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Stadtchronik 1934


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Die ideologische und politische „Gleichschaltung“ wirkte sich schon unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme auch auf die Münchner Stadtchronik aus: Ihre Einträge orientierten sich nun inhaltlich und thematisch an der Tagespresse, die schon bald nur noch im Sinne der Nationalsozialisten berichtete. Zunehmend übernahm der Chronist die Rhetorik der NS-Propaganda. Ereignisse und Personen, die nicht in das gängige Propagandamuster passten, fanden somit keine Berücksichtigung in der Chronik. Aus heutiger Sicht sagen diese "Leerstellen" in der Chronik daher mindestens genauso viel über den Ungeist der Zeit aus wie die "gleichgeschalteten" Chronik-Einträge.

Hinweis: Für die "Stadtchronik im Internet" werden in der originalen Chronik fehlende, aber historisch wichtige Ereignisse ergänzt. Sie sind - ebenso wie erläuternde Erklärungen - in "Kursiv-Schrift" kenntlich gemacht.

Januar

Neujahr 1934

1. Januar: Der Völkische Beobachter veröffentlicht einen Neujahrsaufruf des Führers an die Partei, in dem Adolf Hitler des Ringens der Partei, ihres Sieges und der Aufbauarbeit des Jahres 1933 gedenkt. Als den "schönsten Erfolg des Jahres" bezeichnet er den 12. November 1933, an dem das deutsche Volk bewiesen habe, "dass es wieder zu seinem besseren Ich zurückgefunden" habe.

Aktionärsversammlung

10. Januar: In der von Bankier August von Fink geleiteten Hauptversammlung, "der 254 Aktionäre mit einem Aktienbesitz von 9.110.000 RM beiwohnen, wurde beschlossen, eine Dividende von 10 Prozent auf Stammaktien und von 5 Prozent auf die Vorzugsaktien zu verteilen."

Städtische Ehrengräber

15. Januar: "Oberbürgermeister Fiehler gibt in der Plenarsitzung des Stadtrats bekannt, dass die Gräber und Grabdenkmäler der in München beerdigten Personen, die im wissenschaftlichen, künstlerischen und öffentlichen Leben der Stadt eine führende Rolle gespielt haben, in einem Verzeichnis zusammengefasst und, falls Angehörige nicht mehr vorhanden sind, auf Kosten der Stadt gepflegt und erhalten werden. Der Oberbürgermeister beantragt, dass in dieses Verzeichnis auch solche Personen aufgenommen werden, die sich im Kampf um den nationalen Staat besondere Verdienste erworben haben."

Vorbereitungen zur Umgestaltung des Königsplatzes

19. Januar: "Im Zuge der Freilegung des Terrains an der Arcisstraße für die geplanten großen Neubauten der NSDAP ist dieser Tage auch mit dem Abbruch des Hohenlohe-Palais an der Ecke der Arcis- und Brienner Straße begonnen worden. Dieses bildete zusammen mit dem gegenüberliegenden früheren Drechsel-Palais den architektonischen Abschluss des Königsplatzes nach Osten."
1934-36 wurden nach Plänen von Paul Ludwig Troost an der Ostseite des Königsplatzes nicht nur die "Ehrentempel" für die am 9. November 1923 gestorbenen Teilnehmer am "Hitler-Putsch", sondern auch der "Führerbau" (heute Hochschule für Musik) sowie der Verwaltungsbau der NSDAP errichtet. Diese Neubauten veränderten den von Klenze 1816 angelegten Königplatz vollkommen. 1935 erhielt der bisher mit Rasenflächen gegliederte Platz einen Granitbelag, der für die Durchführung großer Massenveranstaltungen besser geeignet war.

Architekt Troost gestorben

21. Januar: Im Alter von 56 Jahren starb Hitlers bevorzugter Architekt Paul Ludwig Troost (*1878 in Elberfeld). Er erhielt ein Staatsbegräbnis am Nordfriedhof. Troost gestaltete die Architektur des Nationalsozialismus wesentlich mit. Seine wichtigsten Münchner Bauten waren das Haus der Deutschen Kunst sowie die Verwaltungsneubauten der NSDAP an der Arcis- /Meiser- bzw. Katharina v. Bora-Straße.

