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Stadtchronik 1965


Bemerkeswertes, Kurioses und Alltägliches

Jahreswechsel

„Der Abschied vom Jahr 1964 begann sehr still und besinnlich, so daß man schon glauben wollte, die Menschen hätten Silvester vergessen. Der Zeiger kroch immer näher auf die zwölfte Stunde zu, und während sich die Glocken der Isarmetropole zum vielstimmigen Konzert vereinigten, brach ein Feuerwerk ohnegleichen aus. Unter der prächtigen Illumination sah unsere Stadt so prächtig aus, daß man sich kaum sattsehen konnte. Eine halbe Million Mark ließen sich die Münchner den Spaß kosten. In den Lokalen war die Stimmung auf den Siedepunkt gelangt. Hier ging es heiß her; Schuld daran war der neue Tanz „Let kiss“, zu Deutsch „Lasst uns küssen“. Das Fesselnde an dieser jüngsten Tochter der Terpsichore ist: Man schenkt sich alle zwölf Takte einen Kuss. Es bedarf keiner Sehergabe, wenn der Chronist diesem Tanz eine große Anhängerschaft voraussagt.“

Roman-Mayr-Haus wartet auf den Abbruch

12. Januar: „Spätestens nach Ende der Frostperiode wird eines der ältesten Münchner Kaufhäuser, das Roman-Mayr-Haus am Marienplatz, der Spitzhacke zum Opfer fallen. An seiner Stelle wird die Kaufhof AG ein neues hochmodernes Warenhaus errichten und sich damit an einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Zukunft setzen: Der Neubau wird unmittelbaren Zugang zur geplanten Kreuzung der städtischen U-Bahn mit der V-Bahn der Bundesbahn haben.“

Moderne Verkehrsregelung

13. Januar: „Ultraschallohren, Radaraugen, Lichtschranken und ein Elektronenrechner werden bald die Verkehrsregelung an den Brennpunkten der Münchner Zentren übernehmen und zahlreiche Verkehrspolizisten von ihrer undankbaren Aufgabe erlösen, inmitten von Auspuffgasen den Verkehrsfluß zu lenken.“

Arbeitsamt-Bilanz 1964

14. Januar: „Das Arbeitsamt konnte im vergangenen Jahr (1964) 74.000 Stellen vermitteln. Mit 56.000 Gastarbeitern hat die Ausländerbeschäftigung im Oktober ihren Höhepunkt erreicht.

Radio Free Europe

16. Januar: „Insgesamt 31 Sender strahlen gegenwärtig das Programm von Radio Free Europe aus. Am Sender in München arbeiten rund 1.000 Angestellte, darunter 50 Prozent Deutsche. Die tägliche Sendeleistung beträgt 69 Stunden. 

Baubeginn für die Münchner U-Bahn, 1. Februar 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: FS-ZBE_U0073

Beginn des U-Bahn-Baus

1. Februar: Nach einem Festakt im Rathaus begibt sich die Prominenz im geschlossenen Autokonvoi zur Baustelle an der Ecke Ungerer-/Schenkendorfstraße. "Symbolisch für den Arbeitsbeginn wird ein 18 m langer Stahlprofilträger in ein bereits vorgebohrtes Loch versenkt. Der Ministerpräsident gibt hierzu ein Glockenzeichen." Anschließend fahren die Festgäste zum Mittagessen im Schwabingerbräu. Damit die Münchner das Baugeschehen verfolgen konnten, wurden die Bauzäune mit einer maximalen Höhe von nur 1,60 m errichtet; für Kinder wurden eigene Gucklöcher angebracht.

Schnee statt Nebel auf dem Flughafen

3. Februar: „Auf dem Flughafen Riem soll in diesen Tagen ein Verfahren erprobt werden, mit dessen Hilfe Nebel in Schnee verwandelt wird, um freie Sicht für Starts und Landungen auch bei 'Waschküche' zu gewährleisten. Durch flüssiges Propan, das in den Nebel gesprüht wird, unterkühlt man die Luft und die Nebelpartikel schlagen sich in Form von Schneekristallen wieder. Für die Münchner Versuche wurden von der Shell AG 2.000 l flüssiges Propan kostenlos zur Verfügung gestellt.“

