Top
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1954


Heimgekehrt.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Stadtarchiv

Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Münchner Kriegsheimkehrer

4. Januar: "32 Münchner kehrten an den Neujahrstagen aus den Weiten Rußlands in ihre Heimatstadt zurück. Nicht nur ihre glücklichen Angehörigen, sondern auch die Stadt, die bayerische Regierung, die Kirchen, das Rote Kreuz, der Verband der Heimkehrer bereiteten den Männern im Hauptbahnhof einen herzlichen Empfang. Im Lager Friedland sind inzwischen wieder 600 ehemalige deutsche Kriegsgefangene aus Rußland eingetroffen, die im Laufe des heutigen Tages in München eintreffen werden."

Fasching 1954.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

"Eheliche Fesseln" im Fasching - Faschingsprinz sorgt für Aufruhr

klicken für eine vergrößerte Darstellung! 14. Januar: "Im Namen von mehr als 800.000 Familien hat der Familienbund Deutscher Katholiken gegen die Erklärung des Münchner Faschingsprinzen protestiert, die dieser in den ersten Tagen seiner Herrschaft abgegeben hat. Es hieß darin, die Eheleute sollten für die Dauer des Faschings ihre Ringe ablegen, die Ehen seien solange aufgehoben, man solle dem Alkohol weidlich zusprechen. Eheliche Fesseln spielten keine Rolle. Eine derartige öffentliche Aufforderung gehe weit über den gewohnten Scherz bei solchen Anlässen hinaus, heißt es in dem Protest. Die Not der Familie und die daraus erwachsende Not der Jugend sei zu ernst, als dass derartige unverantwortliche Äußerungen - auch in der Zeit des Faschings - unwidersprochen bleiben dürften." Auch Innenminister Dr. Hoegner "verurteilte die Rede auf das Entschiedenste". Einige Tage später nahm Präsident Egid Sollfrank zu den Protesten gegen den Faschingsprinzen Stellung: Die beanstandeten Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen worden und deshalb geeignet, einen völlig falschen Eindruck zu erwecken. Abb. s. unten

Kinder-UN tagt in München

19. Januar: "In der Internationalen Jugendbibliothek tagte zum ersten Male in Deutschland die Kinder-UN. An einem hufeisenförmigen Tische waren 30 Länder durch 68 Delegierte vertreten. Die Leiterin der Bibliothek; Mrs. Lepmann, möchte damit die Kinder zum Lernen und besonders zum Studium ferner Länder aneifern. Die Jugendlichen halten Vorträge über ihr Land und müssen Rede und Antwort stehen […]."

Zahl der Fürsorgeempfänger steigt

5. Februar: "Die Zahl der Fürsorgeempfänger in München nähert sich nach dem [...] Bericht des Sozialreferats dem Höchststand unmittelbar nach der Währungsreform und vor dem Inkrafttreten des Soforthilfegesetzes. Damals waren es 20.667 Personen, jetzt sind es 19.892 Personen [...]."

Neues Parkplatz-Konzept angemahnt

6. Februar: "Stadtrat Fackler beantragt, der Stadtrat wolle das Stadtbauamt um eine grundsätzliche Neuregelung der Münchner Parkplatzverhältnisse ersuchen. In der Begründung heißt es: Die Münchner Parkplatzregelung lässt keine vorausschauende grundsätzliche Planung erkennen. Die eingehenden Gebühren werden nicht für eine grundlegende Neuregelung des Parkwesens verwendet [...]."

Turm der Frauenkirche bekommt einen Aufzug

10. Februar: "In den südlichen Turm der Frauenkirche wird noch vor Beginn der Fremdensaison ein moderner, elektrischer Aufzug eingebaut. Die Kabine wird für sechs Personen Platz bieten [...]. Das Türmerstübchen im nördlichen Turm wird nach der Fertigstellung eines neuen südlichen Turm aufgegeben [...]. Man rechnet nun mit einem Besuch von jährlich etwa 120.000 Personen."

