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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1942


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Die ideologische und politische „Gleichschaltung“ wirkte sich schon unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme auch auf die Münchner Stadtchronik aus: Ihre Einträge orientierten sich nun inhaltlich und thematisch an der Tagespresse, die schon bald nur noch im Sinne der Nationalsozialisten berichtete. Zunehmend übernahm der Chronist die Rhetorik der NS-Propaganda. Ereignisse und Personen, die nicht in das gängige Propagandamuster passten, fanden somit keine Berücksichtigung in der Chronik. Aus heutiger Sicht sagen diese "Leerstellen" in der Chronik daher mindestens genauso viel über den Ungeist der Zeit aus wie die "gleichgeschalteten" Chronik-Einträge.

Für die "Stadtchronik im Internet" werden in der originalen Chronik fehlende, aber historisch wichtige Ereignisse ergänzt. Sie sind - ebenso wie erläuternde Erklärungen - in "Kursiv-Schrift" kenntlich gemacht.

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"Eintopf-Sonntage" fanden seit Oktober 1935 regelmäßig statt
© Stadtarchiv München: PL-14319

Januar 1942

Bemerkenswertes Spenden-Ergebnis
4. Januar: „Nach den ersten vorläufigen Zählungen hat die Sammlung von Pelz-, Woll- und Wintersachen für die Front ein geradezu überwältigendes Ergebnis gehabt. Bisher konnten 1.260 Waggons mit warmen Wollsachen nach dem Osten in Marsch gesetzt werden oder in Umänderungsanstalten gebracht werden.“

Bescheidene Ehrung zum Dienstjubiläum
10. Januar: „Die städtische Kanzleisekretärin Maria Ortner begeht ihr 25jähriges Dienstjubiläum. Von diesen 25 Jahren war sie 16 Jahre beim Stadtarchiv tätig. Archivdirektor Dr. Schaffer gedenkt in Gegenwart der Arbeitskameraden und -kameradinnen mit anerkennenden Worten der Pflichttreue und des Fleißes der Jubilarin, dankt ihr hierfür und überreicht ihr die Urkunde mit den Glückwünschen des Oberbürgermeisters [... ]. Die Arbeitskameraden und -kameradinnen überreichen eine Glückwunschadresse und eine prächtige Keramikvase mit Rosen gefüllt.“

Eintopf für alle
12. Januar: „Heute wird erstmals in allen Gaststätten des Reiches das Feldküchengericht ausgegeben, das nach Anweisung des Staatssekretärs für Fremdenverkehr, Hermann Esser, in Zukunft am Montag und Donnerstag jeder Woche während des ganzen Tages anzubieten ist."

Februar 1942

Reichsminister Todt tödlich verunglückt
Am 8. Februar verunglückte Fritz Todt, seit 1940 Reichsminister für Bewaffnung und Munition, bei einem Flugzeugabsturz unweit des „Führerhauptquartiers“ Wolfsschanze bei Rastenburg tödlich. Todt leitete nicht nur den Bau der Reichsautobahnen, sondern gründete 1938 die militärisch organisierte Bautruppe „Organisation Todt“ benannt, die für den Bau des Westwalls, des Atlantikwalls, den Bau der U-Bootstützpunkte an der französischen Küste sowie in eroberten Gebieten eingesetzt war. Da Todt in München gelebt hatte, gedachte der Münchner Stadtrat Todt als einem „großen Bürger der Stadt“. Der Verstorbene wurde in Berlin beigesetzt.

Eissaison endet
25. Februar: Zum Abschluß der Wintersaison fand im Rahmen der "Wehrmachtsbetreuung" im Prinzregentenstadion eine Eissportveranstaltung statt. Unter den 10.000 Besuchern, Offizieren, Soldaten und Zivilisten, befanden sich auch General der Artillerie Wachenfeld, Generalleutnant Graf und Oberbürgermeister Fiehler. Der Chronist berichtet: "Äußerst abwechslungsreich verläuft das Eishockeytreffen Standort München gegen Münchner Auswahl 9:1. Während der Pause gibt es eine Fülle bester Kunstlaufdarbietungen. Der Höhepunkt der Veranstaltung sind Eistänze des Ehepaares maxi und Ernst Baier."

März 1942

Große Deutsche Kunstausstellung endet
8. März: „Die große Jahresschau zeitgenössischer Malerei, Graphik und Plastik im Haus der Deutschen Kunst wird geschlossen. Während der achtmonatigen Dauer der Ausstellung wurde sie von weit über 600.000 Volksgenossen besucht. Es ist auch ein großer Verkaufserfolg zu verzeichnen.“ Während der letzten Woche hatte der Eintritt nur mehr 20 Pfennig betragen.

