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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1916


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Der Krieg geht weiter!
Aus dem Tagesbefehl König Ludwigs III. von Bayern zum 1. Januar 1916: "Das Jahr 1915 liegt hinter uns! Ein Jahr heißen Völkerringens, wie es die Weltgeschichte noch nicht gesehen hat. Gewaltiges haben unsere Truppen im treuen Zusammenhalten mit unseren tapferen Verbündeten geleistet! ... Überall, wo gekämpft wurde, sehen wir Bayerns Söhne in edlem Wetteifer in den deutschen Bruderstämmen. ... Ich sage meinen königlichen Dank den Tapferen, die der bayerischen Armee neuerdings so hohen Ruhm erwarben. Ich sage meinen königlichen Dank den Helden, die ihre Bayerntreue mit dem Tode auf dem Schlachtfelde besiegelt haben. Nicht vergessen will ich der unermödlichen Arbeit derer, die in der Heimat das Schwert schärfen, das den Feind zu Boden schlägt. Auch ihnen meinen  wärmsten Dank und Anerkennung.

Noch wollen aber die Feinde nicht an den Sieg unserer gerechten Sache glauben, noch bedarf es weiterer Kämpfe zur Entscheidung.  

Voll stolzen Vertrauens auf meine kampferprobten Truppen gebe ich mich der Erwartung hin, daß sie weiterkämpfen in treuer Pflichterfüllung für Heimat und Herd, für König und Vaterland, für Kaiser und Reich bis zum siegreichen Frieden.

Gegeben zu München, am 1. Januar 1916
Ludwig

Das sogenannte Kleine Rathaus am Petersbergl,   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München FS-NL-STU 2-1841 (Foto: Stuffler)

Münchner Standesamt feiert 40-jähriges Bestehen
1. Januar: "Als das Reichsgesetz über die Beurkundung des Personenstandes und der Eheschließung vom 6. Februar 1875 am 1. Januar 1876 auch in Bayern in Kraft trat, wurde wie in allen Gemeinden auch in München ein Standesamt errichtet und zwar in dem Teil des Alten Rathauses, in dem früher die Magistratssitzungen stattfanden und in dem sich das Büro des Bürgermeisters befand. Diese am Petersplatz gelegenen Räume erwiesen sich bald als zu klein, es wurde deshalb schon in den 1880er Jahren ein Anbau in der Richtung gegen den Viktualienmarkt hergestellt. Dieses Standesamt für ganz München bestand bis 1891, in welchem Jahre für die Stadtteile rechts der Isar ein zweites Standesamt am Mariahilfplatz errichtet wurde. Infolge der Eingemeindung mehrerer Vororte ... ergab sich im Jahre 1900 wieder die Notwendigkeit einer Vermehrung der Standesämter. ... Insgesamt wurden beim Standesamt I seit dessen Bestehen rund 320.000 Geburten, 230.000 Sterbefälle und 85.000 Eheschließungen beurkundet."

Oberpollinger dekoriert ein HIndenburg-Standbild
29. Januar: "Nun hat auch München sein Hindenburg-Standbild. Im Kaufhaus Oberpollinger hat man den gefeierten Heerführer zum Mittelpunkt der wirkungsvollen Dekoration gemacht, die gegenwärtig dort aufgebaut ist. In Anlehnung an den Eisernen Hindenburg, der in der Reichshauptstadt auf dem Königsplatz steht, wurde ... ein alles in allem 14 m hohes Riesendenkmal  des Befreiers von Masuren geschaffen. ... Kopf, Hände und Degen wurden aus Papiermaché geformt, das Gerüst des Körpers und des Sockels besteht aus Holz und Draht. Die äußere Hülle wird von nicht weniger als 18.000 Taschentüchern gebildet. Zu Füßen des Standbildes flackern in Kandelabern rötlich beleuchtete Papierflammen. Wechselndes Licht sorgt für stimmungsvolle Beleuchtung. Auch die Grammophonabteilung tut ein übriges, um dem vaterländischen Gedanken, der dieser Dekoration zugrunde liegt, gerecht zu werden und läßt von Zeit zu Zeit vaterländische Weisen erklingen."

Engagement für die "Einheitsanrede 'Frau'"
4. Februar: "Seit vielen Jahren schon besteht in Deutschland ein Bestreben, die Verkleinerungsform 'Fräulein' im allgemeinen Sprachverkehr durch die Einheitsanrede 'Frau' zu ersetzen. Ernste, sittlilche und soziale Bedenken sind es, die diese Bewegung ins Leben gerufen haben, denn man hofft, mit dem Schwinden des Unterschiedes zwischen 'Frau' und 'Fräulein' auf die Beseitigung vieler Vorurteile, Bemütigungen und Schwierigkeiten, die der Existenzkampf der im Erwerbsleben stehenden modernen Frau dadurch bereitet. In München führt den Kampf um die Einheitsanrede eine besondere Vereinigung. Diese hielt heute Abend im vegetarischen Restaurant Etos eine Versammlung ab, in der die erste Vorsitzende Bildhauerin M. Metzdorff-Tesch einen Rückblick über den Erfolg einer dreijährigen Werbearbeit gab. Ein Bundesgenosse erstand den eifrigen Werberinnen in dem Krieg, durch den viele unverehelicht bleibende Fräulein nicht zur Würde der offiziellen 'Frau' aufsteigen können, während gerade das veränderte Wirtschaftsleben das Eindringen der Frau in viele männliche Berufe die Anrede 'Frau' zu einer das Ansehen festigenden, moralischen Notwendigkeit macht."