Demonstration gegen längere Ladenöffnungszeiten.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Fischer)

Demo für Ladenschluss

20. Februar: "Die Münchner Innenstadt erlebte heute wieder eine Massendemonstration gegen den Samstag-Ladenschluss, der von einigen großen Firmen bekanntlich schon seit einigen Wochen nicht eingehalten wird. Tausende pfiffen, grölten und bedrängten die Kunden und behinderten den Verkehr. Starke Einheiten der Stadtpolizei wurden eingesetzt, um die [...] Ordnung wiederherzustellen. Dabei kam es zu Schlägereien. Sechs Personen wurden verhaftet. Einige Hundertschaften der mit Stahlhelmen und Karabinern ausgerüsteten Einsatzpolizei sowie der Wasserwerfer blieben in Bereitschaft."



Lehrlinge dringend gesucht!

18. März: "Noch vor zwei Jahren sah sich das Arbeitsamt vor ernstliche Schwierigkeiten gestellt, als es galt, für die entlassenen Schüler der Münchner Volkschulen genügend Lehrplätze zu finden. Heute hat sich die Situation in München umgekehrt: Die Lehrherren werden im Sommer 1954 Mühe haben, genügend Lehrlinge zu finden [...]. In diesem Jahr verlässt erstmals eine im Krieg geborene Generation die Schule [...]."



Neues Krebsheilmittel auf dem Markt

19. März: "In der Chirurgischen Universitätsklinik in München wurde in den letzten drei Jahren ein neues Krebsheilmittel entwickelt, das in Kürze auf den Markt gebracht werden soll. Das neue Heilmittel soll in über hundert hoffnungslosen Fällen teilweise mit Erfolg angewandt worden sein. Die Herstellungskosten sind jedoch relativ hoch: Eine Kur von 30 - 50 Injektionen kostet mehrere tausend Mark. Trotzdem ist es erfreulich, dass ein so wichtiges Mittel der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird." klicken für eine vergrößerte Darstellung!

Wiederaufstellung des Hubertusbrunnens an der Waisenhausstraße.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Penz)

Neuaufstellung des Hubertusbrunnen

21. März: "Der Hubertusbrunnen, das letzte Werk Adolf von Hildebrandts, werde jetzt am Kanalkessel gegenüber dem Waisenhaus aufgestellt, berichtet das Stadtbauamt. Hier sei der beste Platz gefunden [...]." Der 1903-07 geschaffene Brunnen hatte sich bis 1937 vor dem Bayerischen Nationalmuseum befunden.



Hitlers ehemalige Haushälterin klagt gegen den Bayerischen Staat

22. März: "Das Landgericht hat jetzt das Urteil in dem Prozess erlassen, den die ehemalige Haushälterin Adolf Hitlers, Frau Anni Winter, gegen den Bayerischen Staat angestrengt hatte. Das Land Bayern wird verurteilt, an die Klägerin mehrere Bücher "Mein Kampf", Bilder und eine lederne Urkundenmappe herauszugeben. Von den bisher entstandenen Kosten haben der Staat vier Fünftel, Frau Winter ein Fünftel zu tragen."



Bayerisches Fernsehen geht auf Sendung

2. April: "Heute gastiert die Münchner Fernseh-Gemeinschaft im Hamburger Studio Lockstedt. Damit tritt das bayerische Fernsehen nach monatelangen Versuchssendungen zum erstenmal an die Öffentlichkeit. Allerdings wird die Sendung nur in Norddeutschland gesehen. Das Programm beginnt mit einer kurzen Wochenchronik aus dem Münchner Leben. Zum Abschluss wird das Spiel "Vater Seidl und sein Sohn" von Kurt Wilhelm aufgeführt."



Erste Nachkriegs-Taufe in der Frauenkirche

12. April: "In der Frauenkirche wurde gestern Vormittag zum ersten Male seit der Zerstörung von 1945 wieder ein Kind getauft. Es erhielt den Namen Petra."

Streit um Gewerbesteuererhöhung

12. April: "Der temperamentvolle CSU-Stadtrat Dr. Erwin Hamm kündigte seiner Partei die Freundschaft auf. Die Ablehnung der Gewerbesteuererhöhung durch seine Fraktion müsse notwendigerweise den Wiederaufbau der Stadt lähmen. Sie mache eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der CSU unmöglich." Dr. Hamm scheint sich wieder beruhigt zu haben, er blieb weiterhin CSU-Mitglied.