„Heldengedenktag“
15. März: „Ganz Deutschland steht im Banne des Heldengedenktages. Zum Zeichen der stolzen Trauer wehen von allen Häusern die Fahnen auf Vollstock. In der Hauptstadt der Bewegung findet die Feier des Heldengedenktages vor dem Heeresmuseum am Kriegerdenkmal statt, das das die Namen der 13.000 im Weltkrieg gefallenen Münchner trägt.“ General Wachenfeld ermahnt die Jugend, „es den Toten gleichzutun. Die Heimat müsse weiterhin bis an die Grenze des Möglichen opfern“.

Kontroversen mit dem Trambahn-Personal sind vermeidbar
18. März: Die Tageszeitung „Völkischer Beobachter“ rief unter der Überschrift „Versöhnung mit der Straßenbahn“ Fahrgäste und Fahrpersonal zum friedlichen Miteinander auf. „Der Artikel weist überzeugend nach, daß Reibungen zwischen beiden Teilen vermeidbar sind, wenn sich jeder in die Lage des andern versetzte.“

Tierpark-Attraktion
20. März: „Die Münchner Tierparkfreunde erleben zur Zeit ein reizendes Schauspiel: Im Löwenhaus in Hellabrunn zeigt die abessinische Löwin Julia ihre vier Kinder. Sie ist nach abenteuerlicher Kriegsreise nach München gekommen. Ihre Jungen sind kräftig gediehen und spielen und raufen lustig vor den großen und kleinen Besuchern.

„Tag der Verpflichtung“
22. März: Im ganz Deutschland fand die „Reichsfeier zur Verpflichtung der Vierzehnjährigen auf den Führer statt“. In München, wo 6.800 Jungen und Mädchen verpflichtet wurden, fanden diese Veranstaltungen an zwei Örtlichkeiten mit historischer Bedeutung für die NSDAP statt – im Festsaal der Hofbräuhauses und im „Zirkusgebäude am Marsfeld“. Gauleiter Adolf Wagner erinnerte die Jugendlichen daran, dass „nicht mehr Rang und Reichtum der Eltern über die Zukunft des jungen Menschen entscheiden, sondern dass einzig und allein nach der Tüchtigkeit und Leistung“ gefragt würde.

April 1942

Weitere Eingemeindungen
1. April: „Das Weichbild unserer Stadt wird durch die Eingemeindung der Landgemeinden Aubing und Langwied um 3.573 Hektar erweitert, die Bevölkerungszahl um etwas über 13.000 erhöht.

Bismarck-Ehrung
1. April: „An dem durch seinen Betreuer Ökonom Leinbach in Allmannshausen mit Tannengrün reich geschmückten Bismarck-Denkmal auf der Rottmannshöhe am Starnberger See legt wie alljährlich eine Abordnung Münchner Ratsherren am Geburtstag des Altreichskanzlers einen Lorbeerkranz nieder, dessen Schleifen die Widmung tragen „München, Hauptstadt der Bewegung, ihrem großen Ehrenbürger.“

Tierischer Nachwuchs
5. April: „Im Tierpark Hellabrunn werden als Osterüberraschung die Zuchterfolge gezeigt, neben dem vierblättrigen Kleeblatt junger Löwen Leopardenkinder, zwei muntere Nilpferdknaben u.a. Außerdem kann man den zwölften Zuchterfolg bei den Menschenaffen bestaunen, ein Schimpansenmädchen.“

Gemüse statt Blumen
19. April: „In der gut besuchten Ordentlichen Jahresversammlung des Kreisverbandes der Gartenbauvereine München betont der 2. Vorsitzende die Notwendigkeit der Umwandlung von Ziergärten in Nutzgärten. Ein Lichtbildervortrag des Regierungsrates Trenkle vom Staatsministerium für Wirtschaft bringt 'Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben im Selbstversorgergartenbau unter Berücksichtigung der Verhältnisse in München und Umgebung'.“

Aufnahme in die „HJ“
19. April: In einer Feierstunde werden 24.000 Pfimpfe und Jungmädel in die „Hitler-Jugend“ aufgenommen. Es sprechen u.a. die „zuständigen Einheitsführer und -Führerinnen zu den Zehnjährigen, die vielfach von den Eltern begleitet sind.“

