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Stadtchronik 1946


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches aus der Münchner Stadtchronik

Höfliche Polizisten gesucht

2. Januar: Das Polizeipräsidium führte einen Höflichkeitswettbewerb bei der Münchner Schutzpolizei durch, weshalb jeder Polizist eine Nummer erhielt. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, besonders höfliche Beamte zu melden. "Für jede Höflichkeitshandlung erhält der betreffende Schutzmann einen Pluspunkt. Bei 12 Pluspunkten gibt es einen zusätzlichen Urlaub." Bei negativen Erfahrungen konnte man auch Minuspunkte vergeben.

Hans Ludwig Held (1885-1954)  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Münchner Stadtbibliothek feiert Wiedereröffnung

3. Januar: "Mit einer festlichen Gedenkfeier wird im Rathaus die Münchner Stadtbibliothek wiedereröffnet." OB Scharnagl würdigte die Verdienste von Stadtbibliotheksdirektor Held, der gleichzeitig sein 25-jahriges Dienstjubiläum feiern konnte.

  

Planungen für den Wiederaufbau

9. Januar: Stadtbaurat Meitinger gab in einer Stadtratssitzung einen Überblick über die Vorarbeiten und Pläne für den Wiederaufbau Münchens. Demnach sollte der Charakter der Altstadt soweit wie möglich erhalten bleiben. Den Erfordernissen des modernen Verkehrs sollte vor allem die Anlage eines Park- und Verkehrsrings um die Altstadt nach dem Vorbild der Wiener Ringstraße Rechnung tragen.

  

Amerikanische Aufklärungsarbeit

25. Januar: In allen Münchner Kinos lief der Film "Die Todesmühlen" an. Er zeigte die von den Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern begangenen Gräueltaten. Der Streifen war nach dem Einmarsch der Alliierten an den Originalschauplätzen aufgenommen worden.

  

Der Jüdische Kongress tagt

26./27. Januar: "Im festlich geschmückten Rathaussaal wird die erste Tagung des jüdischen Kongresses eröffnet. Es ist der erste Kongreß nach 12 Jahren der Unterdrückung. Hohe Vertreter der Militärregierung, der Bayerischen Regierung, Vertreter der Weltpresse, des Funks und des Films nehmen an der Tagung teil [...]." Der Präsident der zionistischen Arbeitergewerkschaften, David Ben Gurion, betonte in seiner Rede den Anspruch des jüdischen Volkes auf Palästina.

Gründung des Kulturbaufonds

29. Februar: "Der bayrische Ministerpräsident Dr. Wilhelm Högner und OB Scharnagl erlassen einen Aufruf zur Beteiligung an der Schaffung eines Kulturbaufonds für den Wiederaufbau der Stadt. Die Finanzkraft des Staates und der Gemeinden sowie der öffentliche Kredit müssen zunächst ausschließlich in den Dienst des Wohnungsbaues gestellt werden. Für kulturelle und ästhetische Bauaufgaben ist daher wenig oder überhaupt kein Geld vorhanden. Die Spender können ihre Wünsche äußern, wie sie sich die Verschönerung der Stadt erhoffen und welcher Kulturstätte sie ihren Geldbetrag zugedacht haben." Bis zum Oktober 1952 waren bereits 720.000 RM zusammengekommen. Abb. s. unten

Trittbrett-Fahrer.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Kapazitätsprobleme der Straßenbahnen

4. März: Um die kriegsbedingten Probleme der Straßenbahnen in Griff zu bekommen, wurde deren Benutzung während der Hauptverkehrszeiten (6-8.30 und 16-19 Uhr) nur Leuten mit Berechtigungsausweisen gestattet, "wodurch die Benützung der Straßenbahn für die Berufstätigen sichergestellt wird." Von 121 km Gleisnetz vor dem Krieg konnten nur mehr 88 km befahren werden, zudem waren 400 Wägen zerstört worden.

