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Stadtchronik 1928


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Valentin und Liesl Karlstadt gastieren in Berlin

7. Januar:Das Komiker- und Volkssängerpaar Karl Valentin und Liesl Karlstadt verliess München für einige Zeit, um ein Engagement in Berlin anzutreten. Um den Münchnern den Trennungsschmerz zu erleichtern veranstaltete die Direktion des Apollo-Theaters deshalb eine "Abschiedswoche", in der die beiden ihr Bravourstück "Der Firmling" spielten.

Ehrung für Hans Carossa

21. Januar: Die Stadt München beschloss, den Münchner Arzt und Dichter Hans Carossa mit einem (mit 3.000 Mark dotierten) Dichterpreis zu ehren. Die Entscheidung der Preisrichter war einstimmig.

Chrysanthemenball 1928

24. Januar: "Zu Gunsten des Säuglingsheims an der Lachnerstraße findet im Deutschen Theater der Chrysanthemenball statt, der zu einem der glänzendsten Feste des Münchner Faschings gezählt werden darf. Das finanzielle Ergebnis des Ball ist gut."

Münchens erster öffentlicher Parkplatz

7. Februar: "Die Verkehrsabteilung der Polizeidirektion hat den ersten offiziellen Parkplatz für hinterstellte Privatautos auf der Straße geschaffen, der durch eine weiße Standscheibe mit dem roten Buchstaben "P" gekennzeichnet ist. Der Platz befindet sich am nördlichen Teil des Marienplatzes längs der Gehbahn beim Rathaus vom Fischbrunnen bis zur Turmeinfahrt des Rathauses."

  

Sauerbruchs Abschiedsvorlesung

10. Februar: "Geheimrat Universitätsprofessor Dr. Sauerbruch hält im Großen Hörsaal der Chirurgischen Klinik, der bis auf den letzten Platz besetzt ist, seine letzte Münchner Vorlesung, bei der dem Gelehrten stürmische Beweise der Verehrung zuteil werden."

Fasching 1928  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Münchner Fasching

20. Februar: Beim Faschingstreiben am Rosenmontag kam es "abends gegen 10 Uhr in der Kaufingerstraße zu sehr starken Menschenansammlungen, die allmählich den Straßenverkehr völlig lahm legen". Inmitten der Menschenmenge betätigte sich Pöbel: "Er belästigt hauptsächlich Frauen, bringt eine Menge Straßenbahnzüge zum Halten, beschimpft und bespuckt die Straßenbahnbeamten, zieht die Kontaktstangen der Triebwagen herunter [...] Berittene Polizei räumt gegen 11 Uhr die Straße und stellt die Ordnung wieder her."

21. Februar: "Zum ersten Mal steht das Maskentreiben im Zeichen der stark fortgeschrittenen Automobilisierung der Hauptstadt. Geschmückte Autos und Motorräder bringen Maskierte und Unmaskierte zu Tausenden zum Stadtzentrum."

Beleuchtete Hausnummern empfohlen

2. März:Der Chronist berichtet: "Die Allgemeine Zeitung gibt bekannt, daß in München eine ‚Gesellschaft für beleuchtete Hausnummern' existiert, die sich ‚Numefax' nennt und seit dem Jahr 1925 450 Häuser mit leuchtenden Nummern versehen hat. Die Stromkosten für diese Beleuchtung, die von den Behörden empfohlen wird, sollen 96 Pfennig im Monat betragen."

Hermann Leitensdorfer wird Stadtbaurat

12. März: "Die Frage des Nachfolgers des in den Ruhestand tretenden städtischen Baudirektors Geheimrat Prof. Dr. Grässel fand nun nach langen geheimen Beratungen und vielem überflüssigen Rätselraten in der Öffentlichkeit durch Beschluß des Personalsenats des Stadtrats ihre endgültige Lösung. Als Nachfolger und Leiter der Abt. I. des Hochbauamtes wurde [...] Hermann Leitensdorfer bestimmt." Leitenstorfer baute u.a. 1927-29 Münchens erstes Hochhaus, das sog. "Technische Rathaus" an der Blumenstraße.