Luftalarm
20. April: „In frühester Morgenstunde um 1 Uhr 15 weckt Sirenengeheul die schlafenden Münchner und mahnt sie zum Aufsuchen der Luftschutzräume. Trotz aller Mahnungen in der Presse bleiben wiederum viele Volksgenossen in den Wohnungen und auf der Straße. Auch die Verdunkelung lässt vieles zu wünschen übrig. Glücklicherweise erfolgt kein Fliegerangriff. Entwarnung nach einer Stunde.“

Gefallenen-Ehrung in Pasing
26. April: Auf dem Adolf-Hitler-Platz in Pasing ehrte die NSDAP-Ortsgruppe Pasing die gefallenen „Heldensöhne dieses Stadtteils, vor allem aber Kapitänleutnant Engelbert Endraß. Neben den Eltern des gefallenen U-Boot-Kommandanten nahmen viele Ehrengäste aus Partei, Staat, Stadt, Wehrmacht u.a. an der Feier teil. Nach der Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal in Pasing fand ein Vorbeimarsch der Parteiformation vor dem Kreisleiter und den Angehörigen des Kapitänleutnants Endraß statt.

Mai 1942

Ein Denkmal für die Freikorps von 1919
3. Mai: Zur Erinnerung an die „Befreiung Münchens in den Maitagen 1919 vom roten Terror durch die […] in die Stadt kämpfend einziehenden Freikorps“ enthüllt die Stadt ein aus eigenen Mitteln und Spenden errichtetes Freikorps-Denkmal am Giesinger Berg (Entwurf: Ferdinand Liebermann): „[…] Entlang den Wänden des Denkmals mit den Inschriften stehen die Fahnenträger der 22 an der Befreiung beteiligten Freikorps. An der Veranstaltung nimmt auch Reichsstatthalter General Ritter von Epp teil, der 1919 die Freikorps angeführt hatte.“ Bei dem anschließenden geselligen Treffen der ehemaligen Freikorpskämpfer im Hofbräuhaus treten zahlreiche Münchner Künstler auf, „unter denen Michl Ehbauer Stürme des Beifalls entfesselt.“

Sparmaßnahmen der Verkehrsbetriebe
4. Mai: „Mit Einführung des Sommerfahrplanes der Städtischen Verkehrsbetriebe wird auch eine Anregung des Reichsverkehrsministers verwirklicht. Als Sparmaßnahme werden 51 Haltestellen aufgehoben.“ Damit sollen Einsparungen beim Stromverbrauch, an Bremsmaterial und im Schienenverschleiß erzielt werden.

Mehrarbeit der städtischen Beamten
11. Mai: „Die Arbeitszeit der städtischen Ämter wird erhöht, sodaß wöchentlich eine Mindestarbeitszeit von 53 Stunden gewährleistet ist. Darin ist die fünfmalige Mittagspause von 30 Minuten nicht enthalten.“

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Der Architekt German Bestelmeyer (1874-1942)
© Stadtarchiv München: Per-Bestelmayer-German

Juni 1942

Schachmeisterschaft endet
14. Juni: "München ist heute wiederm in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, insbesondere der großdeutschen Schachwelt gerückt. In den Empfangsräumen der Bayerischen Staatskanzlei haben sich neben einer Reihe von Ehrengästen die Münchener Schauspieler und Schachspielerinnen eingefunden, die an den seit 18. April dauernden Wettkämpfen teilgenommen haben. Ratsherr Wolfrum, der Leiter der Münchener Schachvereine im Großdeutschen Schachklub, gibt der Freude und dem Dank Ausdruck, daß dem edlen Schachspiel endlich die äußere Form der Würdigung und Anerkennung zuteil werde, die es schon lange verdiene. Der Ministerpräsident dankt dem Ratsherrn Wolfrum sowie dem Turnierleiter Architekt Spieß und berreicht den von ihm gestifteten Bronzeadler als ersten Preis Prof. Maier als dem Leiter des 'Münchner Schachklubs 1934'."

Kinderfest im Ausstellungspark
27. Juni: "Die Stadt München gibt ihren Kindern, besonders denen der Frontsoldaten, im Ausstellungspark ein Fest mit allerlei Unterhaltungen. Schon Stunden vor Beginn strömen die Kinder. ... Ringelspiele, Schneckeneisenbahn, Rutschbahn, Schießbuden, Angelspiele, Hindernisrennen, Karussell und nicht zuletzt ein Kasperltheater erfreuen die Kinderherzen. Die Kinder, deren Väter oder Brüder gefallen sind, werden mit kleinen Gaben bedacht."