Unterzeichnung des Entnazifizierungsgesetzes

5. März: Unter Vorsitz von Ministerpräsident Dr. Wilhelm Högner unterzeichneten die Ministerpräsidenten der drei Länder der amerikanischen Zone im Rathaussaal das "Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus". "General Clay spricht im Namen General Mac Narneys die Genehmigung der amerikanischen Militärregierung aus." Am 13. Mai nahmen mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung die ersten Spruchkammern zur Durchführung des Säuberungsgesetzes ihre Tätigkeit auf.

Schutträumung in der Georgenstraße.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Schutträumung

Bereits am 18. März war mit der systematischen Schutträumung der Stadt begonnen worden. Am 11. April erging folgender Appell: "Für den Wiederaufbau der Stadt ergeht heute ein Aufruf an die Einwohner Münchens zur Freiwilligen Mitarbeit bei der Schutträumung. Politische Parteien, Behörden, Vereine und Betriebe werden zur organisierten Mitarbeit ermahnt. Ein besonderer Ruf ergeht auch an die Schuljugend höherer Klassen. Jeder Schule und jeder Klasse wird ein abgegrenztes Stück zur Arbeit zugewiesen. Ein Wettbewerb entscheidet über die besten Leistungen. [...] Eine letzte Mahnung ergeht aber an die ehemaligen Mitglieder der NSDAP, die traurige Hinterlassenschaft des Krieges mit Pickel und Schaufel zu beseitigen." 4.943 Personen meldeten sich auf den Aufruf hin.

13. Mai: Eine Begehung durch die Kommission des Wiederaufbaureferats und Vertretern der Denkmalpflege führte durch die Prannerstraße, die Promenadestraße, den Promenadeplatz und Lenbachplatz. "Eine noch stehende Fensterachse mit besonders schöner Louis XVI-Dekoration muss wegen Einsturzgefahr und Schwierigkeiten der Schutträumung aufgegeben werden. Es bleiben nur noch zwei Fensterachsen der Fassade dieses Hauses, Promenadeplatz 3 erhalten. Die Fassade des Hauses Maximilianstraße 20 [...] mit einfachem Rosettenschmuck muß ebenfalls aufgegeben werden, da sich sonst die Schutträumungskosten in nicht tragbarer Weise erhöht hätten."

Der erste Nachkriegsstadtrat tritt zusammen

6. Juni: "Die Mitglieder des neugewählten Stadtrats treten, in Gegenwart des Direktors der Militärregierung München, Oberst Keller, zur ersten Sitzung zusammen [...]. In geheimer Zettelwahl mit 35 von 39 abgegebenen Stimmen" wird Karl Scharnagl zum 1. Bürgermeister gewählt. Zweiter Bürgermeister wird Thomas Wimmer. "In einer kurzen Ansprache dankt Dr. Scharnagl für seine Wahl [...]. Hierauf verpflichtet er durch Handschlag die neuen Stadträte und überreicht ihnen die Amtskette als Symbol der Würde und Tradition." In der anschließenden Stadtratssitzung wird den Münchner Ehrenbürgern aus nationalsozialistischer Zeit, Adolf Hitler, Franz von Epp, Reichsschatzmeister Franz Xaver Schwarz, Gauleiter Adolf Wagner und Hermann Göring, diese Ehrung aberkannt. An der ersten Kommunalwahl nach dem Krieg hatten sich 84,9 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt.

Bombenschäden an der Ludwig-Maximilians-Universität.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Wiedereröffnung von Universität und Technischer Hochschule

13. Juni: Die Universität, die bereits am 1. April den Betrieb wieder aufgenommen hatte, ruft die Studentenschaft auf, sich am Wiederaufbau derselben zu beteiligen, "da es trotz Vorhandensein von Facharbeitern an Hilfskräften fehle. Von der ausreichenden Zahl der verfügbaren Hilfskräfte hänge nunmehr allein der Wiederaufbau der Universität ab. Ohne Wiederherstellung der Gebäude könne der Studienbetrieb auf die Dauer nicht durchgeführt werden. Es wird vorgeschlagen, jeder Student/jede Studentin solle sich mit 100 Arbeitsstunden." Am 17. Juli wurde die Wiedereröffnung der TH München gefeiert. Rektor Vorhoelzer gab der Hoffnung Ausdruck, dass durch Studenteneinsatz bis zum Frühjahr 1947 60 Prozent der stark zerstörten Baulichkeiten wieder benutzbar gemacht sein könnten.