Argumente gegen ein Atomforschungszentrum im Ebersberger Forst

3. Februar: „Vor der Anlage eines Atomforschungszentrum im Ebersberger Forst hat der Deutsche Naturschutzring in einer Denkschrift, die inzwischen Ministerpräsident Alfons Goppel überreicht wurde, nachdrücklich gewarnt. Im Namen von 2 Mio. Mitgliedern weist die Dachorganisation von insgesamt 84 Verbänden auf die Unantastbarkeit des Münchner Waldgürtels hin.“ Am 10. Februar mischte sich Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Hoegner in die Diskussion ein. Er befand, "Bayern müsse stärker industrialisiert werden, dürfe aber keineswegs in ein Ruhrgebiet ausarten, weil sonst der Name 'Bayern' seinen Sinn verlöre. Dem Argument, die Gegner des Ebersberger Projekts seien hoffnungslose Rückschrittler, widerspricht Högner nachdrücklich. Er betont, das Gegenteil sei der Fall. Wer heute für den Schutz unserer Wälder eintritt, denkt gerade an die Zukunft, an die Folgen, die durch die fortschreitende Waldverwüstung für Klima, Wasserversorgung und Gesundheit der Bevölkerung entstehen."

  

Tierische "Beatles" im Zirkus Krone

4. Februar: „Zirkus Krone bietet wieder ein erlesenes circensisches Programm. Frieda Sembach-Krone führt einen Teil der Krone-Elefanten vor, darunter vier tonnenschwere Dickhäuter mit Beatle-Perücken und umgehängten Gitarren, die zur Originalmusik der Liverpooler Schlagerstars wackeln. Höhepunkt
einer bestehenden Tierdressur: Ein kraftvoller Panther landet nach einem Sprung vom Podest in den Armen seines Dompteurs."

Protest gegen Erhöhung der Wasserpreise

6. Februar: „'Schärfsten Protest' erhebt der Haus- und Grundbesitzer-Verein München gegen die beabsichtigte Erhöhung des Wasserpreises von 27 auf 36 Pfennig pro Kubikmeter. Der Protest richtet sich jedoch in gleichem Maße gegen die Irreführung der Öffentlichkeit, indem behauptet wird, die Erhöhung sei wegen des Ausbaus der Münchner Wasserversorgung, während sie in Wirklichkeit für die Deckung des Verlustes der Verkehrsbetriebe bestimmt sei.“

Straßenreinigung testet „Schneeschmelzmaschine“

10. Februar: „Eine neuartige Schneeschmelzmaschine wurde auf der Theresienwiese ausprobiert. Sie braucht in der Stunde 200 l Heizöl und schmilzt in der Minute einen Kubikmeter Schnee. Die Maschine, vorerst eine Leihgabe, kostet 66.000 DM.“

Münchner Faschingszug, 1. März 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: FS-ZBE_B2195 (Foto: Meyer)

Faschingszug begeistert das Publikum

1. März: "Der Ebersberger Forst [in dem der Bau eines Atomreaktors angedacht war], die berühmten Liverpooler Pilzköpfe, die Beatles, die Herren Bundeskanzler Erhard und Ex-Minister Strauß, die Antibaby-Pille, die Massenhausener Maibaumräuber und nicht zuletzt unser Stadtoberhaupt waren einige der meist beklatschten Nummern aus dem siebzig Punkte umfassenden wohlgelungenen Faschingszug, der auch diesmal wieder in amüsant-krasser Form aktuelle Themen aufs Korn nahm. Auch die Kinder hatten ihren Spaß, denn es wurden 30 Zentner Süßigkeiten in die Menge geworfen. Weniger lustig war dagegen für 65 Autobesitzer die Tatsache, daß die Polizei ihre Wägen abschleppen ließ, weil sie im Halteverbot parkten. DAs kostet mindestens genauso viel wie eine feucht-fröhliche Faschingsnacht."