Das Gärtnerplatz-Theater unterstützt den Münchner Tierpark
10. Februar: "Gärtnerplatz-Theater und Tierpark Hellabrunn traten heute in angenehme Wechselbeziehungen. Direktor Dr. Warnecke hatte für den sehr unterstützungsbedürftigen Zoo eine Vorstelllung anberaumt, zu der ein sehr zahlreiches Publikum sich eingefunden hatte. Der erste Akt des 'Polenblut' (eine Operette von Oskar Nedbal) gab Gelegenheit zu besonderen Einlagen. Kammersängerin Maria Möhl-Knabl sang Lieder von Hugo Wolf, Herma Studenz spielte Geige und Kammersänger Wolfl entfaltete den vollen Glanz seines Tenor. Der zweite Akt brachte ein von Hermann Roth verfaßtes Couplet, das ... durch den Vortrag vRudolf Seibolds beim Publikum freundliche Aufnahme fand. Die letzte Strophe lautet:

Ich war im Tierpark gestern drauß,
da schaut's fei gar net lustig aus,
der Löw', der macht a grantigs G'sicht,
fleischloser Tag, das paßt ihm nicht.
Der Elefant, der mampft sich schwer,
denn Heu kriegt er viel weniger.
Das Nilpferd wird scheint's auch nicht satt,
weil's schon a Wespentaille hat.
Zwei Affen weinten bitterlich:
Kaufts Los, es is für's liebe Viech!"

Diese Mahnung konnten die Besucher bald darauf befolgen. In der Pause boten Mitglieder des Theaters Lose an. Über den Erlös der Aktion berichtet die Chronik leider nichts.

Preisvergleich
4. März: "Große Preisunterschiede wurden bei den vom Kriegsausschuß für Konsumenten-Interessen neuerlich in 167 Geschäften in den 29 Stadtbezirken vorgenommenen Probeeinkäufen festgestellt. So schwankte der Preis für ein 5 Pfund-Paket Würfelzucker zwischen 1,40 und 1,70 Mk, in 146 Geschäften betrug der Preis 1,50 bis 1,60 Mk; für Würfelzucker offen zwischen 29 und 34 Pf., für Kristallzucker in 63 Geschäften zwischen 28 und 34 Pf., für Plattenzucker in 71 Geschäften zwischen 29 und 33 Pf.; für Hutzucker in 60 Geschäften zwischen 27 und 33 Pf., für gemahlenen Zucker in 159 Geschäften zwischen 30 und 40 Pf.; für weißen Kandis in 141 Geschäften zwischen 39 und 60 Pf.; für schwarzen Kandis in 133 Geschäften zwischen 39 und 60 Pf., für braunen Kandis in 143 Geschäften zwischen 37 und 60 Pf." Preisvergleiche wurden auch für Tee und Kaffee angestellt.

Mode in Kriegszeiten
4. März: "Eine Modeausstellung der Münchner Freien Vereinigung für das Damenschneidergewerbe wurde in den Prinzensälen des Café Luitpold eröffnet. ... Was in den Prinzensälen zu sehen, zeigt, daß gerade die jetzige Mode kleidsam ist, wenn sie klug erfaßt, übermittelt wird. So kann man an den flott gearbeiteten Jackenkleidern, an den aparten Lauf- und Gesellschaftskleidern, schicken Blusen und anderen Erzeugnissen nicht nur gute Arbeit, hübsche Ideen und sorgfältige Ausführung erkennen, sondern auch feststellen, daß trotz der modernen Formen aus 4 bis 4 1/2 m Stoff ein ganzes Kleid hergestellt werden kann. Von den gezeigten Kleidungsstücken fallen die feschen Erzeugnisse von Gisela Schimmel, Käthe Koch, Th. Knauer, Anna Broderiy, Gerti Schott besonders ins Auge. Seide fand viel und sehr beachtenswerte Anwendung, auch Batiktechnik wurde in reizvoller Weise auf Kleidern und Mänteln verwendet."

Anstehen in der städtischen Volksküche an der Neuturmstraße 1, 1917.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: WKI-Stl-0006

Stark frequentierte Volksküche

6. März: "In der nicht nur in Haidhausen, sondern weit darüber hinaus segensreich wirkenden Volksküche im Münchener Kindl-Keller wurde in den letzten Tagen das 200.000ste Mittagessen verabreicht. In der ersten Zeit der Eröffnung kurz nach Kriegsbeginn hatten sich etwa 150 Kostgänger eingefunden; bald begann der Zudrang sich merklich zu steigern, es kamen bald 300 und jetzt sind die regelmäßigen Mittagsgäste auf über 500 angestiegen. Dazwischen waren aber Tage, namentlich wenn die Kälte zunahm, an denen auch diese Zahl überschritten wurde. Die höchste Anzahl der bisher an einem Tage gespeisten Personen betrug 758. Der Aufwand ist seit Beginn aufs Doppelte und Dreifache gestiegen; auch das Personal mußte vermehrt werden. Aber unentwegt wie von Anfang an nimmt Frau Kommerzienrat Schülein die Verteilung des Essens persönlich vor."

