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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1977


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Die Schäffler tanzen wieder

6. Januar: Turnusgemäß tanzten in diesem Jahr die Schäffler. Da es 1977 in München rund 70 gelernte Schäffler gab, standen genügend Tänzer aus der passenden Berufssparte zur Verfügung.

  

Teurer Winterdienst

Der 17. Januar war für die Straßenreinigung einer der teuersten Tage des Winters. Die Räumung der wichtigsten Straßen kostete fast 250.000 DM.

Historischer Dorfkern Obermenzings ist in Gefahr

18. Januar: Der Bezirksausschuss Obermenzing sowie Anwohner kämpften mit Unterschriftaktionen, Protestbriefen und Anrufen bei der Lokalbaukommission für den Erhalt ihres Viertels. Besonders erboste sie eine unmittelbar neben dem unter Ensembleschutz stehenden Dorfkern geplante Terrassenhaus-Siedlung.

Münchner Sehenswürdigkeiten in Eis

6. Februar: In Münchens japanischer Partnerstadt, Sapporo, ging das jährliche Schneefestival zu Ende, das in diesem Jahr unter dem Motto "München" stand. Nach Fotografien hatten Schneebildhauer Münchner Sehenswürdigkeiten, darunter das Rathaus und die Frauenkirche, nachgebildet.klicken für eine vergrößerte Darstellung!

Münchens erster Geldautomat.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Penz)

Erster Geldautomat der BRD vorgestellt

9. Februar: Die Stadtsparkasse stellte den ersten Geldautomaten in der Bundesrepublik vor. Zunächst sollte in sieben Niederlassungen ein solcher "Geldgeber" installiert werden.

Streit um Putzlumpen für Olympia

8. Februar: Fünf Jahre nach den Olympischen Spielen wurde ein Gerichtsverfahren zwischen dem Olympischen Komitee (OK) und einer Reinigungsfirma beendet. Das Komitee hatte dem Unternehmen "Verletzung seiner Beratungspflicht" vorgeworfen, nachdem von 1,8 Millionen angekauften Putzlumpen nur 400.000 verwendet werden konnten. Der Streitwert betrug 231.974 DM. Das Olympische Komitee verlor den Prozess.

Streit um Chemiefirma Bärlocher

9. März: Die geplante Ausweitung der Chemiefirma Bärlocher war eines der Hauptthemen auf einer Bürgerversammlung des Bezirks Neuhausen-Moosach. Bezirksausschuss und betroffene Anlieger sahen darin eine Gefährdung der Gesundheit für die Anwohner.

Lärmmessungen in Schwabing

9. März: Nachdem Schwabings Wirte mit einer Unterschriftenaktion für eine Verlängerung der Sperrstunde geworben hatten, begann in städtischem Auftrag ein Lärm-Messtrupp mit Messungen, die zeigen sollten, ob die Nachtruhe der Schwabinger durch eine spätere Sperrstunde allzu sehr gestört würde. Der Stadtrat wollte über den Antrag der Wirte erst aufgrund dieser Ergebnisse entscheiden.

Baupläne für Freiham

19. April: Die CSU-Rathausfraktion schlug vor, auf dem rund 300 ha großen Gelände des ehemaligen Gutes Freiham einen "Ergänzungsstadtteil" zu konzipieren, der ca. 20.000 Münchnern/innen neuen, modernen Wohnraum bieten sollte. Gedacht war vor allem an Einfamilienhäuser.

Wahlrecht für Ausländer?

25. April: Der Beschluss der Münchner SPD, sich für die schrittweise Einführung des kommunalen Wahlrechts für Ausländer einzusetzen, stieß in der Münchner Bevölkerung auf Ablehnung.

100 Jahre Bezirksinspektionen

10. Mai: Das Kreisverwaltungsreferat feierte das 100-jährige Bestehen der Bezirksinspektionen. Schwerpunkte ihrer Arbeit waren von an Anfang an der Verbraucher-, der Umwelt- und der Gesundheitsschutz.

Diskussion um Fußgängerzone am Hauptbahnhof

14. Mai: Bei einer Diskussion des Münchner Forums gaben einige Besitzer von Hotels an der Schützenstraße ihrer Befürchtung Ausdruck, ihre Existenz sei gefährdet, wenn die Straße im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes zur Fußgängerzone bestimmt werden sollte. Vier Hotels und eine Tanzschule drohten damit, Entschädigungsforderungen an die Stadt zu stellen, falls es tatsächlich zu der Umgestaltung käme.

