Top
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1975


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Erfolgreicher Brandner Kaspar

5. Januar: Im Residenztheater hatte das Stück „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ von Kurt Wilhelm mit Hans Baur, Toni Berger, Gustl Bayrhammer, Heino Hallhuber und Yvonne Brosch in den Hauptrollen Premiere. Laut Chronik ließ die Kritik sowohl an dem Stück wie auch an der Inszenierung „kein gutes Haar“. Ironie des Schicksals: Die Inszenierung steht seit 25 Jahren auf dem Programm des Residenztheaters und wurde mittlerweile mehr als 870 Mal aufgeführt.

Frauen protestieren

15. Februar: Im Schwabinger Bräu versammelten sich ca. 2.000 Frauen, um gegen den § 218 zu demonstrieren und zugleich über die Arbeit der Münchner Frauenbewegung zu informieren. Dabei wurden auch die Adressen mehrerer prominenter Münchner Gynäkologen verlesen, die angeblich für teures Geld illegale Abtreibungen vornehmen würden.

Grippewelle

22. Februar: Eine Grippewelle griff in München immer stärker um sich. Allein 4.000 städtische Bedienstete waren krank gemeldet. Besondere Schwierigkeiten ergaben sich beim Klinikpersonal. Die Bundeswehr ordnete 30 Sanitätssoldaten ab, um im Harlachinger Krankenhaus Dienst zu tun.

Anschlag auf die Bavaria

2. März: Ein vermutlich Geisteskranker versuchte einen Anschlag auf die Bavaria zu verüben. Er brach die Türe am Sockel der Figur auf und vergoss den Inhalt von drei Spiritusflaschen. Der von ihm angebrachte Zündmechanismus erwies sich als untauglich. Der einige Tage später festgenommene Täter gab als Motiv an, er sei Anhänger der Krishna-Sekte und betrachte als solcher die Bavaria als eine Art fremder Gott, der beseitigt werden müsse.

Therese Giehse gestorben

3. März: Die Schauspielerin Therese Giehse starb im Alter von 77 Jahren. Die Schauspielerin, die bereits 1925 an die Münchner Kammerspiele gekommen war, war im Dritten Reich in die Schweiz emigriert. 1949 kehrte sie nach München zurück. Einem breiten Publikum wurde sie auch durch die Fernsehserie „Münchner G’schichten“ bekannt.

Türkische Kundgebung

16. März: Auf dem Königsplatz fand eine Großkundgebung von ca. 7.000 türkischen Gastarbeitern statt. Hauptredner war der (damalige) türkische Oppositionsführer Bülent Ecevit. Hauptthemen waren Arbeitslosigkeit und Briefwahlrecht.

Erfolg für FC Bayern

27. März: Laut Chronist gewann der FC Bayern München in der seit dem 14. Oktober 1974 laufenden Fußballsaison erstmals ein Auswärtsspiel. Er besiegte Werder Bremen mit 2:0 Toren.

Fahndungsjubiläum

31. März: Die zweiköpfige Besatz der Funkstreife Isar 85 feierte ein kurioses Dienstjubiläum: Die Beamten entdeckten während ihrer vierjährigen Zusammenarbeit das 1.000ste gestohlene Auto.

Geplante Neugestaltung des St. Jakobsplatzes gefällt nicht

3. April: Generalkonservator Michael Petzet lehnte die von Professor Angerer vorgeschlagene Teilüberbauung des St. Jakobsplatzes als „den historischen Voraussetzungen nicht entsprechend“ ab. Ausgangspunkt für eine den denkmalpflegerischen Grundsätzen und der Stadtgeschichte entsprechende, künftige Platzgestaltung müsse die Erhaltung bzw. Wiederherstellung des mittelalterlichen Platzgrundrisses sein, wie ihn das Sandtner-Modell zeige.

Passantenfreundliche Maßnahme

3. April: Der Verkehrsverbund (MVV) stellte an den längsten Münchner Unterführungen Fahrkartenautomaten auf. Passanten, die sonst durch die Abgasluft der Tunnels hätten gehen müssen, konnten hier Tageskarten zum Sondertarif von 30 Pfennige lösen, die sie zu beliebig vielen Tunneldurchfahrten berechtigten. Der Tarif beinhaltete auch die Mitnahme von Familienangehörigen.

Diebe suchen St. Peter heim

4. Mai: Einbrecher drangen nachts in die St. Peterskirche ein und schändeten den Schrein der Hl. Munditia, der Patronin alleinstehender Frauen. Sie stahlen bunten Glassteine, mit denen die Gebeine der Heiligen geschmückt waren, da sie diese wohl für Edelsteine hielten.

Abendzeitung hilft Arbeitslosen

7. Mai: Angesicht der hohen Arbeitslosigkeit in München bot die Abendzeitung für Arbeitslose kostenlose Stellengesuch-Anzeigen im Wert bis zu 15 DM an.