Mitteilung der Spruchkammer.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Zeitgeschichtliche Sammlung

Erster Spruchkammer-Prozess

15. Juni: Im Justizpalast findet die erste Münchner Spruchkammer-Sitzung zur Durchführung des Säuberungsgesetzes statt. "In Gegenwart von Vertretern der Militärregierung und der Bayerischen Regierung [...] kommt der Fall der Geschwister Scholl, die am 22.2.1943 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden, durch den öffentlichen Ankläger Gerhard Hirsch zur Verhandlung. Hauptangeklagter ist der 61jährige ehemalige Hausdiener der Universität, Jakob Schmid, der die Geschwister Scholl bei der Verteilung antinationalsozialistischer Flugblätter am 13. Februar 1943 festnahm und die dem mitangeklagten Hausverwalter Scheithammer auslieferte, sodass dieselben durch den ‚Abwehrbeauftragten' Dr. Häffner der Gestapo übergeben werden konnten. Das Gericht erkannte für Schmid als Hauptschuldigen, der auch Parteibeamter, Parteigenosse und SA-Truppführer war, auf Einweisung in ein Arbeitslager für die Dauer von 5 Jahren, für Scheithammer auf einen Sühnebescheid von RM 2.000. Er wird in die Klasse der ‚Mitläufer' eingestuft [...]."

Internationale Jugendbuch-Ausstellung eröffnet

3. Juli: Im Haus der Kunst wurde die erste Internationale Jugendbuch-Ausstellung eröffnet, die Kinder- und Jugendliteratur aus verschiedensten Ländern sowie Kinderzeichnungen präsentierte. "Staatsminister Dr. Fendt und anschließend Col. MacMahon von der Information Control Division würdigten in ihren Ansprachen die besondere Bedeutung der Ausstellung für die Völkerverständigung." Die Ausstellung, die später auch in anderen deutschen Städten gezeigt wurde, war wesentlich auf Betreiben von Jella Lepmann zustande gekommen, die als Beraterin für Frauen- und Jugendfragen im Rahmen des von den USA entwickelten "Reeducations Program" kulturelle Wiederaufbauarbeit leistete.

 
Neuauflage des Münchner Telefonbuchs

13. August: Erstmals seit Kriegsende erschien wieder ein amtliches Fernsprechbuch für München. Es enthielt den Stand vom 1. April 1946.

Kampf gegen den Schwarzhandel

16. August: "In den Nachmittagstunden wird in bisher nicht bekanntem Umfang gegen den Schwarzhandel vorgegangen [...]. In einer groß angelegten Razzia werden Ludwigsbrücke und Museumsinsel von den dunklen Existenzen gesäubert. Die Hauptschieber werden durch die Kriminalisten selbst herausgegriffen, die sich vorher als Schleichhändler und Käufer getarnt haben [...]. Im Augenblick des Eintreffens der Polizei werfen die Schwarzhändler Waren aller Art [...] in die Isar. An der Postenkette stehen Passanten, die dem fortfließenden ‚Reichtum' sehnsüchtig nachsehen. Eine Menge von Gegenständen wird von der Polizei sichergestellt. Große Mengen von Rauchwaren, Lebensmittelmarken, Schuhen, Radioröhren und Fahrrädern, nicht zuletzt namhafte Geldbeträge werden beschlagnahmt. 514 Personen werden festgenommen [...]."

