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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1949


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Charles Lindbergh in Deutschland stationiert

5. Januar: Auf dem Flugplatz Neubiberg traf der amerikanische Atlantikflieger Charles Lindbergh ein. Er war mit technischen Beratungsaufgaben beim Stabschef der amerikanischen Luftstreitkräfte in Deutschland betraut. Erst im Jahr 2003 stellte sich heraus, dass sich der Flugpionier nicht nur dienstlich in München aufgehalten hat. 1957 verliebte er sich in eine Münchner Hutmacherin und gründete mit ihr eine "Zweitfamilie".

Schäfflertanz 1949.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Die Schäffler tanzen wieder

6. Januar: "Oberbürgermeister Thomas Wimmer ladet heute zu einem Ehrentanz der Schäffler [...] im Prunkhof des Rathauses ein. Auf der Einladungskarte heißt es: Nach 14jähriger Pause werden um Fasching 1949 die Schäffler wieder durch die Straßen Münchens ziehen und ihren historischen Tanz zeigen."

Vertreter der deutschen Länderparlamente und Mitglieder der Bayerischen Regierung besichtigen den neuen Sitzungssaal des bayerischen Landtags im Maximilianeum, 11. Januar 1949.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Maximilianeum wird Sitz des Bayerischen Landtags

11. Januar: Mit einem Festakt wurde das Maximilianeum seiner neuen Bestimmung als Heimstätte des Bayerischen Landtags übergeben. Der Feier, die vom Bayerischen Staatsorchester unter der Leitung von Georg Solti umrahmt wurde, wohnten Vertreter der Staatsregierung, der Militärgouverneur von Bayern, fast alle Präsidenten der westdeutschen Landtage sowie der Präsident des Parlamentarischen Rates, Konrad Adenauer, bei.

NS-Bürgermeister Fiehler verurteilt

14. Januar: Karl Fiehler, Münchens Oberbürgermeister während der Zeit des Nationalsozialismus, wurde von der Spruchkammer "zum 'Aktivisten' erklärt. Die ausgesprochene Einweisung von zwei Jahren in ein Arbeitslager entfällt, da Fiehler schon 3 ½ Jahre Haft hinter sich hat. Er verliert das Recht der Wählbarkeit und das Wahlrecht, 20 Prozent seines Vermögens werden eingezogen und ein 12jähriges Berufsverbot ausgesprochen."

Haben Sie's passend?

20. Januar: Das Trambahnpersonal wurde angewiesen, keine größeren Geldscheine als 20 DM in Zahlung zu nehmen: "[...] Durch die erhöhte Inanspruchnahme der Schaffner durch das Wechseln größerer Geldscheine entstehen in zunehmendem Maße Verzögerungen in der Abfertigung der Fahrgäste. Außerdem ist es nicht möglich, die Geldscheine wegen des in zunehmendem Umfange im Umlauf befindlichen Falschgeldes ordnungsgemäß auf ihre Echtheit zu prüfen [...]."

Entwurf zur Neugestaltung des Marienplatzes  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Marienplatzes

24. Januar: Im Deutschen Museum wurden 361 Vorschläge zur künftigem Gestaltung des Marienplatzes gezeigt. Nur die wenigsten erwiesen sich als praktikabel. Ein Drittel der Planungen plädierte für eine Versetzung der Mariensäule, ein Entwurf wollte gar ganz auf sie verzichten. Auch der Fischbrunnen stand in zahlreichen Vorschlägen zur Disposition. Die Zustimmung der meisten Besucher fand ein Plan, bei dem das Alte Rathaus ohne Turm wiederaufgebaut und der Verkehr unter diesem bzw. daneben durchgeleitet werden sollte; der durch die Kriegszerstörungen vor der Peterskirche frei gewordene Platz wäre bei diesem Vorschlag unbebaut geblieben.