Gefälschte TÜV-Plaketten

12. Mai: Herstellung und Vertrieb gefälschter TÜV-Plaketten nahmen derart überhand, dass die Staatsanwaltschaft genötigt war, ein Spezialreferat einzurichten. Im Mai 1975 waren 48 Verfahren gegen Fälscher anhängig, welche auf diese Weise verkehrsuntaugliche Autos wieder in den Verkehr zu bringen versucht hatten.

Abschied vom Trambahnschaffner

1. Juni: Mit einer Fahrt in einer festlich geschmückten Trambahn nahmen die Verkehrsbetriebe Abschied von den Münchner Trambahnschaffnern. Mittlerweile waren alle Linien mit Fahrkartenautomaten ausgerüstet. Während in früheren Zeit bis zu drei Schaffner pro Zug eingesetzt wurden, taten zuletzt noch insgesamt 20 Schaffner auf der Linie 29 Dienst.

Terrorverdacht

12. Juni: Eine Bombe, die von selbst im Schrank eines Zimmers an der Breisacher Straße losging, führte die Polizei auf die Spur einer mutmaßlicher Sympathisantin der Baader-Meinhof-Bande. Bei der Zimmerbewohnerin handelte sich um eine 18-jährige Schülerin, die seit der Explosion verschwunden war. Der Chronist vermerkt, das Mädchen habe im 3. Stock eines baufälligen Hauses in einer Kommune gewohnt.

Wiesnbier wird teurer

13. Juni: Der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats beschloss, die Obergrenze für eine Maß Bier auf dem Oktoberfest auf 3,75 DM festzusetzen. Damit war das Bier um 25 Pfennige teurer als im Vorjahr.

Erfolgsbilanz in der Kritik

20. Juni: Die CSU-Stadtratsfraktion antwortete mit beißender Ironie auf den Rechenschaftsbericht von OB Georg Kronawitter, in dem dieser seine Erfolge ins rechte Lichte gerückt hatte, und hielt ihm vor, dass „er mangels öffentlicher Anerkennung seine Pluspunkte selbst zusammengezählt“ habe. Die Erfolge beim U-Bahn- und Schulhausbau sowie die Anlage weiterer Grünanlagen sei nur mit erheblichen Zuschüssen des Freistaates Bayern, des Bundes und privater Mäzene möglich gewesen.

Vertragen sich Wiesn und Wahlen?

10. Juli: Bürgermeister Müller-Heydenreich trat für eine Verschiebung der Bundestagswahl am 3. Oktober 1976 ein, da diese mit dem Wiesnschluss-Sonntag zusammenfalle. Er machte sich damit die Argumentation der Festwirte zu eigen, die fürchteten, dass bei der Fernsehübertragung der ersten Hochrechnungen die Bierzelte auf der Theresienwiese veröden könnten.

Münchner Filmzensur

11. Juli: Das Amtsgericht München beschlagnahmte im Lenbach-Filmtheater den von der Filmbewertungsstelle der Bundesländer als „besonders wertvoll“ beurteilten Film „Unmoralische Geschichten“. Der Film, der in München als „offensichtlich schwer jugendgefährdend“ eingestuft wurde, lief in der gesamten Bundesrepublik bereits seit einem Jahr, kam jedoch erst jetzt nach München.

Münchner Studentinnen klagen erfolgreich gegen Studienvergabe-Praxis

1. August: Der Bayerische Verfassungsgerichtshof geklärte die seit 2 Jahren praktizierte Bonus-Malus-Regelung im Staatsvertrag über die Vergabe von Studienplätzen für verfassungswidrig und gab damit einer von zwei Münchner Studentinnen eingereichten Popularklage statt. Bisher mussten bayerische Abiturienten aufgrund des Bonus-Malus-Systems eine Verschlechterung der Durchschnittsnoten ihrer Reifezeugnisse hinnehmen.

Keine Akzeptanz für Plastikbierkrüge

13. August: Der seit einiger Zeit laufende Versuch des Donisl-Wirts, Bier in Plastikkrügen auszuschenken, stieß bei den Münchnern auf Ablehnung. Auch die Wirtekollegen äußerten Zweifel, ob es richtig sei, den Gästen ausgerechnet Bier, „das München zu seinem weltweiten Ruf verhalf, in Kunststoffgefäßen vorzusetzen“.

Das Olympiadorf wird bunt

21. August: Im Olympiadorf begannen Studenten der Pädagogischen Hochschule gemeinsam mit den Bewohnern des Studentendorfs unter Leitung von Hans Daucher, Professor für Kunsterziehung, mit der Verschönerung der Fassaden. Mit viel Phantasie und bunten Farben verwandelten sie die eintönig grauen Hausfassaden in sehenswerte Kunstwerke.

Taxifahrer klagt gegen Rede- und Radioverbot

2. September: Der Münchner Droschkenunternehmer Günther Springer erhob Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gegen das seit 1. September bestehende Rede- und Radiohörverbot für Taxifahrer. Der Kläger sah in dem Verbot einen Eingriff in die im Grundgesetz garantierte Berufs-, Gewerbe- und Informationsfreiheit sowie einen Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip, da nur Taxifahrern, nicht aber den Kraftfahrern insgesamt, untersagt wurde, ein Gespräch zu führen und das Radio einzuschalten.

