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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1945


Die kriegszerstörte Münchner Innenstadt  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Sonderration nach Fliegerangriff

11. Januar: Die Münchner Bevölkerung erhält nach dem Fliegerangriff vom 7. Januar einige Sonderzuteilungen und zwar eine Dreitageskarte, die 150 g Fleisch, 950 g Brot und 90 g Butter enthält sowie 10 Zigaretten pro Kopf.

Aufruf zum Kriegseinsatz der Hitlerjugend: "Wir alle helfen mit!"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
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Schulunterricht trotz Fliegeralarm

14. Februar:"Morgens 2 Uhr bis 3 Uhr Alarm; 12 Uhr bis 14 Uhr Öffentliche Luftwarnung; 22 bis 23 Uhr Alarm. Stabsleiter Obergebietsführer Klein gibt bekannt, dass alle bisher noch in München verbliebenen Schulen schließen müssen. [...] Ein Teil der Münchener Schüler wird infolge Umquartierung in anderen Schulen Oberbayerns unterrichtet. Die Münchner Lehrkräfte werden dauernd nach allen Schulen Oberbayerns geschickt. Wenn auch die Schulen geschlossen sind, sollen doch die Schüler nach Möglichkeit einmal wöchentlich erfaßt werden, wenigstens für täglich zwei Unterrichtsstunden."

46. Fliegerangriff auf München seit Kriegsbeginn

25. Februar:"11.15 Alarm [...] Die Frauenkirche, die Peterskirche und das neue Rathaus erhalten erneut Volltreffer durch Sprengbomben. Der Ostbahnhof ist zerstört."

Ungefähr 1.100 amerikanische Bomber und Jäger flogen aus westlicher Richtung, weitere 450 feindliche Maschinen aus südlicher Richtung an. Der Angriff galt hauptsächlich den Bahnanlagen des Haupt- und Ostbahnhofs mit den anliegenden Wohngebieten und der Innenstadt. Insgesamt wurden ca. 5.500 Sprengbomben, 250.000 Stabbrandbomben, 300 Brandstiftungsmittelpakete, 125 Tages-Zielmarkierungsbomben abgeworfen. 101 Sprengbomben waren Blindgänger. Man zählte 259 Todesopfer und 225 Verletzte. Die Zahl der Obdachlosen wurde auf 20.000 bis 25.000 geschätzt.

Gauleiter gibt "Durchhalte-Parole" aus

13. März:Im zerstörten München entwickelte Gauleiter Paul Giesler auf einer Tagung "der Führerschaft des Traditionsgaus" ein "Bild der Lage": Er zeichnete den "Führer als den einzigen Mann, der den Endsieg verbürgt."

Der Krieg ist aus!  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Kriegsende in München

28. April: Die "Freiheitsaktion Bayern (FAB)", eine aus Angehörigen der Dolmetscherkompanie im Wehrkreiskommando VII und anderen militärischen und zivilen Gruppen bestehende Widerstandsorganisation unter der Führung von Hauptmann Gerngroß, Major Caracciola und Major Braun bemächtigte sich in den frühen Morgenstunden der Freimanner Sendestation sowie des Großsenders Erding und rief von diesen Sendestationen aus die Wehrmacht und die Fremdarbeiter dazu auf, sich gegen die nationalsozialistische Herrschaft zu erheben. Als es im Lauf des Tages einem SS-Verband gelingt, in die Stadt einzudringen, kommt es zu schweren Kämpfen. (Aufruf des Gauleiters s. unten)

Ohne nennenswerten Widerstand zu finden, rückten am Nachmittag des 30. April aus allen Richtungen amerikanische Truppen ins Stadtgebiet ein.

Dr. Karl Scharnagl  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Scharnagl wird wieder Bürgermeister

4. Mai: Dr. Karl Scharnagl, der bereits vor 1933 Oberbürgermeister gewesen war, wurde von der Militärregierung erneut mit diesem Amt betraut. Einige Tage später, am 9. Mai, bat der neue Oberbürgermeister in einer "Proklamation" die Münchner Bevölkerung "um verständnisvolle hilfsbereite Mitarbeit, insbesondere um Nachsicht und Geduld in den allernächsten Tagen". Scharnagl versprach eine Verbesserung der Lebensmittelversorgung, wies aber gleichzeitig darauf hin, "daß in der allgemeinen Regelung Kürzungen hinzunehmen sind, da die Anforderungen, die nach den verschiedensten Richtungen gestellt werden, außerordentlich groß, die Bestände aber begrenzt sind".

Rückkehr zur Normalität  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
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Münchens Kulturleben erwacht wieder

8. Juli:Im ausverkauften Prinzregententheater eröffneten die Münchner Philharmoniker unter Eugen Jochum das Konzertleben nach Kriegsende. Zur Aufführung kamen Werke von Mendelssohn, Mozart und Tschaikowsky. "Radio München" übertrug das Kulturereignis.

  

Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

15. Juli: Im Jüdischen Altersheim an der Kaulbachstraße fand die verfassungsgebende Versammlung der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern statt. Hatte die Kultusgemeinde vor dem Krieg rund 12.000 Mitglieder gezählt, so fanden sich zur Neugründung nur noch etwa 100 Personen ein. Zu Beginn der Veranstaltung gedachten die Anwesenden ihrer verschleppten und ermordeten Glaubensgenossen.

Erstes Lokalderby der Nachkriegszeit

29. Juli:Auf dem Sportplatz der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank trafen erstmals nach dem Krieg die beiden führenden Münchner Fußballmannschaften, der FC Bayern und der TSV 1860 München, wieder aufeinander. Das Spiel endete mit 2:2 Toren unentschieden.