Lizenz für den Bayerischen Rundfunk

25. Januar: "Aus Anlaß der Übergabe von Radio München in deutsche Hände findet heute im großen Sendesaal des Funkhauses eine eindrucksvolle Feier statt [...]. Gouverneur van Wagoner übergibt dabei dem Intendanten Rudolf von Scholtz die Lizenzierungsurkunde. Radio München heißt von heute an ‚Bayerischer Rundfunk'."

Müll-Pferde gehen in den Ruhestand

1. Februar: Mit der vollständigen Umstellung der Müllabfuhr auf Großmüllfahrzeuge wurden die letzten 30 "Tonnenpferde" in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Jahrzehntelang hatten Harritschwagen mit vorgespannten Gäulen das Straßenbild mitgeprägt.

Münchner/innen wollen "Weltbürger" werden

14. Februar: "Seit heute morgen wurden in der Lindauerschen Buchhandlung die ersten Weltbürger-Registrierkarten ausgestellt. Der Andrang ist sehr groß. Man rechnet insgesamt mit 3000 Münchner ‚Weltbürgern'. Die Aufnahmegebühr in die Weltstaatliga beträgt 2 DM."

Klagen über Straßenschmutz

15. Februar:Der Stadtrat diskutierte über die Verunreinigung der Gehsteige und Straßen durch Ausspucken, Hundekot und das Ausgießen von Putzwasser. Wegen des Widerstands der Militärregierung war jedoch eine gebührenpflichtige Verwarnung der Übeltäter nicht möglich.

Ein neues/altes Stadtwappen für München

22. Februar: Der Stadtrat entschied sich dafür, das vor 1936 gebräuchliche Münchner Stadtwappen und -siegel wieder zu benutzen. Demnach zeigte also das große Stadtwappen wieder den Mönch im Stadttor und darüber den bayerischen Löwen, während das Stadtsiegel nur den Mönch führte. Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte das Wappen ein Entwurf von Richard Klein geziert: Über einem Torbau schwebte der Reichsadler mit dem Hakenkreuz. Der zu einem Münchner Kindl mutierte Stadtmönch stand mit waagrecht ausgespannten Armen vor der Tordurchfahrt.klicken für eine vergrößerte Darstellung!

Fasching 1949.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Zeitgeschichtliche Sammlung

Fasching 1949

27. Februar: Zum ersten Mal nach langjähriger Pause gab es wieder einen Faschingsumzug. Auf einem Werbeplakat hieß es: "Der Faschingszug wird den Bewohnern und Besuchern unserer Stadt beweisen, daß Lebensfreude und künstlerischer Sinn uns trotz allem noch erhalten blieb." Abb .s. unten

Drastische Warnung an Verkehrsteilnehmer

10. März: "Eine Neuheit im Münchner Straßenbild stellen die ‚Verkehrstotentafeln' dar. An jeder Stelle der Stadt, an welcher ein Verkehrsteilnehmer um Leben kam, wird sofort eine gelbe Tafel mit Totenkopf und der Aufschrift ‚Ein Verkehrstoter' angebracht. Seit 1. Januar wurden bisher 13 Tafeln aufgestellt [...]."

Richtfest der Mädchen-Realschule am Salvatorplatz

14. März: "Die Mädchen-Mittelschule am Salvatorplatz feiert heute Richtfest. Das unter dem Namen ‚Domschule' bekannte Institut wurde 1925 die erste Mittelschule für Mädchen in Bayern. Das Haus wurde 1944 beschädigt [...]." Ursprünglich hatte das 1897 errichtete Gebäude in seinen oberen Geschossen die "Domschule" beherbergt, in der Knaben und Mädchen strikt getrennt unterrichtet wurden. Im Parterre war eine Markthalle (heute Cafe Dukatz bzw. Ausstellungsraum des Literaturhauses München) eingerichtet.

Gründung der Fraunhofer-Gesellschaft

26. März: "Heute findet in München die Gründungsversammlung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. statt. In der Einladung wird darauf hingewiesen, daß in Deutschland die Forschung durch den Krieg und seine Folgen ihrer wichtigsten Hilfsmittel beraubt ist und die Förderung der angewandten Forschung durch eine unmittelbare und dauernde Verbindung zwischen Wirtschaft und Forschung fehlt [...]."