  

Städtisches Wohnungsbauprogramm in der Diskussion

14. März:"Der städtische Wohnungsausschuss beschäftigt sich zum ersten Mal mit der Denkschrift des derzeitigen Leiters des Wohnungsamtes, Stadtrat Preis, in der in großzügiger Weise ein Bauprogramm für die nächsten 3 Jahre aufgestellt ist. Es sollen in diesen Jahren 12.000 Wohnungen gebaut werden [...]. Oberbürgermeister Scharnagl bezeichnet den Weg [...] als zweifellos richtig [...]. Bedenken äußert der Finanzreferent Pfeifer. Ihm liegt eine zu radikale Verpflichtung der Stadt vor, wenn sie sich auf 30 Jahre festlegt, ohne Garantien für die entsprechenden Einnahmen zu haben."

Das Auto verdrängt das Pferd

1. April: Der Gasthof "Bögner" eröffnete eine Großgarage. Die Presse kommentierte diese Neuerung wehmütig: "Der Einbau dieser Garagen bedeutet einen weiteren Schritt in der Ausschaltung des Pferdes aus dem Verkehrswesen [...] und zugleich das Ende einer Alt-Münchner Einrichtung. Der ‚Bögner' war bekanntlich eine alte und stark besuchte Einstell-Wirtschaft für die Botenfuhrwerke vom Lande."

Die "Bonbonière" schließt

11. April: Münchens elegantestes Kabarett, die "Bonbonière" am Kosttor, schloss wegen Konkurs seine Pforten.



Wegweisende Erfindung

11. April: Auf der Opel-Rennbahn bei Rüsselheim startete der erste pulvergetriebene Raketenwagen der Welt, ein Projekt des Münchner Astronomen Max Valier. Er erreichte in nur acht Sekunden eine Geschwindigkeit von 100 km/h. "Der Beweis für die praktische Verwendbarkeit des Raketenschiffes, das Fritz von Opel [...] hergestellt hat, ist erbracht. Aus dem Raketenwagen soll sich das Überflugzeug und späterhin die Raumrakete entwickeln."Stesemann im Urteil von Freund und Feind

Stresemann als Wahlkämpfer in München

25. April: Im Bürgerbräukeller fand eine Massenversammlung der Deutschen Volkspartei statt, bei der "der Spitzenkandidat der Partei für die südbayerischen Wahlkreise, Reichsaußenminister Stresemann, sein Programm entwickelt". Unter den ca. 3.000 Teilnehmern waren auch viele Gegner der DVP, vor allem Nationalsozialisten. Als ihre Störmaßnahmen zu massiv wurden, räumte die Polizei den Saal."

Tennis-Stadion eröffnet

4. Mai:"Am Freitag Nachmittag wurde das Neue Münchner Tennis-Stadion beim Aumeister offiziell eröffnet. Zu der Einweihung waren Vertreter des Staates, der Stadt sowie des Sportverbandes für Leibesübungen und des Deutschen Tennisbundes gekommen. Nach den Feierlichkeiten begann der Tennis-Länderkampf zwischen Deutschland und Griechenland, der mit dem Siege Deutschlands (1:0) endigte."

Langwierige Haushaltsberatungen

23. Mai:"Der Stadtrat befaßte sich in einer außerordentlichen öffentlichen Vollsitzung mit dem Haushaltsplan 1928 der Stadt München, den der Haushaltsausschuß nach monatelangen Beratungen in 23 Sitzungen zum Abschluß gebracht hat. Die Einnahmen und Ausgaben schließen insgesamt mit 386.767.333 M ab; es ergibt sich kein Fehlbetrag; Gebührenerhöhungen sind nicht notwendig [...]".

