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Stadtchronik 1936


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Die ideologische und politische „Gleichschaltung“ wirkte sich schon unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme auch auf die Münchner Stadtchronik aus: Ihre Einträge orientierten sich nun inhaltlich und thematisch an der Tagespresse, die schon bald nur noch im Sinne der Nationalsozialisten berichtete. Zunehmend übernahm der Chronist die Rhetorik der NS-Propaganda. Ereignisse und Personen, die nicht in das gängige Propagandamuster passten, fanden somit keine Berücksichtigung in der Chronik. Aus heutiger Sicht sagen diese "Leerstellen" in der Chronik daher mindestens genauso viel über den Ungeist der Zeit aus wie die "gleichgeschalteten" Chronik-Einträge.

Hinweis: Für die "Stadtchronik im Internet" werden in der originalen Chronik fehlende, aber historisch wichtige Ereignisse ergänzt. Sie sind - ebenso wie erläuternde Erklärungen - in "Kursiv-Schrift" kenntlich gemacht.

Neujahrsbeleuchtung  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung: NS-460 (Foto: Heinz Valérien)

Neujahrsgruß zum Olympia-Jahr

1. Januar: "Die Hauptstadt der Bewegung hat den diesmaligen Jahreswechsel auf eine ganz besondere Weise begangen; sie hat dem nun angebrochenen Olympia-Jahr 1936 durch ein gewaltiges, farbensprühendes mitternächtliches Feuerwerk inmitten der Stadt einen Feuergruß entboten! Zehntausende aus der Bevölkerung hatten sich am Lenbach-und Karlsplatz und in den umliegenden Straßen angesammelt, um an der Wende vom alten zum neuen Jahr dieses seltene Neujahrsregiment mitzuerleben." Das Feuerwerk wurde in den Maximiliansanlagen abgebrannt. Eine besondere Überraschung war eine Installation der Olympischen Ringe aus Neonröhren, die nach Neujahr am Karlstor angebracht wurden und nachts leuchteten. Die Olympischen Winterspiele 1936, die in Garmisch-Partenkirchen ausgetragen wurden, begannen am 6. Februar.

Fasching 1936  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung Foto: Heinz Valérien, Stadtarchiv München – Fotosammlung, ZBE_B1133Foto: Heinz Valérien, Stadtarchiv München – Fotosammlung: ZBE_B1133 (Foto: Heinz Valérien)

Faschingsauftakt

7. Januar: "Im Festsaal des Künstlerhauses fand in Gegenwart von Oberbürgermeister Fiehler, Bürgermeister Dr. Tempel, Präsident Weber, Vertretern des Kölner Karnevals und vielen prominenten Persönlichkeiten die feierliche Inthronisation des Karnevalprinzen der Stadt München, Willy 0. (Wilhelm Zauß) statt." Zugleich wurde im Künstlerhaus sowie im Stadtmuseum die Ausstellung "Schatzkammer des Prinzen Karneval" eröffnet, die "Kunst- und Kulturschätze einer dreitausendjährigen Faschingsgeschichte" zu zeigen versuchte.

Einweihung der Olympia-Straße

Am 19. Januar wurde die Olympia-Straße München-Garmisch mit einer „Kolonnenfahrt“ feierlich eingeweiht. Die Wagen trafen um 12.30 Uhr in Garmisch ein, wo nachmittags im neu erbauten Festsaal ein großer "Führerappell" stattfand.

Reichsberufswettkampf 1936  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung: NS-462 (Foto: Wilhelm Nortz)

Berufs-Wettkampf

2. Februar: 10.500 junge Leute der verschiedensten Berufe kamen in der großen Ausstellungshalle auf dem Messegelände zusammen, um sich fachlich zu messen. Davon traten 4.000 in der Gruppe "Handel" und 2.900 in der Gruppe "Metall" an. Staatssekretär Kurt Frey bezeichnete in seiner Begrüßungsansprache die "Reichsberufswettkämpfe" als ein "neues Mittel im Ringen um die höchstmögliche Steigerung der Leistungen und appellierte an den gesunden Ehrgeiz der Jugend". Mit der Aufforderung 'Nun, deutsche Jugend, frisch ans Werk', erklärte er die Wettkämpfe im "Gau München-Oberbayern" für eröffnet.

