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Stadtchronik 1961


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Es werde Licht!

7. Januar: „In vielen Münchner Straßen soll es heller werden. Zwei Millionen Mark hat die Stadt München im Haushaltsplan für die Verbesserung der Straßenbeleuchtung vorgesehen. Es werden etwa 5.000 neue Straßenleuchten aufgestellt. [...] Vor allem die Straßen der neuen Großsiedlungen Fürstenried und Hasenbergl müssen mit Leuchten nachgerüstet werden. Aber auch in Schwabing, Neuhausen und selbst im Zentrum gibt es 'dunkle Punkte'. Schon im vergangenen Jahr [1960] wurden 4.000 Straßenleuchten aufgestellt. Damit erhöhte sich ihre Gesamtzahl auf über 41.000. Eine gute Nachricht gibt es auch für die Liebhaber des romantischen Gaslichts. Die rund 700 alten Gaslaternen werden vorerst nicht angetastet. Die Stadt hat nämlich im Augenblick weder Geld noch Zeit, diese Laternen gegen elektrische Leuchtstoffröhren auszuwechseln."

Platz für Jugendliche

13. Januar: „Für die Münchner Jugend haben die Stadtväter seit jeher offene Ohren und bereitwillig geöffnete Kassen gehabt. Seit 1953 wurden in München nicht weniger als 14 Freizeitheime gebaut. Sie sind über die ganze Stadt verstreut und stehen Tag für Tag allen Jugendlichen zwischen 10 und 21 Jahren offen."

Grafiker Schnackenberg gestorben

17. Januar: „Der Zeichner und Plakatkünstler Walter Schnackenberg ist 80-jährig in Brannenburg am Inn gestorben. Schnackenberg gehörte zu den bedeutendsten Plakatzeichnern München in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Seine Ausbildung als Maler erhielt er bei Franz von Stuck in München. In seinen Plakaten für das Odeon-Kasino, das Deutsche Theater, das Café Walterspiel oder die Bonbonnière brachte er eine elegante und modische Linie von hoher Könnerschaft."

Faschingszug in der Maximilianstraße, 12. Februar 1961  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung: ZBE_B1134 (Foto: Johann Meyer)

Faschingstreiben in der Innenstadt

13. Februar: „Die Stimmung stieg zwar nicht bis zum berühmten Siedepunkt - das wäre bei den Münchnern wirklich zu viel verlangt - aber gelacht wurde schon beim Faschingszug, der sich mit seinen 65 Gruppen und Wagen durch die Münchner Festzugsstraßen bewegte. [...] dem Vernehmen nach soll es sogar an einigen Stellen vorgekommen sein, daß einige 'ganz Lustige' nach der Walzermusik, die aus den Lautsprechern der Stadtverwaltung zur Vorbelustigung beitragen sollte, sich zu Schunkelbewegungen hinreißen ließen. [...] Wie in einem Ameisenhaufen ging's nach dem Faschingszug in Münchens Innenstadt zu. Schiebende, drängende Menschenmassen mit Konfetti in den Haaren und viele originell maskierte Kinder. Ganze Scharen Indianer und Clowns bevölkerten die Straßen. Das Podest mitten am Stachus, das sonst nur für Verkehrsschutzleute reserviert ist, hielten ein paar axtschwingende Sioux besetzt. An einer anderen Stelle tanzten zahlreiche Studenten einen Rundtanz, am Marienplatz versuchten es einige Halbwüchsige mit einem feurigen Cha-cha-cha, zu dem sie ein überlautes Kofferradio antrieb."


Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen

21. Februar: „Die Mauern der Strafanstalt München-Stadelheim sollen erweitert und erhöht werden. Im Nachtragshaushalt 1961 sind dafür, ferner zur Freimachung des Baugeländes für den geplanten westlichen Zwischenbau, 700.000 Mark eingesetzt. Die Erweiterung und Aufstockung der Umfassungsmauern wird damit begründet, daß die vorgesehenen Baumaßnahmen in Stadelheim weitgehend mit Hilfe von Gefangenen verwirklicht werden sollen."


