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Stadtchronik 1959


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Amerikanische Weihnachts-Dekorationen

3. Januar: „Während in den Auslagen der Stadt die weihnachtlichen Kulissen verschwunden sind und auch in den Wohnungen der Münchner die Christbäume allmählich abnadeln, prangt ein ganzer Stadtteil noch in vollem, etwas ungewöhnlichem Weihnachtsschmuck: das amerikanische Wohnviertel am Perlacher Forst. Hier haben mehr als 200 Famlien amerikanischer Armeeangehöriger einen Weihnachtsschmuck-Wettbewerb veranstaltet, den ersten dieser Art in München.“

Rechenschaftsbericht der Post

9. Januar: Post-Präsident Geyer zieht eine Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres. Demnach besaßen im Jahr 1958 schon 84 Prozent der 370.000 Münchner Postempfänger einen eigenen Hausbriefkasten. Ein direkter Briefversand von München aus war in 15 europäische und 23 außereuropäische Länder möglich. Per Luftpost wurden 61.000 kg Briefe, 52.000 kg Drucksachen, und 85.000 kg pakete weitergeleitet. Die Zahl der Postbank-Konten stieg um 10.000. Die Zustellung von Post an Samstag- und Montagnachmittagen wurde eingestellt.

Kreuzigungsgruppe am Gasteig wieder komplettiert

15. Januar: „Nur Maria und Johannes waren von der alten Kreuzigungsgruppe vor dem Spital am Gasteig noch übriggeblieben. Das Kruzifix hatten die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstört. Inzwischen wurde das Kunstwerk auf Anregung privater Persönlichkeiten und unter Mithilfe der Stadt wieder ergänzt. Das neue Kruzifix mit der Christusfigur aus Bronze und dem Kreuz aus Eichenholz schuf Prof. Panzer. Die Kreuzigungsgruppe am Gasteig hatte einst Hofbildhauer Gabriel Luidl geschaffen.“

  

Faultürme für das Münchner Klärwerk

15. Januar: „In Großlappen werden zwei riesige Faultürme gebaut. Bisher mußten die festen Bestandteile aus dem Abwasser auf Rieselfeldern trocknen. Es dauerte jeweils drei Monate, bis der Schlamm als Düngemittel verkauft und weggeschafft werden konnte. In den beiden Türmen, von denen jeder 24 m hoch ist, dauert das Trocknen des Faulschlamms höchstens drei Wochen. Das Gas wird abgezogen und zu 60 Prozent entweder an die städtischen Gaswerke oder an Privatabnehmer weitergeleitet. 40 Prozent der anfallenden Faulgase verbraucht die Kläranlage Großlappen im eigenen Betrieb.“

Schneechaos 1959.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Fischer)

Schneechaos

16. Januar: „München ist über Nacht im Schnee versunken. Auf den Straßen und Gehsteigen der Innenstadt erreichte die Schneedecke eine Höhe von 30 cm. Seit 24 Uhr sind sämtliche zur Verfügung stehenden Schneepflüge unterwegs, um die Schneemassen nach Möglichkeit zu beseitigen. Die Schneemassen stellten die Straßenreinigugn vor eine unlösbare Aufgabe. Amtmann Hirschberger , Leiter der städtischen Straßenreinigung, hatte nur 913 Arbeiter – davon 369 Freiwillige – zur Verfügung. Er hätte jedoch mindestens 3.000 bis 4.000 Leute brauchen können.“

Firmenjubiläum

7. Februar: "Die Münchener und Aachener Mobiliar-Feuer-Versicherungs-Gesellschaft feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Die Gesellschaft, deren Zulassung noch König Ludwig I. unterschrieb, war das erste bayerische Versicherungsunternehmen, bei dem man sein Mobiliar, also sein bewegliches Gut, gegen Feuer versichern konnte. Vorher waren nur auswärtige, meist französische Gesellschaften auf diesem Gebiet tätig gewesen. Schon 1825 war in Aachen die Aachener Feuerversicherungsgesellschaft entstanden. Auf Wunsch Ludwigs I. nahm sie in Bayern aber den Namen Münchener und Aachener Mobiliar-Feuer-Versicherungs-Gesellschaft an. [...] Ihren Sitz hat die Direktion im alten Almeida-Palais an der Brienner Straße."

Aschermittwoch der Künstler

12. Februar: "Über 1.000 katholische Künstlerinnen und Künstler fanden sich in der Michaelskirche zusammen, um sich von Kardinal Dr. Joseph Wendel das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen. Der sog. Aschermittwoch der Künstler ist seit 1914 in vielen Städten der Welt Brauch. In München wurde er 1955 eingeführt."

Spendensammlung für eine Münchner Moschee

16. Februar: "Die religiöse Gemeinschaft der Moslemflüchtlinge 'Islam' sammelt bei ihren Glaubensbrüdern Spenden zum Bau einer Moschee mit islamischer Schule in München. Bisher steht zwar noch kein Grundstück zur Verfügung, doch ist die Bayerische Staatsregierung und der Oberbürgermeister der Stadt München um einen geeigneten Platz ersucht worden." Die Gemeinschaft wurde 1953 gegründet, um moslemische Flüchtlinge religiös, kulturell und sozial zu betreuen. Sie hatte 1959 in München knapp 500 Mitglieder.

Wachsendes Münchner Vereinsleben

17. Februar: "Das Vereinsleben in München nimmt zwar langsam, aber stetig zu, erklärt der zuständige Statistiker vom Vereinsregister des Registergerichts." Im Februar 1959 waren in München 2.457 Vereine und Klubs registriert. 1958 ließen sich 114 Vereine neu eintragen, 23 lösten sich auf. "Als kleinstes Kind in dieser großen Familie gilt die Vereinigung der Triebwerksbesitzer am Auer Mühlbach, die nur noch vier Mitglieder zählt. [...] Der größte Klub mit Sitz in München ist der ADAC mit über 400.000 Mitgliedern, die sich allerdings über das ganze Bundesgebiet verteilen."