Münchner Nahverkehr - ein Drama

22. März: „Als 'beschämend' bezeichnete es SPD-Vorsitzender Willy Brandt auf einer Tagung der SPD-Führung in München, wie wenig Beachtung die Bewältigung des Münchner Massenverkehrs bei den zuständigen Bundesstellen finde. Es wurde gefordert, daß Bund und Land zusammenwirken, um die Verkehrsnot zu bewältigen, denn immerhin sei München heute ein geistiges, kulturelles und wissenschaftliches Zentrum von internationalem Rang.“

Aus dem Jahresbericht der Polizei

23. März: „Es gingen 75 Denk- und 1.186 Beschwerdebriefe ein. Bei den 349.000 Fällen des unmittelbaren Einschreitens handelte es sich um 14.000 Festnahmen, 280.000 gebührenpflichtige Verwarnungen, 1.200 Durchsuchungen, Sicherstellungen und Blutentnahmen und um 43.000 Verkehrsdelikte. Die Funkstreife war mit 267 Beamten und 34 Funkwägen bei 110.504 Einsätzen unterwegs. … Die Polizei verfügte am Jahresende 1964 über 3.695 Pistolen, 20 Maschinenpistolen, 300 Karabiner, 6 (!) kugelsichere Westen und 301 Tränengaswurfkörper. Fünf Sprengbomben, 96 Phosphorkanister und Stabbrandbomben, 452 Granaten, 7.000 Schuß Gewehrmunition, 116 Gewehre und Pistolen konnten sichergestellt werden. Bei 40.914 Verkehrsunfällen wurden 250 Menschen getötet und 10.744 verletzt. Täglich waren 200 Beamte, 17 Motorroller und 21 Autos im Verkehr eingesetzt.“

Das erstes Frühlingsfest auf der Münchner Theresienwiese, 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: FS-RD 2542R15 (Foto: Rudi Dix)

Erstmals Frühlingsfest

5. April: „Das funkelnagelneue Frühlingsfest wurde vorgestern von Bürgermeister Bayerle mit einer Eröffnungsrede aus der Taufe gehoben. Es ist der kleinere Bruder des Oktoberfestes. Mit 130 Attraktionen und einem großen Bierzelt bietet es schon eine zünftige Gaudi."

Wohnungen für Studierende

22. April: „Der Verein Studentenstadt München e.V. errichtet auf dem ihm in Erbpacht vom bayerischen Staat überlassenen Grund im Norden der Stadt eine große Studentenwohnanlage mit insgesamt 1.530 Wohnplätzen. Es sind zwei Hochhäuser und 14 Atriumbauten mit zusammen 740 Wohnplätzen fertiggestellt und bezogen. Die von den studentischen Bewohnern weitgehend selbstverwalteten Heime werden ehrenamtlich von jungen Akademikern geleitet, die meist als Assistenten oder Doktoranden eine unmittelbare Verbindung zu den Münchner Hochschulen haben.

Glückspiel in München

24. April: „Picadilly, Kakadu, Capitol, Monte Carlo, Domino, Rex, Royal, San Remo und Derby heißen die neun Münchner Spielcasinos, amtlich genehmigte Clubs, in denen nicht etwa gepokert oder gewattet, sondern nur ein Kartenspiel gespielt wird: Bayerisch Rams, ein Geschicklichkeitsspiel mit dem Höchsteinsatz von 105 Mark. Damit auch alles mit rechten Dingen zugeht, überwachen Glücksspielspezialisten vom Polizeipräsidium die Einhaltung der Spielregeln und achten vor allem darauf, dass nicht höher gespielt wird als erlaubt."

Bei dem besagten Spiel handelte es sich um Écarté (von franz. écarter „weglegen“), ein französisches Kartenspiel für zwei Personen; es wurde auch im Deutschland der 1950/60er Jahre gern gespielt. Um der Einstufung als Glücksspiel zu entgehen, wurde u.a unter den Namen "Casino", "Ramso" und "Bara" (kurz für "Bayrisch Rams") gespielt.

Verleihung des Kulturellen Ehrenpreises der LH München im Saal des Alten Rathauses, 5. Mai 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: FS-ZBE_G0300

Kultureller Ehrenpreis für Carl Orff

6. Mai: "Der Kulturelle Ehrenpreis der Stadt München wurde an den Komponisten Carl Orff, Schöpfer des gleichnamigen 'Schulwerks' verliehen." Fünf weitere Förderpreise gingen an den Kunstmaler und Grafiker Hans Dumler, den Architekten Hans Busso von Busse, den Schriftsteller Günter Eich sowie die Kammersängerin Hertha Töpper.