Faschingszug 1934  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Februar

Erste Münchner "Gau-Schule" eröffnet

7. Februar: Im Turnerheim an der Nordendstraße wurde probeweise eine Schule für Parteigenossen, die Gauschule des Gaues München-Oberbayern, eröffnet. Sie sollte der Ort sein, an dem neu eingetretene Parteigenossen praktisch und theoretisch in den Grundsätzen des Nationalsozialismus geschult werden sollten. Man hoffte, auf diesem Wege die "20.000 neuen Parteigenossen in München" innerhalb weniger Monate schulen zu können.

Ball der Stadt München

11. Februar: "In den festlich-feierlich geschmückten Räumen des Deutschen Theaters findet der überaus gut besuchte Ball der Stadt München statt, der den symbolischen Höhepunkt des Faschings 1934 bildet und wohl im ganzen Reich nicht seinesgleichen hat. Als Repräsentanten der festgebenden Stadt sind Oberbürgermeister Fiehler, Bürgermeister Dr. Küfner, Stadtrat Weber [...] erschienen. Unter den Ehrengästen befinden sich der Präsident der Reichspressekammer, Reichsleiter Ammann, Reichsstatthalter Ritter von Epp [u.v.a.]. Infolge des von Prof. Wackerle geschaffenen hochkünstlerischen Rahmens und auch der auf höchster künstlerischer Stufe stehenden Darbietungen nimmt das Fest einen in jeder Beziehung glänzenden Verlauf."

Faschingszug 1934

11. Februar: "Die letzten nächtlichen Masken waren kaum aus dem Straßenbild verschwunden, schon begann der 'Aufmarsch' der Zuschauer zum Faschingszug. [...] Sympatisch berührte, dass man für die Kriegsbeschädigten einen eigenen Zuschauerplatz in der Brienner Straße reservierte. Der ganze Zug, der sich mit wahrhaft militärischer Präzision um 1 Uhr in Bewegung setzte, bereitete den Zuschauermassen mit Recht das herzlichste Vergnügen. Der Zug umfasste sieben Aufmärsche mit 129 Untergruppen. Höhepunkte waren die Münchner Stadtgarde, der Prunkwagen der großen Kölner Karnevalsgesellschaft sowie der große Aufzug der Narrhalla mit Prinz Karneval Egid I. Auch die politischen Gruppen, wie Abrüstung, Völkerbund, Greuelpropaganda, marxistisches Bonzentum, Emigranten usw. mit ihren beziehungsreichen Einfällen wurden verständnisinnig belacht."

Finanzielle Förderung der Ehe  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Darlehen für junge Familien

15. Februar: "In München sind bisher 1.300 Anträge auf Ehestandsdarlehen gestellt worden, von denen bis zum Jahresabschluss 1933 annähernd 600 erledigt werden konnten. Für 323.000 RM wurden Bedarfsdeckungsscheine an Ehepaare vergeben, die restlos der Münchner Wirtschaft zugute kamen. Die Zahl der Eheschließungen vom September bis Dezember 1933 liegt um 766 höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres."

Siedlung "Am Hart"

17. Februar: "Etwas abseits der Ingolstädter Straße entsteht zur Zeit die größte Münchner Reichskleinsiedlung mit insgesamt 400 Siedlerstellen. 200 Siedler haben bereits im Herbst ihr Heim bezogen und nun beginnt der Bau wieder für weitere 200 Häuser [...]. Ein Siedlerhaus kostet mit allem Zubehör 2.300 RM. Am Anfang zahlen die Siedler für ein solches Haus, das nett und gesund zugleich ist, 17 bis 18 Mark Miete. Jedes Haus hat 800 qm Garten."