Ausstellung "Heim und Technik" eröffnet

25. Mai: "In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste [...] wird [...] in feierlicher Weise die Ausstellung ‚Heim und Technik, München 1928' eröffnet [...]. Das Ausstellungsorchester spielt eine Tondichtung ‚Heim und Technik', die Richard Strauss zur Eröffnung der Ausstellung geschrieben hat [...]. Die Ausstellung hat den Zweck, die von der Technik bisher geschaffenen Hilfsmittel am Dienste der Wohnung und der Hauswirtschaft zum Allgemeingut der Bevölkerung zu machen und ihr durch eine umfassende Schau alles vor Augen zu führen, was auf diesem Gebiete bereits vorhanden ist." Abb. s. unten

20 Jahre Münchner Aquarium

1. Juni: "Das Aquarium (Gründer Leonhard Schmitt), welches sich seit drei Jahren im Ausstellungspark befindet und früher viele Jahre am Salvatorplatz in der Domschule untergebracht war, begeht sein 20jähriges Jubiläum."

Einweihung des Dante-Stadions

2. Juni:Heute Samstag vormittags wurde das von der Stadt München erbaute Stadion an der Dantestraße in feierlicher und offizieller Form eröffnet und in Betrieb genommen [...]. Nach dem imposanten Einmarsch der 3.000 Mitwirkenden, Volksschüler und -schülerinnen und Schüler der höheren Lehranstalten [...] hielt Bürgermeister Dr. Küfner die Begrüßungs- und Eröffnungsrede, mit der er das Stadion der Jugend und der gesamten sporttreibenden Bevölkerung übergab. Ein Studierender der höheren technischen Lehranstalt dankte der Stadt für die soziale Großtat der Schaffung der Sportanlage. Unter der Oberleitung von Studienlehrer Ludwig Behr erfolgten dann zahlreiche Turn- und Freiübungsdarbietungen."

Münchens Altenheime

6. Juni:"Die Landeshauptstadt besitzt zur Zeit 5 Spitäler und ein Pensionat mit einer Gesamtbewohnerzahl von rund 2.150 Personen. Es sind dies das Münchener Bürgerheim (eine Stiftung), das Martinspital, das Gasteigspital, das Kreuzspital, das Hl. Geistspital (seit 1240), das Josephspital, das Städt. Pensionat an der Mathildenstraße [...]. Diese Anstalten unterstehen dem Wohlfahrtsamt München. Von den versorgten 2.150 Personen sind 60 als Selbstzahler anzusprechen; der Rest befindet sich auf Kosten des Fürsorgeverbandes in den Altersheimen. Der Verpflegesatz in den einzelnen Heimen beträgt pro Kopf und Tag M 1.-, während die Gesamtkosten pro Person und Tag auf rund M 2.40 zu stehen kommen. Zwei Heime stehen als Stiftungsanstalten unter der Verwaltung des Stadtrates, die übrigen sind Eigentum der Stadtgemeinde München. Ferner werden noch in 21 privaten Altersversorgungsanstalten auf Rechnung des Wohlfahrtsamtes zur Zeit 518 Personen verpflegt [...]".

Begehrte Bananen

8. Juni: Der Chronist notiert: "Der tägliche Bananenverbrauch in München beziffert sich auf 30.000 Stück."

Hunde-Demo 1928  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Hundebesitzer demonstrieren

1. Juli: "Die Süddeutsche Sonntagspost veranstaltet um 10 Uhr vormittag einen Demonstrationszug der Münchener Hundebesitzer mit ihren Tieren, an dem etwa 6.000 Männer und Frauen, teilweise mit mehreren Hunden teilnehmen. Die Hundehalter sammeln sich auf der Theresienwiese, von wo aus [...] der Zug in Begleitung einer Musikkapelle durch verschiedene Straßen der Stadt marschiert. Die Demonstration richtet sich gegen die hohe Hundesteuer, gegen das Verbot der Mitnahme von Hunden auf der Straßenbahn und gegen Tierquälerei [...]."

