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Stadtchronik 1960


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Ungewohnte Klänge in der Aussegnungshalle

12. Januar: Auf der Orgel der Aussegnungshalle im Ostfriedhof erklingt das Lied „Zwoa Brettl, a gführiger Schee, juchhe, des is halt mei höchste Idee“. Es galt dem im Alter von 82 Jahren verstorbenen Otto Sirl, dem „Vater“ des Liedes. „Im Jahr 1908 hat er es eines Tages mit in den Club alpiner Skiläufer gebracht, der eine der ältesten Skifahrer-Vereinigungen der Stadt ist. Otto Sirl war von Beruf Notar. Aber keine der unzähligen Urkunden, die er notariell beglaubigte, hat so viel Wirkung und Dauer gehabt, wie dieses Lied, das bald überall gesungen und eine Volkslied wurde.“

Ehemalige KZ-Insassen gründen Vereinigung

12. Januar: „Ein 'Verband der Jüdischen KZ-Invaliden e.V. konstituierte sich in München. Ziel des Vereins ist es, diesen Kreis kulturell, wirtschaftlich und sozial zu fördern. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Dr. Ernst Bornstein gewählt. Auf der ersten Versammlung wurde eine Entschließung angenommen, die auch Bundeskanzler Dr. Adenauer und dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hanns Seidel zugeleitet wurde.“ Sie richtete sich gegen antisemitische Schmierereien in München. Man erwartete von der Bundesregierung, „dass gegen die Schuldigen [...] streng vorgegangen werde“.

Unrealistischer Vorschlag

14. Januar: Einen überraschenden Vorstoß gegen den alten Münchner Brauch, die Starkbierzeit gleich im Anschluß an den Fasching beginnen zu lassen, hat das Bayerische Innenministerium unternommen. Allen Münchner Brauereien ließ das Ministerium ein Schreiben mit dem Vorschlag zugehen, die in den Monaten März und April übliche Starkbierzeit auf die Wochen nach Ostern zu verlegen. Damit könne man die nach dem Faschingstrubel dringend erforderliche Zeit einer gewissen Stille und Zurückhaltung wiedergewinnen.

Schneeplastik an der Sonnenstraße, Januar 1960. Die Herstellung von Schneeplastiken gehörte in den schneereichen Wintern zur Tradition in München.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Stadtarchiv

Schneeräumer dringend gesucht

23. Januar: „Dreizehn Mark 85 bar auf die Hand versprechen große Plakate seit Tagen jedem, der gewillt ist, sich acht Stunden lang als Schnee-Hilfsarbeiter zu betätigen. An Sonntagen gibt es sogar 50 Prozent Zuschlag. Es melden sich jedoch viel zu wenig Leute.“

Gratulation für Albert Schweitzer

3. Februar: „Oberbürgermeister Thomas Wimmer richtet an Professor Albert Schweitzer einen Brief, in dem es u.a. heißt: Ich freue mich, die Ihnen namens der Stadt München zu Ihrem 85. Geburtstag übermittelten Glückwünsche durch die Ankündigung eines Beitrages zugunsten Ihres segensreichen Lebenswerkes ergänzen zu können. Der Stadtrat hat nachträglich beschlossen, Ihnen aus Anlaß Ihres Wiegenfestes 3.000 DM zum Ausbau Ihres Urwaldkrankenhauses zur Verfügung zu stellen.“ Anfang März bedankte sich der Geehrte brieflich, u.a. hieß es darin: „[...] München fühle ich mich seit langen Jahren verbunden. Zum ersten Mal hielt ich mich in dieser Stadt im Herbst 1896 auf, als ich zur ersten Wiederholung des 'Rings' nach Bayreuth fuhr. Ich liebte das Odeon, das eine der edelsten Konzertorgeln der Welt besaß.“

Gesundheitsamt wiegelt ab

3. Februar: „Die Grippe hat sich im Stadtgebiet weiter ausgebreitet. Das städtische Gesundheitsamt legt jedoch großen Wert darauf, daß es sich nur um eine Grippewelle, nicht um eine Grippe-Epidemie handelt. Die Erkrankungen seien im Allgemeinen leicht und rasch wieder beendet. Bisher ist kein Todesfall bekannt. [...] Insgesamt mussten bis Anfang Februar 52 Schulklassen geschlossen werden. Die Krankenstände in den Betrieben und Behörden sind hoch.“ In einem großen Münchner Postamt konnten über 300 Personen nicht zur Arbeit erscheinen.