Trauerflaggen für Wilhelm Gustloff

12. Februar: Am Tag der Beerdigung von Wilhelm Gustloff – er war am 4. Februar 1936 in Davos von dem Medizinstudenten David Frankfurter erschossen worden – wurden auch in München an allen öffentlichen Gebäuden sowie den Kirchen und an vielen Privathäusern Trauerbeflaggung angebracht.
Gustloff, 1895 in Schwerin geboren, war 1929 Mitglied der NSDAP geworden. Wegen eines Lungenleidens zog er in die Schweiz, wo er ab 1932 als "Landesgruppenleiter der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz" erfolgreich für den Nationalsozialismus warb und antisemitische Hetzschriften verbreitete. Aufgrund der angespannten außenpolitischen Lage und der am 6. Februar beginnenden Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen war die NS-Führung darauf bedacht, es nicht zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden infolge des Mordes kommen zu lassen. Allerdings erhob die nationalsozialistische Propaganda Gustloff zum "Blutzeugen der Bewegung" und benannte das gerade in Auftrag gegebene "KdF"-Passagierschiff nach ihm.

Das Starkbier und der Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland

Am 7. März 1936 berichtet die Münchner Stadtchronik über zwei Ereignisse von ungleicher Tragweite: In München sprach man munter dem Starkbier zu, allerdings durfte mit Rücksicht auf den "Heldengedenktag" (ab 1934 wurde der 1926 erstmals zum Gedenken an die Gefallenen des [Ersten] Weltkriegs begangene "Volkstrauertag" zum staatlichen Feiertag mit den Namen "Heldengedenktag" ; Termin war der Sonntag Reminiscere = fünfter Sonntag vor Ostern) keine Musik spielen, auch kabarettistische Darbietungen waren verboten. Der zweite Eintrag beschäftigte sich mit dem Einmarsch deutscher Truppen in das entmilitarisierte Rheinland. Laut Chronik nahmen die Münchner dieses Ereignis mit "größer Begeisterung" auf; die ganze Stadt glich "einem Flaggenmeer".
Mit der Besetzung der 50 km breiten Zone brach das Deutsche Reich sowohl den Versailler Vertrag von 1919 als auch den Locarno-Pakt aus dem Jahr 1925. Adolf Hitler rechtfertigte den Vertragsbruch mit dem Verweis auf das deutsche Selbstbestimmungsrecht und auf einen im Mai 1935 zwischen Frankreich und der Sowjetunion geschlossenen Beistandspakt, den er als Bruch des Locarno-Pakts bezeichnete.

Wahlkampf-Auftakt

14. März: Der "Traditionsgau München-Oberbayern" leitete den Wahlkampf für die zwei Wochen später stattfindende Reichstagswahl mit einer Kundgebung ein, an der 30.000 "Volksgenossen" per Auto und 45.000 Teilnehmer in 45 Sonderzügen anreisten.

Bei der Reichstagswahl am 29. März 1936, bei der es keine Konkurrenzparteien mehr gab, erhielt die NSDAP 95,7 Prozent der Stimmen.

Bekleidungsgeschäft Isidor Bach  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung: Stb-Firmen-0053 (Foto: Heinz Valérien)

Eröffnung eines "arisierten" Herrengeschäftes

25. März: Die Münchner Stadtchronik berichtet über die Neueröffnung des Herrenausstattungsgeschäftes Konen: "Die Fa. Bach, Haus für Herren- und Knabenkleidung, ist durch Kauf in den Besitz der neu gegründeten, "rein arischen " Firma Johann Konen übergegangen."
Ab 1933 gerieten jüdische Geschäftsleute zunehmend unter Druck, ihre Umsätze waren rückläufig und häufig waren sie gezwungen, Unternehmen an interessierte "Arier", meist Parteigenossen, zu einem Spottpreis zu verkaufen. Die "Arisierungen" fanden in der "Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben" vom 12. November 1938 einen ersten Abschluss. Ab Januar 1939 wurden sämtliche Betriebe jüdischer Eigentümer zwangsgeschlossen; Juden war die Ausübung praktisch aller Berufe verboten.

Österreich bürgert NSDAP-Mitglied aus

27. April: Der seit 1920 in München lebende Musikkritiker und Schriftleiter am "Völkischen Beobachter" Josef Stolzing-Cerny wurde vom österreichischen Bundeskanzleramt seiner österreichischen Staatsbürgerschaft für verlustig erklärt. Einziger Grund dafür war nach Angaben der Münchner Stadtchronik dessen Mitgliedschaft in der NSDAP. Der Vorgang sorgte für Empörung bei den Nationalsozialisten.