Filmpremiere

23. Februar: "Im Ufapalast gelangt der nach dem Buch 'Der Glaube an Deutschland' von Hans Zöberlein gedrehte Film 'Stoßstrupp 1917' zur Uraufführung. Der Film ist der gewaltigste Kriegsfilm, der je geschaffen wurde, die bedeutendste Münchner Filmschöpfung, das erste Filmwerk, das vor allem den bayerischen Soldaten im Weltkrieg zeigt. Dem Theater gegenüber auf dem freien Platz in der Sonnenstraße steht der Filmtank. Lange Reihen der SA säumen den Theatervorplatz. [...] Das Haus ist bis auf den letzten Platz besetzt."

  

Starkbierzeit

11. März: "Am Eröffnungstag setzt schon bald nach Mittag die herkömmliche Prozession nach dem Nockherberg ein und bereits gegen 4 Uhr nachmittags ist nicht nur der Riesensaal vollständig besetzt, sondern auch der im Sonnenschein liegende Garten. Ein festlicher Akt im Altmünchner Stil leitet die Salvatorwoche ein, erinnert an vergangene Zeiten und gedenkt unter Hinweis auf den beständigen Wechsel vergangener Zeiten des neuen Reiches."

  

Drohende Insolvenz

12. März: "Nachdem von den 48 deutschen Zirkusbetrieben 40 bereits der Krise erlegen sind, droht jetzt auch dem größten europäischen Zirkus dieses Schicksal. Zirkusdirektor Krone hat erklärt, daß er noch in diesem Jahr schließen wolle, wenn seine große Sommerreise nicht die Wendung und das Wunder bringt. Den Unkosten jeder Vorstellung von 1.400 RM ständen Durchschnittseinnahmen von 600 bis 700 RM gegenüber. Krone verlangt eine Befreiung von allen Steuern und Abgaben für ein oder zwei Jahre."

  

"Braune" Kleidervorschriften

12. März: "Das Staatsministerium für Wirtschaft, Zentralstelle, als die zuständige Behörde für den Vollzug des Gesetzes zum Schutze der nationalen Symbole hat entschieden, daß Frack und Smoking des Reichsverbandes des Deutschen Schneidergewerbes in München nicht dem erwähnten Gesetz widersprechen. Der braune Smoking ist z.B. parteiamtlich als Konzertkleidung des NS-Reichs-Symphonie-Orchesters eingeführt worden."

Schlechte Witze  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Unerwünschte Jux-Postkarten

13. März: Jux-Postkarten mit Motiven wie "Bierüberschwemmung", "Freiübung: 1, 2, 3 gsuffa" oder "I bin net so dumm, wia i ausschau" waren nicht mehr erwünscht. "Abgesehen von der kitschigen Ausführung dieser Erzeugnisse, die München als Kunststadt abträglich sind und nach dem Bildinhalt eine falsche Meinung über das Leben und Treiben in München und Bayern überhaupt entstehen lassen, schadet diese läppische Verulkung unserer Landbevölkerung dem Ansehen des deutschen Bauern. Es darf daher von den Geschäftsinhabern erwartet werden, daß sie diese Karten nicht mehr auflegen, ebenso von dem kaufenden Publikum, daß es solche 'Juxkarten' schärfstens zurückweist."

Beginn der "Arbeitsschlacht 1934"

21. März: In Anwesenheit führender Persönlichkeiten sowie Tausender von Arbeitern eröffnete Adolf Hitler an der Baustelle der Reichsautobahn München-Salzburg in Unterhaching die "Arbeitsschlacht des Jahres 1934". Der „Generalinspektor des Deutschen Straßenwesens“, Fritz Todt, meldete dem "Führer", dass die gesamte Münchner Belegschaft mit einer Stärke von 2.700 Mann angetreten sei.

Tarifermäßigung

3. April: "Das Münchener Kraftdroschkengewerbe hat, um eine Besserung seiner wirtschaftlichen Lage herbeizuführen, eine Tarifermäßigung vorgenommen [...]. An Stelle der bisherigen drei Taxen sind deren vier, die zusammen eine Verbilligung im Gefolge haben mit zumeist 15 Prozent."