Die Verwundeten-Bücherei in der Prinzregentenstraße, 1916  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: CHR1916175 (Foto: Pettendorfer)

Lesestoff für die Soldaten
1. April: "Seit 18 Monaten versorgt die Verwundetenbücherei München unsere Feldgrauen in Schützengraben und Etappe, unsere Matrosen, unsere Verwundeten und die deutschen Kriegsgefangenen mit guten, unterhaltenden und anregenden Büchern und Zeitschriften. Ungefähr 2.000 Sendungen mit 400.000 Büchern und Heften hat sie hinausgehen lassen. Um der Erfüllung dieser Aufgaben neue Mittel zuzuführen, zugleich aber auch, um der Allgemeinheit, die durch Spenden aller Art ihre Bestrebungen immer unterstützte, etwas von jenem Geister in unserem Heere, den zu pflegen und zu fördern sie mitgeholfen hat, zu zeigen, veranstaltet die Verwundetenbücherei nunmehr die Ausstellung "Krieg, Volk und Kunst." Die Schau fand in der ehemaligen Mauthalle (Augustinerkirche) statt.

Veranstaltung zugunsten Hinterbliebener von Minenwerfern
2. April: "Zu gunsten der Hinterbliebenen gefallener Minenwerfer fand in den Sendlinger Lichtspielen eine Wohltätigkeitsveranstaltung statt. Zunächst wurde der wirkungsvolle Film 'Der Traum des Reservisten', der prächtige, bewegte Gefechtsszenen aus den österreichischen Kämpfen zeigt und zu dem Ziehrer, der Wiener Komponist, ein stimmungsvolles Tongemälde beigesteuert hat, vorgeführt. Dann sangen die Opernsängerinnen Marthe Ott (Sopran) und Anna Schonath (Alt) erst einige Duette und erfreuten dann jede einzelne durch Proben ihrer Kunst. Max Gümbel-Seiling, der selbst bei den Minenwerfern Dienst tut, sprach wirkungsvoll einige der kleinen Erzählungen von Heinrich von Kleists aus dem Jahre 1806. Den Beschluß der Veranstaltung bildete die Verführung unteressanter Aufnahmen von der Tätigkeit der Minenwerfer, die eigens zu diesem Zwecke am Tage vorher aufgenommen worden waren und die Vorführung der neuesten Kriegsnachrichten."

Geschützte Pflanzen pflücken verboten!
6. April: "Bezüglich des Blumenschutzes in Feld und Wald gab die Polizeidirektion bekannt: 'Nach den gemachten Beobachtungen wird die kaum erwachende Natur schon wieder von unvernünftigen Sonntagsausflüglern in unverantwortlicher Weise geplündert. Diesem Treiben wird die K. Polizeidirektion durch strenge Bahnhofkontrollen der zurückkehrenden Ausflügler aufs schärfste entgegentreten. Hiebei wird vorsorglich auf die Bestimmungen der oberpolizeilichen Vorschriften über den Pflanzenschutz aufmerksam gemacht, wonach Pflanzen der geschützten Art nicht mit Wurzeln, Knollen oder Zwiebeln ausgegraben oder ausgerissen werden dürfen. Außerdem dürfen diese Pflanzen nicht in größeren Menschen als höchstens sechs Stück gepflückt, abgerissen oder abgeschnitten werden. Zuwiderhandelnde werden unnachsichtig durch die Schutzmannschaft angehalten und haben Strafverfolgung zu gewärtigen. Unkenntnis der Bestimmungen schütz auch hier nicht vor Strafe.'"

Jubel über die Sommerzeit

1. Mai: "Durch eine Verordnung des Bundesrates vom 6. April wurde beschlossen, daß in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September 1916 an Stelle der mitteleuropäischen Zeit, die in Deutschland durch Reichsgesetz vom 12. März 1893 eingeführt ist, als gesetzliche Zeit die mittlere Sonnenzeit des 30. Längengrades östlich von Greenwich gelten soll. Das bedeutet, daß die Uhren für diese Zeitspanne um eine Stunde vorzustellen sind. Demgemäß wird der 1. Mai 1916 bereits am 30. April nachmittags 11 Uhr (= 23 Uhr) beginnen, der 30. September aber um eine Stunde verlängert werden, damit am 1. Oktober 1916 die mitteleuropäische Zeit wieder in Kraft treten kann. Zweck der Maßnahme ist die bessere Ausnützung des Tageslichts und die gerade im Kriege erwünschte Ersparnis an Rohstoffen und Erzeugnissen für Beleuchtungszwecke.

Auf dem Marienplatz hatte sich gegen 11 Uhr eine ziemliche Menschenmenge versammelt, die erwartungsvoll zu dem hellbeleuchteten Zifferblatt des alten Rathausturms hinaufschaute. Ihre Erwartung wurde nicht enttäuscht. Knapp ehe der Minutenzeiger auf die sechzigste Minute verrücken wollte, ging eine Bewegung durch die Massen. Der Minutenzeiger hatte sich in Bewegung gesetzt und lief flink um das ganze Ziffernblatt herum, um vereint mit seinem kürzeren Genossen auf der 'Zwölf' halt zu machen. Und eine Sekunde später erschollen die Schläge der Mitternachtsstunde, dröhnend erwidert vom Petersturm und mit großem Jubelgeschrei begrüßt von den angesammelten Menschen."

Auf zur Frühjahrsentschlackung!