München-Kolleg startet seine Arbeit

9. März: „Für das von der Stadt München eingerichtete Institut zur Erlangung der Hochschulreife, das 'München Kolleg', liegen schon zahlreiche Anmeldungen vor. Die Bewerber kommen aus den verschiedensten Berufen und sozialen Schichten, darunter Schüler mit 17 Jahren, die das vorgeschriebene Mindestalter noch gar nicht erreicht haben, und Frauen mit 45 Jahren, Ingenieure, die schon über 800 DM im Monat verdienen, Gärtner, die Lehrer, und Buchdrucker, die Journalisten werden wollen. Männliche und weibliche Bewerber halten sich ungefähr die Waage."


Münchner Mosaikkunst für Hiroshima

18. März: „In der Franz Mayer'schen Hofkunstanstalt entsteht zur Zeit ein riesiges Mosaik für die Weltfriedenskirche in Hiroshima. Entwurf und Ausführung liegen in den Händen des Münchner Akademieprofessors Karl Knappe." Die durch Spenden aus der ganzen Welt ermöglichte Kirche wurde 1954 in der Nähe der Stelle errichtet, an der die erste Atombombe fiel. "Sie solle eine Gebetsstätte für den Frieden und eine Gedenkstätte für die Opfer der Atombombe sein. Ein Großteil der Ausstattung wurde von Deutschland gestiftet, u.a. die Glocken, die Orgel und der Tabernakel. Der Bildhauer Karl Knappe (1884-1970) arbeitete bevorzugt in Stein. Von seinen Münchner Werken sei das 1928 fertig gestellte Denkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs (Liegefigur eines gefallenen Soldaten) im Hofgarten erwähnt. Knappe, der für sein Werk 1959 mit dem Bayerischen Verdienstorden und 1964 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, war auch für viele Münchner Kirchen tätig.


Eine Lösung für die Münchner Müllproblematik

25. März: „Die Bewohner rund um die Kläranlage Großlappen können endlich aufatmen. Der Münchner Stadtrat billigte einstimmig die Errichtung eines Dampfkraftwerkes mit Müllverbrennungsanlage in Unterföhring. Die Kläranlage bildet mit ihrer Rattenplage und vor allem mit der ständigen Geruchsbelästigung seit Jahren einen Stein des Anstoßes für die Bevölkerung dieses Viertels. Rund 67 Mio. Mark wird die Stadt nun aufwenden, um diesen Zustand abzuschaffen und den Müll - bis jetzt sind es 800.000 Kubikmeter, die zu einem riesigen Berg angewachsen sind - zu verbrennen."


Saftige Gebührenerhöhung

4. April: „Im Rathaus wurde wieder eine Gebührenerhöhung bekannt gegeben. Diesmal sind die Fieranten und Händler der Auer Dult die Leidtragenden. Ihre Standgebühren wurden auf Beschluß des Stadtrates zum Teil beträchtlich hinaufgesetzt. Die Erhöhung wird mit den höheren Arbeitslöhnen für das Aufstellen der Stände und den steigenden Unterhaltskosten für die städtischen Anlagen auf der Dult begründet. Ein Drei-Meter-Stand kostet statt bisher 72 in Zukunft 100 DM, der Platz für einen Bauchladen verteuert sich von 25 auf 30 Mark."


Wachsender Auto-Verkehr

12. April: „Das stürmische Tempo der Motorisierung hat alle Prognosen über den Haufen geworfen. Wesentlich früher als selbst die kühnsten Prognosensteller noch vor ein paar Jahren vermuteten, hat die Lawine der Münchner Kraftfahrzeuge die 200.000er-Grenze erreicht. Ein kleiner Fiat 500 ist es, der die runde Zahl voll machte. Vor einer Blumengirlande stand er gestern Nachmittag neben dem Veteranen der Münchner Automobile, einem Wanderer aus dem Jahr 1911, im Mittelpunkt einer kleinen Feier in der Kfz-Zulassungsstelle an der Eichstätter Straße. Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel gratulierte seiner stolzen Besitzerin, der Postsekretärin Franziska Mayer."


Erste Wehrverweigerer treten Dienst an

11. April: In der gesamten Bundesrepublik treten die ersten Wehrdienstverweigerer ihren Ersatzdienst an. In München beginnen fünf junge Männer ihren Dienst in Jugendheimen der Arbeiterwohlfahrt.