Studentenprotest - Asta protestiert gegen das Hochschulrahmengesetz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Stadtarchiv München - Historisches Bildarchiv

Studentenprotest

25. Mai: Rund 1.200 Studenten zogen durch die Innenstadt und protestierten gegen das Hochschulrahmengesetz des Bundes und das Bayerische Hochschulgesetz. Etwa 200 Studenten auf Fahrrädern schlossen sich dem Protestzug an; sie wollten damit auf die schlechte Verkehrsverbindung zwischen dem Stammgelände der TU München und den einzelnen Instituten in Garching hinweisen. Für den folgenden Tag war eine Studentenvollversammlung geplant, auf der "gesamtuniversitäre Streikmaßnahmen diskutiert und beschlossen" werden sollten.

Bischofsweihe im Münchner Liebfrauendom.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Penz)

Neuer Münchner Erzbischof geweiht

28. Mai: "Joseph Ratzinger, der neue Erzbischof der Erzdiözese München und Freising, empfängt im Liebfrauendom die Bischofsweihe [...] Rund 5.000 geladene Ehrengäste aus dem öffentlichen und kirchlichen Leben füllen den Dom [...] Insgesamt 32 Bischöfe nehmen an der Feier teil. Von anderen Religionsgemeinschaften sind der Metropolit der griechisch-orthodoxen Kirche in Bonn, Ireneus, der evangelische Landesbischof Hanselmann, der Bischof der Altkatholiken, Brinkhus, und Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde anwesend [...]"

5 Jahre "Münchner Insel"

3. Juni: Die "Münchner Insel" im Untergeschoss des Marienplatzes feierte ihr 5-jähriges Bestehen. Allein im Jahr 1976 war sie von mehr als 6.000 Menschen aufgesucht worden, die Information und Hilfe in Krisensituationen suchten oder einfach nur ein Gespräch führen wollten.

100 Jahre Deutsches Patentamt

30. Juni: Mit einem Festakt im Kongreßsaal des Deutschen Museums, an dem zahlreiche Ehrengäste aus dem In- und Ausland teilnahmen, feierte das Deutsche Patentamt sein 100-jähriges Bestehen.

Streit um städtische Beteiligung am Kernkraftwerk Ohu

14. Juli: Die Bürgerinitiative "Bürgeraktion Umweltschutz München" wandte sich vehement gegen eine Beteiligung der Stadt am Kernkraftwerk Ohu. "Wenige Tage vor der geplanten Klausurtagung der Stadtspitzen zum Thema Atomstrom stellte das Bündnis die Forderung, der Neubau von Kernkraftwerken müsse unterbleiben, solange die Umwelt- und Gesundheitsrisiken dieser Anlagen so unübersehbar und bedrohlich seien, wie dies gegenwärtig der Fall sei." Am 23. Juli erteilte die Münchner SPD auf einem kernenergie-politischen Parteitag den Beteiligungsabsichten der Stadt mehrheitlich eine Absage. Wenige Tage später kritisierte OB Kronawitter diesen Beschluss. Er warf seinen Parteigenossen vor, sich "ohne ausreichende Erörterung der lebenswichtigen Fragen der Energieversorgung" allzu einseitig festgelegt zu haben."

Justizzentrum in der Nymphenburger Straße eröffnet

Am 1. August nahm das neue Justizgebäude an der Nymphenburger Straße seinen Betrieb auf und konzentrierte damit die meisten der bisher auf elf verschiedene Orte verteilten Gerichte und Staatsanwaltschaften. Der Bau verfügt über 50 Sitzungssäle und Verhandlungsräume sowie 700 Diensträume für Richter und Staatsanwälte.

Münchner Bienenzüchter feiern Jubiläum

27./28. August: Auf dem Nockherberg trafen sich anlässlich der 100-Jahr-Feier des "Münchner Bezirksbienenzuchtvereins" zahlreiche Züchter zum "Bayerischen Imkertag". Zum Programm gehörten ein Festzug, Fachausstellungen sowie ein Festgottesdienst mit Fahnenweihe. Der Münchner Bienenzuchtverein, laut Chronik der größte Ortsverein der Bundesrepublik, zählte 1977 rund 500 Mitglieder mit etwa 7.500 Bienenvölkern.

Das Armeemuseum als Mahnmal?

1. September: Anlässlich des Gedenkens an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1. September 1939) schlug die Junge Union (JU) in einem Brief an Ministerpräsident Alfons Goppel vor, die Ruine des Armeemuseums als Mahnmal des Krieges zu erhalten. Die JU war der Ansicht, man sollte - ähnlich der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin - ein eindruckvolles Nebeneinander von Ruine und Wiederaufbau auf dem Areal gestalten.