Der Nachkriegs-Stadtrats nimmt die Arbeit auf.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Der erste Nachkriegs-Stadtrat tritt zusammen

1. August: Der neugebildete Stadtrat trat im Kleinen Sitzungssaal des Neuen Rathauses zu seiner ersten Sitzung zusammen. "36 ehrenamtliche Stadträte, darunter zehn ehemalige KZ-Häftlinge aus Dachau, sind ernannt. Oberbürgermeister Scharnagl hält eine Rede, in der er den Wiederaufbau der Münchner Stadtverwaltung streift. Für parteipolitische Auseinandersetzungen ist keine Zeit, es gelten nur sachliche Gesichtspunkte, um nach Recht und Gesetz die Bevölkerung zu einem neuen Wohlstand und kultureller Höhe zu führen. Die Stadträte werden durch Handschlag verpflichtet und erhalten die Amtskette."

Trauerfeier für Opfer des KZ Dachaus

5. August:Vor dem Krematorium des Ostfriedhofs fand eine Trauerfeier für alle im Konzentrationslager Dachau gestorbenen Häftlinge statt. Die Urnen von 4.111 Opfern wurden später in einem Münchner Friedhof beigesetzt.

Klassenzimmer, um 1945  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Schuljahrsbeginn

17. September: An den Münchner Volksschulen wurde der Unterricht wieder aufgenommen. Wegen der Entnazifierungsaktionen standen nur mehr 400 Lehrkräfte zur Verfügung. Da die Hälfte der Schulgebäude kriegszerstört war, konnte nur gruppenweise unterrichtet werden. Erstmals gab es auch das Fach Englisch. Der Geschichtsunterricht sollte solange, "bis auf diesem Gebiet eine neue Grundlage geschaffen ist, auf Heimatkunde beschränkt" bleiben.

Erste Presselizenz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
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Süddeutsche Zeitung erhält "Lizenz Nr. 1"

6. Oktober:In Anwesenheit von Ministerpräsident Hoegner sowie der drei Münchner Bürgermeister und Vertretern der amerikanischen Militärregierung u.a. überreichte der Chef der "Nachrichtenkontrollstelle in Bayern" den verantwortlichen Redakteuren der "Süddeutschen Zeitung" im Neuen Rathaus die Lizenz Nr. 1 des östlichen Distrikts der amerikanischen Besatzungszone. Anschließend wurden in einer feierlich-symbolischen Zeremonie im Verlagsgebäude der Zeitung am Färbergraben Teile des Bleisatzes von Hitlers "Mein Kampf" eingeschmolzen und daraus die erste Druckplatte für die neue Zeitung gegossen.

Wohnungen von ehemaligen NS-Mitgliedern werden beschlagnahmt

20. Oktober:"Um die Wohnungsbewirtschaftung zu erleichtern, wird angeordnet, daß alle Personen, die durch ihre Stellung in Partei, Staat oder Wirtschaft dem Nationalsozialismus besonders nahegestanden sind, ihre Wohnungen freimachen müssen [...]."

Pater Rupert Mayer - Sterbebild  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - ZS

Pater Rupert Mayer gestorben

1. November: Im Alter von knapp 70 Jahren starb der Jesuitenpater Rupert Mayer, während er in St. Michael seine Predigt hielt. Mayer, der ab 1912 als Seelsorger und Prediger in München wirkte, war ein vehementer Gegner des NS-Regimes gewesen. Als er sich 1937 geweigert hatte, sich an das gegen ihn verhängte Predigtverbot zu halten, war er zu etlichen Monaten Gefängnis verurteilt; tatsächlich verbrachte er mehr als 7 Monate Haft im KZ Sachsenhausen. (Abbildung s. unten)

Wildes Plakatieren verboten!

14. November: "Die Militärregierung ordnet an, daß der Anschlag oder Aushang von privaten Anzeigen mit Ausnahme an der Stätte der eigenen Leistung verboten ist. Die Polizeiorgane sind angewiesen, derartige Zettel zu entfernen, die nur das Stadtbild verunstalten und dem Schwarzhandel Vorschub leisten."

Behelfsläden

30. November: "Um dem mit dem Wiederaufleben der Wirtschaft immer spürbarer werdenden Mangel an Läden abzuhelfen, geht die Stadtverwaltung daran an 49 Stellen des Stadtbereiches Ladengruppenbauten zu errichten. Die Läden werden in Ziegelbauweise ausgeführt und umfassen einen Verkaufsraum, einen oder zwei Nebenräume mit Wasserzapfstelle, Ausguß, Ofenheizung und elektrischer Installation."

  

Dünn, aber nicht unterernährt

8. Dezember: "In der gesamten amerikanischen Zone wurden [...] nach Richtlinien der Gesundheitsabteilung der Militärregierung Gewichtskontrollen an Erwachsenen über 20 Jahren vorgenommen, um den Gesundheitszustand der Bevölkerung festzustellen. In München wurden 3.862 Personen, etwa 0,77 Prozent der Gesamteinwohner gewogen und folgendes Ergebnis festgestellt: Der Gesundheitszustand ist im allgemeinen befriedigend, eine geringfügige Unterernährung wird nur bei den älteren Jahrgängen festgestellt."

Silvester 1945

31. Dezember:"Wie in der Hl. Nacht gewährt die Militärregierung auch in der Silvesternacht eine Erleichterung in den Ausgangsbeschränkungen. Die Sperrzeit wird ebenfalls nur auf 2 Stunden in der Zeit von 3 bis 5 Uhr bemessen."

Abbildungen zur Stadtchronik 1945