Mister Germany-Wahlen

17. April: 50 der stärksten und bestgebauten deutschen Athleten im erregenden Kampf um den Titel 'Mr. Germany 1961' wurden den sensationshungrigen Zeitgenossen seit Wochen von den Litfaßsäulen verheißen. FAst schaute es aber so aus, als würde das erwartungsfrohe Volk um den erlesenen Genuß betrogen. Die Sittenpolizei schaltete sich ein, da anscheinend zu befürchten stand, daß die Bizeps-Heroen allzu warmherzig empfangen würden. Doch alle Bedenken konnten in letzter Minute zerstreut und 'Herr Deutschland' gewählt werden. Schauplatz des denkwürdigen Ereignisses war das Deutsche Theater." Wer den Titel errang, vergaß der Chronist leider zu berichten.


Leitzachwerk II nimmt die Arbeit auf

21. April: Das Leitzachwerk II, das 40.000 Kilowatt Strom liefern sollte, ging in Betrieb. "Der Werkreferent kam kurz auf die Aufgaben der städtischen Stromversorgung zu sprechen. Das Leitzachwerk II als Spitzenkraftwerk füge sich organisch ein in ein System von eigenen Erzeugungsanlagen, wie sie kaum eine Stadt im Bundesgebiet besitzte. Zu nennen seien die alten und neuen Laufwasserwerke Uppenborn I und II, das mehrfach erweiterte Dampfkraftwerk an der Isartalstraße, die Heizkraftwerke, die jetzt durch das Gas-Turbinenwerk in Sendling neuen Zuwachs erhielten. Für den Bau des neuen Dampfkraftwerks im Nordosten der Stadt, das mit Müllverbrennung gekoppelt wird, werden schon die letzten Vorarbeiten getroffen. Außerdem ist die Stadt, so unterstrich Dr. Riemerschmid 'stark' am Bau eines Atomkraftwerkes beteiligt."

Baumstümpe in der Lindwurmstraße.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung: Rudi-Dix-Archiv, RD0147A21

Allee muss dem Verkehr weichen

27. April: „Die letzten Pappeln der einst so schönen Allee, die vom Sendlinger-Tor-Platz bis nach Sendling führte, sind gefällt worden. Die Fahrbahn erhält eine Breite von rund 17 Metern, hinzu kommen noch Bürgersteige und die Radfahrwege. Leider bleibt nach der Verbreiterung kein Platz mehr für neue Bäume."


Griechische Ansichten für die Arkaden des Hofgartens

28. April: „Der Maler Prof. Richard Seewald (1889-1976), der bis 1958 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste wirkte, erhielt von der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen den Auftrag, in den Arkaden des Münchner Hofgartens fünfzehn nach griechischen Landschaftsmotiven zu malen. Die früheren Wandbilder von Carl Rottmann, die im Kriege abgenommen wurden und inzwischen restauriert sind, sollen später in der Residenz ausgestellt werden." Seewald schuf monochrome Bilder, die er mit Texten griechischer Dichter kombinierte.


Auf dass die Freundschaft wachse!

6. Mai: „Um 14 Uhr pflanzten im Perlacher Forst deutsche und amerikanische Kinder über 20.000 junge Bäume. Die Kinder werden nach der Aktion mit Würstchen, Eis und Limonade bewirtet. Die Baumpflanzaktion stellt einen traditionellen Höhepunkt der deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche dar."


Deutsch-japanische Freundschaftsbeziehungen

23. Mai: Einige Münchner Dozenten und Studenten der Universität gründen die bis heute bestehende Deutsch-Japanische Gesellschaft e.V., die derzeit ca. 750 Mitglieder hat. Die Gesellschaft hat das Ziel, die kulturellen und sozialen Beziehungen zwischen Bayern und Japan zu fördern.

Fürstenried  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung: Rudi-Dix-Archiv, RD0025C12

Ein neues Stadtviertel entsteht

Am 24. Mai wird das Richtfest für die Großwohnanlage Fürstenried gefeiert. Die Siedlung soll Wohnort für 40.000 Menschen werden.


Volkszählung 1961

Am 3. Juni notierte der Stadtchronist: „Der Dienstag, 6. Juni, ist der Stichtag der für das ganze Bundesgebiet gesetzlich angeordneten Volks-, Berufs- und Arbeitsstättenzählung. Diese statistische Bestandsaufnahme ist erforderlich, um Angaben über die Zahl und Zusammensetzung der Bevölkerung sowie über die Wirtschaftsverhältnisse zu erhalten. Die letzte derartige Zählung liegt bereits elf Jahre zurück. In den Versammlungen, die für die 14.000 Münchner Zähler und Zählerinnen abgehalten worden sind, betonten der Direktor des Statistischen Amtes der Landeshauptstadt München, Dr. Friedrich Eicher, und seine Mitarbeiter: 'Sie erfahren bei Ihrer Arbeit manches, was nicht jeder weiß oder wissen lassen will, z.B. das Alter der Frauen. Ich erinnere Sie daher eindringlich an die von Ihnen unterschriebene Erklärung der Schweigepflicht.'"


