wie im Wahlkampf und in den politischen Programmen die Rechte von Frauen und strukturelle Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit auf der Agenda stehen, ist zukunftsweisend. Der in unserer Verfassung festgeschriebene Gleichstellungsauftrag gilt auch in Krisenzeiten unverändert.