Haushaltsberatung im Großen Saal des Neuen Rathauses am 12. Februar 1960  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Stadtarchiv

Städtische Verschuldung steigt

5. Februar: „Die Schulden der Stadt nehmen ständig zu. Ende 1959 betrugen sie fast 400 Mio. DM. Umgerechnet auf den Kopf der Bevölkerung ergibt sich, daß jeder der 1.067.000 Münchner 403 bezahlen müßte, wenn man die Schulden auf diese Weise abtragen wollte.“ Am 13. Februar verabschiedete der Stadtrat den bisher größten Haushalt in der Geschichte der Stadt. „Mit 504 Mio. DM erreicht der Etat erstmals die Grenze von einer halben Milliarde Mark.“

Beliebte Münchner Vornamen

20. Februar: Die Namen Peter und Gabriele sind die am häufigsten in München vergebenen Vornamen. „Der Name Peter wurde an die 3043 Buben, die im dem Halbjahr in München geboren wurden, 222 Mal vergeben. Der zweitbeliebteste Bubenname Wolfgang kam nur 105 Mal an die Reihe. Von den 2.949 Mädchen erhielten 159 den Namen Gabriele. Den ersten Rang machten ihr die Christinen und Christianen streitig, von 143 gezählt wurden.“

Jagd auf unsittliche Schallplatten

27. Februar: „Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft München [...] wurden fast alle Beamten der Münchner Sittenpolizei beauftragt, bei einer schlagartigen Aktion in allen Münchner Geschäften sämtliche Schallplatten 'Bei Gisela' zu beschlagnahmen. Es handelte sich um Chansons der bekannten Schwabinger Wirtin Gisela mit dem Titel 'Nowak', ' Im Morgengrauen' und 'Spätreue'.“

Vorbereitungen für den Eucharistischen Weltkongress

1. März: „Auf dem Flugplatz Oberwiesenfeld wird zum Eucharistischen Weltkongress die größte Zeltstadt Europas für etwa 100.000 Personen aufgebaut. Außer mehreren Großzelten für bis zu 80 Personen sind vor allem auch Zehn- und Zwölfmann-Zelte vorgesehen, die mit Luftmatrazen und Decken ausgestattet werden. Die Zeltstadt ist ausschließlich für männliche Teilnehmer, vorwiegend Jugendliche, bestimmt.“

Protest gegen Ausbau des Flughafens

5. März: „Zu einem erneuten Protest gegen den Bau einer zweiten Startbahn in Riem kam es bei der März-Sitzung des Bogenhausener Bezirksausschusses. Vorsitzender August Schubert mißbilligte den Beschluß des Stadtrats, der das Projekt Ende Januar genehmigt hatte, und erklärte, München brauche keine Düsenpiste vor dem Hofbräuhaus.“

Rentner-Armut

14. März: „ Auch nach der Rentenreform müssen in der Bundesrepublik rund 2 bis 3 Mio. Rentner mit monatlichen Bezügen unter 100 DM auskommen. Auf diese Tatsache verwies in München der Deutsche Rentnerbund. Er erinnerte an das Versprechen des Bundesregierung, den Rentnern einen Lebensabend ohne Not und Sorge zu gewähren."

Raumnot in Stadelheim

17. März: „Die Strafanstalt München-Stadelheim muß wegen der sparsamen Justiz auch weiterhin auf die längst fällige Erweiterung warten. Für das sehr kostspielige Projekt einer Zentral-Strafanstalt in Stadelheim, das etwa 20 Mio. DM erfordert, zeigte der Haushaltsausschuß des Landtags taube Ohren.“ Zum 31. Januar 1960 saßen in der auf 870 Plätze berechneten Anstalt 1245 Häftlinge ein.

Städtepartnerschaft mit Verona

20. März: „Die Oberbürgermeister der norditalienischen Stadt Verona und Münchens, Zanotto und Thomas Wimmer, tauschten in einer feierlichen Zeremonie im Veroneser Rathaus Geschenke aus. Damit besiegelten sie offiziell das Patenschaftsverhältnis, das zwischen beiden Städten geknüpft worden ist.“ (Abb. s. unten)

Hans-Jochen Vogel, der Oberbürgermeister-Kandidat der SPD, bei der Auswertung der Wahlergebnisse im Rechenzentrum von IBM.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Stadtarchiv

Überragender Wahlsieg für Hans-Jochen Vogel

27. März: Der bisherige Münchner SPD-Stadtrat Hans-Jochen Vogel wird im Alter von 34 Jahren zum Münchner Oberbürgermeister gewählt; er erhielt 64,3 Prozent der Stimmen und wurde damit der jüngste Bürgermeister einer Millionenstadt. Vogel trat die Nachfolge des legendären Münchner Bürgermeisters Thomas Wimmer an, der zwölf Jahre lang die Geschicke Münchens in der Nachkriegszeit geleitet hatte.

Komponist Haas verstorben

Am 2. April wurde der drei Tage zuvor verstorbene Komponist und Kompositionslehrer Joseph Haas (*1879 in Mailingen) in einem Ehrengrab der Stadt München auf dem Waldfriedhof beigesetzt. Haas hatte 1904-07 und ab 1921 in München gelebt. Der Musiker, der ab 1921 an der Akademie der Tonkunst in München als Kompositionslehrer wirkte, hinterließ ein reichhaltiges Werk, das sowohl Kammermusik, Lieder und Chorwerke als auch große Orchesterwerke, Oratorien und Opern umfasste. 1921 gründete Haas gemeinsam mit Paul Hindemith und Heinrich Burkard die „Donaueschinger internationalen Kammermusikfeste für Neue Musik" und bewies damit seine Aufgeschlossenheit für alles Neue, obwohl er selbst stets tonal komponierte. Nach 1945 oblag Haas der Wiederaufbau der Musikhochschule in München. Seine Meisterklasse besuchten u.a. die Komponisten Karl Amadeus Hartmann, Cesar Bresgen oder die Dirigenten Eugen Jochum und Wolfgang Sawallisch.