Waldorfschule feiert Richtfest

2. Juni: "Der Rudolf-Steiner-Schulverein München e.V. konnte in der Leopoldstraße 17 das Richtfest für den ersten Bauabschnitt seines neuen Schulgebäudes feiern."



Landes-Taubstummenanstalt eröffnet

8. Juni: "In der Fürstenrieder Straße 155 wird am heutigen Mittwoch mit einem Festakt die Landes-Taubstummenanstalt München eröffnet."



Höchstpreise für Hitler-Bilder

10. Juni: "Für 13.000 und 13.500 Mark werden zwei Aquarelle von Adolf Hitler im Format DIN A 4 an zwei Sammler versteigert.

Fronleichnamsprozession 1979.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Fronleichnamsprozession 1954

17. Juni: "Die Fronleichnamsprozession verläuft heuer anders: Die Prozession zieht durch die Kaufingerstraße zum Marienplatz; an der Mariensäule wird das erste Evangelium gesungen. Der Altar für das zweite Evangelium ist diesmal am Max-Joseph-Platz. Der große Umzug bewegt sich dann durch die Residenzstraße und die Ludwigstraße um das Siegestor; hier ist das dritte Evangelium. Das letzte ist an der Feldherrnhalle. Das Allerheiligste wird von Ehreneskorten der Polizei begleitet."

Wagenkorso der Fußball-Weltmeister 1954 auf dem Odeonsplatz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

München empfängt die "Helden von Bern"

6. Juli: "Buchstäblich ganz München bereitete der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, dem Weltmeister von 1954, einen Empfang, den man als einmalig bezeichnen kann. Im Triumphzug, begleitet von den begeisterten Hochrufen und umgeben von Tausenden von Fähnchen, fuhren die überglücklichen Spieler durch die aufgestörte Stadt. Die Stadtverwaltung und die meisten Betriebe hatten ihren Angestellten und Beamten freigegeben. An den Straßen standen die Schulklassen, die Baugerüste waren bis zum Brechen überfüllt. Seit Jahren war die Innenstadt vom Hauptbahnhof bis zum Rathaus, wo der offizielle Empfang durch Oberbürgermeister Wimmer stattfand, nicht mehr so voller Begeisterter [...]."

Isar-Hochwasser, Juli 1954.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Hochwasser

9. Juli: "In ganz München wird nur noch von der Hochwasserkatastrophe gesprochen, die unser bayerisches Land heimsucht [...]. Nachdem es auch heute nahezu ununterbrochen weitergeregnet hat, stieg der Pegelstand der Isar unaufhaltsam Stunde für Stunde um 3 bis 4 cm. Gestern Abend wurden an der Bogenhausener Brücke bereits 5,40 m erreicht. Damit stand die Isar nur mehr einen Meter unter dem Hochwasser von 1940 [...]. Die ersten Maßnahmen, die ein umfangreicher Katastrophenplan für den Ernstfall vorschreibt, wurden getroffen. In sämtlichen Kirchen Münchens [...] wird morgen um Abwendung der Gefahr und um gute Ernte gebetet."

Fresko am Isartor wird rekonstruiert

15. Juli: "Über dem Verkehrstrubel des Isartors arbeiten die Maler an dem großen Gemälde, das den Einzug Kaiser Ludwigs des Bayern nach der Schlacht von Ampfing zeigt. Der Original-Karton, der in Weimar aufbewahrt wurde, musste abgepaust werden. Nach ihm wird nun gearbeitet. Die Ausarbeitung wird unter der Leitung von Professor Toni Roth vorgenommen."

Fischbrunnen wiedererrichtet - Feier nur für Promis

18. Juli: "Mit Regen, Sonnenschein und Windstärke 6 wurde heute glücklich der wiedererrichtete Fischbrunnen am Marienplatz feierlich enthüllt. Aus diesem Anlass hielten die Metzger wieder ihren traditionellen Metzgersprung [...]. Im Jahr 1928 wurde er zum letzten Mal aufgeführt. Damals ging es am Marienplatz so zu, dass mehreren Menschen die Rippen gebrochen wurden. Diese Angst brauchte man heuer nicht zu haben. Wer trotz drohender Wolken auf den Marienplatz ging, mußte schimpfend hinter den Absperrungen bleiben [...]. Dort sah man so gut wie nichts! Das mächtige Geviert des Marienplatzes war ganz und gar nur den Teilnehmern und den wenigen Gästen vorbehalten - ein Zustand, wie es ihn eben nur in München gibt. Es entstand der Eindruck, als würde der Brauch nur für die Prominenz aufgeführt werden!"