Planungen für neuen Hauptbahnhof kommen voran

18. Februar: "Die Entscheidung über den Entwurf, nach dem die neue Bahnsteighalle des Hauptbahnhofs gebaut werden soll, ist jetzt gefallen." Die Wettbewerbsjury entschied sich für einen Entwurf der Fa. Krupp Rheinhausen, der in Zusammenarbeit mit Prof. Hart von der TH München und der Fa. Maurer Söhne, München, angefertigt worden war. "Dieser Entwurf baut auf den Grundmaßen des Entwurfs der Bundesbahndirektion auf, der eine Hallenlänge von 220 m und eine Höhe von 17 m vorsah. Das Stahlgerippe der Halle wird rund 3,2 Mio. DM kosten. Die Gesamtkosten betragen einschließlich der Fundamente, der Verglasung, Beleuchtung, Entwässerung, Dacheindeckung und des Anstrichs ungefähr 8,5 Mio. DM."

Steigende Geburtenrate

20. Februar: "Zum ersten Mal seit Kriegsende haben die Statistiker unserer Stadt einen spürbaren Geburtenüberschuß registriert. Gegenüber 1957 hat er sich im vergangenen Jahr verdreifacht. Genau gesagt: 1958 kamen in München 12.354 Kinder zur Welt, während 11.882 Münchner starben. Seit Jahren betrachten die Bevölkerungspolitiker unserer Stadt mit großer Sorge die 'Überalterung' Münchens. Nun können sie neue Hoffnung schöpfen. Ein besonders erfreulicher Grund für den Geburtenüberschuß ist die ständig sinkende Säuglingssterblichkeit. Während nach dem Krieg in München bis zu 12 Prozent aller Babys starben, liegt die Sterblichkeitsziffer unserer kleinsten Bürger nun nur noch bei 3,6 Prozent."

Akademie für politische Bildung nimmt ihre Arbeit auf

23. Februar: "Mit einem Festakt in der Aula der Münchner Universität wurde die Akademie für politische Bildung, die ihren Sitz in Tutzing am Starnberger See hat, offiziell eröffnet. Ministerpräsident Seidel bezeichnete in seiner Ansprache die Akademie als 'Mittelpunkt aller sich um die politische Bildung bemühenden Kräfte'. Ihre Aufgabe sei es, die politische Bildung in Bayern auf überparteilicher Grundlage zu fördern und zu vertiefen und so der Festigung des Gedankenguts der freiheitlich-demokratischen Staatsordnung zu dienen."

Bildhauer Wackerle gestorben

2. März: "Nur wenige, die an den großen, reich bewegten Figuren des Neptun-Brunnens am Alten Botanischen Garten vorübergehen, werden wissen, wer der Urheber dieses Werkes ist. Und nicht anders wird es den Besuchern im Botanischen Garten gehen, wenn sie sich an den farbenkräftigen Figuren und Tieren in Majolika erfreuen. Der Schöpfer dieser und vieler anderer Werke, Josef Wackerle, ist nun, kurz vor seinem 80. Geburtstag, [...] gestorben." Der in Partenkirchen geborene Wackerle hatte zunächst die Holzschnitzschule in Partenkirchen besucht. Danach folgte eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule und an der Akademie in München. Im Alter von nur 26 Jahren wurde Wackerle künstlerischer Leiter der Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Berlin trat er 1917 die Nachfolge von Joseph Flossmann an der Münchner Kunstgewerbeschule an. 1924 erhielt er einen Lehrauftrag der Münchener Akademie, an der er bis 1950 unterrichtete. Wackerle, dessen Werke von den Nationalsozialisten sehr geschätzt wurden, konnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahtlos an seine Karriere der Dreißiger Jahre anknüpfen; er hatte keiner Parteiorganisation angehört und seine öffentlichen Werke wiesen kaum inhaltliche Bezüge zur nationalsozialistischen Ideologie auf.

Münchner Kinderkrippen

6. März: "In München gibt es 1.046 Kinder, die über Tag in Kinderkrippen untergebracht sind. Für diese Buben und Mädchen zahlt die Stadt München jährlich rund 1 Mio. Mark. Jedes Kind steht mit 1.000 DM im Haushaltsplan." Der Chronik-Eintrag macht zugleich das Frauenbild der Zeit deutlich: "Gäbe es keine Kinderkrippen, dann kämen Ehepaare, bei denen die Frau auch berufstätig sein muss, in eine schwierige Lage. Oft leben die Ehepaare, die ihre Kinder in die Krippe bringen, getrennt, weil sie keine eigene Wohnung besitzen. Manchmal handelt es sich auch um Studentenehepaare, bei denen die Frau bis zur Vollendung des Studiums ihres Mannes für den Lebensunterhalt sorgen muss. Für die Verpflegung der Kinder werden lediglich 80 Pfennig täglich berechnet, die Besuchsgebühren sind auf das Einkommen der Eltern abgestimmt. Sie bewegen sich von 5 DM im Monat bis zu 60 DM."

Volkssternwarte in erweiterten Räumen

20. März: "Die Münchner Volkssternwarte, die Ende des Jahres 1958 wegen Geldmangels ihre Pforten schließen mußte, wird in erweiterten Räumen an der Anzinger Straße wieder eröffnet. [...] Seit vor anderthalb Jahren die Sputniks und Explorer über uns hinwegzuziehen begannen, kamen viele Münchner, um mit eigenen Ohren das Piepen aus dem Weltall zu hören. Der Chemigraph Hans Oberndorfer hatte an der Anzinger Straße als Vorsitzender der Volkssternwarte München e.V. zusammen mit dem Ingenieur Ernst Klee u.a. Deutschlands erste Satelliten-Überwachungsstelle eingerichtet."Schneechaos

Empfang der Stadt München im Alten Rathaus für die Teilnehmer am Kongress der Union der Widerstandskämpfer für ein Vereintes Europa, 22. März 1959.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Johann Meyer)

Kongress für ein geeintes Europa

24. März: "Oberbürgermeister Thomas Wimmer empfing im Alten Rathaus zum Abschluss ihres Kongresses die Vertreter der Union der Widerstandskämpfer für ein vereinigtes Europa (URPE). Der Kongress vereinigte drei Tage lang rund 100 Delegierte aus zehn europäischen Ländern in München. Wimmer sprach die Hoffnung aus, dass die Widerstandskämpfer München, dessen Name durch die Nationalsozialisten als 'Hauptstadt der Bewegung' geschändet worden sei, in guter Erinnerung behalten möchten. Wimmer sagte auch, in München hätten sich schon vor 39 Jahren zahlreiche Menschen gegen das Aufleben des Nationalsozialismus zu wehren versucht, doch gegen die damaligen unverständigen Massen hätten sie nichts ausrichten können."