Oskar von Miller gestorben  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Oskar von Miller gestorben

9. April: Der Elektrotechniker Oskar von Miller (*7.5.1855 in München) stirbt im Alter von 78 Jahren. Er erhält im Alten Neuhauser Friedhof ein städtisches Ehrengrab. Miller war der zehnte Sohn des Erzgießers Ferdinand von Miller. Er sollte der Gründer des Deutschen Museums werden, das sich ausschließlich mit Technik und Naturwissenschaften befasst. Es wurde 1925, an Millers 70. Geburtstag, eröffnet.
 

  

Die Stadt spendet anlässlich von Hitlers Geburtstag

17. April: Der Münchner Stadtrat beschloss, den Geburtstag Hitlers dadurch zu ehren, dass er hilfsbedürftigen kinderreichen Familien eine besondere Spende zukommen ließ. Familien mit drei Kindern erhielten 5 RM, für jedes weitere Kind gab es zusätzlich 2 RM.

 „Mustersiedlung Ramersdorf“  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Richtfest in Ramersdorf

20. April: Auf dem mit Girlanden und Hakenkreuz-Fahnen geschmückten Festplatz der Mustersiedlung Ramersdorf fand in Gegenwart prominenter Gäste sowie der Arbeiterschaft das Richtfest für die Siedlung statt. "Nach einleitenden Musikstücken der Leibstandarte hält Oberbürgermeister Fiehler eine Ansprache, in welcher die außerordentliche Leistung gewürdigt wird, die hier durch die exakte Zusammenarbeit aller Beteiligten in kürzester Zeit vollbracht wurde. 192 Häuser in 40 verschiedenen Typen seien in kürzester Zeit aus dem Boden gewachsen. Ca. 3 Mio. Mark seien für Aufträge vergeben und 3.000 Arbeiter Monate hindurch beschäftigt worden."

Ein Jagdmuseum für München

26. April: Der Stadtrat befasste sich mit dem Erwerb der Gräflich Arco'schen Jagdtrophäensammlung im Arco-Palais am Wittelsbacherplatz. Stadtrat Weber beantragte die Schaffung und Einrichtung eines deutschen Jagdmuseums in München, "in dem das gesamte Jagdwesen technisch und geschichtlich dargestellt werden soll". Das Deutsche Jagd- und Fischereimuseum befindet sich im ehemaligen Augustinerkloster an der Neuhauser Straße.

München bekommt ein Ägyptisches Museum

23. Mai: "Die bisher in München zerstreuten ägyptischen Kunstwerke, die zum großen Teil von König Ludwig I. erworben sind, haben eine einheitliche Heimstätte gefunden in einigen Sälen der Residenz im Nordbau. [...] Wenn auch das Museum mit denen der großen Weltstädte Berlin, Paris, London sich nicht messen kann, so hat es doch eine große Anzahl wertvoller Kunstgegenstände aus der alltäglichen Geschichte, die einem aufmerksamen Betrachter leicht ein Bild jenes hochstehenden Kulturlebens des Volkes am Nil geben können."

Fronleichnam 1934  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
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Die Stadt verweigert Fronleichnamsschmuck am Rathaus

29. Mai: "Zur großen Fronleichnamsprozession hat bisher die Stadt das Rathaus geschmückt und die städtischen Anwesen an den Zug-Straßen beflaggt. Der Stadtrat wollte das eigentlich auch 1934 tun, nahm dann jedoch davon Abstand. "Mit Rücksicht darauf, dass die katholischen Instanzen noch bei keiner nationalen Feier die nationalen Farben gezeigt haben", ließ der Stadtrat mitteilen, sehe man sich "gezwungen", auf die Beflaggung und Schmuck zu verzichten.