Carl Orff (1895-1982), der zunächst als Kapellmeister tätig war, gründete 1924 gemeinsam mit Dorothee Günther die „Günther-Schule München – Ausbildungsstätte vom Bund für freie und angewandte Bewegung e. V.“, die in den Bereichen Gymnastik, Rhythmik, Musik und Tanz ausbildete. Orff, der die Leitung der Musikabteilung innehatte, entwickelte gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Gunild Keetman ein neues Modell für Musik- und Bewegungserziehung: das Orff-Schulwerk. Daneben war er auch als Komponist tätig. Sein bekanntestes Werk ist die szenische Kantate Carmina Burana, die Texte einer 1803 im Kloster Benedikbeuern gefundenen mittelalterlichen Handschrift vertonte und zu einem der populärsten Chorwerke des 20. Jahrhunderts wurde.

Italienische Woche 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: FS-NL-SCHO-63737 (Foto: Schödl)

Ein Bambi für Sophia Loren

10. Mai: "Die filmbegeisterten Münchner hatten gestern ihren großen Tag. Erstmals fand die Siegerehrung der Bambi-Preisträger nicht wie sonst in Karlsruhe, sondern in der Isarmetropole statt. Über den begeisterten Empfang braucht sich der Chronist wohl nicht eigens auszulasssen. Höhepunkt war freilich die Überreichung der goldenen und silbernen Statuetten durch Prinz Konstantin von Bayern. Diese erhielten Sophia Loren, Rock Hudson und Pierre Brice als beliebteste ausländische Künstler, Liselotte Pulver und Heinz Rühmann als beliebteste deutsche Schauspieler." Zeitgleich war im Münchner Stadtmuseum eine Ausstellung zu der italienischen Schauspielerin zusehen.

Deutschland-Besuch der Queen, 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München: FS-ZBE_Q0036

Die Queen besucht München

20. Mai: „Zum Besuch der englischen Königin, Elisabeth II., und Prinz Philipps hat man den Schulkindern freigegeben, so daß für sie morgen die Devise lautet: Jubeln statt lernen.“

21. Mai: „München erwartet heute an diesem strahlen schönen Maitag den Staatsbesuch des Jahrhunderts. Ihre Majestät, Königin Elisabeth II. von England, die heute um 10 Uhr mit Prinzgemahl Philipp im Sonderzug auf Gleis 11 des Hauptbahnhofes ankommt, ist das erste britische Staatsoberhaupt, das der bayerischen Landeshauptstadt einen offiziellen Besuch abstattet. Die Vorbereitungen für die königliche Visite begannen schon im Vorjahr, dauerten aber noch gestern bis in die Abendstunden und werden erst heute kurz vor der Ankunft der britischen Gäste abgeschlossen sein [...]“

Die Gäste erwartete ein Besuchsprogramm, das kaum eine Minute Verschnaufpause zuließ:
„10.00 Ankunft mit Sonderzug im Hauptbahnhof. Grußworte des bayerischen Ministerpräsidenten
10.10 Abfahrt zur Staatskanzlei
10.25 Ankunft dortselbst, Vorstellung der Kabinettsmitglieder
10.40 Abfahrt zum Rathaus
10.50 Ankunft im Rathaus und Eintragung ins Goldene Buch im Kleinen Sitzungssaal
11.05 Abfahrt der Königin zur Alten Pinakothek
11.07 Abfahrt Prinz Philipp zur Besichtigung der MAN-Werke
12.15 Gemeinsame Abfahrt zur Residenz
12.45 Vorstellung von Persönlichkeiten, die beim anschließenden Frühstück im
          Cuvilliéstheater teilnehmen
13.00 Frühstück gegeben vom Ministerpräsidenten
14.15 Besuch im Cuvilliéstheater
15.05 Abfahrt zur staatlichen Porzellanmanufaktur Nymphenburg
15.55 Abfahrt zur Amalienburg
16.10 Vorführung von Turnierpferden vor der Amalienburg
16.30 Teeempfang bei Herzog und Herzogin von Bayern
17.15 Rückkehr in die Residenz
19.30 Abholung zur Festführung ‚Rosenkavalier‘ im Nationaltheater
19.40 Ankunft vor dem Nationaltheater
19.45 Beginn der Vorstellung
23.55 Abfahrt von der Oper zum Hauptbahnhof
00.15 Abfahrt des Sonderzuges“