75. Sechs-Tage-Rennen

7. April: "Heute abend findet das 75. Deutsche Sechs-Tage-Rennen in der Ausstellungshalle an der Theresienhöhe seinen Abschluss. Nach 145 Stunden siegt die belgische Mannschaft [...] mit drei Runden Vorsprung vor den Franzosen und den Holländern. Als beste deutsche Mannschaft erreichen Kilian-Lohmann trotz schwerer Sturzverletzungen den 5. Platz in der Gesamtwertung." Abb. s. unten

Stierkampf oder Damenringkämpfe?

12. Mai: Die Öffentlichkeit empörte sich über Pläne einer spanischen Artistentruppe, im Stadion an der Grünwalderstraße Stierkämpfe zu zeigen. Behörden, Stadtrat und Tierschützer wandten sich gegen derartige "Tierquälereien". Schließlich fand man eine Alternative. Am 14. Juni berichtet der Chronist: "In seiner heutigen Sitzung beschließt der Münchner Stadtrat die Genehmigung von Damenringkämpfen [...] vom Polizeipräsidium in eigener Zustimmung entscheiden zu lassen. Nach dem angekündigten Stierkampf will man nun als neue Sensation Damenringkämpfe bringen. Wie verlautet, sollen die Ringkämpferinnen, die sich als Artistinnen bezeichnen, schon auf vollen Touren trainieren."

Doch auch hierüber gab es heftige Diskussionen. Am 4. Julischließlich begutachteten in einer geschlossenen Veranstaltung Vertreter des Landtags, des Stadtrats und der Kirchenbehörden einen entsprechenden Kampf. Da die Anwesenden - entgegen ihren Befürchtungen - daran nichts Anstößiges feststellten, durfte am 6. Juli der erste Damen-"Kampfabend" im Zelt des Zirkus Schallmann an der Bayerstraße stattfinden.

Restaurierung des Münchner Glockenspiels

21. Mai: Ein amerikanisches Ehepaar, das namentlich nicht genannt sein wollte, stiftete der Stadt München das für die Restaurierung des Glockenspiels im Neuen Rathaus notwendige Material. In einem Schreiben gaben die Spender der Hoffnung Ausdruck, "daß alle Rassen, Nationalitäten und Glaubensbekenntnisse ihr Vergnügen an diesem Glockenspiel finden mögen, das den wahren Geist der Bevölkerung Münchens symbolisiere."

Volkssänger Weiß Ferdl gestorben

22. Juni: "Ein unabsehbarer Menschenstrom pilgert heute morgen zum Sollner Waldfriedhof, um Abschied zu nehmen von unserem Weiß Ferdl. Lange vor Beginn der Trauerfeier ist die Grabstätte umsäumt von dichten Menschenmauern [...]. Hinter dem Sarg schreiten [...] eine Reihe von Künstlern, die mit dem Dahingegangenen gemeinsam auf den Brettern gestanden haben [...]. Der Volkssänger und Schauspieler Weiß Ferdl, mit bürgerlichem Namen Ferdinand Weisheitinger, war am 19. Juni gestorben. Seine Karriere hatte um 1915 im Münchner Platzl begonnen.

"Zu dick" - für Münchner/innen 1949 kaum vorstellbar

29. Juni: "Im Zeichen der Gewerbefreiheit wird auch die Reklame groß geschrieben. In einer Schwabinger Drogerie preisen vier Damen im Schaufenster ein Entfettungsmittel an. Ein Zustand, der für München erstmalig ist!"

100 Jahre Max-Gymnasium

12. Juli: Das Max-Gymnasium feiert seinen 100. Geburtstag. "Im Rahmen der Feierstunde wird im Treppenhaus der Schule eine Büste des [...] Nobelpreisträgers und Atomforschers Prof. Max Plack enthüllt, der ein Schüler des Gymnasiums und später einer seiner Lehrer war." Höhepunkt der Feierlichkeiten war die von Werner Heisenberg gehaltene Festrede zum Thema ‚Naturwissenschaften und humanistische Bildung'. Auch Heisenberg war ein "Ehemaliger" des Max-Gymnasiums.