Eine eigene Stadt für Studenten

4. April: „Vor zwei Jahren [1958] hat Prof. Eugen Wiberg, damals Rektor der Münchner Universität, zum ersten Mal den Vorschlag gemacht, für die Studenten Münchens eine eigene Studentenstadt nach dem Vorbild der Pariser Cité Universitaire zu errichten. Vor einem Jahr wurde dann der Verein Studentenstadt München gegründet, dem die Rektoren der Hochschulen, mehrere Professoren und ein Studentenvertreter angehören. Jetzt konnte ein Ideenwettbewerb für die Gestaltung dieser Studentenstadt ausgeschrieben werden.“ Das Projekt wurde am Ende des Englischen Gartens realisiert.

Abschied vom beliebtesten Münchner Bürgermeister

26. April: „Oberbürgermeister Thomas Wimmer weinte, als er dem bisherigen Stadtrat in dessen letzter Vollsitzung seinen großen Abschlußbericht über die Geschicke der Stadt erstattete, die er [...] seit 1945 entscheidend mitbestimmte. Mehrmals von heftiger Bewegung übermannt und unfähig weiterzusprechen, schilderte Wimmer den schweren Weg, den die Stadt nach dem Zusammenbruch antrat [...].: 'Meine Zeit als Bürgermeister und Oberbürgermeister Münchens waren die arbeitsreichsten Jahre meines ganzen Lebens, obwohl mir auch früher, seit meinem 16. Lebensjahr nichts geschenkt worden war', sagte Wimmer, als er sich bei allen Mitarbeitern, Stadträten, Referenten, Beamten und Angestellten für die gute Zusammenarbeit bedankte. 'Ich danke, meine Damen und Herren, daß Sie so lange Geduld bewahrt haben. Meine innere Bewegung verzeihen Sie mir bitte. Ich bin nicht nur ein kräftiger Mensch, ich habe auch ein Herz, das mich nicht im Stich gelassen hat, die lange, lange Zeit. Damit verabschiede ich mich [...]. “ (Foto s. unten)

Die Kunst des Bieranzapfens

3. Mai: „Das althergebrachte Anzapfen, der sog. Ganter-Anstich mit Bierschlegel und Messing-Wechsel, stirbt auch in der klassischen Bierstadt München bald aus. Das städtische Gewerbeamt berichtet, daß nur noch zehn Münchner Gaststätten diese Form des Anstichs beibehalten. 1.500 Gaststätten aber sind bereits zu den modernen Getränkeschankanlagen mit Kohlensäuredruck übergegangen.“ Das Städtische Gewerbeamt, das diese Anlagen überwacht, bot Wirten und Schankpersonal in einer eigenen Musterschankeinrichtung in der Sparkassenstraße Schulungskurse in dieser neuen Technik. Direktor Niesner glaubte, „dass durch die neue Musteranlage sowohl den Wirten als auch dem Verbraucher ein großer Nutzen erwiesen werde.“ Der Chronist kommentierte dies mit den Worten: „Das gute Einschenken aber kann den Wirten leider auch dort nicht eingeimpft werden. Der eine kann's sowieso, der andere lernt's nie.“

Abschiedsfeier für Oberbürgermeister Thomas Wimmer auf dem Marienplatz, 3. Mai 1960  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Johann Meyer)

Abschied von OB Wimmer

3. Mai: „50.000 Münchner füllten den Marienplatz bei der Abschiedsfeier der Münchner Bevölkerung für Thomas Wimmer. Die beliebte 30. Army-Band der US-Armee spielte zu Beginn das Hofbräuhaus-Lied sowie deutsche und amerikanische Märsche. Der Platz war erleuchtet von Hunderten von Lampions, die in den Händen der Schulkinder schaukelten. Eine Woge von Beifall brandete Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel entgegen, als er Wimmers 'Rechtschaffenheit, Geradheit und Gerechtigkeit, Fleiß, Pflichttreue, Güte und Menschlichkeit' lobte. [...] Dann brachte Hartschiere die Dankadressen-Bücher, in die sich 27.000 Münchner eingetragen hatten, und überreichten sie Wimmer. [...]“ Auch die Fachschulhandwerker hatten Geschenke vorbereitet: Die Konditoren überreichten eine Rathaus-Spitze aus Zuckerguß, die Polsterer einen Sessel, damit sich Wimmer, von seinen Sorgen ausruhen könne. Tief bewegt betrat Thomas Wimmer dann selbst das Rednerpult und drückte seine Bewegung über all die Ehrungen aus, die ihm zuteil geworden seien: 'Ich habe doch nur meine Pflicht getan.'“

