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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1904


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Zugunglück im Hauptbahnhof

11. Januar: "Der heute Früh 8 Uhr 5 Minuten von Lindau kommende, mit zwei Lokomotiven bespannte Personenzug Nr. 602 fuhr mit solcher Geschwindigkeit in die Einsteighalle ein, daß ein Prellbock zertrümmert wurde und die erste der beiden Maschinen in allen Achsen entgleiste [...]."


Millionen-Konkurs

23. Januar: "Einer der größten Konkurse, die München bisher erlebt hat, ein Millionenkonkurs, wurde heute Mittag vor dem königlichen Amtsrichter Dr. Haberstrumpf zur Eröffnung angemeldet. Baugeschäftsinhaber Josef Köppl, Kaiserplatz No. 4 in Schwabing, stellte den Antrag, daß er infolge Zahlungsunfähigkeit gezwungen sei, den Konkurs anzumelden. Nach den Anmeldeverzeichnissen betragen die gesamten Schulden des Baugeschäfts Köppel für München ohne die Immobilien im Elsass 2 ¼ Millionen Mark, während die Aktiva, die jedoch nur aus eingesetzten Immobilien bestehen, die Passiva um 150.000 Mark übersteigen."


Münchner "Schneeschuhläufer" starten in Schliersee

24. Januar: "Über 100 Skiläufer und mehrere 100 Zuschauer hatten heute mit den Frühzügen München verlassen, um den um 10 Uhr westlich von Schliersee beginnenden vom Schneeschuh-Verein München von 1893 veranstalteten Wettkämpfen anzuwohnen [...]. Der Hauptlauf führte durch stark bergiges Terrain und hatte eine Länge von 13 km. Der Gewinner des 1. Preises, G. Scheuer (Alpiner Sportklub Garmisch), durcheilte die hindernisreiche Bahn in einer Stunde 16 Minuten 7 Sekunden." Die Plätze 2 und 3 gingen an Langläufer des Münchner Vereins.


Der Kaiser lässt sich über das Deutsche Museum berichten

12. Februar: Der Vorstand des Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik, Baurat Dr. Oskar von Miller, Rektor Dr. van Dyck und Professor von Linde, wurde nach Berlin zu einer Audienz bei Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser Wilhelm II. befohlen, bei welchem er ein Handschreiben des Protektors des Museums, des Prinzen Ludwig von Bayern, überreichte. Der Kaiser war sehr erfreut über die günstige Entwicklung dieses patriotischen Unternehmens, über den von der Stadt München in Aussicht gestellten schönen Platz und insbesondere darüber, daß das Museum aus Norddeutschland durch die Firma Krupp so kräftige Förderung erfährt. Der Kaiser sprach die Hoffnung aus, daß das Museum als deutsch-nationale Anstalt sich würdig an die Seite der ähnlichen Museen in Paris und London stellen möge, und empfahl, einen recht tüchtigen Architekten für den Neubau zu wählen [...]."


Ausstellung zur Geschichte des Feuerwehrlöschwesens

28. Februar: Eine eigenartige Sammlung, die in Original, Modell und Bild die ganze historische Entwicklung des chemischen Löschwesens von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart überblicken ließ, brachte Fabrikdirektor Konrad Gautsch, der langjährige Vorkämpfer für Einführung der Chemie in das Feuerlöschwesen, im alten Rathaussaale zur Ausstellung. Die Sammlung führte zurück ins graue Altertum, das schon die Benützung von Essig zu Feuerlöschzwecken kannte und das bereits auch den Alaun in wässriger Lösung zum Schutze hölzerner Kriegsbauten und hölzerner Belagerungsgegenstände praktisch verwendete, zeigte auch Wurfmaschinen, die mit pulverisiertem Alaun geladene Patronen in Feuer schleuderten, und außerdem noch eine vollständige Kollektion aller [...] Löschpulver und Löschwasser sowie der im chemischen Löschwesen in Betracht kommenden Chemikalien, Eptinkteure, Löschgranaten, der Gaut'schen Handgasspritze und vielem anderen.

