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Diskriminierung versus Sichtbarkeit


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Gesellschaftliche Bedingungen für lesbische Frauen

Gesellschaftliche Lebensbedingungen lesbischer Frauen zwischen Marginalisierung, mangelnder Sichtbarkeit einerseits, Selbstbewusstsein und Lesben*power andererseits.

Die öffentliche Wahrnehmung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Trotzdem werden lesbische Lebensweisen im Durchschnitt weniger thematisiert und auch weniger beachtet. In den Medien werden Lesben* nicht so häufig dargestellt oder bei Berichterstattungen vernachlässigt. Zum Beispiel werden bei der Bebilderung von Zeitungsartikeln oder Fernsehbeiträgen weniger Lesben* gezeigt, wenn es um LGBTIQ* Themen geht. Auch sprachlich passiert es oft, dass Lesben* nicht miterwähnt werden, obwohl sie in gleicher Weise von Themen betroffen sind.
Aus dieser geringeren gesellschaftlichen Wahrnehmung resultieren oft  Vorstellungen über Lesben*, die der Realität nicht gerecht werden, wie z.B. es gäbe weniger Lesben* als Schwule, Lesben* könnten als Frauenpaar problemlos öffentlich auftreten oder Lesben* würden nicht diskriminiert. Diese falschen Vorstellungen haben für die Lebensrealität lesbischer Frauen negative Auswirkungen, da dadurch in vielen gesellschaftlichen Bereichen weder die Existenz von Lesben* noch deren Anliegen und Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Benachteiligungsmechanismen

Für die Ausblendung lesbischer Frauen aus der gesellschaftlichen Wahrnehmung gibt es komplexe historische und gesellschaftliche Ursachen.
Die Lebenslagen marginalisierter gesellschaftlicher Gruppen stehen generell weniger im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit als die von Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft, ihre Lebenslagen sind oft nicht bekannt, ihre Bedarfe und Anliegen werden nur eingeschränkt wahrgenommen und berücksichtigt. Lesben* unterliegen zudem den Benachteiligungen, die Frauen allgemein immer erfahren haben und immer noch erfahren. Frauen stehen in der Regel weniger im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit als Männer. Auch aufgrund unterschiedlicher Ressourcenverteilung verfügen Männer häufig über bessere materielle Möglichkeiten und somit über mehr öffentliche Präsenz. Diese Benachteiligung von Frauen verschärft sich in Bezug auf lesbische Frauen noch einmal erheblich.

Entscheidende Diskriminierungsmechanismen gegenüber Lesben* sind die Herstellung von Nichtexistenz durch Ignorieren oder Verschweigen und die Verweigerung der Anerkennung einer eigenständigen Identität. Historisch betrachtet fand sogar die Verfolgung von Lesben* unter dem Negieren dieser eigenständigen Identität statt. So wurde z.B. bei der Verfolgung von Lesben* durch das Naziregime nicht das für Homosexuelle verwendete Symbol verwendet, sie wurden in der Regel mit den Symbolen für „Asoziale“ gekennzeichnet.

Gesellschaftliche Abwertung und Diskriminierung trägt dazu bei, dass Lesben* in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens eher unsichtbar bleiben und sich nur begrenzt einbringen. Dies wirkt sich auf die Präsenz von lesbischen Frauen aus.
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen haben einen entscheidenden Anteil daran, wie weit sich lesbisches Leben in der Öffentlichkeit zeigt und wie weit es wahrgenommen wird. Hier gibt es eine häufig zu findende Schuldzuweisung Lesben* gegenüber, sie würden sich nicht genügend für die eigenen Belange engagieren und deshalb nicht wahrgenommen werden. Diese Zuweisung ist jedoch nicht haltbar, da sie die gesellschaftlichen und historischen Rahmenbedingungen für lesbische Frauen nicht berücksichtigt.

Lesben* als Teil der LGBTIQ*-Community

Das gesamtgesellschaftliche Phänomen der unterschiedlichen öffentlichen Präsenz und der ungleichen Ressourcenverteilung zwischen Männern und Frauen spiegelt sich zum Teil auch in der LGBTIQ* Community wieder. Dort zeigt sich dies in der Verteilung von öffentlicher Aufmerksamkeit sowie in der Verteilung von spezifischen eigenen Lokalen, Geschäften und Medien. In gemischten Zusammenhängen werden Lesben* auch mit ihrem Engagement manchmal nach wie vor weniger wahrgenommen.
 
Ehrenamtliches und politisches Engagement von Lesben* ist aber innerhalb der LGBTIQ*-Community in gemischten und in spezifischen Gruppen vorhanden. Inzwischen sind Lesben* an vielen LGBTIQ* Community Aktionen beteiligt und prägen diese auch mit ihren Ideen, ihren Anliegen und mit ihrer Sichtbarkeit. Gerade in München ist dies in den letzten Jahren deutlich  geworden, es gibt eine große und vielfältige lesbische Community, die sich einbringt, beteiligt und sichtbar ist.

Mittlerweile gibt es auch viele Angebote und Vereine in der LGBTIQ* Community als  gemeinschaftliche Einrichtungen für LGBTIQ*. Auch dort gibt es meist ein gutes Miteinader, Lesben* bringen sich ein und haben somit auch Teilhabe. Sichtbarkeit lebt auch vom Engagement und vom sich Zeigen von lesbischen Frauen in der LGBTIQ* Community.

Die  Frauenbewegung und die Lesben*

Innerhalb der Neuen Frauenbewegung haben sich Lesben* überdurchschnittlich engagiert, sind dabei jedoch zumindest nach außen relativ unsichtbar geblieben. Als Frauen kämpften sie für übergeordnete Ziele der Geschlechtergerechtigkeit, eigene lesbenpolitische Belange wurden hierbei oft marginalisiert. Lesben* sind in Frauengruppierungen oder Einrichtungen manchmal wenig sichtbar; zum Teil auch aus Sorge, ein zu intensives Thematisieren lesbischer Anliegen könnte der Gruppierung schaden.
Die klare Positionierung der Landeshauptstadt München zur Gleichstellung von LGBTIQ* kann hier gegensteuern. Die Differenzierung von Angeboten für verschiedene Zielgruppen (Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund, gleichgeschlechtliche Lebensweisen usw.) ist ein gewünschtes und teilweise auch gefordertes Qualitätsmerkmal für Einrichtungen.

Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein

Lesben* gestalten die Gesellschaft und die LGBTIQ* Community mit. Dass sie dabei sichtbar und selbstbewusst sind, bringt mehr Aufmerksamkeit und realistische Wahrnehmungen. Lesben* engagieren sich für eigene Belange und auch für Belange von anderen Gruppen. Es gibt viele gemeinsame Ziele in der Community. Verschiedene Gruppen solidarisieren sich für Bedarfe von anderen Gruppen, viele Lesben* sind in solchen Zusammenhängen engagiert.