Versorgungsschwierigkeiten

29. August:"Der zum 1. September vorgesehene Zusammenschluß der amerikanischen und britischen Zone Deutschlands bringt die Schwierigkeiten der Ernährung erneut in den Mittelpunkt der Diskussionen. Landwirtschaftsminister Dr. Baumgartner betont wieder, daß die amerikanische Zone nur 950 Kalorien für den Kopf der Bevölkerung aus eigener Erzeugung decken könne. Um 1550 Kalorien zu erhalten, was von den Militärregierungen angestrebt wird, müsse mehr als ein Drittel eingeführt werden. Die stufenweise Angleichung der Rationen sei von Bayern vorgeschlagen worden. Bereits beginne ein reger Reiseverkehr von der britischen Zone nach Niederbayern, wo versucht werde, Lebensmittel zu hohen Preisen anzukaufen. Die Ernte in Bayern sei gut eingebracht worden. Von den Arbeitsämtern seien 30.000 Kräfte vermittelt worden. Flüchtlinge, Evakuierte, Städter hätten mitgeholfen."

Gasrationierung

4. September: Die Gaszuteilung für München war sehr beschränkt. Gerade während der Einmachzeit wurde das Kontingent der einzelnen Familien oft überschritten, so dass die städtischen Gasanstalten mit einer Sperre drohen mussten.

Straßenumbenennungen

10. September: "Eine Liste von umbenannten Straßen wird bekannt gegeben. Neu dabei ist, dass das Rondell beim Schillerdenkmal in ‚Platz der Opfer des Nationalsozialismus' umbenannt wird [...]. Die platzartige Erweiterung vor der Universität wird ‚Geschwister-Scholl-Platz', die vor dem Priesterseminar (Ludwigstraße) in ‚Professor-Huber-Platz' neubenannt [...]. Der Hindenburgplatz wird zum ‚Platz der Freiheit'."

Arbeitskräftemangel

30. September: Die Statistik des Arbeitsamtes schließt mit 34.690 offenen Stellen für männliche und 10.539 für weibliche Personen ab [...]. Bei diesen Zahlen sind offene Stellen für Sondermaßnahmen wie Schuttbeseitigung, außerordentliche Bauvorhaben, den Wiederaufbau überhaupt noch nicht enthalten. Diese Verhältnisse haben zu einem Kampf um jeden Arbeiter und Angestellten geführt. Betriebe mit ungünstigen Arbeitsbedingungen erhalten keine Kräfte mehr."

Wohnungsnot

Nach einer Bestandsaufnahme des Wiederaufbaureferats hatte München durch Kriegseinwirkungen und andere Ereignisse 12.181 Gebäude mit 76.095 Wohnungen verloren. Wohnungsnot war daher das drängendste Problem der Nachkriegszeit. Ein im Juni 1946 verhängter Zuzugsstopp konnte einen Monat später bereits wieder aufgehoben werden. Doch am 1. Oktober wurde folgende Regelung eingeführt: "Für das Stadtgebiet München ist eine monatliche Höchstzahl von Neuzuzügen festgesetzt worden! Die Auswahl der Personen, die für den Wiederaufbau der Stadt und des Wirtschafts- und Kulturlebens unbedingt nötig sind, wird von dem für die einzelnen Berufszweige zuständigen Stellen im Rahmen des ihnen zugewiesenen Kontingents getroffen." Bereits im ersten Nachkriegsjahr konnten 11.851 Wohnungen mit 41.111 Wohnräumen (einschl. Wohnküchen) wieder bewohnbar hergerichtet werden.

General Eisenhower besucht München

14. Oktober: General Dwight Eisenhower, Chef des Generalstabes der amerikanischen Armee traf in München ein. Er besichtigte eine Ehrenabordnung der amerikanischen Armee und nahm anschließend eine Truppenparade auf dem Königsplatz ab. Nur 18 Monate nach Kriegsende wurde der Königsplatz damit wieder Schauplatz eines Appells.