Fasching 1904  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Chronik

Teurer Faschingsspaß

16. Februar - Faschingsdienstag: "Welche Summe von freiwilligen Steuern dem Prinzen Karneval an seinen drei letzten Haupttagen dargebracht wurde, davon geben folgende Stichproben einen ungefähren Begriff: Ein Warenhaus hat nicht weniger als um 17.000 Mk. Konfetti und um 9.000 Mk. Luftschlangen noch dazu an Wiederverkäufer abgegeben. Im gleichen Geschäft sind für Karnevalsartikel, Maskenkostüme, Hüte im Ganzen mehr als 50.000 Mk. eingegangen. Die Summe, die durch die Konfettis und Luftschlangen allein während der Karnevalstage auf die Straße geworfen worden ist, darf auf mehr als 100.000 Mk. veranschlagt werden."

"Letztwillige Verfügung ..."  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Chronik

Letzte Dinge regeln

1. März:"Der Verein für Feuerbestattung in München hat mit Zirkular ein Formular zur Erstellung einer letztwilligen Verfügung behufs Feuerbestattung [...] hinausgegeben. Exemplare desselben enthält der Ergänzungsband [...]."

Modelle nach Katalog

6. März: "Der in jüngster Zeit in München gegründete Fachverband für Berufsmodelle hat mit dem Heutigen seine Tätigkeit eröffnet. Um den Professoren wie Studierenden an der königlichen Akademie der bildenden Künste die Mühe zu ersparen, die Modelle auf ihren Körperbau etc. prüfen zu müssen, hat der Verein seine sämtlichen Mitglieder - Männer wie Frauen - photographisch aufnehmen lassen; gefertigt wurden Kopf- und Aktmodelle - auch zahlreiche Kostümbilder. Die Künstler, welche von dem [...] Verein ihre Modelle beziehen, haben sich verpflichtet, an den Verein einen wöchentlichen Beitrag von 20 Pfennig zu bezahlen [...]. Die Gesamtzahl der zur Zeit in München lebenden Modellsteher und Modellsteherinnen beträgt über 500."

Bayerische Beteiligung am Russisch-Japanischen Krieg

17. März: "Zur Teilnahme am russisch-japanischen Kriege wurde von Seiten des Generalstabes der bayerischen Armee der Major, im Generalstabe des 1. Armeekorps, Otto von Stetten entsendet. Derselbe trat heute seine Reise nach dem Osten bzw. nach dem Hauptquartier der japanischen Armee an." Der Russisch-Japanische Krieg dauerte von 1904 bis 1905 und endete mit der Annexion Koreas durch Japan.

Auftritt einer "Schlaftänzerin"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Boissonnas)

Schlaftänzerin löst wissenschaftlichen Streit aus

22. März: "Die letzte von der Psychologischen Gesellschaft veranstaltete Demonstration der Schlaftänzerin Madame Madeleine fand heute im Schauspielhaus statt. Die Frage der Hypnose der genannten Tänzerin hatte noch einmal in den letzten Tagen ihres Auftretens [...] Veranlassung zu einer in der Tagespresse geführten wissenschaftlichen Kontroverse zwischen Professor Dr. Gustav Klein und Dr. Freiherrn von Schrenk-Notzing gegeben."

Empfehlung der Denkmalschutzbehörde

2. April: "Nachdem sich in neuerer Zeit die Versuche zur Anbringung von Glasgemälden in Kirchen späterer Stilepochen gemehrt haben, der zur Wahrung der künstlerischen Eigenart der Innenräume solcher Kirchen und im Interesse der Denkmalpflege gebotene Widerstand gegen derartige Versuche nicht selten zu Differenzen geführt hat, arbeitete - um hier aufklärend zu wirken - das Generalkonservatorium der Kunstdenkmale und Alterthümer Bayerns ein Gutachten über die in Betracht kommenden prinzipiellen Fragen aus [...]."

Königin von Schweden auf Krankenbesuch in München

27. April: "Die Königin Sophie von Schweden ist heute Nachmittag in Begleitung von zwei Hofdamen und dem Hofmarschall Graf Wrangel in München eingetroffen. Zum Empfang waren der königlich Schwedisch-norwegische Konsul Tüngler und die Grafen Neipperg erschienen. Die Königin fuhr in die Klinik des Herzogs Karl Theodor, um ihrem Neffen, dem Erbgroßherzog von Luxemburg, einen Besuch abzustatten, und setzte abends ihre Reise fort." Die Augenklinik Herzog Carl Theodor existiert bis heute in der Nymphenburger Strasse.