Ein Denkmal für das ehemalige Kriegsministerium

5. Mai: „Mehr als 100.000 DM kostete die Anfertigung eines Bronzepferdes, das als Kavallerie-Denkmal vor dem alten Kriegsministerium an der Schönfeldstraße (heute Staatliche Archive in Bayern) aufgestellt und eingeweiht werden soll. Finanziert wurde das Standbild durch einen Verein, der 1955 eigens zu diesem Zweck gegründet wurde: Ehemalige Angehörige der Kavallerie spendeten das nötige Geld. Prof. Bernhard Bleeker aus München fertigte den Entwurf an.“

Münchner Milch

18. Mai: Mit einem Internationalen Milchtag sollte darauf hingewiesen werden, „Welch kostbares Naturprodukt mit der Milch geboten wird. In München gibt es vier Molkereien und rund 950 Milchgeschäfte sowie rund 30 Lebensmittelgeschäfte mit Milchabgabe. 550.000 Liter frische Milch kommen täglich nach München, von denen knapp die Hälfte getrunken wird, der Rest wird zu Milchprodukten verarbeitet. 1979 wurden in München 177 Mio. Liter verbraucht. Davon stammen nahezu 9 Mio. Liter von Kühen im Stadtgebiet.“

Steigender Strombedarf

25. Mai: „Der zunehmende Strombedarf Münchens übertrifft alle Vorausberechnungen. Während bisher der jährliche Zuwachs etwa 8 Prozent betrug, wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 1960 schon 14 Prozent Zunahme verzeichnet. Wenn es so weitergeht, wird München 1960 erstmals 1 Milliarde Kilowattstunden Strom verbraucht haben. Der Ausbau der Münchner Stromversorgung ist ein Gebot der Stunde.“

Grundsteinlegung zur Wohnsiedlung am Hasenbergl durch OB Hans-Jochen Vogel, 25. Mai 1960.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Johann Meyer)

Grundsteinlegung für neuen Stadtteil

28. Mai: Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel legte den Grundstein für den neuen Stadtteil Am Hasenbergl, so benannt nach einem sanften Hügel westlich der Schleißheimer Straße zwischen Frauenholz und Harthof. Das neue Wohngebiet soll größer werden als beispielsweise Deggendorf oder Fürstenfeldbruck. 5.500 Wohnungen werden dort für etwa 18.000 Menschen gebaut.“

Ratenkauf kommt aus der Mode

1. Juni: „Bei den Ratenkäufen hat sich ein bemerkenswerter Wandel vollzogen. Die Zahl der Käufer auf Kredit ist deutlich zurück gegangen. Kaufte 1955 noch gut ein Drittel der Kunden auf Raten, so macht ihr Anteil nur noch knapp ein Viertel aus. Trotzdem ist aber die Gesamtsumme der eingeräumten Warenkredite weiter angewachsen. Mit anderen Worten: Die Verschuldung des einzelnen 'Stotterers' ist gestiegen.“

Neue Hausnummern für die Altstadt

11. Juni: „Einige tausend Bewohner der Münchener Altstadt erhalten im Laufe dieses Jahres neue Hausnummern: Zahlreiche Straßen, die noch aus der „guten alten Zeit“ hufeisenförmig nummeriert sind, werden künftig so nummeriert, daß sich die geraden und die ungeraden Zahlen gegenüberstehen.“ Die Änderung der Hausnummern, die auf Anregung der Münchner Geschäftswelt erfolgte, wurde zunächst in der Herzog-Wilhelm-Straße, Herzogspitalstraße, am Altheimer Eck und in der Josephspitalstraße vollzogen.

Ankunft italienischer Gastarbeiter am Hauptbahnhof, Juni 1960.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Rudi Dix)

Steigende Gastarbeiterzahlen

14. Juni: „Seit 1956 ist die Zahl der italienischen Saisonarbeiter rapid angestiegen. Heuer (1960) trafen bereits über 41.000 Italiener am Münchner Hauptbahnhof ein.“