Weiß Ferdl wird entnazifiziert

27. Oktober: "Ferdinand Weisheitinger, der als ‚Weiß Ferdl' im Platzl bekannte Humorist, hat sich vor der Spruchkammer VI zu verantworten. Er wird in die Gruppe der ‚Mitläufer' eingereiht und hat einen Sühnebetrag von RM 2.000 zu leisten. Weiß Ferdl war seit 1940 Parteigenosse. Zu seiner Entlastung konnte er nachweisen, dass er schon 1935 in Konflikt mit den Nazibehörden geraten und verwarnt worden war, dass ihn Goebbels persönlich aufforderte, seine ‚dummen Witze' über die Partei zu unterlassen. Er habe nie mit ‚Heil Hitler' gegrüßt und dazu beigetragen, dass München schließlich als ‚Hauptstadt der Gegenbewegung' galt." Dass er 1933 in einem seiner Couplets gesungen hatte: "Man hört nicht mehr Saxophone, tanzt nicht Rumba, Charlestone. Fort mit Jazz und Niggertanz, sind nicht mehr meschugge ganz. Alte Weisen hört man wieder, stramme Märsche, deutsche Lieder, die man gern im Ohr behaltet: Gleichgeschaltet, gleichgeschaltet.", hatte er wohl vergessen. Abb. s. unten

Gedenken an jüdische Opfer der NS-Zeit

10. November: Im Jüdischen Friedhof an der Ungererstraße wurde ein Gedenkstein für die jüdischen Opfer des Faschismus eingeweiht. Er trägt die Inschrift: "Den Opfern der schweren Verfolgungszeit 1933-1945 zum Gedenken".

Eine zweite Zeitung für München

13. November: Als zweite Münchner Tageszeitung neben der Neuen Zeitung erscheint erstmals der "Münchner Mittag".

US-Stadtkommandant Keller verabschiedet sich

4. Dezember: Oberst Eugene Keller, der erste amerikanische Stadtkommandant und Direktor der Militärregierung, wurde in der Ratstrinkstube verabschiedet. Das Ambiente, zugemauerte Fenster, einfache Brettertüren und eine beschädigte Decke, entsprach ganz den Umständen. Etwas Glanz vergangener Zeiten brachten einige aufgestellte Stücke des Ratssilbers. "Oberbürgermeister Scharnagl [...] stellt seine Zusammenarbeit mit dem Oberst als sehr harmonisch dar; allerdings habe er manchmal auch den Unwillen des Oberst erregen müssen [...]. Er bedauert sehr, daß Oberst Keller von München scheide, um die Stelle eines Kommandanten in Rosenheim anzunehmen. Oberst Keller antwortet in sehr vornehmen Worten. Er schildert kurz den Einzug der Amerikaner in München am 1. Mai 1945 und sagt dabei, dass er acht Tage mit seinen Leuten auf dem Boden geschlafen habe. Am 4. Mai habe er sodann Oberbürgermeister Scharnagl aus seinem Zufluchtsort Glonn geholt. [...] Er hätte ihm befehlen können, den Oberbürgermeisterposten anzunehmen, wollte aber nicht, weil ein gezwungener Oberbürgermeister wohl wenig Arbeitsfreude aufgebracht hätte. Er habe ihm aber zu verstehen gegeben, dass er die Annahme des Amtes [...] dringend wünsche [...]." Abb. s. unten

Karge Weihnachten

7. Dezember: "Die Vorbereitungen für Weihnachten gestalten sich schwierig, man kann nicht nur keine Geschenke kaufen, auch die Kerzen für den Christbaum sind nicht zu erhalten. Nur gegen Ablieferung von Wachsresten können zum Feste Kerzen angefertigt werden. Von den durch die Militärregierung in diesen Tagen aus den Beständen der US-Armee freigegebenen Paraffine können nur so viele Kerzen hergestellt werden, um die Kriegsgefangenen in Frankreich, die Flüchtlingslager, Krankenhäuser und Lazarette zu versorgen."

16. Dezember: "Auch die amerikanischen Soldaten nehmen an der Sorge um die Weihnachtsvorbereitungen für die Kinder teil. In den Vorräumen der amerikanischen Dienststellen sind Sammelbehälter mit Plakaten aufgestellt, die die amerikanischen Soldaten auffordern, den deutschen Kindern Süßigkeiten, Spielzeug und Kleidungsstücke zu schenken. Besondere Feiern sind vorgesehen, bei denen die gesammelten Gaben ausgewählten bedürftigen Kindern geschenkt werden."

Abbildungen zur Stadtchronik 1946