Preisvergleich

Die Chronik vermerkt die am Viktualienmarkt im Juni 1965 üblichen Lebensmittel-Preise. Demnach kosteten
1 kg Kirschen               1, 00 bis 2,40 DM
1 kg Erdbeeren             1,70 bis 2,20 DM
1 Gurke                         0,80 bis 1,40 DM
1 kg Tomaten                0,70 bis 1,50 DM
1 kg Rhabarber             0,35 bis 0,45 DM
1 Pfund Spargel            1,50 bis 4,20 DM
1 Pfund Frühkartoffeln  0,40 bis 0,70 DM

Die "heißeste Show des Jahres"

14. Juni: Das "Beat-Sound-Festival" im Zirkus-Krone-Bau, das laut Chronik "mit enormer Phon-Stärke 'gefeiert' wurde", galt als die "heißeste Show des Jahres". Der Chronist hatte dazu seine ganz eigene Meinung: „Alles, was lange Haare, Hosen mit überweiten Beinen und Sinn für die Art Musik hatte, strömte in Scharen zusammen, so daß man fast versucht war zu denken, der Rattenfänger von Hameln hätte sie hergelockt.“

Neuer Ablauf der Fronleichnamsfeierlichkeiten

18. Juni: "Die Große Fronleichnamsprozession wurde erstmals neu gestaltet! Man versammelte sich zu einer Eucharistiefeier auf dem Marienplatz, wo Kardinal Döpfner ein Pontifikalamt hielt. Danach bewegte sich der Zug, und auch das war neu, in zwei Zügen durch die Diener-/Residenzstraße und die Wein-/Theatinerstraße zum Odeonsplatz, danach durch die Ludwigstraße und im Gegenzug wieder stadteinwärts. In der Ludwigstraße bot sie wieder das festlichste Bild: Banner, Uniformen, Meßgewänder und Amtsroben zogen vorbei. Neben der großen Beteiligung der Vertreter von Staat und Stadt, den verschiedenen Orden und Bruderschaften, Zünften, Vereinen, Trachtengruppen aus dem In- und Ausland, Institutionen und Korporationen war die Beteiligung der Jugend besonders groß."

Studentische Hilfe für Berliner Kinder

13. Juli: Münchner Studenten werden aufgerufen, durch einen Tag Forstarbeit Geld für die Verschickung Berliner Kinder zu beschaffen. Die Arbeitsgemeinschaft „Studenten für Berlin“ hat alle Kommilitonen gebeten, auch bei schlechtem Wetter zu den Forstämtern zur Arbeit zu kommen. Durch die Aktion soll 500 Kindern Ferien außerhalb Berlins ermöglicht werden.“

Trambahnfahren - kein Job für Frauen?

14. Juli: „Von den ursprünglich ausgebildeten 25 Straßenbahnfahrerinnen sind nur noch 17 im Dienst. Fünf Damen erklärten, der Fahrerberuf sei ihnen zu anstrengend, und ließen sich auf den Schaffner-Sitz zurückversetzen. Drei weitere Fahrerinnen schieden durch Heirat oder Wohnungswechsel aus. Für die Ausbildungskurse der Stadtwerke haben sich keine neuen Damen mehr gemeldet.“

Großwohnanlage Hasenbergl, Juli 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotoslg. RD0021H18 (Foto: Rudi Dix)

Großwohnanlage Hasenbergl ist fertig

Am 16. Juli wurde die neue Wohnanlage mit einem dreitägigen Bürgerfest eröffnet.

Verkehrsfestzug über den Marienplatz anlässlich der Internationalen Verkehrsausstellung 1965, 19. Juli 1965  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotoslg. ZBE_W0302

Automobil-Geschichte

Am 19. Juli bewegte sich der historische Festzug „Das Auto im Wandel der Zeit“ durch die Stadt.