Münchner Lebenshaltungkosten

2. April: "Das Leben wird langsam, aber stetig teurer. Eine Hausfrau zum Beispiel, die bei ihrem Wochenendeinkauf zwei Pfund Rindfleisch zum Braten, ein Pfund Lyoner Wurst, ein halbes Pfund Palmin, zehn Pfund Kartoffeln, zwei Pfund Spinat, vier Flaschen Bier und ein halbes Pfund Seifenpulver besorgte, mußte dafür im vergangenen Monat 13,26 DM bezahlen. Im März 1958 kostete sie dasselbe nur 11,71 DM. [...] Am empfindlichsten spürt der Verbraucher die Preissteigerungen auf dem Fleisch- und Wurstmarkt. Unter den 17 verschiedenen Sorten, die das Statistische Amt der Stadt München allmonatlich erfaßt, hielt seit März 1958 nicht eine ihren Preis. Von den 13 erfaßten Käsesorten blieben innerhalb eines Jahres drei im Preis gleich, vier wurden teurer und sechs billiger. Obst wird heuer so billig wie schon lange nicht mehr angeboten." Von den 27 untersuchten Kolonialwaren waren immerhin elf Produkte billiger geworden. "Am spürbarsten sind die Verbilligungen bei gebranntem Bohnenkaffee mittlerer Sorte und bei Bienenhonig." Auch der Kohlepreis war gestiegen. "Billiger wurde nur oberbayerische Würfelkohle, die ab Lager je Zentner mit 5,17 DM gehandelt wird. Textilien kosten, soweit es sich um Leibwäsche handelt, jetzt fast durchweg um 3 bis 5 Pfennig mehr als vor einem Jahr. Schuhe veränderten ihren Preis kaum, das Besohlen ist allerdings wieder etwas teurer geworden."

Ehemaliges Verkehrsministerium wird abgebrochen

Am 6. April begannen die "Abbrucharbeiten an dem im Krieg schwer beschädigten Kuppelgebäude des ehemaligen bayerischen Verkehrsministeriums, das jetzt der Bundesbahn und der Bundespost zu gleichen Teilen gehört. Damit veschwindet ein Wahrzeichen des Münchner Hauptbahnhofviertels. Auf dem freiwerdenden Grundstück wird später das neue Geschäftsgebäude der Bundesbahndirektion München errichtet."

Leitzachkraftwerk wird erweitert

Am 17. April wurde der Grundstein zum Erweiterungsbau des Leitzachkraftwerks gelegt. Die wichtigste Stromversorgungsquelle für München erhielt zwei zusätzliche Maschinensätze mit je 20.000 kW und eine Speicherpumpe mit 19.000 kW. "Aus der Tiefe einer riesigen Baugrube ertönte die Blasmusik einer Trachtenkapelle. Ringsum flatterten weiß-blaue Fahnen, und vorbei an einem überdachten Tisch, auf dem die Pläne des neuen Kraftwerks sowie säuberlich in Einmachgläser gefüllt Gesteinsproben zu sehen waren, stiegen die Ehrengäste eine steile Holztreppe hinab. Auf einem Erdvorsprung war die Rednertribüne aufgebaut, zu deren Füßen der Grundstein lag. 'Jetzt spuits amoi den Bayerischen Defiliermarsch, wenn's 'n könnts und nacha fang ma o!', sagte Oberbürgermeister Thomas Wimmer. Notwendigkeit und Bedeutung des großzügigen Erweiterungsbaus erläuterte Oberbaudirektor Dr. Herbert Bachl. 'Im Jahr 1948 genügten Kraftwerke mit einer Leistung von 85.000 kW, um die Leistungsspitze des Münchner Stromnetzes zu decken. Im Jahr 1959 erwarten wir eine Höchstlast von rund 235.000 kW. Das entspricht einer Steigerung um 175 Prozent in 11 Jahren.' Eine Unterbrechung dieser Entwicklung sei bei dem raschen Wachstum der Stadt nicht abzusehen."

Der Chronist besucht die IGAFA

Am 27. April wurde die 2. Internationale Schau für Gastronomie und Fremdenverkehr, die IGAFA 1959, vom bayerischen Wirtschaftsminister Dr. Otto Schedl eröffnet. Im folgenden Text gerät der Chronist ins Schwärmen: "Zwei Wochen lang wird sich in den 15 Hallen auf der Theresienhöhe die halbe Welt von ihrer schönsten Seite zeigen - als Paradies für Urlauber. [...] Auf dem dreistündigen Rundgang vom IGAFA-Musterhotel bis zum Prachtpavillon Portugals wird der Besucher unablässig mit Kartoffelknödeln, Salami, Sekt, Whisky, Fruchtsaft, Brathendln, Portwein, Likör, Espresso, Lauchsuppe, Sardinen, Pizzas und Curry gefüttert. Vor dem spanischen Pavillon schiebt eine mandeläugige Senorita den Besuchern unablässig saftige Oliven zwischen die Zähne." (Abb. s. unten)

Maifeier – ein Opfer des Regens

1. Mai: "Im wahrsten Sinne des Wortes fielen sämtliche Maifeiern des Deutschen Gewerkschaftsbundes ins Wasser. Zum ersten Mal nach langen Jahren mußte der DGB seine traditionelle Maikundgebung auf dem Königsplatz absagen, weil der Himmel alle Schleusen geöffnet hatte. [...] Ludwig Linsert, der Landesbezirksvorsitzende des DGB in Bayern, fuhr daraufhin ins Studio des Bayerischen Rundfunks, um die für den Königsplatz gedachte Rede wenigstens über den Sender noch bei den feiernden Arbeitern und Angestellten anzubringen."