Amerikanische Siedlung in Perlach übergeben

23. Juli: Oberst Murray und Oberbürgermeister Thomas Wimmer durchschnitten heute gemeinsam das Band am Eingang zum ersten Block der amerikanischen Wohnsiedlung am Perlacher Forst und übergaben damit 18 fertige Wohnungen ihrer Bestimmung. In den nächsten Wochen und Monaten werden 1.200 Besatzungsangehörige mit ihren Familien die 67 neuen Wohnblocks, die im Verlaufe des Bauprogramms entstehen, beziehen [...]."

Hilfe für schwer vermittelbare ältere Angestellte

6. August: "In München wurde kürzlich eine ‚Notgemeinschaft der älteren Angestellten' gegründet. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch geeignete Maßnahmen die Berufs- und Existenznot von Arbeitnehmern über 45 lindern zu helfen. Besonders soll eine quotenmäßige Unterbringung von älteren Männern und Frauen in staatlichen Ämtern und Betrieben angestrebt werden."

Mittelalterliche St. Jakobskirche wird abgebrochen

11. August: "Demnächst werden Bagger die Ruine der Kirche am St. Jakobsplatz niederreißen. An ihrer Stelle soll ein moderner Kirchenbau nach einem Entwurf von Architekt Friedrich Heindl entstehen [...]. Die Wiederherstellung der Kirche kam schon deshalb nicht in Frage, weil diese räumlich den Anforderungen nicht mehr genügte. Obwohl sich das Landesamt für Denkmalpflege energisch für die Erhaltung des gotischen Traktes einsetzte, gab der Baukunstausschuss schließlich die Einwilligung zum Abbruch [...]."

Kosten für Jugendfürsorge steigen immer mehr

17. August: "Die Zahl der auf Kosten der Stadt in fremder [...] Pflege untergebrachten Minderjährigen nimmt laufend zu. Die Kinder leben entweder in Anstalten oder bei Familien. 1953 mußten durchschnittlich in Familienpflegestellen monatlich 1.500 Kinder mit einem Aufwand von rund 66.000 DM untergebracht werden. In Anstalten waren 2.400 Minderjährige untergebracht, die monatlich 162.000 kosteten. Die Gesamtaufwendungen der Stadt München in diesem Fürsorgebereich betragen jährlich mehrere Millionen DM."

Leihamt feiert Jubiläum

2. September: "Heute wird das Münchner Leihamt 200 Jahre alt. Der Kammerdiener Sebastian Hueber hatte im Jahre 1754 vom Kurfürsten das Privileg erhalten, das erste Leihhaus der Stadt zu eröffnen. 'Wir wollen das Jubiläum eines solchen Institutes, das nur der Not dient, in aller Stille begehen', sagte Stadtrat Dr. Hamm [...] gestern bei der Besichtigung. Stadtrat Dr. Hamm und die Leiterin des Leihamtes, Adelheid Liessmann, schilderten die Erfahrungen, die seit der Wiedereröffnung des Amtes im Jahr 1948 gesammelt werden konnten." Das Städtische Leihamt wurde Anfang der 1990er Jahre geschlossen.

Historisches Max-Joseph-Stift wird abgebrochen

2. September: "Dieser Tage trägt ein Bagger die dicken Mauern des ehemaligen Max-Joseph-Stiftes in der Ludwigstraße gegenüber der Universität ab. Erhalten bleibt nurmehr der Eckturm [...]." Das Gebäude hatte bis 1939 die gleichnamige, von König Max II. gegründete Mädchen-Erziehungsanstalt beherbergt.

Richtfest für St. Matthäus

3. September: "Mit Posaunenklängen wird heute das Richtfest für die neue Matthäuskirche am Sendlinger-Tor-Platz gefeiert. Nach einem Choral wird der Richtspruch auf der Höhe des in den letzten Wochen mächtig geförderten Baues erklingen. Danach hält Oberkirchenrat Loy, der Pfarrer von St. Matthäus, die Festrede [...]."