Konsul Otto Bernheimer gestorben

7. Juli: „So viel Verehrung sich zu seinen Lebzeiten in diesem Titel ausdrückte, so viel Trauer wird die Nachricht, dass Konsul Bernheimer gestorben ist, in München und in der Welt auslösen. Im Rosental ist er in die Volksschule gegangen, hat im väterlichen Kunsthandelsgeschäft noch während der Schulzeit die Nase in die Kisten aus China gesteckt, besuchte dann die Städtische Handelsschule und trat 1893 als Lehrling in die Firma ein. Die Lehre war hart von morgens halb acht bis abends acht Uhr. Auch Feiertags war das große, 1889 am Lenbachplatz errichtete Haus geöffnet. Ein Jahr Mailand, dann schon selbständiger Einkäufer in Italien und Spaniern. 1897 der große Brand. Wiederaufbau mit Unterstützung des Königshauses, 1898 Teilhaber, zusammen mit seinen Brüdern Ernst und Max. Um 1910 war das Haus Bernheimer mit 115 Angestellten das größte Kunsthandelsunternehmen der Welt. Die Fürstenhäuser Europas und Asiens lassen sich hier einrichten. Die Krisen, die der Erste Weltkrieg und die Zeit um 1930 mit sich brachten, wurden nicht ohne Opfer überstanden. Das Wappen Mexikos – Otto Bernheimer war Konsul von Mexiko – schützte in der Reichskristallnacht 1938 vor dem Schlimmsten. Verhaftungen der jungen Mitglieder der Familie erfolgten, auch Otto Bernheimer brachte man nach Dachau. Schließlich gelang die Auswanderung nach Venezuela. [...] Nach der Rückkehr 1946, dem Wiederaufbau des Geschäftes seit 1948, stellte sich der „Konsul“ ganz in den Dienst der Allgemeinheit, stützte den in den Augen des Auslandes teilweise kompromittierten deutschen Kunsthandel durch die Übernahme des Vorsitzes im Verband Bayerischer Kunst- und Antiquitätenhändler und der Präsidentschaft des Verbandes des Deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels. Manche Fehde schlichtete der Konsul mit salomonischer Weisheit, half der Kunstmesse München zum Erfolg, gab manchen splendiden Empfang.“

Bahnhofs-Wechselstube eröffnet

9. Juli: „In 80 verschiedenen Währungen werden die Münchner und die Gäste unserer Stadt künftig ihr Geld in der neuen Wechselstube der Deutschen Verkehrs-Kredit-Bank im Hauptbahnhof umwechseln können. Diese neue Wechselstube ist die größte, die es in der Bundesrepublik gegenwärtig gibt. Sie hat täglich von 6 bis 24 Uhr geöffnet.“

Kultureller Ehrenpreis

14. Juli: „Prof. Martin Buber, dem jüdischen Schriftsteller und Religionsphilosophen, wurde der Kulturelle Ehrenpreis der Stadt München für das Jahr 1960 verliehen. Der Preis ist mit 15.000 DM dotiert und wird alljährlich vergeben.“ In der Verleihungsurkunde wurde betont, dass Bubers Schriften „unendlich viel für die Befruchtung des kulturellen Lebens des Abendlandes getan hätten. Buber, der 1878 in Wien geboren wurde, war von 1924 bis 1933 Lehrbeauftragter und später Honorarprofessor für Jüdische Religionslehre und Ethik an der Universität Frankfurt gewesen. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten legte er die Professur nieder. Er emigrierte 1938 nach Jerusalem, wo er 1965 auch starb. (Foto s. unten)

Schlechte Nachricht für Schlittschuhläufer

15. Juli: „Die Kunsteisbahn an der Galeriestraße, das 'Schachterleis' wird nie wieder in Betrieb genommen. 'Bei den hohen Betriebs- und Reparaturkosten ist die in den letzten Jahren schwach besuchte Kunsteisbahn so unrentabel geworden, dass wir sie aufgeben müssen', sagte ein Vertreter der Stadt. Felix Unsöld hatte im Jahr 1893 an der Galeriestraße die erste überdachte Kunsteisbahn in Europa gebaut. Er wollte damit die Maschinen seiner Eisfabrik auch im Winter beschäftigen. Die Eisbahn erhielt bald nach ihrer Fertigstellung im Volksmund den Kosenamen 'Schachterleis'. Viele berühmte Eisläufer, darunter Maxie Baier, begannen ihre Karriere auf der spiegelnden Fläche. Im Krieg zerstört, wurde das Schachterleis Ende 1949 als Freiluftanlage wieder aufgebaut.“

Autobahn München-Berlin eröffnet

23. Juli: Das fertiggestellte Endstück der Autobahn Berlin-München zwischen Freimann und Schwabing wird feierlich dem Verkehr übergeben.

Liesl Karlstadt gestorben

28. Juli: Die Volksschauspielerin Liesl Karlstadt, eigentlich Elisabeth Wellano (geb. 1892), die geniale Partnerin von Karl Valentin, starb überraschend im Alter von 67 Jahren. Sie wurde auf dem Ostfriedhof beerdigt.

Eucharistischer Weltkongreß

Vom 31. Juli – 7. August 1960 fand in München der Eucharistische Weltkongreß statt. „Der Päpstliche Legat für den Kongreß, Kurienkardinal Gustavo Testa, wurde auf dem Flughafen Riem mit Ehren empfangen, wie sie sonst einem ausländischen Staatsoberhaupt vorbehalten sind. Im Namen von Bundespräsident Lübke begrüßte der bayerische Ministerpräsident Dr. Hans Ehard den Legaten. Zehntausende Katholiken bereiteten dem Kurienkardinal auf dem geschmückten Münchner Marienplatz einen herzlichen Empfang.“ Anschließend zogen der Legat, Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe zum Liebfrauendom, wo der Erzbischof von München-Freising, Kardinal Joseph Wendel, den 37. Weltkongress mit einem feierlichen Pontifikalamt eröffnete. (Foto s. unten)