Neue Konzepte für die Stadtplanung

8. Mai: "Bei allen Zusammenkünften, auf denen über die Münchner Stadt- und Verkehrsplanung gesprochen wird, herrscht starke Ungeduld. Man vermisst Ergebnisse der jahrelangen Rederei um dieses Thema. So war es auch auf einem Vortragsabend des Münchner Kulturkreises im Kleinen Rathaussaal. Besonders vordringlich erscheint eine rasche Klärung über den Bau einer S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Ostbahnhof. Das stadteigene Projekt einer Unterpflaster-Straßenbahn wurde als unwirtschaftlich abgelehnt." Der TH-Professor Rucker, ein anerkannter Städtebau-Fachmann, machte darauf aufmerksam, "daß eine weitere Verdichtung der Großstädte falsch sei. Eine Umfrage habe ergeben, daß 38 Prozent der Großstadt-Bevölkerung gerne 'nach draußen ziehen' möchte. Die Ansiedelung an vorhandene Kreisstädte bringe keine Lösung, 'weil diese Städte so verbaut sind, daß eine sinnvolle Ordnung nicht möglich ist'. Rucker empfahl vielmehr die Bildung neuer, eigenständiger Satelliten-Städte nach englischem Vorbild."

Erfolgreiche Sparkassen-Bilanz

12. Mai: Aus dem Geschäftsbericht der Städtischen Sparkasse für das Jahr 1958 ging hervor, "dass die Münchner auf die Stabilität des Geldwertes vertrauen und Rücklagen zu schätzen wissen. In den vergangenen fünf Jahren haben sich die Spareinlagen mehr als verdoppelt. Errechnete man Ende 1954 ein Sparguthaben von knapp 169 DM pro Einwohner, so sind es heute schon rund 355 DM." Das Bilanzvolumen der Städtischen Sparkasse hatte sich im Geschäftsjahr 1958 um nahezu 100 Mio. DM oder 23,5 Prozent erweitert.

Tierfreundliches München

16. Mai: "Durch mindestens drei Rekorde wird Münchens Ruf als tierfreundliche Stadt begründet: Die Zahl von fast 40.000 Hunden erreicht keine andere Stadt der Bundesrepublik. Der Tierpark Hellabrunn ist in Deutschland der größte zoologische Garten und der Münchner Tierschutzverein mit seinen 14.000 Mitgliedern die stärkste derartige Vereinigung." Der Chronist ließ sich im weiteren Text zu folgender Einlassung hinreißen: "In keiner noch so kurzen Biografie Münchens fehlt der Hinweis auf die Münchner Lieblingstiere: Dackel, Bräurösser und Brathendl." Allerdings lag 1959 in der Münchner Hundestatistik der Dackel bereits hinter dem Schäferhund, von denen es 9.523 gab. "Zwischen Moosach und Großhesselohe bellen außerdem 7.381 Dackel, 4.356 Terrier, 3.058 Schnauzer, 2.889 Spitze, 1.929 Pinscher, 1.396 Pudel, 1.189 Jagdhunde, 997 Boxer und 349 Chow-Chows, außerdem noch die Angehörigen von fast 70 weiteren Rassen." Weiters berichtete der Chronist darüber, dass in München u.a. 82.700 Hühner, 12.000 Schafe, 11.000 Schweine und 1.400 Pferde gehalten würden.

Gastspiel der Callas

Am 21. Mai 1959 gab die Sängerin Maria Callas im Kongreßsaal des Deutschen Theaters ein Konzert, "dessen 2.000 Karten seit Wochen schon ausverkauft sind. [...] Die Spitzenpreise von 100 DM sind die höchsten, die jemals in München für eine musikalische Veranstaltung bezahlt wurden.“ (Abb. s. unten)


Bundesverteidigungsminister Strauß eröffnet eine Luftwaffen-Ausstellung

1. Juni: "In Anwesenheit des Bundesverteidigungsministers Franz Josef Strauß u.a. wurde auf dem Königsplatz eine motorisierte Werbe- und Wanderausstellung unter dem Motto 'Unsere Luftwaffe' eröffnet." In dem Ausstellungswagen, der bereits in anderen Städten Deutschlands Station gemacht hatte, war der Rumpf eines Jagdbombers vom Typ F 84 F, eine Flugabwehrrakete, ein Hubschrauber-Bodenträger und ein Radargerät zu sehen.

Oberbürgermeister Thomas Wimmer ehrt George H. Godfrey, 4. Juni 1959.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Johann Meyer)

Ehrung für George H. Godfrey

godfrey4. Juni: "Einen langjährigen Freund der Stadt ehrte Oberbürgermeister Wimmer mit der zur 800-Jahr-Feier geprägten Goldmedaille: Mr. George H. Godfrey, seit langem deutsch-amerikanischer Verbindungsmann bei den US-Streitkräften. Dieses Amt und manchmal sein amerikanisch akzentuiertes Münchnerisch sind noch das einzige, was daran erinnert, daß der nicht ganz freiwillig 'Zugereiste' einen Paß der Vereinigten Staaten von Amerika besitzt." Godfrey hatte nicht nur die Schuttbeseitigungsaktion „Rama dama“ tatkräftig unterstützt, indem er 300 amerikanische Lastwägen zum Einsatz brachte. Auch in den folgenden Jahren gab er zahlreiche Beweise seines "Münchner Bürgersinns. In den kleinsten und entlegensten Gaststätten besuchte er Bürgerversammlungen. Er half, Jugendclubs zu errichten und vermittelte, wenn einmal die amerikanische Armee und die Stadtverwaltung entgegengesetzter Meinung waren. [...] Durch Sammlungen bei seinen Freunden in der Heimat brachte er über 10.000 Dollar für den Aufbau bei."