Therese Danner hinterlässt eine Stiftung

Am 11. Juni starb im Alter von 73 Jahren die Ökonomieratswitwe Therese Danner. Sie wurde am Ostfriedhof beerdigt. Therese Danner hat das Münchner Kunstgewerbe durch die Schaffung einer Stiftung tatkräftig gefördert. Auf Anregung des Königlich Bayerischen Hofgoldschmiedes Professor Karl Rothmüller gründete sie 1920 die (bis heute bestehende) Danner-Stiftung, die hervorragende Leistungen und junge Talente im bayerischen Kunsthandwerk fördert. Das heutige Förderspektrum umfasst alle Gattungen der kreativen Gestaltung im Handwerk - von Glas über Keramik-, Papier-, Textil-, Holz-, Stein- und Metallverarbeitung bis zu Schmuck und Fotografie.

Japanischer Prinzenbesuch

16. / 17. Juni: Aus Venedig kommend trafen in München die kaiserlichen Hoheiten Prinz und Prinzessin Kaya mit Gefolge ein. Sie wurden am Bahnhof vom japanischen Generalkonsul u.a. empfangen: "Die Japanische Kolonie hatte sich im Königssalon versammelt, woselbst die Herren von je einem Vertreter des japanischen Botschafters und des japanischen Militärattachés den hohen Gästen vorgestellt wurden". Am darauffolgenden Tag begaben sich die Gäste u.a. zum Kriegerdenkmal, wo sie einen Kranz niederlegten. Auf dem Programm des mehrtägigen Prinzenbesuchs standen Besuche des Hofbräuhauses, des Deutschen Museums sowie eine Fahrt an den Starnberger See.

Neuinterpretation der Geschichte

28. Juni: Im Bayerischen Hauptstaatsarchiv wurde eine Urkunden-Ausstellung mit dem Titel "Der Kampf" eröffnet, die sich mit 12 Jahrhunderten deutscher und bayerischer Geschichte befasste. Gezeigt wurden 500 Exponate, Archivalien und Grafiken, die "ein Bild des mächtigen Ringens um die Reichsidee im Wandel der Zeiten, beginnend mit Karl dem Großen und endigend mit dem Verfassungsumbruch unserer Tage gibt".

„Röhm-Putsch“

Der sog. "Röhm-Putsch" und seine Folgen werden in der Münchner Stadtchronik nicht einberichtet. Die blutige „Säuberungsaktion“ gegen SA-Chef Ernst Röhm ging weit über die "SA"-Opposition hinaus. Erschossen wurden u.a. auch der Münchner Journalist und Verleger Fritz Gerlich („Der Gerade Weg“) sowie der ehemalige bayerische Ministerpräsident von Kahr.

Vorbereitung auf den Kriegsfall  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung

Vorbereitung für den Kriegsfall

"In der Zeit vom 1. Juli 1934 bis 16. März 1935 wird in München eine Entrümpelung sämtlicher Speicher und Dachböden durch die Amtsträger des Reichsluftschutzbundes durchgeführt. Die Polizeidirektion erläßt einen Aufruf, worin die Bevölkerung aufgefordert wird, aus den Speichern und Dachböden alle leicht brennbaren Gegenstände zu entfernen und die Organe des Reichsluftschutzbundes bei der Durchführung zu unterstützen." Am 1. Juli wurde damit "im Gebiet der Reviergruppe 5/I des Reichs-Luftschutz-Bundes Haidhausen" begonnen. "Mit dieser Aktion, von der ungefähr 500 Häuser erfaßt wurden, hat die Ortsgruppe München-Ost als erste in ganz München das Werk in Angriff genommen. 45 arbeitslose Volksgenossen wirkten beim Abtransport der Gegenstände mit.“

Deutscher Liedertag 1934

Am 8. Juli wurde vor dem Nationaltheater "unter Mitwirkung der Münchener Sängerschaft und der städtischen Singschule in Gegenwart zahlreicher Zuschauer der Deutsche Liedertag gefeiert". Nach der Aufführung des Sängerspruchs und eines Militärmarsches wurden verschiedene Kinder- und Männerchöre gesungen. Anschließend hielt G. Kiechle, "Führer" der Münchener Sängerschaft, eine Ansprache, in der er die "nationale Bedeutung des deutschen Liedes im Dritten Reich" würdigte.

