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gleich - ganz - anders / Fachtag zur Bedeutung schwuler und lesbischer Identität in Beratung und Therapie


Am 10. März 2006 hat die Koordinierungsstelle in Zusammenarbeit mit der Lesbenberatungsstelle LeTRa und der Sub - Beratungsstelle für schwule Männer unter dem Titel "gleich - ganz - anders" einen Fachtag durchgeführt, der sich mit der Bedeutung schwuler und lesbischer Identität in Beratung und Therapie beschäftigte.
Die mit ca. 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr gut besuchte Veranstaltung fand im Aus- und Fortbildungszentrum der Landeshauptstadt München statt und richtete sich an Fachkräfte der psychosozialen und psychotherapeutischen Arbeit.

Programm und Ausschreibung

Die gesellschaftliche Situation für Schwule und Lesben hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert.
Offene Diskriminierung scheint erheblich nachgelassen zu haben, Akzeptanz und Sichtbarwerden homosexueller Lebensweisen an vielen Stellen tägliche Realität zu sein.

Dennoch ergeben sich in der Entwicklungsgeschichte von Schwulen und Lesben spezifische Belastungsfaktoren, die sich aufberaterische und therapeutische Prozesse nachhaltig aus - wirken.
Auf diesem Fachtag wollen wir uns mit diesen besonderen Gegebenheiten auseinandersetzen, ihren Einfl uss auf das beraterisch-therapeutische setting und die dadurch entstehenden Fragestellungen und Verunsicherungen betrachten.

Wir richten unser Angebot an alle in Beratungsstellen, Sozialdiensten und Therapieeinrichtungen tätigen Fachkräfte, die sich mit der beschriebenen Fragestellung und eigenen Erfahrungen zu diesem Thema auseinandersetzen und austauschen möchten.

Inhaltlich vorbereitet und thematisch zusammengestellt wurde das vorliegende Programm von der Sub-Beratungsstelle für schwule Männer, der Lesbenberatungsstelle LeTRa und der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der Landeshauptstadt München.

Für diese Fortbildungsveranstaltung werden bei der Bayerischen Psychotherapeutenkammer Fortbildungspunkte im Rahmen der Fortbildungsrichtlinien beantragt.
 

Programmübersicht
 

09.30 Uhr Begrüßung, Grußwort von Joachim Lorenz,
Referent für Gesundheit und Umwelt
09.45 Uhr Eingangsreferat von Manfred Edinger mit Kurzdiskussion
10.30 Uhr Kurzreferate mit Fragegelegenheit
12.00 Uhr Vorstellung der Workshops und Räumlichkeiten
12.15 Uhr Mittagspause
13.30 Uhr Workshops
15.00 Uhr Pause
15.30 Uhr Abschlussveranstaltung
 

Eingangsreferat

Von der Ausgrenzung zur Ausblendung?
Der Umgang mit der Homosexualität als entscheidender Faktor in Beratung und Therapie mit Lesben und Schwulen.

Manfred Edinger, Psychoanalytiker in eigener Praxis und Mitarbeiter der Sub-Beratungsstelle für schwule Männer

Anschließend Kurzreferate der Beratungsstellen.
 

Workshops

Paar-Weise-Lesbisch, lesbische Paare in Beratung und Therapie
„Die haben doch genau die gleichen Probleme!” „Also, bei denen ist es doch ganz anders!”
Beides stimmt – zum Teil. In diesem Workshop werden wir die Lebensrealität lesbischer (und schwuler) Paare betrachten und sehen, welche Besonderheiten in der Beratung / Therapie beachtet werden müssen und wie sinnvoll in der Paararbeit darauf eingegangen werden kann.
Leitung: Ulrike Mößbauer, Dipl.-Sozialpäda - gogin und Systemische Paar- und Familientherapeutin, tätig in der Lesbenberatungsstelle LeTRa in der Einzel- und Paarberatung sowie in eigener Praxis.
 

Schwule Jugendliche in Beratung und Therapie
In diesem Workshop wollen wir anhand von Fallbeispielen (gerne auch von den TeilnehmerInnen) typische Entwicklungsverläufe und -schwierigkeiten bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen untersuchen, gemeinsam die Besonderheiten einer schwulen Entwicklung näher beleuchten und Anregungen für den Umgang damit im beraterischen und / oder therapeutischen Bezug diskutieren.
Leitung: Michael Bastian, Dipl.-Sozialpädagoge und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut. Tätig sowohl in der Beratungsstelle des SUB e.V. als auch in eigener psychotherapeutischer Praxis mit dem Schwerpunkt Jugendlichentherapie.
 