Neugestaltung des Rotkreuzplatzes

6. Juli:"Der Rotkreuzplatz ist nach gut vierteljähriger Aufreiß- und Umbautätigkeit neu gestaltet worden. Die Hauptarbeit betraf die vollständige Neuanlage der Straßenbahngeleise. Der Neugestaltung fiel fast der ganze Baumbestand des Platzes zum Opfer [...]."

Münchner Polizei kassiert ab

25. Juli: "Um das Publikum zur Reinlichkeit und Ordnung zu erziehen, hat die Polizeidirektion München Gebühren festgesetzt, die vom Schutzmann sofort gegen Aushändigung einer Quittung erhoben werden. Die gebührenpflichtigen Verwarnungen erstrecken sich auf folgende Gebiete: Straßenreinlichkeit, Verkehr mit Fahrrädern, das verkehrshindernde Aufstellen von Personenfahrzeugen, das Auf- und Abspringen bei fahrender Straßenbahn, die öffentlichen Anlagen, das Teppichklopfen zu verbotener Zeit und das öffentliche Baden."

Sommerhitze

1. August:"Der diesjährige Juli war einer der wärmsten, heitersten und trockensten seit 100 Jahren. 17 Tage waren heiße, 11 Tage sehr heiße [...] Das Temperaturmaximum erreichte 35 Grad im Schatten und 50 Grad in der Sonne [...]."

Hohe Ausgaben für städtische Kindergärten

1. August: "Nach einer Statistik wendet die Stadt München für ihre Kindergärten 1928 insgesamt fast eine Million Mark auf, nämlich 740.000 Mark für Personalausgaben und 141.000 Mark für Sachausgaben [...]. Aus Besuchsgeldern werden nur etwa 85.000 Mark vereinnahmt. München unterhält heute 46 städtische Kindergärten mit 79 Abteilungen, darunter 6 Kindertagesheime [...]."

Dreister Einbruch bei der Polizei

30. August:"[...] In der Nacht zum Donnerstag ist im Gebäude der Münchener Polizeidirektion ein ungewöhnlich frecher Diebstahl verübt worden. Ein noch unbekannter Täter drang [...] in zwei Büros des Paßamtes ein, erbrach gewaltsam zwei Schränke und entwendete aus ihnen etwa 10 ungebrauchte Paßformulare und 40 bis 50 halbfertige Pässe sowie die dazugehörigen Antragsformulare und Lichtbilder. Bis jetzt ist noch nicht geklärt, wie der Dieb in das Gebäude gelangt ist, da der einzige Eingang durch einen Schutzmannsposten gesichert ist. Auch über die Absichten des Täters herrscht noch Dunkel, ebenso über dessen Persönlichkeit [...]."

Das Rathaus-Glockenspiel feiert Geburtstag

31. August: "Das vom Konsul Karl Rosipal gestiftete Glockenspiel am Rathaus mit seinem Ritterturnier und seinem Schäfflertanz, welches einen Anziehungspunkt und eine Sehenswürdigkeit für die Fremden bildet, kann das zwanzigjährige Jubiläum seiner Dienstzeit begehen."

Neue Attraktion für das Deutsche Museum

7. September: "Gelegentlich der feierlichen Grundsteinlegung des Studienbaues des Deutschen Museums wird am Turm ein von Ingenieur Paul Fueß konstruiertes und dem Museum gestiftetes, elektrisch gesteuertes Riesenfernthermometer (von ca. 20 m Höhe angebracht." Es ist das größte Thermometer der Welt ist.

RichtfestTechnisches Rathaus  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Das Technische Rathaus - Münchens erster "Wolkenkratzer"

19. September: "[...] Am Mittwoch nachmittags [...] konnten das Baugeschäft Karl Stöhr, München, und die Stadtgemeinde München das Richtfest des städtischen Verwaltungsgebäudes mit dem 11 Stockwerke hohen Hochhaus an der Blumenstraße feierlich begehen. Die Feier mit den in schwindelnder Höhe um die schmucken Richtbäume versammelten Festgästen und Arbeitern hatte auf den umliegenden Straßen zahlreiche Zuschauer angelockt [...]."