Verkehrsexperiment

6. Juni: "Erheblich später als sonst kamen Tausende von Straßenbahnfahrgästen, Radlern und Kraftfahrer, die im Westen der Stadt arbeiten oder dort wohnen, nach Hause. In den Verkehrsschlagadern westlich des Stachus, wie der Bayer-, Landsberger-, Schwanthaler-, Martin-Greif-, Trappentreu- und Arnulfstraße stauten sich mehr als sonst die Fahrzeuge vor den Kreuzungen. [...] Ursache für dieses Chaos war ein Experiment des Amts für öffentliche Ordnung. Es ging darum, ob es zu den Hauptstoßzeiten in diesen mit Grünen Wellen ausgestatteten Straßenzügen zweckmäßiger ist, die Signallichter automatisch zu schalten oder durch die Verkehrsschutzleute von Hand zu bedienen." Der Stau hatte sich ergeben, weil die Verkehrspolizisten von 17 bis 19 Uhr "Handschaltverbot" hatten. Üblicherweise schalteten sie ab dem Moment, wo sich an ihren Kreuzungen der Verkehr zu stauen begann, die Automatik ab und regelten den Verkehr von Hand, was sich weitaus besser bewährte.

Sinkende Heizungspreise

12. Juni: "Die städtischen Elektrizitätswerke haben den Preis der Fernheizung um 30 Pfennig je Tonne Dampf herabgesetzt. Eine Tonne Dampf kostet jetzt 16,23 DM. Wie das städtische Werkreferat mitteilte, konnte der Preis verbilligt werden, weil sich der Kohlepreis pro Tonne um 1 DM verringert hat und außerdem von der Ruhrkohlen-Verkaufsgesellschaft pro Tonne eine Prämie von 1 DM gewährt wird. [...] Das Leitungsnetz der Münchner Fernheizwerke ist derzeit 50 km lang. 650 Abnehmer sind daran angeschlossen.

Abschied von der Poststraßenbahn

Posttram2. Juli: "Die gelbe Poststraßenbahn ist aus dem Münchner Straßenbild verschwunden. Dieser Tage hat sie, geschmückt mit Girlanden, die letzte Fahrt zwischen dem Postamt an der Bayerstraße und dem Postgebäude an der Arnulfstraße zurückgelegt und ist für immer eingerückt. Wie die Post mitteilte, ist die Bahn wegen sehr hoher Instandhaltungskosten unrentabel geworden. Auch war sie stark verkehrsbehindernd." (Foto s. unten)

Verleihung des Bayerischen Verdienstordens

Am 3. Juli 1959 ehrte Ministerpräsident Dr. Hanns Seidel im Plenarsaal des Landtags 180 Persönlichkeiten aus Bayerns Politik, Kultur und Wirtschaft mit dem Bayerischen Verdienstorden. "Der Orden wurde im Jahre 1957 neu geschaffen und bisher nur an 25 Persönlichkeiten verliehen. Bei dem Orden handelt es sich um ein Malteserkreuz mit einem weiß-blauen Rautenwappen auf der Vorderseite und einem Löwen auf der Rückseite."

München ehrt den Dirigenten Walter

8. Juli: "Der Stadtrat verlieh den kulturellen Ehrenpreis in diesem Jahr an Prof. Bruno Walter. Der große Dirigent, der jetzt in Amerika lebt, war von 1913 bis 1922 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München. Die Nachricht bedeutete "nicht nur eine herzliche Freude für alle Walter-Verehrer, die noch unter uns leben", sondern sie wollte auch "als Brückenschlag zur Vergangenheit, in der Walter für unsere Stadt Hervorragendes geleistet hat" und als "Bekenntnis zu einem großen alten Mann, der heute der ganzen musikalischen Welt gehört", verstanden sein. Walter war zu diesem Zeitpunkt 82 Jahre alt.

Strafe für das Attentat auf ein Rubens-Gemälde

15. Juli: Die Strafkammer des Landgerichts München verurteilte den 53-jährigen Schriftsteller Walter Menzl aus Konstanz wegen "gemeinschädlicher Sachbeschädigung" zu drei Jahren Gefängnis und einer Wiedergutmachung des Schadens in Höhe von 800.000 DM. Menzl hatte auf das Gemälde "Höllensturz der Verdammten" von Peter Paul Rubens in der Münchner (Alten) Pinakothek ein Säure-Attentat verübt.

Neugestaltung des Hauptbahnhofs

5. August: „Das größte Bauprojekt im Hauptbahnhof ist die neue Bahnsteighalle. Sie wird 17 m hoch und reicht mit einer Länge von 220 m bis zur Seidl-Unterführung. Nur eine Reihe von Mittelpfeilern wird die Stahlkonstruktion stützen, die die Halle über zweimal 70 m freitragend überspannt. Große Glaseinbauten im Dach ermöglichen gute Beleuchtung. Das Stahlgerippe der Halle wird rund 3,2 Mio. DM kosten. Die Gesamtkosten für die neue Halle betragen einschließlich der Fundamente, der Verglasung, Beleuchtung, Entwässerung, Dacheindeckung und des Anstrichs ungefähr 8,9 Mio. DM." Der von Friedrich Bürklein ab 1847 erbaute Münchner Hauptbahn war im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden, trotzdem hätten zumindest Teile der Fassade gerettet werden können. Nachdem man sich für eine komplette Neugestaltung entschieden hatte, begannen 1957 die Bauarbeiten.

Gedenken an Hiroshima

6. August: "Am 6. August 1945 wurde über der japanischen Stadt Hiroshima die erste Atombombe abgeworfen. Durch die Aufstellung von Mahnwachen wollen drei Münchner Organisationen, der Kreisverband München der Internationalen Kriegsdienstgegner, die Weltorganisation der Mütter aller Nationen und der Kampfbund gegen Atomschäden die Bevölkerung an den ersten Abwurf erinnern und auf die Gefahren hinweisen, denen nach wie vor die Menschheit durch die Atomrüstung ausgesetzt ist."