Entwurf für Kaufhof-Neubau am Marienplatz

17. August: "Der Entwurf für einen Neubau des Kaufhofs anstelle des Roman-Mayr-Hauses am Marienplatz liegt jetzt vor. Er stammt von dem Münchner Architekten Prof. Josef Wiedemann, der bei der Gestaltung dieses für das Stadtbild so wichtigen Projektes bestrebt war, vier architektonische Forderungen zu erfüllen: Der Neubau sollte sich bei aller Eigenständigkeit in den vorhandenen Bauwerken einfügen, dann die Höhe der gegenüberliegenden Gebäude nicht überragen, den Raum des Marienplatzes gegen Westen und Süden so gut wie möglich abschließen und schließlich münchnerisch sein. "

  

Modebewusste Münchner Politessen

21. August: "Fast sah es so aus, als hätten die 26 Politessen der Stadt München in ihrem Amt nichts anderes zu tun, als hübsch auszusehen - so viel Anteil hatte die modisch interessierte Bevölkerung an der Dienstkleidung der Polizeihelferinnen genommen. Als die neuen Uniformen endlich vorgestellt wurden, sagte Bürgermeister Brauchle während der Feierstunde (!) im Rathaus: 'Wir haben auch noch andere Sorgen, aber wir wollten diese Frage nicht unterbewerten." Die Dienstkleidung ist laut den Münchner Zeitungen 'das Schickste, was es in Europa gibt'."

Blumenkorso der Kleingärtner über den Marienplatz, 26. August 1965  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotoslg. ZBE_B2237 (Foto: Neuwirth)

Korso der Kleingärtner

26. August: "Den Münchner Kleingärtnern stehen große Tage bevor. Sie führen das Bayerische Landestreffen und einen aufwendigen Blumenkorso durch, der sich am Sonntagvormittag zum Auftakt der Münchner Woche auf der Internationalen Verkehrsausstellung durch die Straßen der Stadt bewegt."

Eine Moschee für Münchens Mohammedaner

8. September: "Für die 10.000 Mohammedaner in München soll nun endlich eine Moschee in der Auensiedlung errichtet werden. Die Pläne für das Gebäude an der Wallnerstraße stammen von dem Architekten Osman Edip Gürel, sie wurden von der Lokalbaukommission genehmigt. Während die Mohammedaner auf die baldige Verwirklichung des Projektes hoffen, protestieren die Siedler dagegen."

Ankunft der Rolling Stones auf dem Flughafen München-Riem, 15. September 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotoslg. RD0803E01 (Foto: Rudi Dix)

Rolling Stones besuchen München

15. September: "Die von Beatfreunden langersehnten Rolling Stones trafen gestern in München-Riem ein. Die fünf langhaarigen Londoner gelten als die 'härteste' Beat-Band der Welt und sind den Beatles in punkto Beliebtheit und mit ihren Schallplatten-Erfolgen dicht auf den Fersen. Aber wer gedacht hätte, die Münchner Fans seien ebenso wie ihre Kollegen in Hamburg oder Münster beim Anblick ihrer Idole zu tumultartigen Szenen aufgelegt, sah sich bitter enttäuscht: 160 Polizisten standen bei der Ankunft nur 80 Fans gegenüber. Am Abend gaben die Rolling Stones im Zirkus Krone zwei Vorstellungen, wo es zwar sehr temperamentvoll zuging, aber zu keinen nennenswerten Ausschreitungen kam."

Beisetzung Peter Paul Althaus im Nordfriedhof, 18. September 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotoslg. RD 2132K34 (Foto:Rudi Dix)

Peter Paul Althaus gestorben

21. September: "Eine große Trauergemeinde gab dem 'Bürgermeister der Traumstadt Schwabing'. Peter Paul Althaus, das letzte Geleit. Als Redner waren erschienen OB Dr. Hans-Jochen Vogel, Rolf Flügel als 'Vizebürgermeister der Traumstadt', Hermann Geiseler für den Seerosen-Kreis, Rudolf Schmitt-Sulzthal für den Tukan-Kreis und C.F. Behl für die Halkyonische Akademie. Ludwig Kusche gab dem alten Freund die Noten zu einem Requiem mit ins Grab, das der Poet bei ihm schon vor Jahren für seine bevorstehende 'Seelenwander-Touren' bestellt hatte."