Der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam wird ermordet

Die Münchner Stadtchronik berichtet nicht darüber, dass Erich Mühsam (*1878) am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg ermordet wurde. Er war der in der Nacht des Reichstagsbrand festgenommen worden. Mühsam war führend beteiligt gewesen an der anarchistischen Münchner Räterepublik 1918/19 und war deshalb nach der Niederschlagung der Revolution zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt worden.

Buchhändler Karl Hugendubel gestorben

19. Juli: "Der bekannte Verlagsbuchhändler Kommerzienrat Karl Hugendubel ist im Alter von 59 Jahren gestorben. Er entstammte einer angesehenen Buchhändlerfamilie, die viele Jahre in Stuttgart lebte. 1890 übersiedelte die Familie nach München und eröffnete am Durchgang zum Salvatorplatz ein bescheidenes Buchantiquariat, das im Lauf der Jahre zu einer der bedeutendsten Buchhandlungen aufblühte."

Attraktionen der Jakobidult

"Die Jakobidult in der Au nimmt am 28. Juli ihren Anfang. Der Schaustellerteil am nördlichen Mariahilf-Platz zeigt u.a. einen Mäusezirkus, eine japanische Sporthalle, zwei Kasperltheater, eine Photobude, ein Riesenrad, eine Liliputeisenbahn, vier Prater, zwei Schaukeln, drei Schießbuden und zwei Wurstbratereien. Außerdem sind noch viele fliegende Stände und billige Jakobe, die beim Auer Kloster und nächst dem Vinzentius-Glückshafen in beredten Worten ihre Waren feilbieten, da."

Eingemeindung der Großhesseloher Brücke

30. Juli: "Zwischen den Gemeinden München, Pullach und Grünwald wurden neue Grenzen festgesetzt, durch die die Großhesseloher Brücke künftighin in das Stadtgebiet fällt. Die Gemeindegrenzen-Änderung ist nötig geworden, weil die Stadtgemeinde aus dem Besitz des Forstärars verschiedene ausmärkische Waldgrundstücke erworben hat."

Abbruch der ehemaligen Lokomotiven-Fabrik

1. August: "Das seit dem Jahr 1924 stillgelegte Werk V der Lokomotivenfabrik Krauss-Maffei AG in der Lindwurmstraße wurde von einer Münchener Abbruchfirma erworben. Der Abbruch wurde vor einigen Tagen begonnen. Das Werk war im Jahre 1872 von der früheren Lokomotivenfabrik Krauss & Co, München-Linz, errichtet worden und diente zum Bau von Speziallokomotiven. Das Werk umfaßte ein großes Magazin, eine mechanische Werkstätte, eine Hammerschmiede, Fräserei, Hoblerei und Dreherei, ein großes Kesselhaus, eine Kupferschmiede und Kesselschmiede, eine Rahmenbauabteilung und eine Montagehalle." Georg Krauss (1826-1906), der einst Schlosserlehrling in der Maffei'schen Maschinenfabrik gewesen war, hatte 1866 ebenfalls eine Lokomotiven-Fabrik gegründet und war damit in direkten Wettbewerb mit der seit 1839 bestehenden Fabrik seines einstigen Lehrherrn getreten. Um 1930 schlossen sich beide konkurrierenden Unternehmen zusammen.

Vereidigung der Münchner "SS"

2. August: Aus Anlass der Übernahme der Reichspräsidentengeschäfte durch den "Führer" hatte der Reichsführer der "SA", Heinrich Himmler, in ganz Deutschland die Vereidigung sämtlicher „SS-Führer“ und „SS-Männer“ auf Adolf Hitler angeordnet. In München fand die Zeremonie vor der Feldherrnhalle statt, einem Ort von besonderer Bedeutung für die Geschichte der NSDAP. 105 „SS-Führer“ und 1.075 „SS-Männer“ erhoben die Hand zum Eid.