1. Mai: Am Chinesischen Turm, wohin viele Münchner seit Jahren zur Maikur in den Morgenstunden wanderten, hat heuer Gastwirt J. Schuhnagel mit Genehmigung des Obersthofmeisterstabes Gelegenheit zu einer Molkenkur mit Joghurt, Frühlingskräuterkur und Mineralwasserkur geschaffen. Verabreicht werden außer den Frühlingskräutern Kuhmilchmolke, Ziegenmolke, Obstmolke und außer anderen Mineralwassern besonders Bissinger Auerquelle.

Am heutigen eröffnete auch die Fa. Friedrich Flad wieder ihren Mineralbrunnen-Salon, Maximiliansplatz 23, zu Trinkkuren. Bis Mitte Juni werden täglich von früh 6 bis 8 1/2 Uhr sämtliche natürliche Mineralbrunnen kurgemäß, kalt oder warm, mit oder ohne Zusatz von Salzen etc. glasweise verabreicht. Für die während des Trinkens nötige Bewegung bieten die vor dem Trinklokal gelegenen Anlagen des Maximilianplatzes eine günstige und angenehme Gelegenheit."

Eier und Butter als Mangelware

6. Mai: "Lebhafte Nachfrage herrschte am heutigen Samstag nach Eiern und Butter. Der zum Verkauf gestellte Vorrat beider Artikel war ziemlich knapp. Eier gab es schätzungsweise 30- bis 40.000 Stück; um möglichst vielen Käufern Gelegenheit zum Kaufe zu geben, erhielten die Händler die Weisung, an den Verbraucher nur für 1 M, an Wiederverkäufer für 2 M Eier abzugeben. Für 1 M erhielt man 7 Stück. Schutzleute und Marktaufsichtspersonal mußte beim Eier- und Butterverkauf die Ordnung aufrecht erhalten, da der Andrang zu den einzelnen Verkaufsstellen sehr groß war. Die Käufer mußten sich im Zuge anstellen; war dann der Vorrat plötzlich erschöpft, fielen bei denen, die leer ausgegangen waren, lebhafte Ausdrücke des Unwillens."

Keine Würste mehr im Angebot

1. Juni: "Zur möglichsten Einschränkung des Verbrauchs an Kalb- und Schweinefleisch hat das Stellvertretende Generalkommando München im Juni 1915, also vor einem Jahr, bei Gefängnisstrafe bis zu einem Jahr verboten, sog. Schweinswürstel, Weiß-, Brat- und andere Würste aus Kalbsbrat herzustellen und zu verkaufen. Als Ersatz wurden dann Stockwürste und Kriegswürste aus Stierbrat hergestellt. Eine neue Verordnung setzt fest, welche Arten von Würsten in gewerblichen Betrieben, also auch Gaststätten, künftig gemacht werden dürfen; die Stockwurst war nicht darunter aufgeführt, also verboten; sie ist seit 8. Mai, an welchem die letztgenannte Verordnung in Wirksamkeit getreten ist, verschwunden. Von diesem Tage ab gab es in Wirtschaften sowohl wie in den Wurstbuden in der großen Bank, an der Kuttlerhalle und anderen nur mehr 'Dickgeselchte'. Inzwischen ist der Verbrauch von Würsten noch durch die am 1. Mai eingeführte Fleischkarte erheblich eingeschränkt worden, da für eine Wurst 40 bis 50 g Fleischmarken abzuliefern sind."

"Deutscher Frauendank"

7. Juni: "Die nunmehr abgeschlossene Sammlung der Kriegsspende 'Deutscher Frauendank', die von den vereinigten Münchner Frauenvereinen durchgeführt wurde, hat in München die Summe von 42.826 M ergeben. An diesem Ertrag sind die Münchner Lehrerinnen, die seit Kriegsbeginn aufopfernd und hilfsbereit sich in den Dienst der Kriegsfürsorge gestellt haben, mit der stattlichen Summe von 10.000 M beteiligt. Allen Frauen und Mädchen, die durch ihre Gaben beitrugen, das Los der Invaliden und der Hinterbliebenen unserer Krieger verbessern zu helfen, wird der herzlichste Dank gesagt."

Heuernte auf der Theresienwiese, ca. 1916  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: WKI-Stl-0086

Selbsthilfe sichert die Versorgung

Um dem allgemeinen Mangel an Lebensmitteln Einhalt zu gebieten, stellte die Stadt für die Dauer des Krieges städtische Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung. So wurde die Theresienwiese zur Weide- bzw. Ackerfläche und zahlreiche andere Areale verwandelten sich in "Kriegsgärten", in denen Familien Gemüse anbauen und durch Tierhaltung ihren Milch- und Fleischbedarf sichern konnten. Am 14. Juni 1916 berichtet die Chronik über eine von einem Verein angeregte Initiative: "Eine Stallanlage für Kaninchenzucht wird gegenwärtig beim Dantebad errichtet. Der Platz liegt zwischen Dantebad und Dachauer Straße unmittelbar unterhalb des Dammes des Würmkanals als 20 m breiter, 300 m langer Streifen innerhalb des für Kriegsholfsgärten eingefriedeten Geländes. Nach dem vorläufigen Projekt wird auf 36 m Länge die nördliche Hälfte des Streifens mit vier Stallhöfen bebaut." Ein Hof umfasste 96 Ställe. Die Konstruktion der hölzernen Ställe übernahm die Bayerische Holzhausbaugesellschaft. Die vorbereiteten Formstücke mussten lediglich vor Ort zusammengesetzt werden. Auftraggeber der Stallanlage war die "Vereinigung für private Kriegshilfe München Nordwest".