„Sehr lebhaft ging es im Zeltlager auf dem Oberwiesenfeld zu. Dort trafen sich 1.200 freiwilligen Kongreß-Helfer. Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler segnete die 60.000 Pilgern Platz bietende Zeltstadt, während am Himmel ein gewaltiges Gewitter aufzog.“

Am 7. August versammelte sich eine Million Gläubige zur Schlußfeier des Eucharistischen Weltkongresses auf der Theresienwiese. „Rund zehntausend Mal mußten die 5.600 Sanitäter und 250 Ärzte Erste Hilfe leisten; es war der größte Sanitätseinsatz in Bayern in Friedenszeiten. 4.000 Polizisten und 400 Kriminalbeamte sorgen für Ordnung.“

8. August: „Feierliches Glockengeläute von allen katholischen Kirchen Münchens verkündete bei strahlendem Sonnenschein den Ausklang des 37. Eucharistischen Weltkongresses. Zur Hochfeier der hl. Eucharistie auf der Münchner Theresienwiese hatte sich weit über 1,1 Mio. Menschen eingefunden. 25 Kardinäle und mehr als 450 Erzbischöfe und Bischöfe aus aller Welt nahmen am Abschluß dieses größten Treffens der katholischen Christenheit teil.“ Vor Beginn der Meßfeier wurde eine Botschaft von Papst Johannes XXIII. übertragen, in der er die versammelten Gläubigen aufrief, dafür zu beten, dass Jesus Christus den Geist der Lenker der Staaten erleuchte: „Er möge jeden Irrtum beseitigen und den Völkern den wahren Frieden schenken, der auf der Würde des Menschen und der Achtung der Rechte der Kirche gründet.“

Kreuzweihe

8. August: „Zur Weihe des 10 m hohen und 1,2 t schweren Stahlkreuzes, das die Soldaten des Pionier-Lehrregiments und der Pionierschule München in dreiwöchiger Arbeit geschaffen haben, fand auf dem Schuttberg Oberwiesenfeld eine ergreifende Feierstunde statt. 3.000 Soldaten aller Waffengattungen aus verschiedenen Ländern Europas und aus Kanada nahmen mit Bundesverteidigungsminister Strauß und zahlreichen Militärgeistlichen daran teil: 'Wir haben dieses Kreuz zur Sühne und zur Versöhnung der Völker errichtet und wir wollen der 64,5 Mio. Toten beider Weltkriege gedenken', sagte ein Militärgeistlicher in seiner Ansprache.“


Arthur Kutscher gestorben

30. August: Im Alter von 82 Jahren starb in München der „Theaterprofessor“ Arthur Kutscher. „Er war der vitale Förderer der Theaterwissenschaft, einer Disziplin, der man lange keinen rechten Platz an den deutschen Hochschulen zu billigen wollte. Kutscher wird in der Erinnerung weiterleben: als ein Besessener, der seine Leidenschaft mitzuteilen verstand, als ein Original, als ein außergewöhnlicher Mann.“

Fleißige Münchner Sparer

3. September: „Daß nach wie vor emsig gespart wird, beweist eine Mitteilung der Städtischen Sparkasse, nach der der Bestand von Spareinlagen erstmals die 500-Mio. DM-Grenze überschritten hat. Weiter stellte die Sparkasse fest, daß seit Ende 1959 rund 55 Mio. DM mehr eingezahlt als abgehoben wurden. Auch auf der Ausleih-Seite hat das Institut eine Rekordsumme zu verzeichnen: Bis zum September 1960 sagte die Städtische Sparkasse insgesamt 82 Mio. DM als Hypotheken-Darlehen für den Wohnungsbau zu.“

Oktoberfest 1960.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Kurt Huhle)

O'zapft is!

24. September: Altoberbürgermeister Thomas Wimmer eröffnete „mit geübtem Schlag“ das erste Faß Bier auf dem Jubiläumsoktoberfest 1960. Wegen des Eucharistischen Weltkongresses begann das Fest mit einer Woche Verspätung. „Der Anziehungskraft des Festes dürfte das freilich keinen Abbruch tun“, bemerkte der Chronist, „zumal die Wiesnwirte es bei dem im Vorjahr erhöhten Bierpreis von 1,90 DM (mit Bedienung) belassen haben.“

Richtfest für ein neues Waisenhaus

28. September: An der Oberbiberger Straße wurde Richtfest für das Münchner-Kindl-Haus gefeiert, das als modernstes Waisenhaus Deutschlands galt. „Das neue Heim wird 200 Kinder aus dem altmodischen Heim an der Hochstraße übernehmen. Die gesamte Anlage, die sich landschaftlich gut in das Waldrandgebiet am Perlacher Forst einfügt, besteht aus sechs zusammenhängenden Gebäuden. 14 Familiengruppen und zwei Lehrlingsgruppen werden darin untergebracht. Den Mittelpunkt bilden drei dreigeschossige Bauten, in jedem Stockwerk soll eine Sechs-Zimmer-Wohnung für eine Heimfamilie mit 10 bis 13 Kindern eingerichtet werden.“