Die ersten ausländischen Touristen der Nachkriegszeit treffen ein

10. Juli: Das Städtische Fremdenverkehrsamt gab die Broschüre "München 1949" heraus. Sie enthielt neben Bildern der Stadt aus der Vorkriegszeit auch einen Stadtplan. Das Gaststätten- und Unterkunftsverzeichnis konnte bereits wieder 22 Hotels, acht Gästehäuser, 21 Pensionen und Gasthäuser sowie fast 100 Fremdenheime verzeichnen. Im August 1949 traf die erste private internationale Reisegesellschaft nach dem Krieg in München ein. Die 25 Teilnehmer wurden von den Münchner Bürgermeistern mit einem Frühstück im Rathaus begrüßt.

Wahlkampf zur ersten Bundestagswahl, 12. August 1949.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Rege Beteiligung an der ersten Bundestagswahl

14. August: Bei der ersten Bundestagswahl in Westdeutschland wurde in München eine Wahlbeteiligung von 67,54 Prozent erreicht. In der Landeshauptstadt wählten 27,4 Prozent der Stimmberechtigten die SPD. Die Bayernpartei erhielt 22,7 Prozent, die CSU 17,5 Prozent, die WAV ((Wirtschaftliche Aufbauvereinigung) 12,8 Prozent, die FDP 10,1 Prozent und die KPD 10 Prozent.

Roxy-Filmtheater eröffnet

1. September: "Nach 7monatiger Bauzeit eröffnet heute das Roxy-Filmtheater am Goetheplatz. 600 geräuschlose Kugellagerstühle sowie modernste Bild- und Tongeräte ergänzen neben der neuzeitlichen Heizungs- und Belüftungsanlage die gefällig geratene Anlage." Noch moderner und vor allem wesentlich größer sollte das im November 1949 eröffnete Großkino im Kongreßsaal des Deutschen Museums werden, das 1.600 Plätze bot.

Gefälschte Lebensmittelmarken im Umlauf

2. September: "Durch die Münchner Polizei wurden seit Beginn der Zwangswirtschaft 63 Fälscherwerkstätten für Lebensmittelmarken und Bezugsberechtigungen ausgehoben. Gleichzeitig wurden 415 Personen in Haft genommen. Rund 6.000 t Lebensmittel wurden dadurch gerettet."klicken für eine vergrößerte Darstellung!

Richard Strauss gestorben

8. September: In seinem Heim in Garmisch verstarb der Komponist und Ehrenbürger der Stadt München, Richard Strauss. Er hatte erst am 16. Juni seinen 85. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass hatte der Stadtrat die Errichtung einer Richard-Strauss-Stiftung beschlossen, die jährlich einem Studierenden der Münchner Musikhochschule zugute kommen sollte. Abb. s. unten

Erstes Nachkriegs-Oktoberfest

17. September: "Mit einem festlichen Einzug der Brauereigespanne wird heute Mittag 12 Uhr das Oktoberfest 1949 eröffnet. Damit wird in München zum erstenmal seit 11 Jahren das alte, traditionsreiche Wiesenfest, wieder in friedensmäßigem Umfange abgehalten. Auf über 250.000 qm haben mehr als 300 Schausteller und 100 Stände Aufstellung genommen. Das Kommunalreferat erwartet Millionen von Besuchern. Gleichzeitig findet auf der Theresienwiese die größte deutsche Landwirtschaftsschau seit dem Ende des Krieges statt. Der Nachttarif der Straßenbahn wird während der Dauer des Oktoberfestes erst ab 23 Uhr erhoben. Die Maß Bier kostet 2 DM, Brathendl von 6 DM aufwärts." Abb. s. unten

Während die allgemeine Freude über das Wiederaufleben des Festes groß war, hatten städtische Kontrolleure schon Grund für erste Beanstandungen. Die Chronik vom 8. Dezember berichtet: "Gegen den verantwortlichen Brauleiter des staatlichen Hofbräuhauses wird das Ernährungs- und Wirtschaftsreferat der Stadt München Strafanzeige wegen Vergehens gegen das Lebensmittelgesetz erstatten. Das Hofbräuhaus hatte auf dem Oktoberfest 12,5 bis 12,8%iges Verschnittbier unter der Bezeichnung Märzenbier verkauft. Bier mit weniger als 13% darf nicht als Märzenbier bezeichnet werden. Dieser Ansicht ist auch der Verband Münchner Brauereien."