Schiffstaufe.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Stapellauf des Kreuzers "München"

30. April: "Im fernen Norden, auf der Werft zu Bremen, spielte sich heute ein festliches Ereignis ab, welches nicht bloß für die Stadt München von hervorragender Bedeutung war, sondern in ihrer vielhundertjährigen Geschichte geradezu ohnegleichen dasteht. Der Stapellauf und die Taufe eines neuen Kreuzers der deutschen Reichsmarine sollte dortselbst vor sich gehen und zwar sollte derselbe auf den Namen der Stadt München getauft werden [...]."!

Katalog zur "Ausstellung von Hunden aller Rassen"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Chronik

Internationale Hunde-Schau

30. April: "In der großen Reithalle der Schweren Reiter-Kaserne [...] wurde heute die IV. Große allgemeine Ausstellung von Hunden aller Rassen eröffnet [...]. Dieselbe ist mit 1.081 Hunden [...] aus Deutschland, Holland, Belgien, Österreich-Ungarn und der Schweiz beschickt [...]."

"Zentralbahnhof" bekommt einen neuen Namen

1. Mai: "Mit dem heutigen 1. Mai wurde die bisherige Benennung ‚Zentralbahnhof' in ‚Münchner Hauptbahnhof' offiziell umgeändert."

Die Kunststadt München fürchtet Konkurrenz

2. Mai: "In einer Sitzung der 30 Kunstverein-Vertreter in Dresden wurde auf Antrag des Geschäftsführers des Kunstvereines München königlichen Rates Wülfert beschlossen, eine Verbindung sämtlicher Kunstvereine Deutschlands zu gründen. Als Hauptvertreter dieser Verbindung wurde auf Antrag des Grafen Moy der Vorstand des sächsischen Kunstvereins gewählt. Den Münchener Teilnehmern am Vertretertag drängte sich die Überzeugung auf, daß die Kunststadt München einen neuen gefährlichen Konkurrenten in Elbflorenz erhalten hat und alle Anstrengungen machen muß, um ihre Stelle als führende Kunststadt zu behaupten."

Bererdigung von Franz von Lenbach  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Franz von Lenbach gestorben

6. Mai: "Professor Franz von Lenbach ist heute früh 4 Uhr seinen Leiden, dessen erste Spuren in den Herbst des Jahres 1902 zurückreichen, erlegen und sanft in die Ewigkeit hinüber geschlummert. Durch einen Schwindelanfall wurde im genannten Jahre seine kräftige Gesundheit getrübt. Seine unermüdliche Fürsorge für das Künstlerhaus, die mancherlei Mühen, die er sich durch den Bau eines Landhauses in Starnberg, zu seinem gewaltigen Arbeitspensum noch aufgebürdet, hatten seine Kräfte mehr als sonst in Anspruch genommen.[...]".

50 Jahre Eingemeindung Haidhausens

19. Mai: "Das 50-jährige Jubiläum der Einverleibung der Gemeinde Haidhausen in die Stadtgemeinde München wurde von der Körperschaft "Freie Vereinigung Alt-Haidhausen" durch eine Erinnerungsfeier begegangen, welche heute Abend im dekorierten Vereinslokal, Gasthaus Menter an der Ismaningerstraße stattfand." Haidhausen war am 1. Oktober 1854 zu München gekommen; mit seinen zahlreichen Herbergshäusern galt es bis zur Eingemeindung als Arme-Leute-Viertel.

40 Jahre als "Räuber"

8. Juni: "Der königliche Hoftheaterintendant Ernst von Possart feierte heute das 40-jährige Jubiläum seines ersten Münchner Gastspiels als ‚Franz Moor', aus welchem Anlass derselbe heute abermals im königlichen Hoftheater in der genannten Rolle auftrat." Von Possart (1841-1921) war 1864 an das Münchner Hoftheater gekommen, von 1893 bis 1905 war er dessen Generaldirektor bzw. dessen Intendant. Seine Schiller- und Shakespeareinszenierungen waren ebenso stilbildend wie seine Inszenierungen von Wagner- und Mozartopern.

Sonntagsruhe auch für städtische Bedienstete

12. Juni: "Mit dem heutigen Sonntag trat auch bei der städtischen Verwaltung die Sonntagsruhe ins Leben und blieb die Mehrzahl der Bureaux in den Ämtern und Stellen innerhalb und außerhalb des Rathauses geschlossen."

Sanitäterübung für den Ernstfall

12. Juni: "Die Sanitätshauptkolonne München hatte sich heute des Besuches Seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten zu erfreuen [...]." Nachmittags begab sich die Sanitätskolonne "[...] 104 Mann stark nach Schleißheim, woselbst auch die Kolonnen Landshut mit 4, Freising mit 14 und Dachau mit 8 Mann eintrafen, um dortselbst eine große Sanitätsübung mit dem Grundgedanken eines folgenschweren Eisenbahnunglücks abzuhalten [...]."