Coming Out als Identitätsfindungsprozess
„Heutzutage ist doch ein Coming Out kein Problem mehr...oder doch?!”
Das Gefühl des „Anders-Seins” löst in einer Welt, die von heterosexuellen Standards und Erwartungen geprägt ist, immer noch mannigfaltige innerpsychische Vorgänge aus. Deshalb wollen wir in diesem Workshop die verschiedenen Phasen des Coming Outs mit seinen spezifi schen Belastungsfaktoren, aber auch mit seinen Ressourcen beleuchten und wichtige Aspekte für die Beratung/Therapie während dieses Entwicklungsprozesses darstellen.
Leitung: Diana Horn, Dipl.-Sozialpädagogin (FH), Systemische Familientherapeutin i.A.; tätig in der Lesbenberatungsstelle LeTRa; Einzel- und Paarberatung; Anleitung von Coming Out Gruppen.
Christopher Knoll, Dipl. Psychologe, tätig in der Beratungsstelle des Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrums München – Sub e.V., Einzel- und Paarberatung, Systemischer Familientherapeut i.A.
 

Psychosoziale Risiken bei schwulen Männern
Schwule Männer und lesbische Frauen erkranken ebenso wie heterosexuelle Menschen an psychischen Störungen und suchen dann Hilfe und Unterstützung im psychosozialen Versorgungssystem. Psychosoziale Risikofaktoren sind aber für Homosexuelle teilweise andere als für Heterosexuelle. Dies betrifft auch die Zeit lange bevor die homosexuelle Orientierung manifest wird, also schon das Kinder- und Jugendalter von „späteren” Schwulen und Lesben.

Am Beispiel der schwulen Männer wollen wir solche psychosozialen Risikofaktoren analysieren und die darauf ableitbaren spezifischen Konsequenzen für die psychosoziale Praxis (Beratung, Therapie usw.) mit schwulen Männern veranschaulichen.
Leitung: Dr. Günter Reisbeck, Dipl. Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, arbeitet als niedergelassener Psychotherapeut und als Dozent in der Erwachsenenbildung. Er war Mitarbeiter in unterschiedlichen Forschungsprojekten zu schwullesbischen Fragestellungen und in der Beratungsstelle für schwule Männer des Sub e.V.
 

Gewalterfahrungen bei schwulen Männern – vom äußeren zum inneren Schmerz
Nach wie vor werden schwule und bisexuelle Jugendliche und Männer aufgrund ihrer Homosexualität in Deutschland diskriminiert und ausgegrenzt. Immer wieder erreichen unser Berliner Projekt „Maneo, Schwules Überfalltelefon und Opferhilfe” Meldungen von Betroffenen, die uns von Belästigungen, Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen berichten. Aus Furcht vor Benachteiligung sowie Angriffen meiden es vielfach Schwule, zu ihrer sexuellen Orientierung öffentlich zu stehen, wie z.B. Hand-in-Hand U-Bahn zu fahren oder sich einen Kuss auf der Straße zu geben. Oftmals werden deshalb auch Straftaten zum Nachteil homosexueller Menschen von Betroffenen nicht angezeigt. In diesem Workshop wollen wir uns mit den Formen, Wirkungen und Auswirkungen von antihomosexueller Gewalt gegen schwule Männer beschäftigen.
Leitung: Bastian Finke, Diplom-Soziologe, Psychotraumatherapeut, Mediator in Strafsachen, Fachberater für Opferhilfe, Projektleiter bei Maneo – Schwules Überfalltelefon und Opferhilfe seit 15 Jahren
 

Klient(in) – Berater(in): Auswirkungen sexueller Identität auf Beratung und Therapie
Welche Fragen ergeben sich für heterosexuell lebende Beraterinnen in der Beratung / Therapie mit lesbischen Frauen? Welche Einfl üsse hat das eigene Lebensmodell auf die therapeutische Beziehung und den Prozess?

In diesem Workshop möchte ich für – oft unbewusste – Vorurteile und blinde Flecke sensibilisieren und spezielle Aspekte der therapeutischen Beziehung diskutieren. Zur Annäherung an das Thema sollen folgende Aspekte etwas ausführlicher dargestellt und diskutiert werden: Bedeutung von Frauenbeziehungen und Männerbeziehungen für den eigenen Lebensentwurf. Typische Abwehrmechanismen gegenüber lesbischer Wirklichkeit. Ansätze für weiterführende Interventionen.
Leitung: Annemie Blessing, Dipl. Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin. Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierter Körperpsychotherapie und Integrativer Familientherapie.
Langjährige Mitarbeit im Frauentherapiezentrum München.
Seit 1994 Arbeit in eigener Praxis.

Kontakt

Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ*

Angertorstraße 7
80469 München