Das Vereinslogo signalisiert Entschlossenheit

30. September: "Der wiedergegründete ‚Verein gegen schlechtes Einschenken' gibt bekannt, daß er das Abzeichen der geballten Faust über dem halbgefüllten Bierglas führe. Das Verein erhebt keinen Mitgliederbeitrag."

Alarmierende Säuglingssterblichkeit

8. Oktober: Nach eingehenden Prüfungen stellte eine vom Stadtrat beauftragte Ärztekommission fest, daß die Säuglingssterblichkeit, die sich in München in kurzer Zeit von 4 auf 7 Prozent erhöht hatte, eine Folge der äußerst unhygienischen Behandlung der Milch auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher war. Der Bakteriengehalt der Milch überstieg teilweise den Normwert um das Zehnfache.

"Rama dama!".  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

OB Wimmer ruft zum "Rama dama" auf

29. Oktober: "Heute früh zwischen 7 und 8 Uhr herrscht am Königsplatz ungewöhnlich reges Leben. Die lange Reihe der 450 Lkw, darunter fast 300 amerikanische, will dazu beitragen, innerhalb der Aktion des ‚Münchner Merkur' München vom Schutt zu befreien. 25 Lkw aus der Umgebung der Stadt, Bäcker und Metzger, stiften die Brotzeit, die Brauereien das Bier." Dass Münchens populärer Oberbürgermeister Thomas Wimmer unter dem berühmt gewordenen Motto "Rama dama" auch selbst zur Schaufel griff, berichtet der Chronist nicht. Insgesamt beteiligten sich etwa 7.000 Menschen an der Schutträumung, sie beseitigten ca. 15.000 cbm Trümmer.


Erster Selbstbedienungsladen in München eröffnet

8. November: "In der Schützenstraße wird dieser Tage Münchens modernstes Frucht- und Weinhaus eröffnet. Es ist das erste Geschäft in München, welches nach amerikanischem Vorbild zur Selbstbedienung übergeht."


Rabiate Münchner Taxi-Kunden

15. November: "Heute abend versammeln sich die Münchner Taxi-Fahrer zu einer Besprechung, um die zur Zeit untragbaren Zustände in München mit eigenen Mitteln zu beseitigen. 60 Prozent der erschienenen Fahrer hatten in der letzten Zeit Unstimmigkeiten mit einem Fahrgast, die in den meisten Fällen zu Schlägereien oder Bedrohungen ausarten."

Zunehmende Zahl von Konkursen

"In der Woche vom 14. mit 20. November wird in München seit Kriegsende der Höchststand von Konkursanträgen registriert. Es sind in diesem Zeitraum 20 Anträge eingelaufen."



Italien-Flair auf Münchens Straßen

17. November: "Gegenwärtig sieht man in den Straßen Münchens neuartige italienische Kleinmotorräder, ‚Vespa' genannt. Das Kleinfahrzeug soll mit 2 Personen eine Spitzengeschwindigkeit von 70 km erreichen, bei 1,5 Litern Benzin auf 100 Kilometer, Die Vespa kostet in Italien 177.00 Lire, in der Schweiz 1.800 Franken. Gegen DM ist sie noch nicht zu haben."