Abschlusskonzert der Singschule

1. Juli: „Auch die Schlußaufführung der Städtischen Singschule, Abt. Frauenstraße, hatte sich beifälliger Anerkennung zu erfreuen. Die Wahl der zum Vortrag gelangten Kompositionen war glücklich und brachte nicht nur den Geschmack der Kleinen bildenden Stoff, sondern auch für den Hörer manch Interessantes. Gesungen wurde im Allgemeinen recht wacker.

Lebensmittel bleiben knapp

1. Juli: „Auf dem Viktualienmarkt herrschte heute wieder ein starker Verkehr, aber auch ein lebhafter Meinungsaustausch über die Ursachen und Folgen der Lebensmittelknappheit und -teuerung. Auf dem Gemüsemarkt herrschte zwar reichlich Auswahl, aber bei dem Mangel an Fleisch, Butter und Fett kann das Gemüse nicht in der sonst üblichen Weise Verwendung finden. Die Preise betrugen für das Stück Kohlrabi 12 – 15 Pfennig, rote Rüben 5 – 10 Pfennig, Wirsching 15 – 25 Pfennig, Gurken 50 – 80 Pfennig, das Pfund Erbsen 50 – 60 Pfennig. De Obstmarkt war gut beschickt, doch wirkten die wuchrisch hohen Preise lämend auf die Kaufkraft. Es kostete das Pfund Kirschen 60 – 90 Pfenng, Aprikosen 80 – 90 Pfennig, Pfirsische 100 Pfennig. Auf dem Beeren- und Schwammerlmarkt betrugen die Preise fü ein Pfund Walderdbeeren 100 Pfennig, Gartenerdbeeren 100 Pfennig, Heidelbeeren 50 Pfennig …; von den Schwammerln kostete das Pfund sowohl bei Reherl, Steinpilzen wie Rotkappen 140 Pfennig.“ Da auch Eier äußerst knapp waren, wurde am 3. Juli eine Bezugskarte eingeführt.

Unterhaltung und Belehrung für Invalide

12. Juli: „Der armlose Fußkünstler Hermann Unthan hat in den letzten Tagen wiederholt seine Fertigkeiten in den Dienst der Kriegsbeschädigtenfürsorge gestellt und durch seine künstlerischen Vorführungen in den verschiedenen Reservelazaretten bei manchem unserer Invaliden wiedern neuen Lebensmut und frisches Selbstvertrauen geweckt. Am heutigen Nachmittag zeigte er 'seinen lieben Freunden', den Kriegsinvaliden, im Luisenbad, wie man auch als Armloser ein guter Schwimmer sein kann. Außer Schwimmübungen zeigte er den zahlreichen Invaliden auch einige Kunststücke im Wasser, so das Heraufholen einer 2-Markmünze und eines Tellers an der tiefsten Stelle des Bassins, was er zuerst mit den Fußzehen, dann mit dem Munde ausführte.“

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Glückshafen des Kunstgewerbevereins vor der Feldherrnhalle am Odeonsplatz
© Stadtarchiv München: FS-C1916149 (Foto: Lechner)

Opfertag 1916 mit großartigem Erfolg

3. August: "Über 500.000 M Reinerträgnis ist nach vorläufigem Rechnungsabschluß das sicherer Ergebnis der Opfertagssammlung München 1916." Zustandegekommen war die Summe durch Haus- und Straßensammlung sowie eine Vielzahl von Benefizveranstaltungen. Das Geld ging an das Rote Kreuz, das sich um verwundete und kranke Soldaten kümmerte, an die Stadt München, die billige Lebensmittel für minderbemittelte und Kriegerfamlien beschaffte, sowie die Kriegsgefangenenhilfe.

Standkonzert zum 2. Jahrestag des Kriegsbeginns

1. August: "Mit den Österreichern hat München stets gute Nachbarschaft gehalten und keine Gelegenheit versäumt, herkommende Verbände und Körperschften zu begrüßen. So hielt es die Stadt auch stets mit den Kapellen, die während des Krieges im Dienste der Wohltätigkeit in der bayerischen Hauptstadt einzogen. Wenn es auch kriegsgemäß zu solchen Anlässen jetzt etwas einfacher hergeht, so fehlt doch noch nicht die alte Herzlichkeit. Heute mittag waren die Tiroler Kaiserjäger von der Stadtvertretung in den mit Kriegstrophäen reich geschmückten Saal des Prinz-Luitpold-Waffenmuseums (im Neuen Rathaus; heute Kantine) zu einer Mahlzeit eingeladen."

Das anschließende Konzert der Kaiserjäger im Hofgarten war gut besucht. "Eine vielhundertköpfige Menge drängte sich um den Pavillon. Daneben saßen auf den Bänden Verwundete der Münchner Lazarette. Auch Leute aus einfacheren Kreisen, die wohl nicht zu den ständigen Besuchern des Hofgartens zählen, standen still und freuten sich, einmal die bekannten Tiroler Gäste spielen zu hören. Die Rienzi-Ouvertüre klang, von dem großen Musikkörper reich besetzt und in ihrer ganzen Wirkung herausgearbeitet, groß und schwungvoll über den sommerlichen Garten. Zwischen den ernsteren Darbietungen ward da und dort ein heiterer Wiener Walzer eingestreut, altvertraute Strauß-Klänge brachten die Zuhörer in vergnügtere Stimmung."

