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Update zur Lage von Frauen während der Corona-Pandemie


Geschlechtergerechtigkeit in der Corona-Krise

In der derzeitigen Phase der Corona-Pandemie werden weite Teile des öffentlichen Lebens wieder aufgenommen. Mit der Öffnung von Gastronomie, Einzelhandel, Verwaltung oder sozialen und kulturellen Einrichtungen tritt so etwas wie eine Normalität „unter Hygieneauflagen“ ein, die auch eine Rückkehr der Beschäftigten an den Arbeitsplatz erfordert. Schulen und Kindertagesbetreuung laufen jedoch bis auf weiteres im eingeschränkten Regelbetrieb mit strengen Betretungsregelungen. Das stellt Eltern mit Kindern vor die Herausforderung, mit eingeschränkter Betreuung, komplementärem Homeschooling und Präsenz am Arbeitsplatz und der Einforderung einer 100prozentigen Arbeitsleistung zu jonglieren. Nicht nur in Ein-Elternfamilien trifft diese Herausforderung vor allem Frauen.

Diejenigen, die noch im Homeoffice arbeiten können, laufen Gefahr, aus dem Blick zu geraten. Der Zeitraum des Corona-Lockdowns hat nicht zwangsläufig eine jahrzehntelang betriebene Präsenzkultur abgelöst. Beschäftigte im Homeoffice, u. U. mit einer durch die Corona-Krise verschärften Doppel- und Dreifachbelastung, sind wenig sichtbar. Damit mittel- bis langfristig Homeoffice zu einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für alle Geschlechter führt, müssen die Erfahrungen der Krise systematisch ausgewertet werden und zu Maßnahmen führen, die den Benachteiligungen entgegenwirken.

Jetzt schon zeigt sich, dass Frauen auch finanziell in dieser Krise besonders betroffen sind, da sie in Branchen wie Kultur, Erholung und Gastronomie tätig und damit häufiger von Arbeitslosigkeit oder langanhaltender Kurzarbeit betroffen sind. Und es ist absehbar, dass die öffentlich zu Schau getragene Anerkennung der sogenannten systemrelevanten Berufe, die zu 75 Prozent von Frauen geleistet werden, wegen der klammen Haushalts- und Wirtschaftslage nicht zu besserer Entlohnung führen wird.

Mehr und mehr zeigen sich dafür die Folgen, die der Stress zu den Zeiten von strengen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen in den Familien gebracht hat. Je nach Lebenslage haben sich zusätzliche Belastungen, z.B. in Unterkünften oder in prekären Wohn- oder Lebensverhältnissen kumuliert und das Gewaltrisiko für Frauen, Mädchen und LGBTIQ* deutlich erhöht. Nach einer aktuellen Studie der TU München zu Gewalt an Frauen und Kindern während der COVID-19-bedingten Ausgangsbeschränkungen berichten 3,1 Prozent der Frauen von körperlichen Auseinandersetzungen mit dem Partner und in 6,5 Prozent der Haushalte kam es zu körperlicher Bestrafung von Kindern. 3,6 Prozent der befragten Frauen wurden innerhalb des letzten Monats von ihrem (Ehe)Partner zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Viele Frauen, die von Gewalt betroffen sind, wissen nicht welche Hilfestellen es gibt. Und für Mädchen und junge Frauen, gerade aus finanzschwachen oder bildungsfernen Familien, kann die Corona-Krise durch die Abwesenheit von Betreuungs-, Jugendhilfe- und Bildungseinrichtungen zusätzlich zur Chancen-Krise zu werden.

Forderungen

Angemessene Löhne und gesundheitserhaltende Arbeitsbedingungen für die Carearbeit, der Ausbau von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen statt Minijobs, eine angemessene Ausstattung für Schutz-, Beratungs- und Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt, bessere finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen für Alleinerziehende fordern Frauenpolitiker_innen, Frauenverbände und Gleichstellungsstellen seit vielen Jahren. Aus den Erfahrungen der Krise wäre eine folgerichtige Konsequenz, die systematischen Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern konsequent abzubauen, in strukturelle gleichstellungspolitische Maßnahmen zu investieren und Frauen an den dafür nötigen Entscheidungen gleichwertig zu beteiligen.