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Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Schwulen und Lesben


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© Boris Storz

Ein Ort des Erinnerns und Gedenkens

In seiner Sitzung vom 20.11.2014 beschloss der Stadtrat die Realisierung eines Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Lesben und Schwulen. Der Stadtrat hat sich auf den Entwurf eines Bodenmosaiks der Künstlerin Ulla von Brandenburg festgelegt. Sie hatte zuvor bereits eine Jury und den Kulturausschuss mit ihrem künstlerischen Konzept und der Standortwahl überzeugt.
Im Rahmen eines geladenen Wettbewerbs waren vom Kulturreferat acht international tätige Künstlerinnen und Künstler um Einreichung eines Vorschlags gebeten worden. Ulla von Brandenburg hat für den Erinnerungsort den Standort des heute nicht mehr vorhandenen Schwulenlokals „Schwarzfischer“ in der Dultstraße an der Ecke Oberanger gewählt. Der “Schwarzfischer” stand im Fokus der organisierten Homosexuellenverfolgen der Nationalsozialisten.


Am 20. Oktober 1934 fand dort die erste großangelegte Razzia statt, mit der die systematische Verfolgung Homosexueller durch Polizei, Gestapo und Justiz einsetzte. Vor dem ehemaligen Lokal “Schwarzfischer”, von dem keinerlei architektonische oder historische Verweise erhalten sind, situiert Ulla von Brandenburg ein farbiges, ca. 70qm großes Bodenmosaik. Unterschiedlich große farbige Steine werden in Form eines Winkels angeordnet, der sich um die Ecke des Gebäudes Oberanger/Dultstraße legt.  Das Kunstwerk reagiert damit nicht nur funktional bestmöglich auf den Ort, sondern bildet vor allem durch seine Betretbarkeit für die Passanten eine inhaltliche Tragweite aus. In zwei der farbigen Bodenplatten ist ein rosa Dreieck, das Schwule, und ein schwarzes Dreieck, das Lesben in Konzentrationslagern tragen mussten, eingelassen.

Inhaltlich überzeugt das Kunstwerk durch mehrschichtige Lesbarkeit. Zum einen verweist es auf die Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen. Zum anderen kann der farbenfrohe Mosaikteppich auch als Statement für eine heute aufgeschlossene und tolerante Gesellschaft gelesen werden. Es entsteht ein Mahnmal für München, das für ein breites Publikum verständlich und intuitiv zugänglich ist. Durch eine Gedenktafel wird die Geschichte des “Schwarzfischer” und die Unterdrückung, Verfolgung und Ermordung von Lesben und Schwulen nach 1933 erläutert und gegen das Vergessen appelliert.

Ulla von Brandenburg hat damit alle Wettbewerbsanforderungen erfüllt und künstlerisch überzeugend umgesetzt. Das Denkmal wird der durch die nationalsozialistische Diktatur verfolgten, ausgegrenzten und ermordeten Homosexuellen gedenken. Es entsteht ein Erinnerungsort, der individuelles und kollektives Gedenken zulässt. Darüber hinaus wird ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz und Ausgrenzung gegenüber Lesben und Schwulen gesetzt. Bei der Standortwahl war der historische Bezug ausschlaggebend.

Ulla von Brandenburg (*1974 in Karlsruhe) lebt und arbeitet in Nogent l´ Artaud, Frankreich. Studium der Szenographie/Medienkunst an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Ihr komplexes OEuvre umfasst neben raumbezogenen Installationen auch Filme, Performances und Zeichnungen. Zuletzt waren ihre aktuellen Arbeiten in einer Einzelausstellung im Kunstverein Hannover im Sommer 2014 zu sehen.
(Presseerklärung Kulturreferat zur Eröffnung des Denkmals)