Sonnenblumen und Gemüse - nützlich und zugleich schön

9. August: "Sonnenblumen, deren Anbau heuer wegen der herrschenden Ölknappheit allgemein empfohlen wurde, sind auch in den öffentlichen Anlagen der Stadt München in großer Zahl angepflanzt. Wohl die größte Zahl - gegen 3.000 bis 4.000 Stück - ist im südlichen Teil des Luitpoldparkes zu finden, wo sie sich sehr günstig entwickelt haben und durch ihre große Menge ein prächtiges Bild bieten." Auch in den Anlagen an der Sonnenstraße, am Karls-, und Karolinenplatz, bei den Propyläen, in der Maximilianstraße sowie vor der Universität auf beiden Seiten der Ludwigstraße fanden sich die weithin leuchteten Blumen mit ihren Blüten von bis zu 50 cm Durchmesser.

12. August: Auch die Bepflanzung im Schloßpark Schleißheim trug der Kriegszeit Rechnung. "In nicht geringes Erstaunen wurden die Besucher versetzt, als sie statt des gewohnten Blumenflors die gesamte Anlage mit heimischem Gemüse bepflanzt sahen. Die Rabatten waren mit Tausenden von Blaukrautstauden bepflanzt, außerdem waren auch noch Rote Rüben, Sellerie und Mangold auf einzelnen Gruppen vorteilhaft verteilt, so daß die gesamte Gemüsepflanzung, vom Belvedere aus betrachtet, ein schönes Bild ergab."

Beschränkter Bezug von Seife

1. September: "Ab heute wurde eine neue Seifenkarte, die nicht mehr im Zusammenhang mit der Zuckerkarte ist, sondern sich auf einem besonderen Blatt befindet, in Gültigkeit gesetzt. Ein Exemplar dieser Seifenkarte, gültig für die Monate September  1916 bis Januar 1917, siehe im Kriegsergänzungsband II/IIb unter No. 199."

Neueröffnung eines Kleinkunst-Theaters

2. September: "Eine neue Art von Kleinbühne eröffnete heute ein Gastspiel unter dem Namen Tanagra-Theater. Dieser Name weist schon darauf hin, daß die Darstellung kleinen zierlichen Figruen anvertraut ist. Dabei sind es weder Marionetten noch irgend welche künstlich belebten Gebilde, sondern lebende Wesen, die nur eine Spanne groß erscheinen und in ihrer Kleinheit wie aus Wachs gearbeitet aussehen. Sie singen und mimen und tanzen. ... Die Bühne ist ein Zierkamin, auf dessen Sims eine Standuhr steht. Zwischen den Säulchen dieser Uhr liegt die schwarz ausgeschlagene Bühne. Durhc diese Umrahmung ist nicht allein die plastische, sondern vor allem auch die farbige Wirkung von großem Reiz. Die Spiele bilden eine Sehenswürdigkeit, weil sie neben der technischen Seite ihres Zustandekommens, die in das Fach der Zauberspiele  einschlägt, guten Geschmack und liebenswürdige Grazie nicht vermissen lassen."

Als "Tanagra-Figuren" werden antike, aus Terrakotta geformte und gebrannte Frauenfiguren in sitzender oder stehender Haltung von 15 bis 35 cm Höhe aus der böotischen Stadt Tanagra in Zentralgriechenland bezeichnet. Sie dienten als Grabbeigaben und Glücksbringer.

Schuleinschreibung

4. September: "Am heutigen Montagvormittag wurde in den Münchner Volksschulen mit der Einschreibung begonnen. Wie im Vorjahre müssen auch heuer wieder verschiedene Schulbezirke wegen der Belegung von Schulgebäuden mit Truppen und Verwundetetn in einem Schulgebäude für den Unterricht zusammengefaßt werden. An den beiden Simultanschulen gestaltete sich der Andrang wieder außerordentlich stark. Namentlich was dies bei der Schule an der Türkenstraße der Fall, die während des Krieges  Lehrsäle der Universität zugeweisenerhielt. Schon morgens um 6 Uhr stellten sich die Eltern mit ihren Kindern vor dem Einschreiblokal auf, um bei dem Mangel an Platz ja die Aufnahme der Kinder zu erriechen. In den Vormittagsstunden wurde der Andrang dann so stark, daß die Leute vom Universitätgebäude in der Ludwigstraße fast bis zur Schellingstaße anstanden."