Hochzeitsgabe der Stadt München

28. April: "Nach Beratungen mit den Ratsherren hat Oberbürgermeister Fiehler eine Verfügung erlassen, derzufolge ab 1. Mai 1936 jedem Brautpaar, das in München die Ehe schließt, das Buch des Führers, 'Mein Kampf' als Volksausgabe überreicht wird." Das Buch enthielt eine Widmung der "Hauptstadt der Bewegung".
Voraussetzung für das Buchgeschenk war, dass keiner der Ehepartner Jude war und der Ehemann die deutsche Staatsangehörigkeit besaß.

Tag der Arbeit

1. Mai: Auf der Theresienwiese, auf der ein Rund von Fahnenmasten sowie eine Tribüne für 2.000 Personen errichtet worden waren, fand die Kundgebung zum 1. Mai, dem "Tag der nationalen Arbeit" statt. Die Feierlichkeiten begannen bereits am Vortag mit dem Hissen von "Hakenkreuz"-Fahnen in allen städtischen Betrieben sowie im Rathaus. Innenminister Adolf Wagner lud zur Feier des 1. Mai "1.000 der ältesten Arbeiter der Münchner Betriebe" zu einem Festessen in den Löwenbräukeller.
Indem die Nationalsozialisten eine von der Arbeiterbewertung lange Zeit vergeblich geforderte Aufwertung des 1. Mai in die Tat umsetzten, stilisierten sie sich erfolgreich zum eigentlichen Sachwalter der Belange der Arbeiterschaft.

Erfolgreiche Münchner Radrennfahrer

17. Mai: "Der Münchener Großkampftag im Radsport wurde am Nachmittag mit spannenden Kämpfen auf der städtischen Kampfbahn im Dantestadion zu Ende geführt. Ähnlich wie auf der Straße gab es auch hier überwältigenden Besuch. Waren es doch an die 6.000 Besucher, die den Fahrern schon bei den Vorläufen zujubelten und die schließlich mit Begeisterung die Leistungen der Münchener Städtemannschaft verfolgten, die mit größtem Kampfgeist das wertvollste Rennen des Tages, den 'Ehrenpreis der Stadt München' gegen Stuttgart und Nürnberg erfolgreich verteidigte."

Rückkehr des "Reichsautozuges"

25. Mai: Die 34 Wägen des "Reichs-Autozuges Deutschland", eine mobile Versorgungseinheit, die Großveranstaltungen mit Trinkwasser und Elektrizität versorgen und Reden übertragen sollte, kehrten nach München zurück. Sie waren bei der feierlichen Eröffnung der Autobahnstrecke Köln-Düsseldorf erstmals im Einsatz gewesen. Ihr "Heimatbahnhof" waren eigens errichtete Gebäude an der Tegernseer Landstraße.

München bekommt ein NS-Stadtwappen

5. Juni: Adolf Hitler verlieh München, das seit 1935 den Titel "Hauptstadt der Bewegung" trug, ein neues Stadtwappen. Es wurde von dem Parteigenossen und Ratsherrn Richard Klein entworfen. Klein entschied sich für ein offenes, von zwei Türmen flankiertes Stadttor, das an das Sendlinger Tor erinnerte.
Der beim bisherigen Stadtwappen unter dem Torbogen stehende Stadtmönch, der die Hände zum Segensgestus ausbreitet, mutierte zu einem "Kindl", das mit seiner übergezogenen Kapuze an einen Zwerg erinnerte. Es stand mit waagrecht ausgespannten Armen - einem Verkehrspolizisten ähnlich – vor dem Tor. Der bayerische Löwe, der sich bisher über dem Stadttor aufgerichtet hatte, verschwand. Statt seiner erschien nun das Hoheitszeichen des "Dritten Reichs", ein Reichsadler mit Hakenkreuz. Das Wappen wurde bis Kriegsende 1945 geführt.

Hochwasser

7. Juni: "Seit langem haben wir die Isar nicht mehr so wüst gesehen. Dickgelb kam sie daher mit einer Wasserfülle, daß die Dämme nicht mehr reichten und die vom aufgewühlten Erdreich gefärbten Wogen die Auen überschwemmten. Das wilde Hochwasser ist überraschend gekommen. Während um 8 Uhr der Pegelstand in Bogenhausen noch 175 cm betrug, war mittags um 13 Uhr bereits ein Stand von 260 cm zu verzeichnen. Der höchste Stand dürfte zwischen 16 und 17 Uhr etwa 320 cm betragen haben. Das rasche Steigen scheint nicht vom Regen allein herzukommen, auch die Neuschneeschmelze dürfte einiges dazu beigetragen haben."