Ein neues Angebot des Jugendamtes

7. August: "Ein neuer Haupttreffer des Jugendamtes sind die in diesem Jahr zum ersten Mal veranstalteten Stadtrundfahrten für Münchner Kinder. In zehn Minuten waren an den beiden Kartenausgabetagen die Plätze für die halbtägigen Touren besetzt. In der vergangenen Woche fuhr eine Gruppe zum Bundesbahnausbesserungslager, eine zweite besuchte die Hauptfeuerwache."

Evangelischer Kirchentag 1959.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Johann Meyer)

Deutscher Evangelischer Kirchentag 1959

Kirchentag12. August: "Von den Türmen aller evangelischen Kirchen Münchens werden am 13. August die Glocken den 9. Deutschen Evangelischen Kirchentag einläuten. Mit 39 Sonderzügen sind dazu rund 40.000 auswärtige Teilnehmer in die bayerische Landeshauptstadt gekommen. Am späten Nachmittag eröffnen der Präsident des Kirchentages, Reinold von Thadden-Trieglaff, und der bayerische Landesbischof Hermann Dietzfelbinger den Kirchentag auf dem Königsplatz mit einem festlichen Gottesdienst. [...] So glücklich die Organisatoren darüber sind, daß es ihnen zum ersten Mal gelungen ist, eine derartig große Zahl von Protestanten in der Diaspora zu versammeln, so sind sie dennoch betrübt, daß die DDR nur 1.500 Teilnehmern die Reise nach München erlaubte. [...] Das Programm des Kirchentags umfaßt 361 Veranstaltungen, davon 173 religiöse, 37 kirchenmusikalische und 74 kulturelle."

Einberufung des 1922er-Jahrgangs führt zu Protesten

21. August: "Auch in München sind Protestaktionen und Demonstrationen gegen die geplante Einberufung von Angehörigen des Jahrgangs 1922 zum Wehrdienst vorgesehen. [...] Vor dem Haupteingang des Münchner Polizeipräsidiums, in dem sich die Erfassungsstelle befindet, werden durch ein Schild der 'Internationale der Kriegsdienstverweigerer (IDK)' die 37-jährigen darauf aufmerksam gemacht, daß nach dem Grundgesetz niemand gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden darf."

Jugendliche in Gefahr

28. August: "Immer häufiger geschieht es, dass gegen die Jugendschutzgesetze verstoßen wird. Auf öffentlichen Teenager-Partys trinken 13-jährige Alkohol. Bei Betriebsfeiern händigt man Lehrlingen von 16 Jahren Biermarken und Zigarettengutscheine aus. Der Schundheftvertrieb blüht. Durch die mangelhafte Kontrolle in den Kinos sehen immer mehr Jugendliche Filme, die nicht für sie geeignet sind. Seit drei Jahren bemüht sich die Aktion Jugendschutz um geeignete Maßnahmen in München und Bayern, die helfen sollen, die Jugend vor diesen Gefahren zu bewahren und die Öffentlichkeit über die Jugendschutzbestimmungen aufzuklären."

Reiseunlustiger Oberbürgermeister

8. September: "Gäste aus Honolulu konnte Oberbürgermeister Thomas Wimmer im Grützner-Stüberl des Ratskellers begrüßen. Es waren die 'Gesandten des guten Willens'. die im Auftrag der amerikanischen Fluggesellschaft Pan American für die Eröffnung des Düsenfluges nach Hawai am 15. Oktober werben. Künftig sind die Südsee-Inseln von München aus in etwa 25 Stunden zu erreichen. Die Strecke ist etwa 15.000 km lang. Ein Platz in der Touristenklasse kostet 2.235 DM. 'Das ist ja ganz pfundig', meinte Thomas Wimmer, 'aber dass ich deswegen nach Hawai komm', das glaub ich nicht!'"

Der Kongress der Werbefachleute 1959 fand in München statt.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Rudi Dix)

Kongress der Werbefachleute

Werbung9. September: "In München treffen für vier Tage über 2.200 Werbefachleute, Verleger und Industrielle zum Kongreß der Werbung 1959 ein, der bedeutendsten und größten Veranstaltung ihrer Art, die in der Bundesrepublik stattfindet. Der äußere Anlaß für diese Tagung der Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaftswerbung ist das zehnjährige Bestehen des Zentralausschusses der Werbewirtschaft. Aufgabe des Jubiläumskongresses ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Bedeutung der Werbung als ein unentbehrliches Mittel der Marktwirtschaft zu lenken."

Ein Stück altes München

9. September: "Ein unersetzliches Stück Alt-München ist in Gefahr! die letzten romantischen Häuser an der Quellenstraße sind von der Spitzhacke der Abbrucharbeiter bedroht. Mit ihnen würde auch der kümmerliche Rest, den die Bomben von der Auer Vorstadt übrig ließen, aus dem Stadtbild verschwinden."

Stadtwerke werben für bequemeren Bezahlungsmodus

12. September: "Eine Werbeaktion der Stadtwerke unter dem Motto 'Mei königlich boarische Ruah' hat bei den Abnehmern von Strom und Gas in den Münchner Haushalten großen Erfolg gehabt [...]. Über über 14.000 neue Abbuch-Kunden wurden gewonnen, d.h., sie lassen sich ihre Verbrauchsrechnungen von ihren Sparkassen- und Bankkonten abbuchen und brauchen nicht mehr durch einen Kassier aufgesucht werden. Die Stadtwerke haben in einem Jahr rund 4,5 Mio. Verbrauchsrechnungen zuzustellen und zu kassieren [...]. Das geschieht zur Zeit durch 122 Dienstkräfte."

Herz-OP vor laufender Kamera

15. September: "Eine Herzoperation auf der Leinwand können erstmals in Europa die Chirurgen aus aller Welt beobachten, die zum XVIII. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Chirurgie nach München gekommen sind. Die Operation nimmt der Münchner Herzspezialist Prof. Dr. Zenker in einer Münchner Klinik vor. Sie wird vom Sender im Operationssaal zum Kongreßsaal des Deutschen Museums übertragen und durch einen Fernseh-Projektor in Farbe auf eine Filmleinwand geworfen."