Beobachtungen auf dem Oktoberfest 1965

28. September: "Amerikanische Maßkrug-Liebhaber sind auf dem Oktoberfest der Pollizei ins Netz gegangen. Polizisten stellten zwei US-Soldaten, die mit merkwürdigen Paketen unter dem Arm aus einem großen Bierzelt herauskamen. Die Pakete enthielten Kartons mit nicht weniger als 20 Bierkrügen, die die Amerikaner als Andenken in ihre Heimat mitnehmen wollten."

"Beim Gang durch die Zelte fällt auf, daß schon am frühen Nachmittag in den Zelten Tische reserviert sind. Man bekommt nur noch Platz an einem dieser Tische, wenn man der Kellnerin versichert, ausgiebig verzehren und trinken zu wollen. Unter Verzehr verstehen die Bedienungen natürlich die Bestellung eines Hendls zwischen 10 und 14 DM. Ein vierstündiger Streifzug mit bescheidener Käse-Brotzeit und einem Seefisch-Filet aus dem Papier sowie zwei Maß Bier und einigen Karusselfahrten muss mit rund 25 DM veranschlagt werden. Man sollte die Unternehmer darauf hinweisen, daß das Fest nicht nur für sie veranstaltet wird."

  

München - attraktiv für Norddeutsche

29. September: Im August-Bericht des Münchner Arbeitsamtes fand sich folgender Satz: "'Auf der Durchreide zu ihren Urlaubsorten erkundigen sich in großer Zahl Norddeutsche über die Beschäftigungsmöglichkeiten in München.' Tatsache ist, daß in jedem Jahr die Stadt allein durch Zuzug um 25.000 Menschen wächst. Unter den Zugewanderten sind Kinder, Rentner, nichtarbeitende Ehefrauen und Familienmitglieder, aber auch 16.000 sog. Haupt- und Nebenverdiener."

Beatles-Fan muss "Federn" lassen

13. Oktober: "Da brannte doch unlängst ein 15jähriger Beatles-Fan von zu Hause durch, um sich in einem Schwabinger 'heißen' Tanzlokal einige vergnügte Stunden zu machen. Aber der hoffnungsvolle Jüngling rechnete nicht mit der Polizeistreife; zu später Stunde mußte er das Lokal mit dem Polizeirevier tauschen. Die verständigte Mutter fackelte nicht lange und brachte einen ihr bekannten Friseur mit, der auf dem Revier eine Zwangsschur vornahm. Ganz normal und durchschnittlich schlich der einstige Beatle danach beschämt mit seiner resoluten Mutter von dannen." 

Münchner Ehen werden stabiler

14. Oktober: "Seit 1960 enden durchschnittlich 1.817 Münchner Ehen vor dem Landgericht. Da die Einwohnerzahl ständig gestiegen ist, hat sich die auf 100.000 Münchner bezogene Scheidungshäufigkeit innerhalb der letzten zehn Jahre von 207 auf 155 gesenkt. Auf 100 Eheschließungen entfielen 1964 nur noch 16 Scheidungen. 42 Prozent aller Ehescheidungen werden innerhalb der ersten sechs Jahre ausgesprochen."

Der Fernsehturm im Bau, Oktober 1965  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotoslg. RD0516A24 (Foto:Rudi Dix)

Der Fernsehturm wächst zügig in die Höhe

16./17. Oktober: "Wie weiland beim Turmbau zu Babel ertönt von der Baustelle des Münchner Fernsehturms ein internationales Sprachengewirr. Arbeiter aus Israel, England, Griechenland, der Türkei, aus Italien und Nigeria haben mitgewirkt, daß der Turm jetzt schon eine Höhe von 40 Metern erreicht hat. Jeden Tag wächst Münchens künftig höchstes Gebäude um zwei Meter. der 290 Meter hohe Turm wird insgesamt 48.000 Tonnen wiegen."
täglich um 2 m.

Hans Knappertsbusch (1888-1965)  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Georg Schödl (Stadtarchiv München: FS-PER-Knappersbuch-Hans-01)

Dirigent Knappertsbusch gestorben

"Nach 13-monatiger Krankheit ist am 25. Oktober in München der Dirigent Hans Knappertsbusch im Alter von 77 Jahren gestorben. Der am 12. März 1888 in Elberfeld Geborene hatte am 5. Oktober 1922 die musikalische Leitung der Bayerischen Staatsoper übernommen. 1935 wurde er gezwungen, sein Amt niederzulegen. Erst im Sommer 1945 konnte Knappertsbusch wieder in München dirigieren. 1951 eröffnete er mit einer denkwürdigen Parsifal-Aufführung die neue Ära der Bayreuther Festspiele. 1963 erklangen die ersten Töne im neu erbauten Münchner Nationaltheater unter seiner Leitung." Knappertsbusch war 1963 Münchner Ehrenbürger geworden.