Fronleichnam 1936  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung: ZBE_F0180 (Foto: Maria Penz)

Fronleichnamsprozession in der NS-Zeit

11. Juni: Nur rund 7.000 Menschen nahmen an der Fronleichnamsprozession 1936 teil (im Vorjahr: 25.000 Teilnehmer), die trotz schlechten Wetters in feierlicher Weise durch die mit Birken und Tüchern geschmückten Straßen der Stadt zog. Vor dem Traghimmel, unter dem Kardinal Faulhaber mit der Monstranz schritt, ging die säkulare Geistlichkeit. Dieser voraus wiederum schritt eine "Ehrenabordnung der Wehrmacht". Ihre Präsenz belegt, dass die Nationalsozialisten auch kirchliche Ereignisse propagandistisch zu nutzen versuchten.

München nimmt Anteil an den Olympischen Spielen 1936

20. Juli: Anlässlich der am 1. August 1936 in Berlin beginnenden Olympischen Sommerspiele wurde der Münchner Hauptbahnhof mit Lorbeerbäumen, Wimpeln, Flaggen sowie den fünf olympischen Ringen geschmückt. Auch die Auslagen zahlreicher Geschäfte thematisierten das sportliche Ereignis.

Warnung vor dem Zuzug nach München

21. Juli: Der städtische Nachrichtendienst riet Hilfsbedürftigen und Arbeitssuchenden dringend davon ab, nach München zu ziehen. Trotz zurückgegangener Arbeitslosigkeit bestünde in vielen Berufen keine Aussicht auf Arbeit. Auch die Wohnungssituation sei schwierig. Kleinwohnungen seien nicht frei und andererseits wären Hausbesitzer und Vermieter aufgefordert, freiwerdende Wohnungen und Zimmer nicht an neu zuziehende Personen zu vermieten. Da auch die der Stadt zur Verfügung stehenden Unterstützungsmittel vor allem für die Münchner Hilfsbedürftigen bestimmt seien, könne kein Neuzuziehender auf Unterstützung hoffen. Trotzdem zuziehende Personen würden im Asyl untergebracht und hätten auswärtige Pflichtarbeit zu erledigen. Wer diese ablehne, habe mit Zwangsmaßnahmen zu rechnen.

Internationales Geflügelzücher-Treffen

Am 4. August 1936 trafen 300 Teilnehmer des 6. Weltgeflügelzuchtkongresses per Sonderzug in München ein. Es handelte sich um Regierungsvertreter, Wissenschaftler und Geflügelzüchter aus 22 Staaten. Nach einem Empfang im Saal des Alten Rathauses stand ein Besuch der Geflügelzuchtanstalt Erding auf dem Programm.

Empfang für die Münchner Olympiateilnehmer auf dem Flughafen Oberwiesenfeld, 17. August 1936  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
In der Bildmitte (mit Blumenstrauß) Julie Schmitt, eine der ...
© Stadtarchiv München – Fotosammlung, NS-476 (Foto: Heinz Valérien)

Empfang für bayerische Olympiasieger

17. August: Die bayerischen Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Olympischen Spiele in Berlin wurden bei ihrer Ankunft am Münchner Flughafen jubelnd empfangen. Besonders stolz war man auf die Medaillengewinner, die Münchner Sportstudentin Gisela Mauermayer (Gold im Diskuswurf), Ernst Krebs aus Gauting (Gold im Kajak), Josef Manger aus Freising (Gold im Gewichtheben) und Wolfgang (Bubi) Ehrl (Silber im Ringen) sowie die Mannschaftsturner Julie Schmitt und Innozenz Stangl, die ebenfalls Medaillen errungen hatten. Jede/r der 18 Olympioniken wurde allein "in einem Kraftwagen, den ein goldener oder silberner Kranz schmückte" zum Rathaus gefahren, wo ein Festabend zu ihren Ehren stattfand. "Bürgermeister Fiehler teilte in seiner Ansprache mit, daß die siegreichen Gefolgschaftsmitglieder der Stadt befördert worden seien." Gisela Mauermayer wurde Studienrätin im Stadtamt für Leibesübungen und der bisherige städtische Arbeiter Ehrl wurde zum Amtsoffizianten ernannt, "beide unter Berufung in das Beamtenverhältnis".