Eröffnung des Valentin-Museums

17. September: "Die Palette der Münchner Museen wird um einen weiß-blauen Farbtupfer bereichert: Im Bürgerbräukeller wird die 'Enthüllungs- und Überreichungsfeier des Valentin-Volkssänger-Museums' gefeiert, das nun [...] im südlichen Isartor-Turm besichtigt werden kann. Eintrittspreis: 51 Pfennig."

Suchdienst des Roten Kreuzes

8. Oktober: "Insgesamt 100 Bildbände hat der Suchdienst des Roten Kreuzes in München bisher zur Heimkehrer-Befragung nach vermissten Soldaten zusammengestellt. Der 100. Band wurde nun den DRK-Dienststellen im Bundesgebiet zugesandt. Die Bände, die seit Januar 1958 erschienen, enthalten die Personalien von mehr als 1 Mio. ehemaliger Wehrmachtsangehöriger. Bei 650.340 vermissten Soldaten konnten dazu Bilder abgedruckt werden." Bei Kriegsende 1945 hatten 7,8 Mio Deutsche ihr Leben verloren, 11,5 Mio. deutsche Soldaten waren in Gefangenschaft geraten, 800.0000 Zivilisten befanden sich in Internierungslagern. 300.000 Kinder waren ihren Eltern entrissen; 30 Mio. Deutsche waren von ihren Familien getrennt. Bereits im Mai 1945 begann die Suchdienstarbeit in München. Im August rief das Bayerische Rote Kreuz ruft zu einer ersten Registrierung von Vermißten, Evakuierten und Flüchtlingen auf. Mittlerweile kann der Suchdienst auf eine eindrucksvolle Bilanz verweisen: Seit seiner Gründung konnten mehr als 16 Mio. Menschen wieder zusammengeführt werden. Da allerdings noch immer 1,3 Millionen Menschen aus dem Zweiten Weltkrieg vermisst werden, ist die Arbeit noch längst nicht abgeschlossen.

Einweihungsfeier für die Volksschule am Mariahilfplatz.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Johann Meyer)

Schul-Einweihung

23. Oktober: "In der Au steht Münchens schönste Volksschule. Nachdem der zweite und dritte Bauabschnitt abgeschlossen sind, wurde die Gesamtanlage am Mariahilfplatz in Anwesenheit zahlreicher Vertreter von Staat und Stadt ihrer Bestimmung übergeben. Der erste Bauabschnitt umfasst den Haupttrakt [...] mit 16 Stammklassen. Im zweiten Bauabschnitt entstand ein Gebäude, in dem u.a. ein Werk- und Physiksaal, ein Handarbeitssaal, eine Schulküche, Räume für die Schulverwaltung, für die Lehrmittelsammlung und eine Kindertagesstätte [...] untergebracht wurden. Im dritten Bauabschnitt wurden eine Turnhalle und eine Gymnastikhalle [...] errichtet. 'Garagen haben wir allerdings noch nicht einbauen lassen', sagte Oberbürgermeister Thomas Wimmer bei seiner Festansprache. 'Denn soweit, dass die Herren Achtklassler mit dem Auto in die Schule fahren, sind wir ja selbst in unserem Wirtschaftswunderland noch nicht.' Die Kosten für den Gesamtbau betrugen rund 2,9 Mio. DM. 'Und nachdem 600 Volksschüler, 100 Schüler der Volksschuloberstufe und 150 Kindergartenbesucher das Haus benützen werden, kostet uns der Platz für ein Kind nicht weniger als 3.412 Mark', rechnete der Oberbürgermeister den anwesenden Gästen vor. Das sei ein Beweis dafür, wie sehr der Stadt die Erziehung ihrer Kinder am Herzen liege."

Reger Pendler-Verkehr

5. November: "Nahezu 90.000 Menschen pendeln nach den Erhebungen des Statistischen Amts der Stadt München täglich zwischen ihrem Wohnsitz und ihrem Arbeitsplatz oder ihrer Ausbildungsstätte in München hin und her. Dem Heer dieser sog. Einpendler stehen etwa 6.500 Münchner gegenüber, die zur Arbeit in umliegende Gemeinden fahren [...]. Die meisten der Einpendler, nämlich 3.700, kommen aus Dachau. Auch der tägliche Zustrom aus den Mühltal-Orten Gräfelfing, Gauting, Planegg und Krailling ist sehr stark. Außerdem werden Freising, Gröbenzell, Unterhaching, Fürstenfeldbruck, Grünwald, Ottobrunn, Karlsfeld und Wolfratshausen an der Spitze der Pendlerorte genannt. Viele Arbeitnehmer und Schüler müssen jedoch noch weitere Strecken zurücklegen. So kommen 6.441 Pendler aus 70 km und weiter entfernten Gemeinden nach München. Aus dem Raum Ingolstadt etwa fahren täglich rund 600 Leute in die Landeshauptstadt zur Arbeit."

Passagier-Rekord am Münchner Flughafen

11. November: "Erstmals in der Geschichte des Münchner Luftverkehrs wurden in diesem Jahr mehr als 500.000 Passagiere gezählt. Im Oktober 1959 gab es 1.912 Landungen (davon 939 im planmäßigen Luftverkehr; bei den restlichen Landungen handelte es sich um Chartermaschinen, Privat- und Sportflugzeuge), 54.888 Fluggäste, 516.694 kg Fracht und 107.034 kg Luftpost."