Galopprennen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
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Vorbereitungen für ein pferdesportliches Ereignis beginnen

4. August: "Das Kuratorium für das Großereignis auf der Riemer Rennbahn, das 'Braune Band von Deutschland', wurde unter dem Vorsitz von Stadtrat Christian Weber gebildet. Weiter gehören ihm an für die Bayerische Staatsregierung Innenminister Wagner, für die Stadt München Oberbürgermeister Fiehler, die Reichsleiter Bouhler, Schwarz und Major Buch u.a. Nach den Bestimmungen des Kuratoriums wird am Ende jeden Jahres dem Rennverein München-Riem der Auftrag erteilt, den Großen Preis um das 'Braune Band von Deutschland' auszuschreiben."
Das international ausgerichtete Pferderennen fand von 1934 bis 1944 statt. Promotor und Organisator war Christian Weber, ein ehemaliger Pferdeknecht, der mittlerweile zum Münchner Ratsherrn und Kreistagspräsidenten aufgestiegen war. Der jeweilige Sieger erhielt neben dem Preisgeld von 100.000 Reichsmark – die höchste Dotierung aller deutschen Pferderennen – das "Braune Band", eine von Richard Klein entworfene Schärpe.

Trommelwirbel zum Stundenbeginn

29. August: "An der neuen Schule in Milbertshofen wird eine Uhr angebracht, die den Beginn der Schulstunden anstelle des Klingelzeichens durch einen Trommelwirbel ankündigt. Zur besonderen Zierde gereicht der Uhr ein Werk des Bildhauers Mauritius Pfeiffer, das einen friderizianischen Soldaten und einen jungen SA-Mann im Gleichtritt marschierend darstellt."

"Deutsche Mädels" singen für den Stadtrat

22. September: "Die oberbayerische Mädelschaft Blau-Gold" brachte unter Leitung ihrer BDM-Führerin Hilde Königsbauer dem Münchner Stadtrat im Großen Hof des Rathauses ein Ständchen. "Mit jugendlich frischen Stimmen, in schönem Zusammenklang mit dem Spiel der Geigen und Guitarren, sang sie mehrere Lieder und als letztes ein Marschlied. Nach einem Sieg-Heil auf den Stadtrat, das von Oberbürgermeister Fiehler, den anwesenden Stadtratsmitgliedern und den Vertretern des Schulreferats, die dem Ständchen angewohnt hatten, mit einem Heil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler beantwortet wurde, zog die anmutige Mädchenschar wieder ihres Weges."

"SA"-Fernradfahrer erreichen München

23. September: "Die SA-Radfahrer, die schon seit dem 18. September jeden Tag auf den deutschen Landstraßen liegen, haben auf ihrer großen Fernfahrt Berlin-München-Berlin den Wendepunkt erreicht. Nach den bisher zurückgelegten 1.200 km pflegten sie in München ausgiebig der Ruhe. Nicht nur die Maschinen, auch die Uniformen, die auf dieser Fahrt stark mitgenommen wurden, konnten endlich einmal einer gründlichen Reinigung unterzogen werden. Am Vormittag erfolgte am Ehrenmal in der Feldherrnhalle eine Kranzniederlegung und der Nachmittag war für den Besuch des Oktoberfestes freigegeben."

Werbung für das Frauen-Turnen

7. Oktober: Der "Frauenausschuß des Reichsbundes für Leibesübungen" führte vom 7. bis 14. Oktober in München, "wie im ganzen Reich, eine Werbewoche für Frauen-Sport und Frauen-Turnen durch. Den Auftakt bildete eine im Gloria-Palast stattfindende Veranstaltung der im Reichsverband deutscher Turn-, Sport- und Gymnastiklehrer zusammengeschlossenen Schulen." Während der Werbewoche boten die Münchner Turnvereine Vorführungen ihrer Mädchen- und Frauenabteilungen.