Herbergshäuser verschwinden allmählich

27. August: "Immer mehr lichten sich die kleinen, alten Häusln in Haidhausen an der Äußeren Wiener Straße. Nun ist wieder eine Herberge gefallen: das Häuschen Nr. 75, das schon seit geraumer Zeit ziemlich verfallen war und sich mittels eines Balkens schutzbedürftig an das kräftigere Nachbarhäusl lehnte."

Chinesische Turner zu Gast in München

31. August: "In der dicht gefüllten Halle des Turn- und Sportvereins 1860 zeigte die chinesische Nationalmannschaft ihr Turnen und ihre Gymnastik, die, in höchster Vollendung vorgeführt, die Zuschauer zu lebhaftem Beifall hinriß. Besonderes Interesse fand das chinesiche Tai-Ghi [sic!], eine vereinfachte Form der Gymnastik, die seit 1000 Jahren die Anfangsgründe der chinesischen Leibesübungen bildet. Neben diesem 'weichen' Turnen wurde auch 'hartes' Turnen in den verschiedensten Formen gezeigt. Im Mittelpunkt der vielen Vorführungen stand aber die Selbstverteidigung mit und ohne Waffen, die von den Chinesen in vollendeter Form demonstriert wurde."

Olympia-Eiche eingepflanzt

3. September: "Die Olympia-Eiche, die unsere Gisela Mauermayer durch ihre glanzvolle Leistung im Diskuswerfen errungen hatte, hat im Botanischen Garten einen Ehrenplatz im Eichenhain erhalten. Möge sie Deutschlands Jugend auch in späteren Jahren an die ruhmreichen Leistungen unserer Teilnehmer an der Olympiade 1936 erinnern und sie zu immer größerer Körperertüchtigung anspornen." Alle Sieger der Olympischen Sommerspiele in Berlin hatten neben ihrer Medaille auch eine "deutsche Eiche" bekommen.

Gute Fernsicht!

7. September: "Bitte kommen Sie – klare Fernsicht auf die Alpen! Der Rathausturm zeigt eine Neuerung und zwar eine rotgelbe Flagge unterhalb des Turmhelms. Sie kündet klare Fernsicht auf die Alpen an. Das neue Aussichtszeichen soll von jetzt ab immer gezeigt werden, so oft sich klare Gebirgssicht bietet. Vom Alten Peter wird bekanntlich bei diesem Anlaß schon seit vielen Jahren eine weiße Scheibe ausgehängt."

Weinpatenschaft

19. September: Wie auch andere bayerische Städte übernahm München die Patenschaft für vier Weinorte. München wurde Pate von Landau, Königsbach in der Pfalz, Neumagen am Rhein und Nierstein in Rheinhessen. Der Chronist äußerte in seiner Berichterstattung schon seine Vorfreude: "So erwartet uns also, wenn der Wein gekeltert ist, eine eigene gut besetzte Karte Münchener Pfalzweine."

Haus des Rechts  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung: NSF-02119

Jahrestagung der Akademie für Deutsches Recht

In München fand vom 21. bis 24. September die Jahrestagung der ["gleichgeschalteten"] Akademie für Deutsches Recht statt. Zum Rahmenprogramm gehörte die Ausstellung "Das Recht", die in den Räumen der Akademie der Bildenden Künste stattfand. Sie zeigte "Rechtsdenkmäler aus der frühesten Zeit des Altertums bis zu solchen aus der jüngsten Zeit der Machtergreifung“. Ein großer Teil der Schau war der Darstellung der NS-Gesetzgebung gewidmet. Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Grundsteinlegung zum "Haus des Deutschen Rechts" in der Ludwigstraße (auf dem Gelände des ehemaligen Parks des Max-Josef-Stiftes) am 24. Oktober.

Kreistag der NSDAP 1936  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung: NS-477

Kreistag der NSDAP

In München fand vom 6. bis 11. Oktober 1936 der Kreistag der NSDAP statt. Unter dem Motto "Deutschland braucht Männer von entschlossener Härte" wollte er die Teilnehmer "auf ein neues Jahr der Arbeit für die Bewegung und in der Bewegung" einschwören. Den Abschluss der Zusammenkunft bildete eine Kundgebung auf dem "Königlichen Platz", an der 48.000 Menschen teilnahmen.
Der von Architekt Leo von Klenze ab 1816 angelegte Königsplatz war von den Nationalsozialisten ab 1934 umgestaltet und 1935 umbenannt worden. Ein Granitbelag, der Massenaufmärsche ermöglichte, Stahlmasten für die Hoheitszeichen und Bronzekandelaber veränderten den Charakter des Platzes, an dessen Ostseite zudem die „Ehrentempel“ für die am 9. November 1923 gestorbenen Teilnehmer am „Hitler-Putsch“ errichtet wurden.