Neuzugang im Zoologischen Museum

4. Oktober 1916: „Im Durchgangssaal des Zoologischen Museums in der Alten Akademie (Neuhauserstraße 51) wurde heute ein großes weibliches Nil- oder Flußpferd aufgestellt. Es ist eine Beute des Kapitäns Michell, der das Tier in Neu-Kamerun erlegte und es der Münchner Sammlung überwies. Die Präparation und Aufstellung erfolgte so, daß man den ganzen äußeren Körperbau des Plump- oder Feisttieres in fast allen Einzelheiten zu überblicken vermag.“

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König Otto von Bayern verstorben

11. Oktober: „Seine Majestät König Otto von Bayern ist heute Abend 8 h 50 in Schloß Fürstenried gestorben. … König Otto war am 27. April 1848 als der zweite Sohn König Max II. und der Prinzessin Marie von Preußen geboren. Seine Erziehung war die sorgfältigste und besonders von der Mutterliebe sonnig belebt. Seine Liebe zu seinem älteren Bruder Ludwig war so innig, daß man die beiden schönen Prinzen, die das Volk schwärmerisch verehrte, fast immer beieinander sah, ein reizendes Bild, besonders dann, wenn auch ihre Mutter, die Königin Marie, mit ihnen durch Münchens Straßen ging. Im Hauptquartier seines Onkels, des Prinzen Karl, machte der 18jährige Prinz als Offizier den Feldzug 1866 mit, in den Jahren 1870/71 befand er sich im Hauptquartier Kaiser Wilhelms I. Schon damals, deutlicher dann im Jahr 1872, zeigten sich bei dem Prinzen geistige Störungen, die seine Abschließung und eine ständige Pflege, zunächst in Ludwigstal, später dann in Schleißheim und Nymphenburg und seit den 80er Jahren in Schloß Fürstenried notwendig machten.“

Musik zu Allerheiligen

1. November: „Mit dem diesjährigen Allerheiligen-Konzert der Musikalischen Akademie ist auch ein kleines Jubiläum verbunden: Es sind jetzt 10 Jahre verflossen, dass die Verbindung des Lehrergesangvereins mit der Musikalischen Akademie zustande gekommen ist und das erste Zusammenwirken beider Korporationen – es wurde die f-moll-Messe von Bruckner aufgeführt – stattgefunden hat. Der Lehrergesangverein, der 1878 gegründet wurde, hatte sich im Jahre 1902 einen Damenchor angegliedert, der nach dem Beitritt des Lehrerinnen-Singchors (1903) dem Herrenchor ebenbürtig wurde. Prof. Viktor Gluth war anfangs der künstlerische Leiter des Vereins. Nach dessen Rücktritt kam durch die Initiative Mottls im Jahre 1906 die Vereinigung mit der Musikalischen Akademie zustande. Dadurch hatte diese einen numerisch starken, künstlerisch leistungsfähigen Chor gewonnen, der genügend Zeit auf die Einstudierung der Werke verwenden konnte. … Von den Konzerten, die gleich in den ersten Jahren unter der Leitung Mottls stattfanden, seien hervorgehoben die unverkürzten Aufführungen der Matthäuspassion (1907 und 1908) und die außergewöhnlich vollendete Wiedergabe des Missa solemnis beim 3. Bayer. Musikfest in Nürnberg (Pfingsten 1908). Ferner gelangten unter Mottls Leitung zur Aufführung: die Schöpfung und die Jahreszeiten von Haydn (1907 und 1909), Fausts Verdammung von Berlioz (1908), Bach-Kantaten (1909) und Liszts Christus.“

Fahrgast-Rekorde an Allerheiligen

1. November: „Der Allerheiligenbetrieb der Straßenbahn hat ein sehr günstiges Ergebnis gehabt. Es wurden rund 600.000 Fahrgäste befördert, die höchste Zahl, die bisher im Münchner Straßenbahnbetrieb an einem Tage zu verzeichnen war. Auch ein starker Ausflugsverkehr herrschte auf allen Strecken. Im Hauptbahnhof wurden nach amtlicher Angabe 33.581, im Ostbahnhof 12.285 Fahrkarten verkauft. Hiervon treffen auf den Nahverkehr des Hauptbahnhofes 13.910 und auf jenen des Ostbahnhofes 9.261 Fahrausweise. Mit den Würmseeschiffen wurden 1.478, mit den Amper- und Ammerseeschiffen 496 Personen befördert, auf der Isartalbahn 11.946 Personen.“

Wärmestuben für Frauen eröffnet

13. November: „Die städt. Licht- und Wärmestuben haben heute Abend ihren Betrieb eröffnet. Der Besuch war am ersten Abend den Verhältnissen entsprechend noch nicht besonders stark, da sich diese neue soziale Einrichtung erst in den beteiligten Kreisen einleben muss. Im ganzen wurden bis jetzt 10 Wärmestuben eingerichtet, von denen sich 6 in städtischen Schulgebäuden, 2 in Nebenräumen von Gastwirtschaften und 2 in anderen Gebäuden befinden. Die meisten der Wärmestuben sind in die äußeren Bezirke verlegt, da dort das Bedürfnis wohl am stärksten empfunden wird. Der Zweck der Wärmestuben ist, bedürftige Frauen an den Abenden von 5 bis 8 Uhr mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage unter entsprechender Leitung zu anregender und nützlicher Beschäftigung zusammenzuführen. Den Frauen ist Gelegenheit gegeben, auf Gasherden, die in den Wärmestuben eingerichtet wurden, sich mitgebrachte Speisen aufzuwärmen. Soweit möglich wird ihnen auch Tee verabreicht. Die Damen, die die Aufsicht führen und die zumeist Münchner Frauenvereinen angehören, geben den Frauen, wenn sie es wünschen, auch Unterricht im Nähen, wofür Nähmaschinen bereitgestellt sind und sind ihnen außerdem in der Anfertigung von Kleidern und Wäsche behilflich. Außerdem ist auch die Veranstaltung von musikalischen und anderen Vorträgen beabsichtigt, sowie das Auflegen von Zeitschriften in Aussicht genommen, damit auch für das Unterhaltungsbedürfnis Sorge getragen ist. Da die Frauen auch ihre Kinder mitbringen können, von denen sich auch schon am ersten Tag eine Anzahl eingefunden hat, denken die Leiterinnen der Wärmestuben auch daran, Unterhaltungsspiele für die Kleinen bereitzustellen. … Der Besuch der Wärmestuben ist vom Besitz einer Zulassungskarte abhängig, die von den Wohlfahrtsbezirksausschüssen, von der Armenpflege oder wohltätigen Vereinen ausgestellt wird.“

