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Ein Koffer buntes Leben


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Ein Koffer buntes Leben

Ein Präventionsprojekt gegen Homophobie und für die Akzeptanz vielfältiger Lebensformen für Kinder der 4. Klasse.

Die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen hat in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendamt München, der Lesbenberatungsstelle LeTRa und dem offiziellen Münchner Kinderportal www.pomki.de ein Projekt aufgelegt, mit dem die Landeshauptstadt München ihren Antidiskriminierungsbemühungen einen weiteren Baustein hinzufügt. Entwickelt wurde "Ein Koffer buntes Leben" im Auftrag der Koordinierungsstelle von den Sozialpädagoginnen Geli Schmaus und Stephanie Gerlach.

 

Zielsetzung des Projektes:

Diskriminierung und Ausgrenzung sind keine Kavaliersdelikte! Beides trifft Menschen im Kernbereich ihrer Persönlichkeit und kann traumatisierende Auswirkungen haben, die Betroffene manchmal ein Leben lang verfolgen.

Die Landeshauptstadt München bemüht sich seit langem, Ausgrenzungen und Benachteiligungen von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Bevölkerungsgruppen abzubauen. Dies gilt für Schwule und Lesben, für Menschen mit Migrationshintergrund ebenso wie für behinderte Menschen und andere Gruppen.

Diesen Bemühungen fügt die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen nun ein Präventionsprojekt hinzu und hat in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendamt, der Lesbenberatungsstelle LeTRa und dem offiziellen Münchner Kinderportal www.pomki.de ein medienpädagogisches Projekt gegen Diskriminierung und Gewalt entwickelt: "Ein Koffer buntes Leben".

Schwerpunkt dieses Projektes ist Vorbeugung, also der Versuch, abwertende, intolerante und ausgrenzende Haltungen erst gar nicht entstehen zu lassen oder sie frühzeitig abzubauen.
Demgemäß richtet sich "Ein Koffer buntes Leben" an Kindergruppen der Altersgruppe 9 – 12 Jahre.

Den Kindern soll dabei die Möglichkeit gegeben werden, sich mit den vielfältigen Lebensweisen in unserer Gesellschaft zu beschäftigen, Informationen darüber zu erhalten und sich kritisch mit diesen Lebensweisen sowie den eigenen Vorstellungen dazu auseinander zu setzen.

Wieso ist ein solches Projekt notwendig?

Noch vor nicht allzu langer Zeit war die Frage nach akzeptierten Lebensformen in Deutschland schnell beantwortet: Es gab die Familie, die traditioneller Weise aus Vater, Mutter und Kindern bestand und das einzig wirklich wertgeschätzte Lebensmodell darstellte.

Doch mit den vielen gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland (Globalisierung, Modernisierungsprozesse, veränderte Formen des Wirtschaftens, zunehmende Mobilität usw.) haben sich auch die Vorstellungen von zwischenmenschlichen Lebensformen verändert und erweitert.

Alleinerziehend zu sein ist heute zwar immer noch alles andere als einfach, aber die gesellschaftliche Ächtung ist deutlich zurückgegangen.
Noch bis 1994 waren gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Männern unter bestimmten Umständen mit Strafe bedroht – heute haben wir ein Lebenspartnerschaftsgesetz.
Lesben wurden lange in der Öffentlichkeit erst gar nicht wahrgenommen – es gab sie schlicht nicht – hier liegt allerdings auch heute noch vieles im Argen.
Trennung, Scheidung, Wiederverpartnerung – all dies ist mittlerweile nichts Seltenes mehr.
Kinder wachsen in verschiedenen Familienkonstellationen auf: Mutter-Vater-Kind-Familie, Alleinerziehende, Patchworkfamilien, Pflege- und Adoptionsfamilien, binationale Partnerschaften oder Regenbogenfamilien.

Diese zunehmende Vielfalt ist aber nicht nur für Erwachsene oft verwirrend und eine echte Herausforderung an die eigenen Haltungen.
Erst recht für Kinder entsteht oft viel an Verunsicherung und Beängstigung, wenn sie mit sich ändernden und ihnen fremden Lebensweisen von nahe stehenden Menschen konfrontiert werden:
Die Lieblingstante, die sich plötzlich von ihrem Mann trennt.
Der nette Nachbar, bei dem ein Mann einzieht und die sich morgens an der Tür immer einen Abschiedskuss geben.
Der beste Freund, dessen Vater eine neue Freundin hat und die jetzt mit ihren Kindern zu seiner Familie gehört und er nicht recht weiß, ob er das will.
Das Graffiti an der Schulmauer, das "Peter" eine schwule Sau sei.
Die Mitschülerin aus einer Familie mit Migrationshintergrund, die zu manchen Themen ganz andere Ansichten hat.

All dies wirft bei Kindern Fragen auf und braucht gute Antworten.
Mit dem vorliegenden Projekt "Ein Koffer buntes Leben" bietet die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen eine Hilfestellung für Pädagoginnen und Pädagogen, das Thema Lebensformen mit Kindern zu bearbeiten.

Dabei geht es nicht um die Werbung für die eine oder andere Lebensform als der "besseren" sondern darum, dass es all das gibt und dass all das wertvoll ist und Anspruch auf Respekt und Akzeptanz hat.

Inhalt und Zielgruppe des Koffers:


In 6 Spielen wird das Thema kindgerecht bearbeitet und viel Raum für die Kinder gegeben, Fragen zu stellen, eigene innere Bilder und Vorstellungen zu thematisieren, zu diskutieren – aber auch Vorurteile zu äußern und sich mit diesen auseinander zu setzen.

  • Das Fotospiel
    Das Einstiegsspiel: Assoziationen zu Bildern von verschiedenen Menschen.
  • Das Hausspiel
    Kinder machen sich Gedanken über verschiedene Wohn- und Familienformen. Kennenlernen und Erklären von Begriffen wie Wohngemeinschaft, Patchworkfamilie, alleinerziehend.
  • Ein Märchen vom Heiraten
    Kinder hören ein Märchen und entwickeln es weiter. Gespielt wird, was alles sein könnte oder darf...
  • Meier Geier Seier
    Kinder spielen Familie – in den unterschiedlichsten Variationen.
  • Das Frage-Antwort-Spiel
    Interviews zum Thema Lebensformen und das Verstehen von Begriffen.
  • Das ABC der Lebensweisen
    Was es nicht alles so gibt – und was ist das jetzt eigentlich?
    Von Adoption bis Ziehvater / Ziehmutter: Kinder erarbeiten Definitionen von Lebensformen und lernen sie dadurch kennen.

Der Koffer enthält die liebevoll gestalteten Materialien für diese Spiele sowie Teile der benötigten Medien. Auch das Methodenheft ist darin zu finden, in welchem detaillierte Hinweise zur Durchführung gegeben werden.

Geeignet ist der Koffer für pädagogisch angeleitete Kindergruppen der Altersstufe 9 – 12 Jahre:

  • Schulklassen
  • Offene Kinder- und Jugendarbeit
  • Kindertagesstätten usw.

Er kann in der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen gegen ein Pfand ausgeliehen werden. Es besteht auch die Möglichkeit, ein erfahrenes Pädagoginnenteam für die Durchführung zu engagieren.
E-Mail a.unterforsthuber@muenchen.de,
Telefon: 089 / 233-25535 oder -23533