Badespaß im Münchner Westen

Am 8. Juni wurde das Westbad in Pasing als viertes Münchner Hallenbad mit einem „Anbaden“ durch die Ehrengäste eröffnet.

Feierliche Stadtratssitzung anlässlich der Bekanntgabe der Kulturpreisträger, 14. Juni 1961.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung: ZBE_H0064 (Foto: Johann Meyer)

Städtische Ehrung für Schmidt-Rottluff

12. Juni: „In geheimer Sitzung beschloß der städtische Kulturausschuß den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München in diesem Jahr dem Maler Karl Schmidt-Rottluff zu verleihen. Unter den lebenden deutschen Künstlern ist der Geehrte zweifellos einer der profiliertesten Persönlichkeiten." Der Künstler begründete gemeinsam mit Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner die Künstlergemeinschaft "Die Brücke". Im "Dritten Reich" war der Maler mit Berufsverbot belegt. "Nach dem Zweiten Weltkrieg fand Schmidt-Rottluff als einer der ersten deutschen Künstler wieder internationale Beachtung."


Münchner nehmen an der Steuben-Parade teil

15. Juni: „München ist unter den Städten Westdeutschlands, die am 30. September 1961 an der Steuben-Parade in New York mit Traditionsgruppen vertreten sein werden. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Parade, daß an dem Umzug der Deutschamerikaner in der Hauptstadt der USA Abordnungen der alten Heimat beteiligt werden."


Ein Denkmal für Liesl Karlstadt

16. Juni: „Aus Ton geformt steht Liesl Karlstadt im Pasinger Atelier des Bildhauers Hans Osel. Gestern zeigte der Künstler das Modell Vertretern des Freundeskreises Münchner Volkssänger und Volksschauspieler, Alt-Oberbürgermeister Wimmer, Bürgermeister von Miller u.a. Stadtrat Weiß und Gustl Feldmeier kamen nach eingehender Betrachtung zu dem Ergebnis, daß Liesls Backen und ihre Nase noch ein bißchen runder werden müßten. Nach der geringfügigen Änderung ist das Modell frei zum Guß. Wenn alles klappt, wird am 27. Juli 1961, dem ersten Jahrestag ihres Todes, der Brunnen zu Ehren Liesl Karlstadts auf dem Viktualienmarkt aufgestellt."


Jubiläen in Sachen „Herrenmode“

6. Juli: „Die Herrenkleider-Fabrik Johann Konen hat in diesen Tagen den 2.000.000sten Herrenanzug seit Kriegsende aus ihren Spezialwerkstätten geliefert. Dieses Jubiläum fällt in ein sehr bedeutungsvolles Gedenkjahr der Herrenmode: 1961 ist die Bügelfalte in der Herrenmode genau 100 Jahre alt."

Julius Kardinal Döpfner.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung: ZBE_F0181

Willkommen dem neuen Münchner Kardinal

7. Juli: „Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel sandte Seiner Eminenz, dem hochwürdigen Herrn Bischof von Berlin, Julius Kardinal Döpfner, folgendes Telegramm: 'Eure Eminenz! Mit großer Freude haben Bürgerschaft und Stadtrat der bayerischen Landeshauptstadt München die Nachricht von der ehrenvollen Berufung Eurer Eminenz zum Erzbischof von München und Freising erreicht. Als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt begrüße ich Eure Eminenz als zu hoher Würde berufenen neuen Bürger der Stadt und versichere, daß ich Eure Eminenz bei der Ausübung des verantwortungsvollen und schweren Amtes jede nur mögliche Unterstützung zukommen lassen werde." Döpfner (1913-1976) wurde am 30. September in München inthronisiert; er übernahm die Nachfolge des 1960 verstorbenen Kardinals Joseph Wendel.