Aufruf zum "Butter-Streik"

19. November: "Im Haus der Hausfrau wurde bei einem 'Gespräch am runden Tisch' einstimmig beschlossen, zum Boykott der Butter aufzurufen. Er soll von der Berufsorganisation der Hausfrauen gemeinsam mit verbrauchernahen Organisationen vorbereitet werden und eine Woche dauern. Elli Block, die 2. Vorsitzende des Berufsverbandes, erhob scharfen Protest dagegen, daß die Butter in den letzten Jahren 55 bis 70 Pfennige pro Kilo teurer geworden sei. 'Die einzig wirkungsvolle Maßnahme gegen diese Phantasiepreise sind nach unserer Erfahrung Streiks', erklärt die Landesvorsitzendes des Berufsverbandes, Dr. Irmgard Skowronski. Die Hausfrauen sollten auf Margarine ausweichen."

Münchner Esperantisten feiern Geburtstag ihres Sprach-Schöpfers

12. Dezember: "Im Kasino des Finanzministeriums an der Ludwigstraße feiern die Münchner Esperantisten den 100. Geburtstag des Schöpfers dieser internationalen Sprache, Dr. Ludwig Lazarus Zamenhof." Dieser hatte 1887 die Grundlagen der Kunstsprache veröffentlicht, die leicht erlernbar sein und als neutrale Sprache für die internationale Verständigung dienen sollte. Der Wortschatz basiert vorrangig auf romanischen Sprachen. Obwohl sich auf der ganzen Welt Menschen finden, die Esperanto sprechen, hat sich die Sprache nicht wirklich durchsetzen können. In München wurde 1891 ein Esperanto-Club gegründet.

Das Haus Wittelsbach übergibt die Throninsignien König Ottos von Griechenland

21. Dezember: Prinz Max von Bayern und der Protokollchef der Bayerischen Staatskanzlei, Baron Brand, flogen im Dezember 1959 nach Athen, "um einen großzügigen Schenkungsakt [...] zu vollziehen. Herzog Albrecht von Bayern, der gegenwärtige Chef des Hauses Wittelsbach, will dem griechischen Königshaus die Throninsignien König Ottos von Griechenland übergeben lassen. Nach fast 100 Jahren werden Krone, Zepter und Schwert des ersten griechischen Königs wieder in die Heimat zurückkehren. Seit 1862, als Otto von Griechenland nach genau 30-jähriger Herrschaft abdanken mußte, lagen die Throninsignien in den Safes des bayerischen Königshauses." Prinz Max übergab die Objekte am 21. Dezember als Geschenk an König Paul von Griechenland.

München leuchtet

19. Dezember: "München unternimmt alle Anstrengungen, es Paris, der Lichterstadt an der Seine, gleichzutun. Auch in diesem Jahr hat die Straßenbeleuchtung wieder zahlreiche dunkle Stellen in der Stadt beseitigt. Etwa zweieinviertel Millionen DM hat sie dafür ausgegeben. 6.500 neue 'Brennstellen', wie es in der Amtssprache heißt, wurden montiert."

Grundsteinlegung zur "Bürgerstiftung Alte Heimat"

Grundsteinlegung21. Dezember: "Fast 1.000 Menschen fuhren zur Zschokkestraße nach Laim hinaus, um an der Grundsteinlegung der 'Bürgerstiftung Alte Heimat' teilzunehmen. Hier sollen Wohnungen für 1.000 evakuierte Bürger errichtet werden. Für die 'Alte Heimat', die auf eine Initiative einiger Münchner Privatleute zurückgeht, sind bisher 2,3 Mio. DM gesammelt worden; 31.000 DM und das 51.000 qm große Grundstücke für die Siedlung stiftete die Stadt. [...] Als erster sprach Curt M. Zechbauer, der Vorsitzende des Vereins '800-Jahr-Spende der Münchner Bürgerschaft zur Rückführung bedürftiger Münchner in ihre Vaterstadt e.V.'. Er schilderte noch einmal, wie er und seine Freunde sich mit ihren Spendenlisten auf den Weg gemacht haben, auf dem sie zu den vielzitierten 'Millionenbettlern' geworden sind. Noch einmal dankte er allen Spendern und Helfern [...]. Dann begannen zwei Maurer zusammen mit Gustl Feldmeier und Curt Zechbauer eine Kassette in den Grundstein einzumauern. Sie enthält Urkunden des Vereins und der Stadt, Rundschreiben und Spendenlisten, eine Jubiläumsmünze, die Tageszeitungen und gegenwärtig in Umlauf befindliches Geld." (Foto s. unten)

Der Chronist sinniert über die Ereignisse des Jahres 1959

31. Dezember: "Wer in der Chronik des abgelaufenen Jahres nach dem bedeutendsten Ereignis sucht und sich vorstellt, welches Datum wohl eines Tages unter der Jahreszahl 1959 in die Geschichtsbücher aufgenommen werden dürfte, der tippt wahrscheinlich auf den 13. September. An diesem Tag ging nämlich [...] ein uralter Menschheitstraum in Erfüllung: Die erste Rakete erreichte den Mond. Wer aber allerlei bekannten und weniger bekannten Leuten in München die Frage stellt, was jeder einzelne als bleibendes Ereignis aus diesem Jahr in die Zukunft mitnimmt, der erfährt auf Anhieb kein Wort von welterschütternden Tatsachen. Der erste Schrei eines Babys ist für die an Sensationen gewöhnten Menschen unserer Zeit bewegender als die Rückseite des Mondes." Schließlich nennt der Chronist doch einige Ereignisse, die "auch in München Tagesgespräch waren: Den Zwist Adenauer-Erhard [die positive Haltung der Bonner Regierung gegenüber der anti-britischen Politik de Gaulles führte zu heftigen Auseinandersetzungen; weite Kreise lehnten eine Unterzeichnung des Deutsch-Französischen Vertrags ab], die sowjetische Mondrakete, die Preissteigerungen und den trockensten Sommer seit 100 Jahren. An lokalen Ereignissen herrschte 1959 ebenfalls kein Mangel. die Bildschändung in der Alten Pinakothek, die Eröffnung des Düsenzeitalters auf dem Flugplatz Riem, die Aufstellung der OB-Kandidaten für die Wahlen im März 1960, der Spielbankenprozeß und der Streit um das unterirdische Massenverkehrsmittel waren die wichtigsten."

Abbildungen zur Chronik 1959