Müllverwertungsanlage Großlappen nimmt Betrieb auf

8. September: "An einer Mülltonne als Rednerpult eröffnete heute Oberbürgermeister Thomas Wimmer in Großlappen die neue Müllverwertungsanlage der Stadt. Stadtbaurat Dr. Högg bezeichnete in seiner Ansprache die neue Anlage als den Schlußstein in den hygienischen Bemühungen. München werde durch eine ordnungsgemäße Müllbeseitigung, die bisher mit dem Einfüllen in Gruben nicht gewährleistet war, des großen Pettenkofer wieder würdig."klicken für eine vergrößerte Darstellung!

Trachten- und Schützenzug 1954

19. September: "Bei strahlendem Wetter säumten über 400.000 Menschen heute Vormittag die Hauptstraßen Münchens, um den großen Trachten- und Schützenzug zu sehen. Über 150 Trachtengruppen aus allen Teilen Deutschlands, aus Österreich und der Schweiz waren gekommen, 50 Kapellen spielten auf [...]. Die Parade sah aus, als hätte sich die ganze Historie des Alpen- und Donauraumes der letzten 500 Jahre auf den Weg gemacht [...]. So wurde der Umzug zum Oktoberfest zu einem prächtigen Bilderbogen alter Trachten [...]." Abb. s. unten

Schlecht eingeschenktes Oktoberfestbier

1. Oktober: "Heute wetterte im Wirtschaftsausschuss des Landtages der CSU-Abgeordnete Michel gegen das schlechte Einschenken auf der Wiesn. Es sei erschütternd, was da der Bevölkerung zugemutet werde. ‚Wo bleibt da der Staatsanwalt?', fragte Michel. Es fehle an einer wirksamen Kontrolle. Im Interesse der Wiesnzecher, vor allem aber auch der Fremden, müsse einmal nachdrücklich durchgegriffen werden."

Gedenken an kriegsgefangene Münchner

10. Oktober: "Eine Gedenktafel zur Erinnerung an die heute noch in Gefangenschaft lebenden Münchner wird [...] im Bogen unter dem Alten Rathaus enthüllt. Oberbürgermeister Thomas Wimmer und der Kreisvorsitzende des Heimkehrerverbandes werden an der Feier teilnehmen. Das bronzene Mahnmal wurde von Professor Mikorey geschaffen. Es zeigt drei Frauengestalten und trägt die Inschrift: ‚Wir warten auf die Heimkehr unserer Kriegsgefangenen - Stadt München'. 12.500 Münchner sind bisher immer noch als vermisst gemeldet, 150 Münchner, die in Lagern leben, schreiben noch regelmäßig nach Hause."

Schützt das Münchner Trinkwasser

12. Oktober: "Ab März 1955 wird das Münchner Trinkwasser nicht mehr chloriert werden [...]. Die Nachricht, die besonders die Hausfrauen freuen wird, erfahren die Stadtväter bei einer Besichtigungsfahrt in das Quellgebiet der Münchner Wasserversorgung am Taubenberg. Die Fahrt war gleichzeitig ein Appell der Wasserwerke, alles zum Schutze des Quellgebietes im Mangfalltal zu tun. Es gilt, die Quellen von jeder Verunreinigung freizuhalten. Dies kann durch Grunderwerbungen größeren Ausmaßes geschehen. 1.900 Hektar befinden sich bereits im Besitz der Stadt."

Münchner Stadtbäche

15. Oktober: "Zur Zeit ist in München Bachauskehr." An rund 200 Stellen wurden Ausbesserungsarbeiten durchgeführt. "In München gibt es noch 24 Bäche mit einer Gesamtlänge von 17 km. Der größte Teil davon verläuft unterirdisch. Rechts neben der Isar erreicht der Auer Mühlbach mit sechs Nebenbächen die Länge von 11 km. Heute noch nehmen 44 Betriebe ihre Kraft aus den Stadtbächen, darunter die Eisfabrik Unsöld. Die Springbrunnen im Hofgarten und ein paar Bäder werden ebenfalls durch sie gespeist." Über die "Geschichte der Münchner Stadtbäche" ist im Jahr 2004 eine Publikation von Christine Rädlinger erschienen.