Luftschiff "Graf Zeppelin" überfliegt München

28. September:"Kurz nach ½ 9 Uhr vormittags kommt das neuerbaute Luftschiff 'Graf Zeppelin' auf einer Fernfahrt von Friedrichshafen nach München, überfliegt den Hauptbahnhof, wirft dort einen Briefbeutel für die Münchner Zeitung ab, zieht dann eine Schleife um die Frauenkirche, den Rathausturm und das Deutsche Museum. An Bord des Luftschiffes befinden sich dessen Führer Dr. Eckener, Reichstagspräsident Löbe, Exzellenz Oskar von Miller, die alle drei während der Fahrt über München von der Funkkabine des Zeppelins aus die Bevölkerung mit kurzen Ansprachen begrüßen [...]. Die Straßen und Plätze der Stadt sind dichtbesetzt mit Menschen, die dem Zeppelin begeistert zujubeln [...]." Abb.s. unten

Baumeisterprüfung erstmals von einer Frau abgelegt

30. September: "Fräulein Hanna Löv hat als erste Frau in München die Prüfung für den staatlichen höheren Baudienst abgelegt und ist mit beträchtlichem Vorsprung als erster Kandidat aus diesem Examen hervorgegangen [...]. Sie ist somit die erste weibliche Regierungsbaumeisterin in Bayern."

Städtischer Mitarbeiter schädigt Senioren

4. Oktober:"Im Justizpalast findet die Gerichtsverhandlung gegen den städtischen Verwaltungsobersekretär M. Meier wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung, Betrugs und Urkundenfälschung statt. Meier, der seit 1922 dienstlich im Heilig-Geist-Spital beschäftigt war, unterschlug ihm von den alten Pfründnern und Pfründnerinnen übergebenes Geld, Wertpapiere und Wertgegenstände und fälschte auch die Unterschrift des Rechtsrats Hilble. Das Urteil lautet auf zwei Jahre Zuchthaus, 1.000 M Geldstrafe und fünf Jahre Ehrverlust [...]."

Städtische Schulden in beträchtlicher Höhe

24. Oktober: "Der Schuldenstand der Stadtgemeinde München zeigt nach den Aufstellungen, wie sie auf Grund der Reichsverordnung nunmehr zu tätigen sind, zum 30. September folgendes Bild:
1. Ablösungs- und Aufwertungsverpflichtungen 34.042 Mk.
2. Langfristige Schulden mit einer Laufzeit von einem Jahr und darüber 17.600.550 Mk im Inland und 31.059.000 Mk im Ausland; ferner gehören hiezu im Inland aufgenommene Schuldschein- und ähnliche Darlehen 11.111.667 Mk. Endlich Hypotheken, Grund- und Rentenschulden sowie Restkaufgelder im Betrag von 2.230.175 Mk. An kurzfristigen Schulden, ausschließlich der Kassenkredite [...] 15.258.978 Mk. Dazu kommt ein Betrag von 989.616 Mk als Betrag der Ablösungsanleihe [...], so daß sich ein Gesamtschuldenstand von 171.491.804 Mk ergibt."