„Anitbolschewistische Ausstellung“  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung, NS-468 (Foto: Schödl)

Eröffnung einer "Antibolschewistischen Ausstellung"

7. November: Im Bibliotheksbau des Deutschen Museums wurde die "Antibolschewistische Ausstellung" eröffnet. Unter den Ehrengästen befanden sich auch Vertreter Italiens und Ungarns. Die Propagandaschau sollte ein "Teil des Kampfes gegen den Bolschewismus" sein.
Der erste Themenschwerpunkt der Ausstellung galt dem "Kommunismus in Deutschland" (besonders thematisiert wurde hier die Münchner Revolutionszeit). Es folgten die „italienischen Räume“ sowie die Räteherrschaft in Ungarn. In der Abteilung „Kulturbolschewismus“ wurden Beispiele moderner Kunst verfemt. Weitere Räume thematisierten die Gefahr des "Weltbolschewismus" und die kommunistische Schreckensherrschaft in der Sowjetunion. Die Hetzausstellung bildete die Initialzündung für eine Reihe von Folgeprojekten, darunter die Ausstellungen „Entartetet Kunst“ und „Der ewige Jude“ (beide 1937). Mit diesen Propagandaschauen machte München seinem Ruf als „Hauptstadt der Bewegung“ Ehre.


Richtfest für die "Reichszeugmeisterei"

28. November: "Am Neubau der Reichszeugmeisterei der NSDAP an der Tegernseer Landstraße wird das Richtfest gefeiert. Die Arbeiter erhalten anstatt der üblichen geselligen Zusammenkunft ein Geldgeschenk.“
Der stark militärisch und paramilitärisch ausgerichtete Nationalsozialismus hatte einen großen Bedarf an Ausstattungsgegenständen (Hakenkreuz-Armbinden, Kragenspiegel, "HJ"-Tücher, Pistolenfutterale etc. bis hin zu Emblemen einzelner Parteiorganisationen). Ab 1934 wurde das gesamte Beschaffungswesen der Partei und der ihr angeschlossenen Verbände zentral durch die "Reichszeugmeisterei" abgewickelt. Sie war zuständig für die Lizenzvergabe an Hersteller und Händler sowie für die Herstellungs- und Qualitätsnormierung.

Weihnachtsgabe für Künstler

15. Dezember: "Wie im Vorjahre gibt die Stadtverwaltung München auch heuer wieder an 100 bedürftige Münchner Künstler als Weihnachtsgabe Gutscheine für Farben, Zeichen- und Modelliermaterial aus. Der Wert des einzelnen Gutscheins wurde von 15 Mark im Vorjahr auf 20 Mark erhöht. Die Künstler werden zum größten Teil von der Landesstelle München-Oberbayern der Reichskammer der Bildenden Künste vorgeschlagen."
Es versteht sich von selbst, dass nur Künstler in den Genuss der Weihnachtsgabe kamen, deren Schaffen den ästhetischen Vorgaben der NS-Kunstpolitik entsprach.

Neues Erscheinungsbild der Münchner Polizei

18. Dezember: "Die Münchner Schutzmannschaft trägt ab sofort anstelle der bisherigen Pickelhaube, die für die Gendarmerie, Gemeindepolizei und Schutzpolizei in Bayern abgeschafft ist, den Tschako und zwar ohne Haarschopf."

Winterhilfe  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung, NSF-00571

Sammlungen des Winterhilfswerks

18. Dezember: "Drei Tage lang findet in München die 3. Reichsstraßensammlung zu Gunsten des Winterhilfswerks statt, die von 5.000 Hitlerjungen, 1.000 Jungvolkpimpfen, 3.000 BDM-Mädchen, 5.000 Studenten sowie 430 Professoren und Dozenten der Münchner Hochschulen durchgeführt wird. Insgesamt werden 340.000 Abzeichen, holzgeschnitzte Weihnachtsengel aus dem Erzgebirge, abgesetzt. Das Ergebnis der Sammlung beträgt 65.600 Mark."

Abbildungen zur Stadtchronik 1936