German Bestelmeyer gestorben
30. Juni: "München verliert wieder einen seiner großen Männer. Der Architekt Dr. phil. h.c. German Bestelmeyer, Präsident der Akademie der Bildenden Künste, stirbt. Bauten in München, ganz Deutschland, ja im Ausland zeugen von seiner Künstlerschaft."
Als Vertreter konservativer Architektur setzte sich Bestelmeyer, der seit 1933 Mitglied der NSDAP war, in München immer wieder gegen fortschrittliche Ansätze von Architekten wie Theodor Fischer, Robert Vorhoelzer und Richard Riemerschmid ein. 1935 wurde er zum Reichskultursenator ernannt. Auf sein Betreiben erhielt Hitler 1937 die Ehrenmedaille der Münchner Akademie der Bildenden Künste in Gold. Bestelmeyer erhielt auf Anordnung Hitlers ein Staatsbegräbnis; die Trauerfeier, an der u.a. 300 HJ-Angehörige teilnahmen, fand im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München in Anwesenheit von Joseph Goebbels statt. Anschließend wurde Bestelmeyer im engen Familienkreis im Waldfriedhof beigesetzt.

Juli 1942

Nachrichten von der Front
1. Juli: "In den Abendstunden kommt die Sondermeldung Sewastopol ist gefallen, die stärkste Festung der Welt bezwungen. Die Gefangenen- und Beutezahlen lassen sich noch nicht übersehen. Voräufig betragen die Zahlen 50.000 Gefangene, 503 Geschütze, 662 Granatwerfer."
Sewastopol, auf der Halbinsel Krim gelegen, wurde von deutschen Truppen belagert. Mehr als 100.000 Soldaten und Zivilisten hatten sich in einem in den Fels getriebenen Labyrinth unter der Stadt versteckt. Als in der ersten Juniwoche 1942 die deutschen Einheiten oberirdische Zugänge zum unterirdischen Höhlensystem fanden, gossen sie Benzin in das Höhlensystem und entzündeten es. Dabei verbrannten und erstickten Tausende von Menschen. Nach der Schlacht waren nur noch neun Gebäude der Stadt unbeschädigt. Aufgrund des beharrlichen Widerstandes gegen die deutschen und rumänischen Belagerer und der hohen Zahl der Todesopfer wurde Sewastopol 1945 zur "Heldenstadt" erklärt.

HItler-Mutterl feiert 85. Geburtstag
"Die Altparteigenossin Frau Hermine Hoffmann, genannt das 'Hitler-Mutterl', begeht ihren 85. Geburtstag. Am Vortag überbringt ihr Gauleiter Paul Giesler mit einem prächtigen Blumenstrauß die Grüße und Glückwünsche des Führers."
Wie viele Frauen übernahm auch die seit 1907 verwitwete Münchnerin Hermine Hoffmann (1857-1945) im Ersten Weltkrieg die Patenschaft für einen Soldaten im Feld, den sie mit Kleidern, selbst gestrickten Strümpfen oder Essen versorgte. Hoffmann wurde der Gefreite Adolf Hitler zugeteilt. Aus der Patenschaft entwickelte sich eine sehr enge Freundschaft zu Hitler, die bis zu Hoffmanns Tod Bestand hatte. Hermine Hoffmann wurde zu einer wichtigen Gönnerin und zu einer glühenden persönlichen Verehrerin Hitlers.

Pferderennen um das "Braune Band" 1942
26. Juli: "Das große Ereignis des Sport-Sonntags ist das mit einem Ehrenpreis und 100.000 RM ausgestattete Rennen in Riem um das "Braune Band in Deutschland", das ungezählte Turffreunde aus der Hauptstadt der Bewegung angelockt hat. ... In der Ehrenloge sieht man viele hohe  Persönlichkeiten aus Partei, Staat , Stadt, Wehrmacht, unter ihnen Oberbürgermeister Fiehler."

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Das Thema "Luftschutz" wurde immer wieder propagiert
© Stadtarchiv München: PL-03025/2

August 1942

Fleisch-Alternative
9. August: "Der Kaninchen-Zuchtverein München-Schwabing zeigt in seiner Zuchtanlage eine Lehr- und Werbeschau. Dazu kommen Vorträge über Kaninchenzucht im Kriege, ferner werden selbstgefertige Woll- und Pelzbekleidungsstücke von Züchterfrauen vorgewiesen, die Zubereitung von schmackhaften Kanunchengerichten erklärt."