Beleidigungsklage des Generals von Epp

26. Oktober: "Am 3. Mai des Jahres, kurz vor den Reichstagswahlen, hat die kommunistische ‚Rote Fahne' in Berlin gegen den nationalsozialistischen Spitzenkandidaten in Bayern, General Epp, einen Artikel gebracht und sich mit seiner Rolle während der Bekämpfung der Räterepublik befaßt. Sie nannte den General einen ‚Arbeiterschlächter' und führte dann wörtlich aus: ‚519 Arbeiter, die erschossen, erschlagen und zu Tode gemartert wurden, sind die Opfer der weißen Mordbestien geworden.' Wegen dieser beleidigenden Bemerkungen des genannten Blattes wurde am 15. Juni des Jahres die Schriftleiterin Irmgard Rasch vom Amtsgericht München zu 3.000 Mark Geldstrafe verurteilt. Sie legte gegen dieses Urteil Berufung ein, die heute von der 3. Strafkammer des Landgerichts München verhandelt wurde. Die Berufung wurde verworfen [...]". Tatsächlich war Franz Ritter von Epp im Mai 1919 maßgeblich an der von den regierenden Sozialdemokraten veranlassten gewaltsamen Niederschlagung der bayerischen Räterepublik beteiligt gewesen. Seine in der Folgezeit zu rechtsradikalen Kreisen geknüpften Kontakte führten schließllich dazu, dass Epp in der NSDAP Karriere machte: Im April 1933 wurde er "Reichsstatthalter in Bayern". Um seinen Einsatz - er galt als "Befreier Münchens von der Räteherrschaft 1919" - dauerhaft zu ehren, wurde 1933 der Promenadeplatz in "Ritter-von-Epp-Platz" umbenannt.

Schwindender Münchner Katholizismus

2. November:"In einem Vortrag ‚Ist München noch eine katholische Stadt' verbreitet sich Stadtpfarrer Dr. Muhler [...] über die katholischen Verhältnisse in München. Er gibt bekannt, dass in München über 550.000 Katholiken leben, es gäbe aber auch darunter viele Taufscheinkatholiken. Im Vorjahr seien 200 Neugeborene von rein katholischen Paaren nicht mehr getauft, außerdem nicht weniger als 20 Prozent katholische Brautleute nicht mehr getraut worden. Sehr stark sei die Leichenverbrennungspropaganda. Im Ostfriedhof seien jetzt schon an manchen Tagen mehr Verbrennungen als Begräbnisse. Was das innere katholische Leben angehe, so sei es Tatsache, daß fast die Mehrzahl der Münchner Katholiken nicht mehr in die Kirche gehe [...]"

 
Münchner Dienstmädchen wird Herzogin

3. November: "In München fand am Samstag in der St. Annakirche die Trauung statt zwischen Herzog Nikolaus von Leuchtenberg, dem Chef des Hauses Leuchtenberg [...], und dem Dienstmädchen Fräulein Ella Müller, einer geborenen Münchnerin. Der Herzog hatte seine Frau, die nunmehrige Herzogin, vor einem Jahr kennen gelernt."

Münchner Rotary-Klub gegründet

8. November:"Rotary ist international in unpolitischen Sinne. Es will das gesamte heutige Leben mit den Strahlen gegenseitigen Verständnisses der Hilfsbereitschaft füreinander durchleuchten, die Nationen, die Berufsstände, die einzelnen sich verstehen lehren, vor allem das wirtschaftliche Leben auf die höchste Stufe sittlicher Betätigung heben. Rotary ist kein Verein, sondern ein vor einem halben Menschenalter von einem Chicagoer Anwalt gegründeter streng auswählender Klub. Rotary München setzt sich zusammen aus besten Namen der Großindustrie, der Kaufmannschaft, des Beamtentums, der Universität und aller freien Berufsstände. Gründer und Präsident ist Generalkonsul Sabotka."

Statistisches zur Münchner Müllabfuhr

10. November:"Münchens Hausunratsabfuhr umfaßte im Jahr 1927 101.700 Einspänner-Sammelwagen oder 289.845 Kubikmeter Unrat mit einem Gewicht von 173.907.000 Kilo. Auf eine Bevölkerungszahl von 697.000 Menschen verteilt, ergibt sich eine pro Kopf-Belastung von 249 Kilo im Jahre [...]. Die Kosten der Unratbeseitigung auf die Bevölkerung des Abfuhrgebietes verteilt, betrugen im Jahr 1927 pro Kopf [...] 2,01 RM. Bei 300 Arbeitstagen im Jahr wurden im täglichen Durchschnitt verwendet 1.809 Mannschichten und 1.081 Pferdeschichten [...]."