Rheinischer Frohsinn an der Isar

4. November: : "Die ‚Fidelen Rheinländer', eine Gesellschaft zur Pflege rheinischen Frohsinns, wurde kürzlich in das Münchner Vereinsregister eingetragen. Am 11.11. um 20.11 Uhr stellt sie sich zum ersten Mal mit einer rheinischen Kappensitzung im Bennosaal des Löwenbraukellers vor. Büttenreden werden geschwungen und Karnevalslieder angestimmt."

Erstmals Operation live im Fernsehen übertragen

16. November: "Ein interessantes Experiment wurde vor einigen Tagen in der Chirurgischen Klinik durchgeführt. Zum ersten Mal wurde dort eine Operation durchs Fernsehen übertragen. Bei der Anlage handelt es sich um das von der Firma Grundig konstruierte Fernauge. Es war in einer besonders konstruierten Operationsleuchte eingebaut. Die Studenten konnten im Nebenzimmer auf dem Bildschirm alle Einzelheiten einer von Professor Frey vorgenommenen Herzoperation sehen."

Wärmestuben öffnen

1. Dezember: "'Wärmestube der Stadt München, täglich geöffnet von 14.30 bis 21 Uhr' steht auf Plakaten, die heute an 23 Gaststätten angeschlagen werden. Alle zehn Tage wird eine Künstlergruppe oder eine Schrammelkapelle in der Wärmestube zu Gast sein. [...] 25.000 DM gibt die Stadt für diese winterliche Hilfsaktion aus. Die Wirte erhalten für die Benützung der Stuben sowie für Beleuchtung und Heizung monatlich 90 DM."

Kammerdiener als Mangelware

1. Dezember: "In München gibt es eine Fachschule für Kammerdiener, sie befindet sich auf der Schwanthalerhöhe und wird von Herrn Hans Keidel, der früher einmal selber Kammerdiener war, geleitet. In Tages- und Abendkursen werden die Schüler in allen möglichen Dingen unterwiesen. Fertig ausgebildete Diener gehen weg wie warme Semmeln, denn: ‚Kammerdiener ist ein Mangelberuf!', sagt Hans Keidel."

Hochbetrieb in Geiselgasteig

22. Dezember: "Während 1953 nur ein einziger Film im Cinemascope-Verfahren hergestellt wurde, entstanden in den vergangenen zwölf Monaten in Geiselgasteig fünf Breitwandfilme. Das ganze Jahr war Hochbetrieb in der Filmstadt. In den acht Hallen und im Freigelände wurden 28 Spielfilme [...] gedreht. klicken für eine vergrößerte Darstellung!Außerdem wurden elf Fernsehfilme, 67 Kultur- und Dokumentarfilme sowie 70 Werbefilme hergestellt."

Weihnachtliche Bescherung für einen Münchner Verkehrspolizisten am Karlsplatz.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Nikolaus beschenkt Münchner Verkehrspolizei

23. Dezember: "Wie alljährlich zu Weihnachten fuhr heute Mittag der Nikolaus der Münchner Verkehrswacht mit großen Geschenkkörben an den Verkehrskanzeln am Stachus, am Marienplatz und am Bahnhofsplatz vor, um den amtlichen Schutzengeln den Dank der Münchner für ihren nervenaufreibenden Dienst zu übermitteln. Die Geschenke, Zigaretten, Wein, Schokolade und andere Waren, stammen zum Teil von Münchner Firmen."

Flüchtlingslager an der Fürstenrieder Straße.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Flüchtlingslager aufgelöst

28. Dezember: "Die Stadt hat in der letzten Zeit drei große, von ihr verwaltete Flüchtlingslager auflösen können: die Lager an der Fürstenrieder Straße, an der Marschnerstraße in Pasing und an der Gneisenaustraße in Moosach. Nach den neuesten Ermittlungen des Wiederaufbaureferats leben nach der Auflösung dieser Unterkünfte noch 2.069 Personen in den acht Lagern, die vorerst noch bestehen."

Abbildungen zur Chronik 1954