Andrang im neuen Mode-Tempel

3. Oktober: „Gertrude Ponater hatte zur Eröffnung ihres neuen Modesalons mit einer Boutique in das Preysing-Palais eingeladen. Es wurde eine glanzvolle Premiere. Dankbare Kundinnen ließen wagenradgroße Blumenkörbe abgeben. Und das Publikum strömte so zahlreich herbei, daß die Ladentüre versperrt werden musste. Man saß dicht gedrängt auf Fensterbänken und Treppenstufen, man stand das Treppengeländer in den ersten Stock entlang.“

Geld-Übergabe

10. Oktober: „Die Lichter der großen Budenstadt des Oktoberfestes waren längst erloschen. Da wiederholte sich im Behördenhof zum letzten Mal eine gespenstisch anmutende Szene: Ein halbes Dutzend Polizisten gruppierte sich um einen unscheinbaren Wagen und sicherte ihn nach allen Seiten hin ab. Dann traten zwei Männer aus der Baracke und luden schwere Säcke und Kassetten in den Wagen. Hunderttausende von Mark – die Einnahmen der Schausteller und Wirte des letzten Wiesn-Abends – wurden zur Bankzentrale abgefahren. Noch bevor Wirte und Brauereien und Schausteller endgültig Bilanz machen, steht fest: das 150. Jubiläumsoktoberfest brachte einen bisher noch nie erreichten Umsatz-Rekord.“

Wahl des "Mr. Germany"

18. Oktober: „Man hatte erwartet, daß mehr Mädchen als Männer kommen würden. Es waren aber mehr Männer als Mädchen da. Sie hatten neugierig im Münchner Bürgerbräukeller Platz genommen, um die Möglichkeiten zu erkunden, die in ihren unterentwickelten Brustkörben steckten. Denn auf der Bühne marschierten nicht weniger als 50 Bizeps-Sportler in Badehose auf: Ausgesucht schöne Adam-Exemplare, die jahrelang (täglich zwei bis drei Stunden) mit Gewichten und Spiralfedern trainiert und dieser historischen Stunde entgegengefiebert hatte.“ In seiner begeisterten Berichterstattung vergaß der Chronist den Sieger zu nennen – es war Reinhard Smolana aus Berlin.

Provokante Kunstaktion

20. Oktober: „Einen Tag vor der Eröffnung der Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes im Haus der Kunst erregte Prof. HAP Grieshaber aus Reutlingen Aufsehen. Er klebte an die Säulen des Vorbaus Plakate, auf denen die Rede Adolf Hitlers zur Eröffnung des Hauses der Deutschen Kunst in München auszugsweise abgedruckt war. Herbeigerufene Polizei brachte den Professor zur Vernehmung ins Polizeipräsidium.

Winterbedingtes Parkverbot

29. Oktober: Wie im Vorjahr 1959 sollte auch im kommenden Winter wieder ein Parkverbot bei einer Schneehöhe über 10 cm eingeführt werden. Wie Kommunalreferent Anton Wiß bekanntgab, habe sich diese Maßnahme im Vorjahr gut bewährt.

Handwerk fordert Steuersenkung

4. November: „'In München leben Bürger, die 100.000 Mark und mehr verdienen und trotzdem keinen Pfennig Steuern für ihre Gemeinde zahlen. Der kleine Handwerker dagegen muß den größten Teil der Gemeindeeinnahmen mit seiner Gewerbesteuer aufbringen.' Mit diesen Worten begründete Josef Wild, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, in München die Forderung, die Gewerbesteuer für das Handwerk zu senken. Die Gemeinden wenden sich gegen eine Steuersenkung, weil der größte Teil ihrer Einnahmen ausfallen würde.“

Dicke Luft über München

8. November: „Die über 100 m hohe Schmutzglocke, die an trüben Tagen über der Stadt liegt, wird, da neben den rund 200 Fabrikschloten auch die etwa 250.000 Kamine der Wohn- und Geschäftshäuser wieder zu qualmen beginnen, manchmal geradezu unerträglich. Die zunehmende Industrialisierung, die unsachgemäße Bedienung von Kohle- und Ölöfen und die Zunahme des Kraftverkehrs verpesten die Luft immer mehr. Wenn auch die Ruß- und Staubplage dank der günstigen Lage noch nicht die Ausmaße wie in den westdeutschen Industriezentren erreicht hat, so schätzt man doch, daß jährlich rund eine halbe Million Zentner Schmutz auf die Stadt rieselt.“

Modell für das Siemens-Hochhaus an der Hofmannstraße, November 1960.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Stadtarchiv

Siemens plant ein gewaltiges Hochhaus

17. November: „Auf ihrem Gelände an der Hoffmannstraße baut Siemens ein Hochhaus, das höher wird als die Theatinerkirche. Die Pläne des 75 m hohen Verwaltungsgebäudes lagen den Mitgliedern des städtischen Baurechtsausschusses vor. Nach einer kurzen Diskussion, bei der sich die Stadträte von dem Kolossalgebäude sehr angetan zeigten, wurden die Pläne gutgeheißen. 2.500 Menschen werden in dem Riesenbau arbeiten. Sie können mit 12 Liften an ihre Arbeitsplätze gelangen.“