Offiziers-Familie feiert ungewöhnliches Jubiläum

21. Juni: "Die Familie Halder, die älteste Offiziersfamilie der bayerischen Artillerie, feierte heute ein seltenes Jubiläum. Es waren heute 150 Jahre, daß der erste Halder als "Jung Pipenmeister" in die kurfürstliche Artillerie-Brigade eintrat. Seit dieser Zeit hat die Familie 5 Generationen hindurch ununterbrochen als Offiziere in dieser Waffe gedient und zu ihr 2 Generalmajore, 3 Obersten, 4 Hauptleute, 1 Leutnant und 1 Degenfähnrich gestellt. Wo innerhalb dieser anderthalb Jahrhunderte der eherne Wind bayrischer Kanonen gesprochen, haben Angehörige der Familie mitgekämpft. 14 Orden, darunter der Militär-Max-Joseph-Orden und der Orden der französischen Ehrenlegion, und 12 Ehrenzeichen schmückten den Erinnerungsbecher der Familie."

Die Stadt München in Geldnot

30. Juni: "Der Magistrat hat im Laufe dieses Monats vor, einen Prospekt betreffend die Aufnahme einer 3,1 Prozent, bis zum Jahre 1905 unkündbaren Anleihe zu 35.000.000 Mark hinausgegeben."

100 Jahre Zentraltaubstummen-Institut

7. Juli: "Das königl. Zentraltaubstummen-Institut beging heute zur Feier seines 100-jährigen Bestehens einen Festakt, welchem als Vertreter des Kultusministers Oberregierungsrat Pracher und außerdem Universitätsprofessor Dr. von Bezold, Medizinalrat von Braun, [...] und zahlreiche Wohltäter und Freunde der Anstalt anwohnten."

Zweispänner-Droschken senken die Fahrpreise

15. Juli: "Eine Verbilligung der Zweispännertaxen wurde in einer Versammlung der Zweispänner heute Abends im Café Dall'Armi beschlossen. Der Vorstand Holzmaier wies zuerst wieder auf die prekäre Lage der Zweispänner hin, die sich durch die Vorortzüge, Fremdenrundfahrtwagen, Automobile etc. gegenüber früheren Zeiten sehr verschlechtert habe. Zweispänner Müller rügt, daß einer Firma vier Zweispänner gegen Taxameter umgetaucht wurden, ohne vorherige Befragung der Innung [...]." Eine viertelstündige Fahrt kostete demnach für bis zu drei Personen nun 1,80 Mark.

Lenbachs Atelier zur Besichtigung geöffnet

18. Juli: "Lenbachs Witwe hat von heute an das Atelier ihres dahingeschiedenen Gatten der allgemeinen Besichtigung zugänglich gemacht und als Besuchszeit die Stunden von 2 - ½ 5 Uhr an Sonntagen festgesetzt. Der Eintritt erfolgt mittels Karten zu 1 Mk. und soll nach der Willensäußerung der Witwe der Reinertrag in Erinnerung an ihren verstorbenen Gatten dem Künstlerhaus, der Lieblingsschöpfung desselben, zufließen." Franz von Lenbach war am 6. Mai 1904 gestorben. 1929 wurde das Lenbachhaus als städtische Galerie eröffnet.

"Sendlinger Beiß"

20. August: "Die Chronik darf eine Erscheinung nicht unerwähnt lassen, welche seit Jahren von Zeit zu Zeit die Öffentlichkeit beschäftigt. Es ist eine kleine Landplage genannt der ‚Sendlinger Beiß' eine Hautjuckkrankheit, sonst auch Nesselsucht genannt, welche wiederholt schon in der Gemarkung der ehemaligen Landgemeinde Sendling zahlreicher als in anderen Stadtbezirken aufgetreten ist. Als Heilmittel gegen dieselbe wird der Münchner Charite-Balsam äußerlich mit Erfolg angewendet und werden außerdem noch Waschungen mit Wasser und Essig empfohlen."

Skeptische Münchner Ausstellungsbesucher

21. August: "Der Kunstverein ist heute wieder und zwar mit einer Kollektion Bilder der französischen Künstler Gauguins und Vincent van Goghs eröffnet worden - Werke, welche nicht verfehlten, Aufsehen oder vielmehr Befremden zu erzeugen."