Fliegerangriff auf München

17. November: „Heute Mittag flog ein feindlicher Flieger über München. Das. Kgl. Bayer. Kriegsministerium teilte hierüber mit: Heute Mittag gegen 1 Uhr erschien über München ein feindlicher Flieder, der insgesamt sieben Bomben abwarf, die jedoch nur geringen Sachschaden anrichteten. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Flieger flog in westlicher Richtung ab.“ Die Polizeidirektion München erinnerte nach dem Vorfall ab die „schon wiederholt erörterten Verhaltensmaßregeln“.

18. November: „Die Hebung einer feindlichen Fliegerbombe, die gestern in das weiche Erdreich bei dem Brunnen am Sendlingertorplatz gefallen war, ging nach mehrstündiger Arbeit mittag ½ 12 Uhr vonstatten. Der Platz war in der weiten Umgebung abgesperrt. Zwei Feuerwehrtsleutnante hatten sich als Freiwillige zu dieser Arbeit gemeldet, die sie unter Anwendung aller Vorsichtsmaßregeln auch glücklich vollendeten. Die Bombe wurde dann unter Begleitung von Schutzleuten in einer Decke von den zwei Feuerwerksleutnanten durch die Pettenkoferstraße nach der Theresienwiese getragen und neben die Bombe gelegt, die gestern in einer benachbarten Straße niedergefallen und schon gestern Abend gehoben worden war.“

Auch München trauert um den österreichischen Kaiser

30. November: „Am Tag der feierlichen Beisetzung der Leiche des Kaisers Franz Joseph in der Kapuzinergruft in Wien haben sämtliche königlichen und staatlichen Gebäude, sowie zahlreiche Privathäuser Trauerschmuck angelegt; auch die Wagen der Straßenbahnen trugen Trauerwimpeln.“ Der Kaiser war am 21. November im Alter von 86 Jahren gestorben. König Ludwig III. ordnete vierwöchige Hoftrauer an.

Erfreuliche Nachrichten von der Front

7. Dezember: „Siegesgeläute von allen Kirchen gab Kunde von der jubelnden Begeisterung, die der siegreiche Einzug unserer Truppen in Bukarest überall hervorgerufen hat. Neben den Privathäusern prangten heute früh auch die öffentlichen Gebäude bereits in Flaggenschmuck.“

Die Frauenklinik zieht in die Maistraße

7. Dezember: „In aller Stille hat sich der Umzug der alten Universitäts-Frauenklinik an der Sonnenstraße in die neue Anstalt an der Mai- und Frauenlobstraße vollzogen. Von heute an befindet sich der gesamte umfangreiche Betrieb in der Klinik Maistraße 11. Die alte Anstalt Sonnenstraße wird aufgelassen. Erbaut wurde sie 1856 von der Stadt. In den 60 Jahren des Bestehens sind hier weit über 100.000 Menschen zur Welt gekommen. In den letzten Jahren vor dem Krieg, bevor sich der durch ihn bewirkte Geburtenrückgang bemerkbar machte, belief sich die Zahl der Geburten in der Klinik jährlich auf 3.500, außerdem wurden im Jahre 1.000 Frauen auf der Krankenabteilung behandelt.“

Weihnachtsgaben für die Front

10. Dezember: „Der erste Liebesgabenzug nach dem südöstlichen Kriegsschauplatz. Bestehend aus 28 wohlbeladenen Wagen mit 53.863 Paketen und 837 Kisten für 'Weihnachten im Felde' hwurde in der Nacht vom Holzkirchner Ladegleis des Münchner Hauptbahnhofs nach dem Militärbahnhof Laim geleitet. Dort wurde dieser Zug mit dem von der Pfalz und Würzburg gekommenen Liebesgabenzug vereinigt und alles zur Abfahrt am Morgen vorbereitet. Der Zug umfasste nun 56 Güterwagen mit rund 120.000 Paketen und 2.000 Kisten und 4 Personenwagen.“

Gut besuchter Weihnachtsmarkt

23. Dezember: „Der Christkindl- und Kripperlmarkt hatte guten Besuch. Die Mistel-, Ruskus- und Tannenzweige sowie die gefärbten Spätherbststräuße mit gefärbtem Heidekraut fanden guten Absatz. Wegen der hohen Äpfelpreise herrschte starke Nachfrage besonders nach Orangen, die aber wegen der ungenügenden Zufuhr auch nicht mehr in der sonst üblichen Weise von den Hausierern und Hausiererinnen 'Fünf um a Zwanzgerl – sechs um Zwanzgerl' von allen Straßenecken ausgeboten werden, sondern nur um 12 und 18 Pfennige für das Stück zu haben waren, da die Großhändler schon 32 Pfennig für das Pfund bezahlen müssen.“