  

Erfolgreiche Raumfahrt-Ausstellung

28. September: Mehr als 100.000 Besucher sahen in der Olympiahalle die Ausstellung „Weltraumforschung und Umweltschutz in der UdSSR“. Hauptattraktionen waren die Raumschiffe Wostock und Sojus sowie die Mondstation Luna 16 und das Mondauto Lunocho 1.

Haschisch-Schmuggel entlarvt

30. September: Die Polizei nahm einen 46-jährigen Syrer mit 3,5 Kilo Haschisch fest. Die Verpackung war für die Zollfahnder eine Neuheit – das Rauschgift war in vernietete Konserven mit Lebensmittelaufschriften eingefüllt.

Probelauf der TU-Mensa

6. Oktober: Nach eineinhalbjähriger Bauzeit wurde die neue Mensa der Technischen Universität eröffnet. Beim einwöchigen Probebetrieb durften zunächst nur Mitarbeiter der TU dort essen. Bei entsprechendem Bedarf war die Küche für einen Ansturm von 15.000 hungrigen Studenten gerüstet.

Neue Fußgängerzone eröffnet

17. Oktober: OB Kronawitter eröffnete die neue Fußgängerzone im Bereich der Theatinerstraße. Mit einem Kostenaufwand von 2,4 Mio. DM waren 16.000 qm Fläche in einjähriger Bauzeit neu gestaltet worden.

Müllgebühren steigen

22. Oktober: Der Kommunalausschuss des Stadtrats beschloss eine Erhöhung der Müllgebühren für 1976 um durchschnittlich 13,6 Prozent. Der zuständige Referent Veigel betonte, dass München im Vergleich mit anderen Großstädten bei den Müllabfuhrgebühren an vorletzter Stelle stehe.

Arbeitslosenzahlen im Oktober 1975

Im Oktober 1975 waren 31.930 Menschen in München arbeitslos. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,5 Prozent. Besonders betroffen waren Angestelltenberufe. 12.366 Personen waren als Kurzarbeiter registriert.

Eine Buchhandlung nur für Frauen

3. November: In der Arcisstraße wurde „Lillmor’s“, der erste Frauen-Buchladen der Bundesrepublik, eröffnet. Neben dem Bücherverkauf sollte auch die Kommunikation gefördert werden. Der Chronist berichtet: „Regelmäßig sollen Autorinnen Lesungen halten und Malerinnen ihre Bilder ausstellen. In einer Ecke können Frauen bei Kaffee und Tee plaudern, schmökern und mitgebrachte Wäsche flicken.“

Aufruf zu mehr Energie-Bewußtsein

20. November: Der Umweltschutzbeauftragte der Stadt appellierte mit dem Motto „Bessere Luft – weniger Heizkosten“ an die Münchner Haushalte, „energiebewusster zu heizen. Nach entsprechenden Berechnungen könnten die 350.000 Haushalte in der Stadt, die mit Öl oder Kohle heizten, rund 100 Mio. DM einsparen, wenn sie die Hinweise der Stadt befolgen würden. Gleichzeitig würde sich dies positiv auf die Umwelt auswirken, da etwa 3150 Tonnen Schwefeldioxyd weniger die Luft verpesten würden.

Umstrittener Winterfahrplan

9. Dezember: Der neue MVV-Winterfahrplan erboste zahlreiche Münchner. Er sah keine Straßenbahnlinie in der Lindwurmstraße mehr vor und brachte vor allem bei Buslinien am Stadtrand Verschlechterungen.

Studenten stören Vortrag

12. Dezember: Ca. 300 linksgerichtete Studenten verhinderten einen Vortrag von CDU-Generalsekretär Kurt Biedenkopf zum Thema „Freiheit – Aufgabe und Chance der westlichen Welt“. Die Studenten störten 1 1/2 Stunden lang mit Buh-Rufen, Sprechchören und Liedern die vom Ring christlich-demokratischer Studenten organisierte Veranstaltung, zu der etwa 1.500 Zuhörer gekommen waren.

Besucher-Rekord

16. Dezember: Acht Jahre nach seiner Eröffnung wurde auf dem Olympiaturm der 10-millionste Besucher begrüßt. Es war die 73-jährige Münchnerin Luise Friedmann.

Rotes Kreuz München übernimmt Kindersuchdienst

17. Dezember: Das Rote Kreuz in München übernahm den bisher in Hamburg beheimateten Kindersuchdienst. Ende 1975 waren noch 1.662 Bürger in der Kartei registriert, die – obwohl inzwischen 30- bis 35 Jahre alt – noch immer ihre Angehörigen suchten. Außerdem suchten 3.231 Eltern ihre bei Kriegsende verlorenen Kinder.

Weihnachtliches Wetter

24. Dezember: Der Chronist berichtete, die Stadt habe zum ersten Mal seit Jahren wieder „weiße Weihnachten“ erlebt. Der traditionelle Weihnachtsfön sei ausgeblieben. Immerhin gab es im gesamten Dezember 25 Frosttage. Die Tiefsttemperatur lag bei 18,7 Grad Celsius.