Neubausiedlung Holzapfelkreuth   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Plakatsammlung

Walderholungsstätte Holzapfelkreut eröffnet

22. August: "Die neugeschaffene Walderholungsstätte Holzapfelkreut wurde heute nachmittags 5 Uhr mit einem kleinen Festakt eröffnet [...]. 20 erholungsbedürftige Frauen und Mädchen genossen heute bereits die freie balsamische Waldnatur auf diesem stillen Flecken Erde und zwei Schwestern vom Roten Kreuz hatten bereits ihre Pflege übernommen [...]."

Schreibwarenhändler fürchten um ihre Umsätze - Magistrat kann nicht helfen

31. August: "Der Verein der Papier- und Schreibmaterialienhändler Münchens hat im Juli dieses Jahres die Gemeindekollegien in einer Eingabe ersucht, zur Hintanhaltung von Mißbräuchen künftighin die Lehrmittelfreiheit nur solchen Schulkindern zu gewähren, die bei der Einschreibung ein Bedürftigkeitszeugnis beibringen. Er hat ferner die Lokalschulkommission gebeten, daß dem Lehrpersonal untersagt werde, die Kinder auf einzelne Geschäfte hinzuweisen, wenn bei allen die betreffenden Artikel erhältlich sind [...]. Um eine baldige Behandlung der Eingabe im Magistrat zu veranlassen, begab sich eine Deputation zu Bürgermeister Brunner; sie erhielt den Bescheid, daß das Gesuch zu spät eingereicht wurde, um noch bis Schulbeginn erledigt werden zu können. Der Lehrerschaft gegenüber, habe der Bürgermeister erklärt, nichts tun zu können, da sie der kgl. Regierung unterstehe. Es bleibe also nichts übrig, als die Entschließung der Behörden für das übernächste Schuljahr abzuwarten [...]".

Verband gegen betrügerisches Einschenken gegründet

3. September:"Ein Verband gegen betruegerisches Einschenken der Schenkkellner wurde heute Abend in einem Gesellschaftszimmer des kgl. Hofbräuhauses gegründet. Die Versammlung war gut besucht. Egerer begrüßte die Erschienenen und bat, die Besprechung des in Betracht kommenden Themas in möglichst sachlicher Weise durchzuführen, denn es handle sich hier um eine ernste Angelegenheit [...]"

Hoher Besuch aus Rumänien

6. September: "König Karl von Rumänien und sein Bruder Fürst Leopold von Hohenzollern trafen von Berchtesgaden heute Nachmittags in München ein und stiegen im Hotel "Bayrischer Hof" ab. Der rumänische Generalkonsul von Günther war zum Empfange am Bahnhof erschienen. Im Gefolge befanden sich die Flügeladjutanten Oberst Maurocordato und Major Graf Spee."

Tourismus aus dem Osten

15. September: "Aus dem Königreich Sachsen wurden in diesen Jahren mit den veranstalteten Alpensonderzügen nach und über München insgesamt 7.400 Alpenfahrer befördert, etwa 500 mehr als im Jahr 1903."

Kampf dem Straßenstaub

17. September: "Die Gesellschaft für Bekämpfung des Straßenstaubes hat heute mit dem zweiten großen Versuche begonnen und zwar die Prinzregentenstraße in einer Ausdehnung von 20.000 qm mit dem von ihr zur Verfügung gestellten [Spezialmittel] Westrumit zu imprägnieren."

Wolfsbrunnen eingeweiht

2. Oktober: "Am Kosttor, unmittelbar vor dem Eingang zum Hotel Roth, ist heute der Wolfsbrunnen enthüllt und dem Betriebe übergeben worden. Diese Stadtzierde, ein Werk der beiden Münchener Bildhauer Düll und Petzold, ist gestiftet von dem Münchner Großhändler Wolf und dessen Gattin Apollonia Wolf, geborene Hochreiter[...]."

Städtische Personalvermittlung

3. Oktober: "Im ehemaligen magistratischen Administrationsgebäude im Tal Nr. 1 wurde heute eine städtische Dienstvermittlung für weibliches Privatpersonal eröffnet." War die Stellenvermittlung bisher über "gewerbsmäßige" Vermittler, zumeist Frauen, die sogenannten Verdingerinnen, gelaufen, so kam sie nun in städtische Regie.