Umweltprobleme durch steigenden Heizöl-Verbrauch

13. Juli: „Der Heizöl-Verbrauch in der Bundesrepublik ist von 1955 bis 1960 um 1.218 Proeznt von 0,5 auf 6,95 Mio. Tonnen in die Höhe geschnellt. Dieser gewaltige Siegeszug des Heizöls beschwört für die Gesundheit der Bevölkerung unabsehbare Gefahren herauf. Schon jetzt, da die Umstellen von festen Brennstoffen auf das bequemer zu bedienende Heizöl noch in vollem Gange ist, mehren sich die Fälle zusehens, in denen das Grundwasser durch versickerndes Öl verseucht wird. Im Referat für öffentliche Ordnung vergeht kein Monat, in dem nicht mindestens ein solcher Unglücksfall angezeigt wird. Es gilt als sicher, dass nur ein Bruchteil der Fälle bekannt wird. Der Baurechtsausschuss der Stadt beriet deshalb Mittel und Wege, die die Gefahren in München zumindest eindämmen könnten."


Mütterliche Hilfe für Studenten

14. Juli: „Eine ungewöhnliche Hilfsaktion haben sich der Deutsch-amerikanische Frauenklub und die Freie Selbsthilfe ausgedacht: Sie übernehmen Näh- und Flickarbeiten für arme Studenten. Der Klub gibt die notwendigen finanziellen Mittel, die alten Damen der Freien Selbsthilfe, die fast alle selbst nur das Notwendigste zum Leben haben, stopfen Strümpfe, flicken Hemden und bessern sogar abgetragene Anzüge aus."


Journalistenschule nimmt Betrieb auf

15. Juli: „436 Anmeldungen sind auf die öffentliche Ausschreibung für den ersten Jahreskurs der Deutschen Journalistenschule in München eingegangen. Unter den Bewerbern auf die Freiplätze sind 135 Mädchen. Mehr als ein Drittel der Anmeldungen kam aus Nord- und Westdeutschland, dreißig aus West-Berlin. Der Kurs beginnt am 1. November."


Aubinger Lohe bleibt erhalten

20. Juli: „Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der Münchner Stadtrat einen mutigen Entschluß gefaßt: Die Aubinger Lohe mit einer Gesamtfläche von immerhin 150 Hektar bleibt als Erholungsgebiet für die Bevölkerung erhalten. Der Antrag eines Zementwerks, den Lehmabbau in südwestlicher Richtung des Landschaftsschutzgebietes fortzusetzen, wurde abgelehnt.“


Endlich zurück nach München

4. August: „Immer noch leben 9.500 Evakuierte Münchner außerhalb ihrer Heimatstadt. Seit Jahren häufen sich ihre Bittbriefe um eine Wohnungszuteilung in der Münchner Stadtverwaltung. Aber in München ist die Wohnungsnot immer noch Problem Nummer 1. Im Juni dieses Jahres waren beim Münchner Wohnungsamt 85.000 Anträge auf Zuweisung einer Familienwohnung registriert."


Ehemaliger Ministerpräsident gestorben

Am 5. August 1961 starb Hanns Seidel (*1901), der von 1957 bis 1960 bayerischer Ministerpräsident gewesen war. Er wurde auf dem Westfriedhof beisetzt.

Demo für Berlin.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv - Fotosammlung: ZBE_Q0880 (Foto: Huhle)

Münchner protestieren für die Deutsche Einheit

18. August: „Gegen die neuen Zwangsmaßnahmen der Sowjetzone in Berlin hat auch die Münchner Bevölkerung gestern protestiert. Trotz starken Regens waren fast 10.000 Männer und Frauen der Einladung des Stadtkuratoriums 'Unteilbares Deutschland' zu einer Sympathiekundgebung mit der Bevölkerung von Berlin auf dem Marienplatz zusammengekommen. Anschließend zogen die Teilnehmer in einem langen Schweigemarsch zum Platz der Opfer des Nationalsozialismus."

Maler Erwin Kreibig verstorben

4. September: „Mit 57 Jahren ist der Maler Erwin Kreibig gestorben. Der in München geborene Künstler begann in der Handwerkslehre eines Metallbildhauers. Seine ersten Lorbeeren holte er sich mit Zeichnungen für den 'Simplicissimus' und für die 'Jugend'. Auch seine eigenwilligen Figurinen und Entwürfe für die Münchner Theater fanden Beifall. Kreibig war ein liebenswürdiger Mensch." Kreibig wurde am Nymphenburger Friedhof beerdigt.