Neue Uniformen für die Münchner Berufsfeuerwehr

7. November: "Die Münchner Berufsfeuerwehr wird gegenwärtig mit neuen Uniformen ausgestattet. An Stelle der Bluse tritt ein blauer Waffenrock mit Achselstücken. Das Achselstück des gewöhnlichen Feuerwehrmannes ist in der Mitte rot. Der Oberfeuerwehrmann trägt einen Stern, der Löschmeister-Anwärter zwei Sterne. Die Löschmeister erhalten silberne Achselstücke. Alle tragen Schulterriemen."

Kältetechniker von Linde gestorben

16. November: "In seinem Landhaus auf der Prinz-Ludwig-Höhe starb nach kurzer Krankehit der Begründer der modernen Kältetechnik, Geheimrat Prof. Dr. Carl von Linde, im Alter von 92 Jahren." Linde lebte in den Jahren 1868-79 und seit 1891 in München. Bereits 1874 entwickelte er eine Kältemaschine, 1895 gelang ihm die Verflüssigung von Luft im technischen Maßstab. Carl von Linde wurde am Waldfriedhof beigesetzt.

Hilfe für das Saarland  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
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Saarländische Kinder erholen sich in München

Am 17. November 1934 trafen im Münchner Hauptbahnhof 1.000 Saar-Kinder ein, denen "durch die NS-Volkswohlfahrt die Möglichkeit zu einem einmonatigen Erholungsaufenthalt in München und Oberbayern gegeben wurde. [...] Zum Empfang des Zuges spielte die Gaukapelle des Arbeitsdienstes Harlaching das Schwurlied 'Deutsch ist die Saar!'"

Städtische Weihnachtsgabe  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
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Weihnachtsgabe des Stadtrats

3. Dezember: "Der Stadtrat München hat aus seinem Etat für Wohlfahrtszwecke als besondere Weihnachtsgabe für die Hilfsbedürftigen 125.000 Zentner Kohle in Gutscheinen bei der Reichsleitung des Winterhilfswerkes angekauft, die [...] noch vor dem Weihnachtsfest zur Verteilung kommen." 

Ein Volksempfänger im Ratenkauf

11. Dezember: "Der Stadtrat hat die städtischen Elektrizitätswerke ermächtigt, die Finanzierung des Volksempfängers zu übernehmen, um weiteren Kreisen die Beschaffung eines Rundfunkgerätes zu ermöglichen. Vom Einheitspreis für den Volksempfänger mit 76 Mark zahlt der Käufer an den Lieferer 7,25 Mark, den Rest übernehmen die Elektrizitätswerke, denen der Käufer das Darlehen in Höhe von 79,20 Mark einschließlich eines Zuschlages für Finanzierung und Versicherung in 18 Monaten zurückzuzahlen hat.

  

Ein britischer Verleger zu Besuch im "Braunen Haus"

21. Dezember: "Der englische Zeitungsverleger Lord Rothermere, der sich auf einer Deutschlandreise befindet, besuchte in Begleitung seines Sohnes das Braune Haus, wo sie der Stellvertreter des Führers im Führerzimmer willkommen hieß. Rudolf Heß führte die Gäste dann in den Senatorensaal, zeigte ihnen auch die Karteianlage, weil die Organisation der Mitgliedschaft der NSDAP das besondere Interesse Lord Rothermeres fand. Reichsschatzmeister Schwarz gab den Herren in seinem Arbeitszimmer Erläuterungen über die Organisation der Partei."

  

Weihnachten mit dem "Führer"

24. Dezember: Am Hl. Abend lud Adolf Hitler mehr als 1.000 alte Münchner SA- und SS-Männer zum gemeinsamen Mittagstisch und zur Weihnachtsbescherung in den Wagnersaal. "Der Führer spricht zu seinen treuesten Gefolgsleuten über sein Ziel, eine glückliche Volksgemeinschaft zu schaffen."

Abbildungen zur Stadtchronik 1934