Fehlendes Training macht sich bemerkbar
9. August: "Bei den gestern und heute durchgeführten Kriegsmeisterschaften der Gewichtheber im Festsaal des Löwenbräukellers können sich mehrere Favoriten und Titelverteidiger nicht behaupten, darunter ein Olympiameister. Dies erklärt sich daraus, dass fast 90 Prozent der 67 Teilnehmer der Wehrmacht angehören, somit keine Möglichkeit zum normalen Training hatten."

Luftschutzaktion
22. August: "Im Rahmen der Luftschutzaktion des Gauleiters wird eine Aufklärungsschau 'Der Selbstschutz' in der Mädchenoberschule an der Luisenstraße gezeigt. Die Ausstellung zeigt die Wichtigkeit der Volksgasmaske, die Anforderungen an ein luftschutzbereites Haus, die Gase und Brandabwurfmittel sowie deren Bekämpfung. Im Zusammenhang damit ist auch der große öffentliche Luftschutzbunker mit seinen Einrichtungen zur Besichtigung freigegeben."

Wirte-Innung löst sich auf
24. August: "In einer außerordentlichen Innungsversammlung beschließt die freie Gastwirtsinnung München und Umgebung ihre Auflösung. Sie besteht seit 200 Jahren und zählt noch über 850 Mitglieder. DAs Vermögen wird dem Deutschen Roten Kreuz, dem Winterhilfswerk und dem Lehrlingswesen des Gaststättengewerbes überwiesen." Eine "Gleichschaltung" war für die Innung anscheinend nicht in Frage gekommen.

September 1942

Schaufenster-Deko in Kriegszeiten
1. September: "Im Rahmen der Luftschutzaktion zeigen 36 Münchner Schaufenster, wie das Haus gut luftschutzvorbereitet sein soll. Da stehen Feuerspritze, Gasmaske, Luftschutzapotheke, Decken, Hacke und Schaufeln, Wasser und der so wichtige Sand. Als wirkungsvolles Gegenüber sieht man das nicht luftschutzvorbereitete Haus mit all den schlimmen Folgen. Diese Schaufensterpropaganda wandert durch alle 36 Münchner Reviergruppen und Hauptverkehrsstraßen, um allen Volksgenossen recht eindringlich die Wichtigkeit des Luftschutzes vor Augen zu führen." 

Firmenjubiläum
17. September: "Das weit über München hinaus bekannte Großunternehmen, die Lodenfabrik Johann Georg Frey, im Volksmund kurz der 'Lodenfrey' genannt, kann auf ein 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Ministerpräsident Siebert übermittelt der Firma Glückwünsche und lässt Blumengrüße überreichen. Die Jahrhundertfeier ist Anlaß zu festlichen Betriebsappellen in der Tuch- und Kleiderfabrik im Englischen Garten und im Verkaufshaus in München."

8. Fliegerangriff auf München 
20. September: "Kurz vor Mitternacht schreckt die Alarmsirene die Münchner Bevölkerung aus dem Schlaf. Bald darauf grollen die ersten Schüsse. Englischer Terror-Angriff auf südwestdeutsches Gebiet und München und Umgebung. Es entstehen Spreng- und Brandschäden, vorwiegend in Wohnvierteln und an öffentlichen Gebäuden. ... Leider sind auch viele Todesopfer zu beklaagen. Durch Einsturz von Häusern sind viel obdachlos geworden. Die Münchner Bevölkerung hat durch ihre Haltung sich stärker als der englische Terror-Angriff erwiesen. Ihr wird durch den Gauleiter die Anerkennung des Führers ausgesprochen."
Der Angriff wurde von etwa 30 englischen Bombern geflogen. Frühzeitiges Flak-Feuer verhinderte, dass der Gegner in geschlossener Formation anfliegen konnte. Es wurden 55 Minenbomben von je 835 kg Gewicht abgeworfen. 4.179 Häuser wurden beschädigt, davon 63 total und 267 schwer. Rund 4.000 Haushaltungen mit mit 6.069 Personen meldeten sich als obdachlos. Neben 140 Toten waren auch 413 Verletzte zu beklagen.