Prozess um Leni Riefenstahls Filmstatisten

19. November: "Frau Leni Riefenstahl trifft heute in München ein, um sich auf ihren Prozeß gegen den Herausgeber der Illustrierten ‚Revue' vorzubereiten. Anlaß zu dieser Klage ist ein Bildbericht über den Film ‚Tiefland', der sie in Bezug auf Behandlung von Zigeunern belasten soll." Erst 2002 wurde der von Adolf Hitler bevorzugten Filmemacherin per Gericht die Behauptung untersagt, den von ihr aus einem NS-Arbeitslager als "Zigeuner-Statisten" entliehenen Sinti und Roma sei nichts passiert. Eine überlebende Statistin hatte eine entsprechende Unterlassungsklage gewonnen.

Die Zeit ihres Lebens bewunderte und zugleich umstrittene Filmregisseurin und Fotografin starb am 9. September 2003 im Alter von 101 Jahren. Sie wurde auf dem Münchner Ostfriedhof feuerbestattet.

Neue Startbahn am Flughafen Riem

22. November: "Oberbürgermeister Wimmer eröffnet heute in Riem, Deutschlands größtem Flughafen, die neue Startbahn, die es auch den größten und modernsten Verkehrsflugzeugen ermöglichen wird, zu landen."

Sittlichkeitsdelikte in München nehmen drastisch zu

9. Dezember: "Nahezu täglich meldet der Polizei-Pressebericht schwere Sittlichkeitsverbrechen an Kindern. In den letzten Monaten häuften sich diese Fälle so sehr, daß die Bevölkerung in starkem Maße beunruhigt ist [...]."



Polizei kontrolliert Zeitungskioske

9. Dezember: "In München hat eine Aktion gegen ‚Schmutz- und Schundliteratur' begonnen. Die Polizeireviere wurden angewiesen, alle Münchner Zeitungsstände zu kontrollieren und eine Reihe von Magazinen zu beschlagnahmen. Der Grund für das Verbot soll eine Photomontage sein, die zwei nackte, einander überschneidende Frauenkörper darstellt."

Empfang für den Regierenden Bürgermeister von Berlin im Ratskeller, 12. Dezember 1949.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
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Prominente München-Besucher

12. Dezember: München hatte an einem Wochenende drei namhafte Besucher. Aus Lausanne kam Prof. Dr. Wilhelm Pöpke, der zur Akademischen Jahrfeier in der TH München einen Festvortrag hielt. Außerdem machten Bundesjustizminister Dr. Thomas Dehler sowie der Regierende Oberbürgermeister von Berlin, Ernst Reuter, Visiten. Letzterer besuchte "gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Wimmer die erste Veranstaltung der ‚Gesellschaft der Freunde Berlins'. Beide Oberbürgermeister haben das Protektorat über die Vereinigung übernommen."

Albert Roßhaupter gestorben

14. Dezember: "Heute Nacht verstirbt der 72jährige ehemalige bayerische Arbeitsminister Albert Roßhaupter nach einem kurzen Krankenlager. Der Verstorbene, der nach dem Ersten Weltkrieg zum bayrischen Kriegsminister berufen wurde, war eine der markantesten Gestalten der bayerischen SPD."

Früh übt sich, wer ein Model werden will

18. Dezember: "Heute nachmittag werden in den Deutschen Theater-Gaststätten an der Schwanthalerstraße aus den 43 hübschesten Münchner Kleinkinder die Sieger im Baby-Schönheitswettbewerb ermittelt. Impressario ist der Amerikaner Budy Herzberger."

Sondertarife für Arbeitslose

19. Dezember: "Eine Gruppe von Arbeitslosen hat heut beim Stadtrat gegen die Erhöhung des Straßenbahntarifes ab 1. Januar 1950 protestiert [...]. Besondere Karten für die Fahrten der Arbeitslosen zum Arbeitsamt befinden sich bereits im Druck."

Münchner Kerzen leuchten in aller Welt

ndien, überall in aller Welt, wo man, das Fest der Weihnacht feiert, werden heuer wieder Kerzen der Münchner Firma Gautsch mit feierlichen Lichterglanz die Menschen erfreuen. Kistenweise gehen die Wachslichter in die USA. Seit der Industrieschau in New York hat eine starke Nachfrage nach Münchner Wachskunsterzeugnissen eingesetzt."

Abbildungen zur Chronik 1949