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Wissenswertes zu Inter*


Der Begriff Intersexualität bezeichnet eine Abweichung in der geschlechtlichen Entwicklung eines ungeborenen Kindes. Bekannt ist Intersexualität auch noch unter der Bezeichnung DSD = Disorders of sex development.
Das Wort „Sex“ bedeutet im Englischen „Geschlecht“ im biologisch-medizinischen Sinn.

Intersexualität, bzw. DSD bedeutet, dass sich ein Kind nicht zu einem biologisch eindeutigen Jungen oder Mädchen entwickelt. Dies kann sichtbar (durch äußere Körpermerkmale) oder auch unsichtbar (durch innere Körpermerkmale und/oder chromosomale Abweichungen) zum Ausdruck kommen.
Es gibt mehr als 200 verschiedene Varianten von Intersexualität (DSD).

Lange Zeit wurden intersexuell geborene Kinder bereits im Säuglingsalter operiert, zum Teil mit schwerwiegenden Folgen. Diese Operationen wurden zunehmend als Zwangsmaßnahmen kritisiert und in ihren Folgen und ihrer Sinnhaftigkeit in Frage gestellt. Aktuell gibt es in Deutschland keinen Zwang zu einer angleichenden Operation mehr, wenn ein intersexuelles Kind auf die Welt kommt. Allerdings gibt es auch kein Verbot. Das bedeutet, dass ein intersexuelles Kind immer noch zwangsoperiert werden kann, wenn die Eltern dem zustimmen. Für Eltern gibt es einige Möglichkeiten, sich zu informieren. Entsprechende Internetseiten sind unter dem Punkt „Anlaufstellen, Selbsthilfevereine und weiterführende Informationen“ zu finden.

Seit November 2013 muss bei neugeborenen Kindern nach der Geburt das Geschlecht nicht mehr festgelegt werden. So kann bei intersexuellen Kindern der Eintrag im Geburtenregister leer gelassen werden.

Intersexualität hat keine direkte Auswirkung auf die sexuelle Identität.

Inzwischen formiert sich langsam eine eigene Bewegung intersexueller Menschen. Oft wird nun auch hier der Begriff Inter* benutzt, um mit dem Stern eine Vielfalt von inter*sexuellen Identitäten deutlich zu machen.

Der Deutsche Ethikrat hat sich im Auftrag der Bundesregierung am 23. Februar 2012 in einer umfangreichen Stellungnahme ausführlich mit der Situation von intersexuellen Menschen beschäftigt und gibt u.a. folgende Empfehlung ab:

„Menschen mit DSD (differences of sex development) müssen mit ihrer Besonderheit und als Teil gesellschaftlicher Vielfalt Respekt und Unterstützung der Gesellschaft erfahren. Vielen Intersexuellen ist in der Vergangenheit schlimmes Leid widerfahren, wie die Betroffenenberichte eindrücklich zeigen. Intersexuelle müssen vor medizinischen Fehlentwicklungen und Diskriminierung in der Gesellschaft geschützt werden, Eltern von Kindern mit DSD brauchen fachkundige Unterstützung. Zur Förderung des Respekts und der Unterstützung Intersexueller in der Gesellschaft ist eine breite Wissensvermittlung erforderlich. Die Lebenssituation Betroffener ist ganzheitlich, mit Blick auf alle Dimensionen menschlichen Lebens und menschlicher Lebensqualität zu beachten.“ (Deutscher Ethikrat, „Intersexualität“, Stellungnahme vom 23.02.2012, Seite 172f, Berlin 2012)

Weiterführende Informationen