 

Oktober 1942

Japanischer Propaganda-Film in München uraufgeführt
8. Oktober: Die Deutsch-japanische Gesellschaft organisiert in den Rathaus-Lichtspielen die Erstaufführung des japanischen Großfilms "Nippons wilde Adler". Der Streifen erzählt vom Kampfgeist der japanischen Fliegerpiloten. "Der Film ist ein Geschenk der japanischen Heeresleitung an den Führer und an das deutsche Volk. Er ist ein Spiegelbild der japanischen Lebensauffassung, des altüberlieferten Offiziersgeistes des Bushido, der nichts Höheres kennt, als für das Vaterland und den Tenno zu sterben." Der Film erhielt [in Deutschland] die Auszeichnung 'staatspolitisch wertvoll' und 'volksbildend'."

Musikalische Trambahner begeistern
16. Oktober: "Der durch seine vorzüglichen Stimmen weit über München hinaus bekannte Sängerbund der Münchner Straßenbahner, der in diesesn Tagen (1942) sein 50-jähriges Bestehen feiert, beteiligt sich an der Kulturwoche mit einem Festkonzert im Odeon. Unter der weiteren Mitwirkung des Münchner Chorvereins und der Singgemeinschaft München-West bringt der Dirigent der Straßenbahner, Dr. Benno Ziegler, ein erlesenes Programm, das er mit eigenen Tonschöpfungen einleitet und beendet. Die Sänger werden sehr gefeiert, ebenso ihr Dirigent."

November 1942

Trauer um den bayerischen Ministerpräsidenten Siebert
5. November: "Auf Befehl des Führers findet für den verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten und Präsidenten der Deutschen Akademie Ludwig Siebert ein Staatsakt statt. In feierlichen Trauerzug wird der Sarg mit der sterblichen hülle des Verewigten auf einer motorisierten Lafette vom Nordfriedhof durch die Stadt zum Maximilianeum, dem Sitz der Deutschen Akademie, überführt."
Der Jurist Ludwig Georg Siebert (1874-1942) war ein deutscher Jurist und Politiker (BVP/NSDAP) war ab 1924 Oberbürgermeister von Lindau/Bodensee gewesen und 1931 als erster Oberbürgermeister einer bayerischen Kommune der NSDAP beigetreten; 1932/33 saß er für die Partei im bayerischen Landtag sowie ab November 1933 im Reichstag. Im April 1933 wurde er zum bayerischen Ministerpräsidenten ernannt. Ab 1936 bis zu seinem Tode fungierte er zugleich als Wirtschaftsminister.

Öffentlicher Verkehr mit neuem Antriebssystem
9. November: "München setzt in diesen Tagen als erste deutsche Stadt einen neuartigen Holzgasgenerator-Anhänger für den Betrieb der städtischen Kraftomnibusse ein. Die Neuerung hat sich bei wiederholten Versuchsfahrten gut bewährt und zeigt in die Augen fallende Vorteile. Besonders günstig ist die serienweise Herstellung dieser Anhänger."

Dezember 1942

Größenvergleich
1. Dezember: "Auf eine Zeitungsnotiz von einem jungen Riesen in Straubing meldet sich eine Münchner Mutter, die mitteilt, daß ihr 15-jähriger Sohn, der Malerlehrling Artur Huber, 1,93 m groß sei."

Sportliche Nikolausfeier
6. Dezember: "Das Stadtamt für Leibesübungen veranstaltet mit der Leitung des Prinzregenten-Eisstadions für die Münchner Volksschuljugend wieder in herkömmlicher Weise das Nikolausfest. Einleitend spricht Direktor Behr, dann erscheint Lydia Veicht als Eisfee, begleitet von einem Elfchen und sonstigem Gefolge. Nach ihr kommt mit Kettengerassel und Glockengeläut, begleitet von Knecht Rupprecht, der Nikolaus. Die Eislauf-Darbietungen der Künstler und Künstlerinnen wecken vieltausendstimmigen Beifall der Buben und Mädel. Schließlich haben die Buben in drei Gruppen Gelegenheit, mit raschem Start über die kurze Strecke die Besten unter sich zu ermitteln. Die Siegerpreise, je ein Fuß- und Handball aus Friedenszeiten und eine Buchspende, fallen den Schulen an der Hohenzollern-, der Icho- und der Kirchenstraße zu."

Ein besonderer "Kriegsgefangener" für den Tierpark
24. Dezember: "In diesen Tagen überbringen Angehörige einer bayerischen Gebirgsjägerdivision dem Münchner Tierpark als Weihnachtsgeschenk der Division einen im Kaukasus gefangenen Bären."