Renovierung der Theatinerkirche

27. Oktober: "Die Renovierung der Kirchenkuppel der Theatinerkirche geht jetzt der Vollendung entgegen. Das große Kreuz über der Kuppellaterne wurde abgenommen und in eine eigene Eisenkonstruktion versetzt. Die im Knaufe vorgefundene Urkunde vom Jahr 1764 wurde wieder eingelegt und in einer neuen kupfernen Büchse mit einer neuen Pergamenturkunde samt Beilagen vereinigt [...]."

Gebet für deutsche Kolonialtruppen

28. Oktober: "Wie die katholische Kirche hat auch die bayerische protestantische Landeskirche ein Fürbittegebet für die in Deutsch-Südwest-Afrika kämpfenden Truppen angeordnet." Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) war von 1884 bis 1914 deutsche Kolonie. In den Jahren 1904 bis 1907 kämpften die Völker der Hereros und Namas gegen die mit großer Grausamkeit vorgehenden deutschen Besatzer.

Allerheiligen

1. November: "In wenigen Städten hat die Erinnerungsfeier für die Toten einen so großartigen Charakter angenommen wie in München, wo auch die Protestanten den Gedächtnistag der Katholiken vielfach zu dem ihrigen gemacht haben. Nicht weniger als zwölf Begräbnisstätten sind diesen Hauptkonfessionen in München eingeräumt und sie alle prangen an diesem Tage in reichstem Schmuck. Was gärtnerische Kunst für den Tag an Seltenem zu bieten vermag, was das Treibhaus an Frühlingskindern, selbst wertvollen Orchideen gezeitigt, überdeckt die kahlen Steine der Grüfte."

Auftritt eines "Hungerkünstlers"   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Hungerkünstler Succi in der Zelle

9. November: Giovanni Succi der Hungerkünstler ist seit heute Abend ¾ 9 Uhr programmmäßig eingemauert worden. [...] Succi wurde von Beginn seines Experiments in dem Ambulatorium des Dr. Raab einer mehrstündigen Untersuchung unterzogen, die sich auch auf eine Durchleuchtung mit Röntgenstahlen erstreckte.[...] Der Zweck der ärztlichen Untersuchung ist der, festzustellen, ob oder welche Veränderungen des Herzens, des Blutdruckes etc. durch das Hungerexperiment vor sich gehen. [...]"

Es werde Licht!

28. November: Die elektrische Beleuchtung der Frauenkirche ist nun nach langwierigen Arbeiten vollständig installiert und darf eine der größten Anlagen genannt werden. Heute abend 5 Uhr fand in Anwesenheit des Erzbischofs, des Domkapitels und geladener Geistlichkeit eine Beleuchtungsprobe statt."

Münchner Katholiken feiern Dogma der Unbefleckten Empfängnis

1. Dezember: "Die kirchliche Feier der katholischen Männerwelt Münchens zu Ehren des 50. Jubiläums der Dogmatisierung der Unbefleckten Empfängnis Mariae hat heute Abends begonnen. 4.000 Männer fanden sich zu der Predigt des P. Johannes Gabriel von Aschaffenburg in der Frauenkirche ein." Manch einer der Anwesenden hat sich wahrscheinlich durch die völlig neue Optik des Domes von der Predigt ablenken lassen: "Das Innere der Kathedrale bot in der neuen elektrischen Beleuchtung einen prächtigen Anblick."

Strahlende Orden

27. Dezember: "Seine königliche Hoheit der Prinz-Regent hat dem Geheimen Rat und Universitäts-Professor Dr. Adolf Ritter von Bayer sowie dem Geheimen Rate und Universitäts-Professor Dr. Wilhelm Konrad Röntgen den Verdienstorden vom hl. Michael II. Klasse mit Stern verliehen." Röntgen war 1901 der erste Nobelpreisträger für Physik gewesen, Bayer sollte 1905 den Nobelpreis für Chemie bekommen.

Es wird Druck gemacht!

30. Dezember: "In der Druckerei der ‚Münchner Neuesten Nachrichten' kam in der letzten Zeit eine neue Druckmaschine zur Aufstellung. Gebaut in der Maschinenfabrik Augsburg, stellt diese Maschine den neuesten und vollkommensten Typ der Zeitungs-Rotationsmaschine dar. Sie ist die siebente ihrer Art, ihre sechs Vorgängerinnen haben im Dienste der größten und bekanntesten Zeitungen des Kontinents Verwendung gefunden."
 

Abbildungen zur Stadtchronik 1904