Urlaubsgestaltung als Problem

21. November: „Das Jahr 1961 wird laut Meinungsumfragen alle bisherigen Urlaubsrekorde schlagen. Die Menschen werden über längere Zeitspannen und mit größeren Geldmitteln als bisher Ferien machen. Mit dieser Entwicklung rollen lawinenartig viele Probleme auf uns zu; denn, das hat die Vergangenheit bewiesen, der Feriensuchende von heute ist oft nicht 'urlaubsfähig', er beherrscht die Kunst sich zu erholen nur höchst unvollkommen und kehrt mitunter nach dem Urlaub erschöpfter, unzufriedener, unausgeglichener wieder heim als er abgereist war. Wie kann man ihm helfen? Diese Frage sollte eine Tagung 'Probleme des modernen Urlaubs' klären, die in der Evangelischen Akademie Tutzing im Beisein von rund 160 Fremdenverkehrsleuten, Psychologen, Geistlichen und Journalisten abgehalten wurde.

Wärmestuben öffnen

1. Dezember: „Von heute an sind in den einzelnen Münchner Stadtteilen wieder die Wärmestuben geöffnet. Alle Bürger, die daheim keine ausreichende Heizungsmöglichkeit haben, können sich hier täglich zwischen 14 und 21 Uhr kostenlos aufwärmen. In 19 Gaststätten hat die Stadtverwaltung Wärmestuben eingerichtet.“

Bezug des Hasenbergls

1. Dezember: „Nun hat auch in der neuen Großsiedlung Hasenbergl die Invasion der Möbelwagen begonnen. Bis Weihnachten wird die Großsiedlung am Nordende der Stadt von über 150 und Januar von rund 500 Familien bewohnt sein. Man rechnet damit, daß der erste Bauabschnitt, der insgesamt 1588 Wohneinheiten umfaßt, bis Mitte 1961 fertig sein wird [...] Nach der endgültigen Fertigstellung wird die Großsiedlung rund 5.500 Wohnungen und 50 Eigenheime umfassen. Etwa 18.000 Menschen werden in dieser modernen Wohnanlage, die von großzügig angelegten Grünflächen aufgelockert wird, wohnen.“

Weihnachtlicher Einkaufstrubel

5. Dezember: „Am zweiten verkaufsoffenen Samstag drängten sich zahllose Münchner und viele auswärtige Besucher in den weihnachtlich dekorierten Geschäften und Kaufhäusern. In einzelnen Stadtgegenden konnte man schon die ersten Nikoläuse beobachten. Am Sonntagnachmittag war der Käuferandrang vor vielen Geschäften so stark, daß die Gehsteige verstopft waren. Allein in der Neuhauser- und Kaufingerstraße bot die Polizei 120 Beamte auf, um die Fußgänger am Betreten der Fahrbahn zu hindern und den Verkehr aufrecht zu erhalten.

Ehrung für Denkmalpfleger Esterer

8. Dezember: „Der Stadtrat verlieh Prof. Rudolf Esterer die Goldene Ehrenmünze der Stadt. Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel würdigte die Verdienste Esterers um den Wiederaufbau der Residenz und seine Mitwirkung am Wiederaufbau der Stadt: 'Wenn München heute in seinem Wiederaufbau im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Städten sein früheres Gesicht wahren konnte, aber auch bei den Neubauten seine Form gefunden hat, so ist dies ganz wesentlich Prof. Esterer zu verdanken.'“ Rudolf Esterer (1879–1965) war ab 1924 leitender Architekt der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen gewesen. 1945 wurde er zum Präsidenten der Schlösserverwaltung ernannt; dieses Amt hatte er bis 1952 inne. Esterer war nicht nur am Wiederaufbau Münchens maßgeblich beteiligt, sondern auch dem der Kaiserburg Nürnberg, der Residenz Würzburg und des Aschaffenburger Schlosses.

Absturz einer Passagiermaschine der amerikanischen Luftwaffe in der Martin-Greif-Straße; die Unglückstelle kurz nach der Katastrophe, 17. Dezember 1960.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Stadtarchiv München - Historisches Bildarchiv

Flugzeugabsturz an der Paulskirche

Am 17. Dezember streifte ein amerikanisches Flugzeug den Hauptturm der Paulskirche und stürzte auf die Kreuzung Bayer-/Martin-Greif-Straße, über die gerade eine Straßenbahn fuhr. Es starben 53 Menschen. Seit etlichen Jahren erinnert ein Gedenkstein vor Ort an die Toten des schrecklichen Unglücks.

Erzbischof Wendel gestorben

31. Dezember: „Mitten hinein in die Fröhlichkeit der Silvesternacht kam die Nachricht, dass Kardinal Josef Wendel (geb. 1901) kurz nach seiner Rückkehr aus der Jahresschlußfeier im Liebfrauendom im Erzbischöflichen Palais einem Herzinfarkt erlegen sei.“ Wendel war seit 1952 Erzischof von München-Freising gewesen.

Abbildungen zur Chronik 1960