Terroristenfahndung in München

6. September: Im Rahmen der Ermittlungen gegen die Mörder von Arbeitgeber-Präsident Hanns-Martin Schleyer mussten sich auch Tausende von Münchnern/innen Ausweis- und Fahrzeugkontrollen unterziehen. Zu erheblichen Behinderungen kam es vor allem an den Autobahneinfahrten nach München.

Ärger um die Münchner Mieterfibel

Am 8. September berichtete der Chronist: "Der Münchner Haus- und Grundbesitzerverein übt heftige Kritik an der vom Münchner SPD-Unterbezirk herausgegebenen Mieterfibel [...] Zu der Adressenangabe von acht ‚mieterfreundlichen Rechtsanwälten' stellen die Hausbesitzer fest, dass ein Anwalt als Organ der Rechtspflege nicht mieter- oder vermieter-, sondern gesetzesfreundlich zu sein habe."

Ehrung für Münchner Originale

23. September: Auf dem Viktualienmarkt enthüllten OB Georg Kronawitter, Stadtbaurat Uli Zech und Kulturreferent Jürgen Kolbe Brunnenfiguren, die an die Münchner Originale Elise Aulinger, Ida Schumacher und den Roider Jackl erinnern. Die Figuren waren von privaten Spendern gestiftet worden.

Constantin-Filmverleih GmbH ist pleite

19. Oktober: Die 12 wichtigsten Filmproduzenten Deutschlands, Luggi Waldleitner, Carl Spiess, Heiner Angermeier u.a. kündigten ihre Verträge mit der Münchner Constantin-Filmverleih GmbH und forderten die Offenlegung ihrer Finanzsituation. Am 24. Oktober schließlich meldete Europas größter Filmverleih Konkurs an.

Arbeitslos im Oktober 1977

31. Oktober: Beim Arbeitsamt München waren 27 778 Münchner / innen als arbeitslos registriert. Damit lag die Arbeitslosenquote bei 3,1 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen wurde auf 3 100 beziffert. 18 100 Personen bzw. 65 Prozent der Erwerblosen waren Angestellte.

München wird Sitz des Europäischen Patentamtes

2. November: Das Europäische Patentamt nahm in angemieteten Räumen mit 110 Mitarbeitern seine Arbeit auf. Wenige Tage später, am 7. November nahm auch die Europäische Schule, die in erster Linie für die Kinder der Bediensteten des Europäischen Patentamts gedacht war, ihren Unterricht auf. Sie war vorerst in der Berlepschstraße untergebracht.

Bürgerinitiative kämpft für die Menterschwaige

12. November: In Harlaching bildete sich eine Bürgerinitiative, die gegen eine Bebauung des Grundstücks der Ausflugsgaststätte "Menterschwaige" kämpfte. Obwohl das von Gabriel Seidl errichtete Lokal unter Denkmalschutz stand und samt seinem Biergarten mit altem Baubestand im Landschaftsschutzgebiet lag, plante die Löwenbrauerei, auf dem Gelände 110 Wohnungen zu errichten.

Weihnachtspost

Da man am Paketpostamt München mit mehr als 6 Millionen Sendungen rechnete, stellte die Post in München 500 zusätzliche Aushilfskräfte ein. Gearbeitet wurde in drei Schichten von 7 Uhr bis 5 Uhr früh.

Wahlkampf-Geplänkel

20. Dezember: Als "makaber und ungeheuerlich zugleich" bezeichneten Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete in einer gemeinsamen Erklärung den Vorwurf des SPD-Unterbezirksvorsitzenden und OB-Kandidaten, Max von Heckel, die CSU sei eine "Bedrohung der Demokratie". Diese Behauptung versuche von der Tatsache abzulenken, dass in der Münchner SPD heute u.a. "Stamokaps, Kommunistenfreunde und linke Ultrastudenten am Drücker" säßen.

Abbildungen zur Chronik 1977

Münchens erster Geldautomat. Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Münchens erster Geldautomat.

Fritz Kistler, Präsident der Stadtsparkasse München, führt das neue Gerät vor, 9. Feb. 1977.

Studentenprotest - Asta protestiert gegen das Hochschulrahmengesetz Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Studentenprotest - Asta protestiert gegen das Hochschulrahmengesetz

Studentenprotest - Asta protestiert gegen das Hochschulrahmengesetz

Bischofsweihe im Münchner Liebfrauendom. Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Bischofsweihe im Münchner Liebfrauendom.

Am 28. Mai 1977 wurde Josef Ratzinger zum neuen Erzbischof der Erzdiözese München und Freising, ...