Umfrage zu den Lesevorlieben der Münchner Schüler/innen

14. November: "Um den [...] Geschmack unserer heutigen Jugend kennen zu lernen, erhalten 5.000 Schüler und Schülerinnen höherer Münchener Lehranstalten einen Fragebogen durch die Buchhandlung Steinicke, in dem sie drei wertvolle, selbstgelesene Bücher nennen sollen, die sie ihren Altersgenossen und -genossinnen zur Lektüre und Weiterbildung aufrichtig empfehlen können." Über das Ergebnis der Umfrage berichtet die Chronik leider nichts.klicken für eine vergrößerte Darstellung

Münchner Forscher erhält den Nobelpreis

14. November:"[...] Die Schwedische Akademie der Wissenschaften hat den Nobelpreis für Chemie für das Jahr 1927 dem Professor an der Universität München, Heinrich Wieland, [...] zuerkannt." Abb.s. unten

Vorführung eines neuartigen Schallplattenspielers begeistert die Zuhörer

24. November: "Ein neues Musikinstrument wurde letzten Samstag in einem Schallplattenkonzert im Dom-Pedro-Saal [...] zum erstenmal in Deutschland vorgeführt durch das Musikhaus Dennerlein. Das Adler-Orchestrola ist ein Schallplattenapparat, der mit einem Lautsprecher verbunden ist, so daß die Tonstärke beliebig reguliert werden kann. Unter Vermeidung störender Nebengeräusche kann man den Ton anschwellen lassen bis zur Fülle, die den größten Saal durchdringt. Das sehr zahlreich erschienene Publikum schien sehr befriedigt von der neuen Erfindung [...]."

Ausbau des Ungererbades wird konkret

28. November: "Der Stadtrat genehmigt die Mittel zum Ausbau des Ungererbades und zwar sollen das bisherige Sonnen- und Knabenbad, der Restaurationsgarten und der Garten der Villa Ungerer zu einem Familienbad umgebaut werden, wobei die getrennten Frauen- und Männerabteilungen bestehen bleiben sollen."

Radiologenkongreß im der Universitäts-Frauenklinik

10.-14. Dezember: "Die radiologische Abteilung der Krebskommission des Völkerbundes tagt in München, um die Einrichtungen und die Strahlenabteilung der Universitäts-Frauenklinik kennen zu lernen, die von allen Kliniken das größte Material auf diesem Gebiet hat. Geheimrat Döderlein [...] hält eine größere Vorlesung über die Bedeutung der Strahlenbehandlung für die Gynäkologie, wobei er betont, daß die Strahlenbehandlung Gleiches, wenn nicht mehr leistet als die operative Behandlung [...]".

Antiquar Rosenthal gestorben

23. Dezember: "Ein Mann von Ruf war der Antiquar Ludwig Rosenthal, der im Alter von 88 Jahren verschieden ist. Vom Lehrling mit einfacher Schulbildung hat er es zum Gründer eines weltbekannten Antiquariats gebracht." Ludwig Rosenthal hatte im Jahr 1867 mit einer "Antiquariats-Buchhandlungskonzession" des Münchner Magistrats ein Geschäft gegründet, das schon nach wenigen Jahren Weltgeltung erlangte. Über Jahrzehnte hinweg hatte er gemeinsam mit seinem Bruder Jacques als Kaufmann und Bücherkenner eine wichtige Mittlerrolle im Kunst- und Wissenschaftsbetrieb der Stadt inne. Den ab 1933 von den Nationalsozialisten erzwungenen Rückzug der jüdischen Familie Rosenthal aus dem Münchner Antiquariatsgeschäft musste er nicht mehr erleben. Abb. s. unten

Schlechte Konjunktur für Christbäume

24. Dezember: "In München sind in diesem Jahr Tausende von Christbäumen aller Größen unverkauft geblieben [...]. Das Angebot war in diesem Jahr zu groß, so daß ein Restbestand an Christbäumen verblieb, wie er in München seit langen Jahren nicht mehr zu beobachten war."

Abbildungen zur Stadtchronik 1928