Die Erzengel-Michael-Kirche in Ludwigsfeld, um 1975  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotoslg. Stb-Kirch-0046

Einweihung der Erzengel-Michael-Kirche in Ludwigsfeld

22. November: "In einem vierstündigen Festgottesdienst übergab das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Exilkirche von Westdeutschland und Westberlin, Erzbischof Alexander, die neue Erzengel-Michaels-Kirche in Ludwigsfeld ihrer Bestimmung. Es war die erste Weihe eines orthodoxen Gotteshauses in Bayern nach dem Kriege."

Appell gegen sinnlose Weihnachtskarten-Schreiberei

29. November: "Das Amtsblatt der Erzdiözese München und Freising ruft auf, die 'automatisierte Glückwünscherei' zu Weihnachten und Neujahr nicht auf die Spitze zu treiben und stattdessen Spenden für die Aktionen 'Adveniat' und 'Misereor' zu geben, um so die weihnachtliche Werbeausgaben im Sinn der Weihnachtsbotschaaaft für die Nächstenliebe zu verwenden."

Demo gegen Vietnam-Krieg

29. November: "Einige hundert Anhänger der Kampagne für Abrüstung demonstrieren gegen die amerikanische Vietnam-Politik. Die Demonstranten zogen mit Fackeln über den Promenadeplatz Richtung Königinstraße, wo sie vor dem US-Generalkonsulat eine Kunsgebung hielten."

Festakt im Alten Rathaus anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel, 2. Dezember 1965.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotoslg. RD2032Q26 (Foto: Rudi Dix)

Alfons Goppel wird Ehrenbürger

4./5. Dezember: "Die Stadt gab für Ministerpräsident Goppel, den 'jüngsten' Ehrenbürger Münchens, einen Empfang. Der Stadtrat würdigte damit, wie das Stadtoberhaupt beim Empfang aussprach, die 'verdienstvolle und aufgeschlossene haltung gegenüber den Belangen der Landeshauptstadt'. Oberbürgermeister Vogel richtete den Wunsch an den Ministerpräsidenten: 'Mögen Sie stets ein Freund und Förderer der Landeshauptstadt sein.' Goppel erwiderte mit der Anspielung, dass er nun ein echter Münchner sei: 'Ich freue mich, im Rechtssinne geworden zu sein, was ich von Herzen war.'"

OB Hans-JOchen Vogel bei der Sondersitzung des Stadtrats zur Bewerbung Münchens für die Olympischen Sommerspiele 1972, 20. Dezember 1965  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotoslg. ZBE_G0010

Der Stadtrat stimmt über Münchens Olympia-Bewerbung ab

20. Dezember: "Heute vormittag stimmt die Vollversammlung des Stadtrates über die Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1972 ab. Vorher gibt der Oberbürgermeister einen Überblick über die Vorbereitungsarbeiten und Pläne und die Stellungnahmen der 55 angeschriebenen Münchner Organisationen und Verbände. Wenn sich das Plenum für die Bewerbung ausspricht, und niemand zweifelt daran, soll das Bewerbungsschreiben noch in dieser Woche durch einen Abgesandten zum Sitz des Internationalen Olympischen Komitees nach Lausanne gebracht werden. Im Mittelpunkt der heutigen Debatte werden indessen die finanziellen Schwierigkeiten stehen, die sich aus solch einem Großprojekt ergeben."

Die Vollversammlung des Stadtrats stimmte der Bewerbung einstimmig zu. Die Kosten für den Ausbau des Sportzentrums Oberwiesenfeld und der erforderlichen Verkehrsanlagen wurden zum damaligen Zeitpunkt mit 556 Mio. DM veranschlagt. Sie sollten zu je einem Drittel vom Bund, vom Land und von der Stadt getragen werden.