Protest gegen Atom-Versuche

11. September: „Das Münchner Komitee gegen Atomrüstung hat in einem Brief bei dem sowjetischen Botschafter in Bonn Protest gegen die Atomversuche der Sowjets eingelegt. Es macht den Botschafter auf den Kreditverlust aufmerksam, den die Sowjetunion erleide, wenn sie mit jener Politik des Terrors und der militärischen Stärke identifiziert werde, die jedem Humanismus widerspreche und aus den finsteren Zeiten des unumschränkten Imperialismus stamme."

Der Filmproduzent Richard König stirbt

26. September: König hatte bereits 1925 bei der UFA begonnen und bis 1940 vierzig Filme als Geschäftsführer und Produzent gedreht. 1947 gründete er die Objektiv-Film-Produktion und stellte den ersten deutschen Nachkriegsfilm „Und über uns der Himmel“ mit Hans Albers her.

Modestadt München

3. Oktober: „München ist auf dem besten Weg, das modische Zentrum der Bundesrepublik zu werden. Für die 'Modewoche München', die vom 8. bis 15. Oktober 1961 stattfindet, haben sich über 450 Firmen aus dem In- und Ausland angemeldet.

Gruß vom Oktoberfest 1961  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Postkartensammlung: PK_ERG_01_0009

Gruß vom Oktoberfest

4. Oktober: „Schätzungsweise 380.000 Postkarten mit Grüßen vom Oktoberfest sind seit Eröffnung der diesjährigen Wiesn schon in alle Welt verschickt worden. Bei den beiden Sonderpostämtern auf der Theresienwiese werden an Samstagen und Sonntagen etwa 60.000 Postkarten aufgegeben. An Wochentagen sinkt die Zahl auf rund 20.000 Karten. Am beliebtesten sind bunte Scherzkarten, die 'typische Bayern in mehr oder weniger angeheitertem Zustand' zeigen. Vereinzelt finden die Postbeamten in den Briefkästen auch beschriebene und adressierte Bierdeckel, die jedoch nicht befördert werden."

Erhöhte Radioaktivität

4. November: „Die Radioaktivität des in der zweiten September-Hälfte über München gefallenen Niederschlags ist gegenüber August überraschend gesunken. Sie ist nur noch 40 Mal so hoch wie in der Zeit vor den Atombomben-Versuchen. Dies teilte Dr. Walter Lutz, der Leiter der städtischen Abteilung für Strahlenschutz mit. Im August wurden in München Werte gemessen, die um ein 150faches über dem Normalstand lagen. 'Es besteht überhaupt kein Grund zur Besorgnis', meint Dr. Lutz. 'Erst Werte, die 250 Mal höher als die in normalen Zeiten gemessenen Ergebnisse sind, können auf die Dauer gefährlich werden.'"


Städtischer Rekord-Haushalt

9. November: „Der Etat der Stadt München steuert auf die Milliardengrenze zu. Bei den Haushaltsberatungen, die in den vergangenen zwei Wochen hinter verschlossenen Türen geführt wurden, setzten die Stadträte für 1962 rund 670 Mio. Mark für den ordentlichen und über 300 Mio. Mark für den außerordentlichen Haushalt ein. Angesichts der ständig wachsenden Aufgaben der Stadtverwaltung ist für 1962 ein neuer Rekord-Haushalt zu erwarten."


Schutz vor Atomenergie

14. November: „Jeder Bundesbürger, der es sich leisten kann und der bereit ist, einen Betrag von 15.000 bis 20.000 Mark für seine persönliche Sicherheit anzulegen, hat nunmehr die Möglichkeit auch einen etwaigen atomaren Krieg zu überleben. Das verspricht jedenfalls der Prospekt einer Münchner Firma, die sich mit dem Einbau spreng- und strahlensicherer Luftschutzbunker befaßt. Sie zeigte eines ihrer Produkte in München-Harlaching den staunenden Presseleuten."


Erste Ergebnisse der Volkszählung

16. November: „Als erstes Zählergebnis wurde festgestellt, daß in München 156.000 Einzelhaushalte, das sind 31 Prozent mehr als 1956, und 300.000 Familienhaushalte, das sind 11 Prozent mehr als 1956, bestehen. Arbeitsstätten gibt es in München rund 63.000 (12 Prozent mehr als 1950)."


Münchens Anthroposophische Gesellschaft feiert

18. November: „Mit der Eröffnung des neuen Festsaales und der Vortragsräume der Rudolf-Steiner-Schule und der Anthroposophischen Gesellschaft München verbinden sich die Feiern zum 100. Geburtstag Rudolf Steiners. Damit bekommt die Schule einen großen Saal für eigene Veranstaltungen; er soll aber gleichzeitig als neuer Schwabinger Theatersaal Verwendung finden."


Beschäftigten-Zahlen im November 1961

24. November: Die Zahl der im Arbeitsamtsbezirk München Beschäftigten ist auf 655.000 angestiegen. Auffallend hoch ist dabei der Anteil der berufstätigen Frauen; er beträgt in München 41 Prozent, während er im Bundesdurchschnitt nur bei 34 Prozent liegt. Besonders stark waren die Zugänge ausländischer Arbeitskräfte. Ihre Zahl hat sich gegenüber dem Stand von 1955 verzehnfacht und beträgt jetzt nahezu 30.000. Auch ihre Zusammensetzung hat sich in der letzten Zeit geändert. Während bisher stets die Österreicher mit Abstand an der Spitze lagen, sind nunmehr die Italiener mit rund 10.000 Beschäftigten die stärkste ausländische Kolonie in München. Sie sind zum größten Teil in der Bauwirtschaft tätig."

Lohntüte oder Überweisung?

5. Dezember: „Das Arbeitsgericht München wird demnächst entscheiden, ob die bargeldlose Lohnzahlung gegen einen Manteltarif verstößt, den die IG Metall mit dem Verein der bayerischen Metallindustrie abgeschlossen hat. Die Entscheidung wird für die Betriebe richtungsweisend sein, die sich in den letzten Jahren aus Gründen der Rationalisierung dazu entschlossen haben, den Lohn an ihre Arbeiter nicht mehr wie bisher in der Lohntüte auszuhändigen. Für manchen Betrieb hat die bargeldlose Lohnauszahlung erhebliche Kosten- und Personaleinsparungen gebracht.“

Ermahnung für den Stadtrat

7. Dezember: „'Jetzt lasse ich aber den Nikolaus herein, damit er alle zusammenschimpft', sagte Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel zu Beginn der Stadtratssitzungen, als es gleich heiß herging. Er hatte festgestellt, daß am Schluss der letzten Vollversammlung am 23. November mehr als die Hälfte aller Stadträte bei einer Lichtbildvorführung 'im Schutze der Dunkelheit' entwischt waren. Der Stadtrat war daraufhin nicht mehr beschlußfähig gewesen."

Solidarität mit Berlin

16. Dezember: „Eine drei Meter hohe Kerze entzündete der Münchner Geschäftsführer des Kuratoriums Unteilbares Deutschland, Hanns Vogel, am ersten Balkon des Rathauses. An der Balkonbrüstung mahnt ein Schild 'München denkt an Berlin'. Die Propangasflamme wird bis 6. Januar 1962 täglich von 6 Uhr früh bis 24 Uhr brennen. Die Kerze wurde auf Anregung von Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel aufgestellt."

Westeis  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Eröffnung der Kunsteisbahn West

Am 20. Dezember wurde an der Agnes-Bernauer-Straße, die neue Kunsteisbahn der Stadt München eröffnet. "Oberbürgermeister Dr. Vogel wird die Eisbahn, die wesentlich größer ist als die im Prinzregentenstadion, ihrer Bestimmung übergeben. ... Etwa 32 km Rohrleitung musßten unter der riesigen Betonfläche, auf der die Eisfläche angelgt ist, verlegt werden. Durch sie wird die Kühlflüssigkeit gepumpt."


Weihnachtsgeschenke für die Polizei

27. Dezember: „Beim Schutzmann am Stachus und in vielen Polizeirevieren stapelten sich heuer wieder die Weihnachtspackerln von Kraftfahrern. Manche hatten ihren Geschenken einen Brief beigelegt, in dem sie versicherten, wegen eines Strafzettels unter dem Scheibenwischer nicht nachtragend zu sein. Die Päckchen enthielten vorwiegend Rauchwaren, Spirituosen, Süßigkeiten oder Obst. Hin und wieder fanden die erstaunten Polizisten aber auch Krawatten, Kopfwehtabletten oder Medikamente gegen Erkältung."

Abbildungen zur Stadtchronik 1961